Gegenstandpunkt Referent beweist Unkenntnis in Sachen ökomischer Grundlagen

Neulich konnte ich mich dazu durchringen, einen Vortrag des Gegenstandpunkts zu besuchen, trotz vereinzelt schlechter Erfahrungen. Mein Besuch war dem Thema der Veranstaltung geschuldet, der Referent Michael Horn versprach eine marxistische Erklärung der Finanzmarktkrise. Insgesamt konnte ich dem Vortrag einiges Interessante abgewinnen, trotz kleiner Schwächen, wie beispielsweise die verwegene Behauptung das Wirtschaftswachstum würde einem Wachstum der Geldmenge gleichkommen. Der entscheidende Fehler des Referenten unterlief ihm aber in der Einschätzung der ökonomischen Bedeutung der Geldmenge selbst. Anstatt dessen Wirkung innerhalb Zirkulationsprozess zu benennen und dem Publikum klarzumachen, dass eine Steigerung der Geldmenge in der Funktion als Geldkapital nach Verwertungsmöglichkeiten sucht und damit die Möglichkeit der Entstehung einer Spekulationsblase begünstigt, wurde dieser Sachverhalt von Genosse Horn labidar beiseite geschoben. Doch zur Einschätzung der derzeitigen Krise ist gerade der Sachverhalt des „billigen Geldes“ zentral.
So schreibt Michael Heinrich in er Phase 2:
„Nach dem Platzen der New-Economy-Blase im Jahre 2000 hatte die US-amerikanische Zentralbank die Leitzinsen zwischen Januar 2001 und Mitte 2003 von 6,5 auf nur noch 1 Prozent abgesenkt, um die Investitionen über billige Kredite wieder anzukurbeln. Für zwei bis drei Jahre lagen die Zentralbankzinsen sogar unterhalb der Inflationsrate. Sinkende Zinsen machten auch den Kauf von Häusern attraktiv, und in den eigenen vier Wänden zu leben, ist in den USA über alle Klassen hinweg ein akzeptiertes Ziel. Zwischen 2000 und 2005 hat sich die Summe der Hypotheken fast verdreifacht. Die stark wachsende Nachfrage nach Häusern ließ die Immobilienpreise trotz zunehmender Bautätigkeit um 10 bis 20 Prozent pro Jahr steigen, was die Banken zu einer immer riskanteren Kreditvergabe verleitete.“
Bei aller Marx-Fixiertheit des GSP: für eine Kritik der politschen Ökonomie sollte man schon seine Hausaufgaben machen!


3 Antworten auf “Gegenstandpunkt Referent beweist Unkenntnis in Sachen ökomischer Grundlagen”


  1. Gravatar Icon 1 Thiel Schweiger 25. November 2008 um 1:19 Uhr

    Ja, ich war zwar bei keinem Vortrag zu dem Thema, aber aus Gesprächen mit Leuten aus dem GSP-Umfeld konnte ich Ähnliches schließen. Von der Finanzkrise schienen die überraschend wenig zu wissen.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, den Zusammenhang zwischen Leitzins und durchschnittlicher Profitrate zu betrachten – worin ja eben der strukturelle Grund der Krise zu finden ist – der tendenzielle Fall der Profitrate. Man kann an Diagrammen recht schön aufzeigen, wie die Leizinsen seit den 50ern kontinuierlich gesunken sind – das kann man durch als empirischen Beweis für die Wirksamkeit dieses Gesetzes lesen.

    Seltsamerweise senken die Zentralbanken die Zinsen ja derzeit noch weiter und das Rettungspaket der Regierungen pumpt ebenfalls massenhaft Geld in die Wirtschaft – natürlich kann die Regierung nicht anders, aber wenn das obige stimmt, bereiten sie damit ja genau die nächste Krise vor, weil das Kapital wieder keine profitablen Anlagemöglichkeiten finden, wieder in die Spekulation getrieben und wieder massenhaft vernichtet wird.

    2040 ist der Kapitalismus am Ende – laut Wallerstein.

  2. Gravatar Icon 2 pöbelnder Zwischenrufer 29. März 2012 um 13:20 Uhr

    ich empfehle die lektüre des GS 2/09 in der implizit angesprochen wird(es wird nicht erwähnt aber die Erklärung widerlegt warum die Geldmenge, „billiges“ Geld nicht so wichtig ist.)

  1. 1 classless Kulla Trackback am 07. März 2009 um 15:12 Uhr

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