Worte am Freitag

Derzeit flackert mal wieder der Bürgerkrieg im Nahen Osten auf und in der Linken reiht sich Unsäglichkeit und Unsäglichkeit. Etwa dieser Beitrag, in dem sich als solche definierende Juden selbst zitiert werden, die im Vorgehen Israels einen „Holocaust“ erkennen möchten. Die skandalösen Vorfälle bei Antifademos (sicher nicht nur) in Frankfurt, auf denen Träger_Innen von Israelflaggen aggresiv bedroht und/oder verprügelt wurden. Oder die zahlreichen Demos, bei denen vor allem eins nicht fehlen, darf: das Palituch.

Doch auch für zahlreiche Jugendliche, die sich alternativ fühlen oder einfach nur den gewissen Retrochic suchen, gehört dieses Kleidungsstück zum Standardaccesoire. Auch in zahlreichen Boulevardformaten wird es gelehrt: Hauptsache chic – die Semantik der Kleidung, die man trägt zählt nicht, auch wenn diese stets doch erhalten bleibt.

Gerade so, als wäre es etwa okay und cool, aus Gründen des Styles mit Ku-Klux-Klan-Kostümen rumzulaufen, um ein polemisches Parallelbeispiel zu geben.

Im Sinne einer Politisierung der Mode, die dieser Entpolitisierung entgegenläuft, will ich mich garnicht weiter aufhalten, sondern einfach auf diesen exzellenten kleinen feinen Blog verweisen, auf dem jedeR Interessierte kleine Basisbanalitäten zu dem „chicen“ Wisch nachlesen kann:

Auch wenn es umstritten und auch müßig ist, für welche Seite des Konflikts – sofern es überhaupt nur zwei Seiten gibt – man nun obsolete Solikundgebungen zur Stärkung der eigenen Identität und Verwunderung der Passanten veranstaltet: für eine regressive Nationalbewegung Solidarität zu ergreifen sollte selbst für jemanden, der nicht extrem politisiert ist eigentlich tabu sein, sofern er und/oder sie nicht gerade regressive Nationalbewegungen allgemein gut findet.

In diesem Fall sollte man sich mal ein paar gute Argumente zu Gemüte führen.

Einen kleinen Überblick über die aktuelle Situation des Antisemitismus und Antizionismus bietet dieser Text der Antifa Horgau.

(Ich stimme diesem Text nicht vollständig zu, halte ihn aber zur Verdeutlichung der Relevanz dieses Problems für sehr hilfreich. Zu ergänzen wäre noch, dass gerade auch der Linken – nicht zuletzt global betrachtet – extreme antizionistisch und oft sogar antisemitische Feindbilder pflegt, wenn es um den Nahostkonflikt geht. Ein bedenklicher Zustand, dem man dringend entgegentreten sollte, gerade angesichts einer drohenden neuen Eskalation des Konflikts im Zeichen des jüngsten israelischen Wahlergebnisses.)


23 Antworten auf “Worte am Freitag”


  1. Gravatar Icon 1 dig_it 20. Februar 2009 um 14:17 Uhr

    Was die Kufija angeht so war diese schon Jahrhunderte bevor sie durch den Grossmufti politisiert wurde ein traditionelles Kleidungsstück der arabischen Welt, sodass man meiner Meinung nach kaum von einer eindeutigen Kleidungssemantik sprechen kann.
    Auch die Tatsache dass die Kufija vom Islamischen Jihad über die PFLP bis zur Fatah quer durch alle politischen Lager getragen wird stützt die Tatsache dass die „Bedeutung“ dieses Kleidungsstückes eher die eines sehr diffusen Nationalgefühls ist, als die eines eliminatorischen Antisemitismus oder überhaupt konkreter Politik.
    Tätsächlich ist es exakt diese undefinierte und vage Semantik die die Kufija für alle politischen Kräfte der arabischen Welt tragbar macht. Wer aber natürlich den Pluralismus der arabischen politischen Bewegungen per se negiert und meint dass mit dem Label Antisemitismus (was natürlich auch oft wenn nicht meistens zutrifft) alles nötige charakterisiert werde, für den bewegt sich von der Politik bis zur Kleidungssemantik alles in sehr monokausalem Rahmen.

