Archiv für November 2008

Ein Lied vom Kapitalismus

Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, wie es sich unter kapitalistischen Bedingungen darstellt, wird hier erstaunlich treffsicher zur Expression gebracht.

Oder wäre doch eher eine Tiefenhermeneutik auf der Grundlage von Foucaults Macht- bzw. Subjekttheorie angebracht?? (mehr…)

Ein Beitrag zur aktuellen Bildungsdebatte

Ich habe diesen Text zusammen mit Dr. Kollossos geschrieben, nicht nur, um eine kritische Sicht auf die aktuellen Umstrukturierungen zu skizzieren, sondern um die aktuellen Ereignisse aus einem etwas breiteren Blickwinkel zu betrachten, als dies üblicherweise geschieht.
Zudem handelt es sich zugleich um eine „Kritik der Kritik“, wie sie von linker und rechter Seite oft geleistet wird. Sie entpuppt sich in beiden Fällen allzu oft selbst als Teil des Systems und verstrickt sich in dessen immanente Widersprüche.

Zugegebenermaßen sind viele der hier angeführten Thesen sehr grobschlächtig und schablonenhaft. Aber der Sinn von Theorie ist es nunmal, zu abstrahieren – nur so stellt das Denken sicher, möglichst viele Tatsachen zu erfassen und beherrschbar zu machen.
Aber auf jeden Fall wäre viel zustätzliche Erläuterung von Nöten, die wir auf Wunsch auch zu geben bereit sind.

Dr. Kollossos und Thiel Schweiger.

Die üblicherweise mit dem Begriff der „Neoliberalisierung“ bezeichneten Modernisierungsprozesse, machen auch vor dem Segment der Bildung nicht halt. Die größtenteils studentisch-akademische Herkunft linker Aktivisten hat dazu geführt, dass gerade diesem Prozess in diesem Milieu eine besondere Aufmerksamkeit zu teil wird – für den überwiegenden Teil der Bevölkerung ist diese Präferenz wohl nur bedingt nachvollziehbar. Das heißt nicht, dass es weniger richtig wäre, das kapitalistische Ausbildungssystem zu kritisieren als andere Bereiche der kapitalistisch organisierten Menschenbe- und vernutzung. Irgendwo muss man schließlich anfangen, wenn man es nicht gleich bei der Frage nach der Henne und dem Ei tun will. Aber es ist immer vom Vorteil, sich bewusst zu werden, dass auch man selbst eine bestimmte soziale Stellung in diesem Betrieb einnimmt und von dieser wie jeder andere auch beeinflusst wird.

Ebenso wichtig ist es darauf hinzuweisen, dass die Prozesse, die wir gerade beobachten und deren Leidtragende wir sein mögen, letztendlich nur graduelle Verschiebungen innerhalb des vom Kapitalismus bereits seit Jahrhunderten vorgegebenen Gesamtrahmens sind. Allem linken Gerede vom „Neoliberalismus“ zum Trotz leben wir nach wie vor in keiner wesentlich neoliberalen sondern in einer wesentlich kapitalistischen Gesellschaft, in der Bildung schon immer wesentlich kapitalistischen Zwecken unterworfen und damit nie eine besonders lobenswerte Angelegenheit war. Versteht man dies einmal, erscheinen auch die aktuellen Veränderungen im Bereich der Bildungspolitik weniger willkürlich, als sie es auf den ersten Blick sein mögen und können erst in dieser Hinsicht wirklich korrekt verstanden werden – nämlich als die neueste Erscheinungsform eines Systems, das schon immer kritikabel war und es nicht erst seit der PISA-Debatte und der Einführung der Studiengebühren ist.

Ganz abstrakt betrachtet dient das kapitalistische Bildungssystem dazu, die nun mal nicht von Geburt an für das Leben in der bürgerlichen Gesellschaft tauglichen Menschen fit für deren Anforderungen zu machen. Die konkreten Mittel, mit denen der Staat oder auch andere Instanzen dies zu realisieren versuchen, mögen mit den jeweiligen Anforderungen wechseln – wenn jedoch der Staat einmal wesentlich davon abweichen würde, würde er „untaugliche“ Individuen hervorbringen und könnte in der internationalen Konkurrenz der Staaten nicht langfristig bestehen. Ein Beispiel für den Misserfolg immanenter Veränderungen des Bildungssystems ist das individuelle Scheitern vieler Absolventen von alternativen Reformschulen in der kapitalistischen Lebenswirklichkeit (Stichwort: Summerhill). (mehr…)

Alles zerfließt

Schade, gestern noch habe ich stolz den ersten Schnee verkündet und heute sind nur noch ein paar kümmerliche Reste davon auf den Auto- und Häuserdächern, fast so, als hätte ich mir die fast schon winterlich anmutende Schneedecke gestern nur eingebildet. Muss einem denn die Natur immer einen Strich durch die Kalkulation machen! Kann denn nicht einmal etwas beständig bleiben! Man kommt sich ja vor wie ein Immobilienspekulant in Spanien, auch wenn dort wahrscheinlich kein Schnee, sondern Regen liegen wird, wobei letzterer nicht liegen, sondern sich nur in Pfützen befinden kann! Und wenn das dann auch noch wegen der Symbolik erster Schnee – erster Eintrag ein schlechtes Omen bedeutet! Herr Gotts Sakrament!