    P.S.: Nur interessehalber, inwiefern stimmst du dem Text der Antifa Horgau nicht komplett zu?

  2. Gravatar Icon 2 McMammon 20. Februar 2009 um 18:04 Uhr

    Fällt dir nichts auf liebe/r dig_it? Islamischer Djihad, PFLP, Fatah, Hamas. Was diese Organisationen eint, ist doch gerade der Antisemitismus in seiner globalpolitischen Form.
    Ich halte die Diskussion um dieses schon optisch nicht gerade sonderlich ansprechende Stück Stoff für vollkommen übertrieben, aber welche Argumente dessen Befrworter/innen anbringen ist schon reichlich lächerlich.
    Würde jemand die Swastika heute als pluralistisches Symbol definieren, weil es auch okkulte Bewegungen wie der Buddhismus verwende(te)n?
    Das Verhältnis von Signifikant und Signifikat kann einem Wandel unterworfen sein, dennoch lässt es sich weder ahistorisch deuten noch als Summe aller bestanden habenden Verknüpfungen beschreiben.

  3. Gravatar Icon 3 Thiel Schweiger 24. Februar 2009 um 19:10 Uhr

    Ja, den Pluralismus der palästinensischen Bevölkerung und ihrer politischen Gruppen zu leugnen, ist in der Tat ein häufiges Manko. Dabei bekämpfen sich Fatah und Hamas ja sogar bis aufs Blut.

    Für die israelische Gesellschaft gilt natürlich dasselbe.

    Ich finde, gerade als jemand, der den Frieden will, sollte man nicht nur die friedensfreundlichen kräfte in Israel, sondern auch die Fatah unterstützen. Denn nur ein Erstarken der Fatah kann mE zu einer friedlichen Lösung beitragen.

    Ansonsten kann ich mich aber den Worten meines Vorschreibers nur anschließen: nur, weil sich auch weniger schlimme Organisationen mit dem Palituch schmücken, wird dadurch dessen negativer Symbolgehalt nicht nivelliert.

    Zudem es sich ja auch etwa bei der Fatah etwa um keine wirklich sondern nur vergleichsweise progressive Organisation handelt.

    Zu meiner Kritik am Antifa Horgau-Text: Ehrlich gesagt: Im Grunde ist der Text schon in Ordnung.

    Das Kernargument stimmt ja: die Shoa und ihre drohende Wiederholung erzwingen ein starkes Israel.

    Andererseits ist das Leid, das heute von Israel ausgeht, ja auch keine antisemitische Fiktion, und auch das zionistische Projekt als solches wies schon immer Ambivalenzen auf, die man immer mitdenken sollte.

    Die grundsätzliche Sympathie mit der „jüdischen Sache“, wie ich sie hier mal vllt undifferenziert nenne, darf nicht zu blinden Apologie jedweden Unrechts führen, das im Namen derselben verübt wird. Denn diese Sache bedarf weder besonderer Nachsicht, die über eine rationale Einschätzung der Spezifika Israels hinausgeht, noch besonderer Kritik.

    Manche Israelfreunde verteidigen die israelische Politik ja sogar soweit, dass sie Israels Aktionen ernsthaft als Racheakte rechtfertigen.

    Aber ich bin ganz zuversichtlich, dass das die (Anti-)Horgauer machen, so wie ich sie kenne.
    Eigentlich ist das keine Kritik, sondern nur eine Ergänzung.

  4. Gravatar Icon 4 Thiel Schweiger 25. Februar 2009 um 4:02 Uhr

    Gibt im Übrigen noch ein Kleidungsstück, das keinen emanzipatorischen Kehlkopf bedecken sollte: einen Schal des lokalen Sportvereins.