Durchatmen.

Jaja, so ist das im Leben…

Leise rieselt der Schnee

Heute hat es zum ersten Mal geschneit in Frankfurt am Main, und das sogar ziemlich stark. Eigentlich eine passabler Anlass, an diesem denkwürdigen Datum (eigentlich war es schon gestern), den ersten Beitrag auf dieses Blog zu posten, selbst wenn ich vom Schnee nicht viel hatte, weil ich viel zu lange geschlafen habe und dann einen Text für die Uni schreiben musste.

Aber egal. Um diesen feierlichen Anlass weiter auszugestalten, folgt nun ein Gedicht von Charles Baudelaire in der Übersetzung von Stefan George, das zu dieser Jahreszeit passt:

Nebel und Schlossen

Herbstende! winter! frühling mit schlammigem eise!
Ihr schläfernden zeiten des jahrs – ich liebe und preise
Was mein gemüt und meine gedanken umgab
Mit dunstigem leintuch und mit verschwommenem grab.

Spielt in der ebne der kalte sturm und der reiser
Und wird in langen nächten die windfahne heiser:
Dann öffnet – wie nie in lauer frühlingszeit -
Die Seele ihre rabenfittiche weit.

Nichts süsser für ihn dem alles erfüllt ist mit trauer
Und der seit langem in eurem reife gefriert-
Ihr bleichen Himmel die ihr unsre länder regiert-

Als dieser beständige anblick von dämmer und schauer.
- Nur schläfern wir manchmal an mondlosem abend zu zwein
Auf einem gewagten bette die schmerzen ein.

Sämtliche Werke in 18 Bänden. Bd. 13/14: Baudelaire. Die Blumen des Bösen. Umdichtungen

Dieses Gedicht gibt zwar weder meine aktuelle Stimmungslage noch (leider?) meine aktuelle Lebenssituation wieder, aber ich finde es trotzdem passend.

Die lachende Kuh kann hiermit zu kichern beginnen!

Gegenstandpunkt Referent beweist Unkenntnis in Sachen ökomischer Grundlagen

Neulich konnte ich mich dazu durchringen, einen Vortrag des Gegenstandpunkts zu besuchen, trotz vereinzelt schlechter Erfahrungen. Mein Besuch war dem Thema der Veranstaltung geschuldet, der Referent Michael Horn versprach eine marxistische Erklärung der Finanzmarktkrise. Insgesamt konnte ich dem Vortrag einiges Interessante abgewinnen, trotz kleiner Schwächen, wie beispielsweise die verwegene Behauptung das Wirtschaftswachstum würde einem Wachstum der Geldmenge gleichkommen. Der entscheidende Fehler des Referenten unterlief ihm aber in der Einschätzung der ökonomischen Bedeutung der Geldmenge selbst. Anstatt dessen Wirkung innerhalb Zirkulationsprozess zu benennen und dem Publikum klarzumachen, dass eine Steigerung der Geldmenge in der Funktion als Geldkapital nach Verwertungsmöglichkeiten sucht und damit die Möglichkeit der Entstehung einer Spekulationsblase begünstigt, wurde dieser Sachverhalt von Genosse Horn labidar beiseite geschoben. Doch zur Einschätzung der derzeitigen Krise ist gerade der Sachverhalt des „billigen Geldes“ zentral.
So schreibt Michael Heinrich in er Phase 2:
„Nach dem Platzen der New-Economy-Blase im Jahre 2000 hatte die US-amerikanische Zentralbank die Leitzinsen zwischen Januar 2001 und Mitte 2003 von 6,5 auf nur noch 1 Prozent abgesenkt, um die Investitionen über billige Kredite wieder anzukurbeln. Für zwei bis drei Jahre lagen die Zentralbankzinsen sogar unterhalb der Inflationsrate. Sinkende Zinsen machten auch den Kauf von Häusern attraktiv, und in den eigenen vier Wänden zu leben, ist in den USA über alle Klassen hinweg ein akzeptiertes Ziel. Zwischen 2000 und 2005 hat sich die Summe der Hypotheken fast verdreifacht. Die stark wachsende Nachfrage nach Häusern ließ die Immobilienpreise trotz zunehmender Bautätigkeit um 10 bis 20 Prozent pro Jahr steigen, was die Banken zu einer immer riskanteren Kreditvergabe verleitete.“
Bei aller Marx-Fixiertheit des GSP: für eine Kritik der politschen Ökonomie sollte man schon seine Hausaufgaben machen!




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