    Der sieht garantiert nicht gut aus und ist auch aus emanzipatorischen Gesichtspunkten völlig daneben, würde ich sagen.

  5. Gravatar Icon 5 Kuckkuck 26. Februar 2009 um 18:54 Uhr

    @T.S.: Kannst ja mal begründen, warum nur das Erstarken der Fatah zum Frieden führt.
    P.S.: was ist mit dem Schal des überregionalen Lieblingsvereins?

  6. Gravatar Icon 6 Thiel Schweiger 26. Februar 2009 um 20:43 Uhr

    Ja, den hatte ich vergessen stimmt.

    Aber der ist ja in der linken auch nicht so verbreitet.

    Zu deiner anderen Frage:

    Es gibt halt derzeit soweit ich das sehe zwei starke Lager bei den Palästinsern: die Fatah und die Hamas. Und da die Hamas nicht kompromissbereit ist – wie man ja schon an ihrem Programm, aber auch an ihrer Politik sehen kann – und die Fatah gemäßigt und säkular, denke ich, dass die Fatah eher in der Lage ist, zu einem Kompromiss beizutragen.

    Natürlich ist ein Entgegenkommen von beiden Seite von Nöten. Auch die Siedlerlobby in Israel muss überstimmt werden.

    Reicht dir das als Begründung aus?

  7. Gravatar Icon 7 Kuckkuck 26. Februar 2009 um 22:10 Uhr

    Es würde mir reichen, wenn es wahr wäre. Aber die Fatah war noch nie gemäßigt, und daß sie säkular sei (was sie nicht besser macht), traf vielleicht noch vor 20 Jahren zu. Da sie also genausowenig bereit zu einem Kompromiß ist wie die Hamas, sieht es, wenn man stets nur diplomatisch und die Fatah relativierend denkt, schlecht aus mit Frieden. Daher bringt es dann auch nichts, irgendwelche Siedlungen aufzulösen oder noch mehr Millionen den Mörderbanden in den Rachen zu schmeißen.

    Bald ist übrigens der 6.3. und es wird sich das Massaker in der Rav-Schule zum ersten Mal jähren. Die Fatah-Taz von Abbas nannte den feigen Mörder Shahid, während er selbst für die westlichen Kameras sagte, daß so etwas natürlich nicht legitim sein könne. Als Israel die sog. wedding-Prozessionen für den Shahid absagte, und ihn im Morgengrauen ohne Ehren bergaben ließ, war die Trauer natürlich groß in Abbas‘ Tagesblatt (das Leid, das von Israel ausgeht, ist wahrlich keine reine Fiktion). Aber man wäre nicht vergleichsweise progressiv, hätte man den Mörder von acht Schülern nicht doch noch drei Tage lang so richtig abgefeiert.

    P.S.: was ist mit anderen Fanartikeln, wie Trikots, Tassen oder Zauberwürfeln? Auch nicht emanzipatorisch? Aber so ’ne Lederhose vom FCB, die ist doch bestimmt emanzipatorisch, oder?

  8. Gravatar Icon 8 Dr. Kollossos 26. Februar 2009 um 23:14 Uhr

    ich bin mir nicht so sicher, ob man bei der Fatah von einer gemäßigt säkularen Organisation sprechen kann. Während der al-aksa-intifada hat sie sich ein regelrechtes battle geliefert mit der hamas in sachen suicide-bombing!

  9. Gravatar Icon 9 Thiel Schweiger 27. Februar 2009 um 4:40 Uhr

    „P.S.: was ist mit anderen Fanartikeln, wie Trikots, Tassen oder Zauberwürfeln? Auch nicht emanzipatorisch? Aber so ‘ne Lederhose vom FCB, die ist doch bestimmt emanzipatorisch, oder?“

    Meine Güte, was soll das denn jetzt?

    Ja ich weiß – meine Kritik war extrem partikular und bauchlastig. Es geht mir einfach nur darum, dass ich den Trend in Antifakreisen, sich an der bescheuerten lokalen Fankultur zu beteiligen nicht gut finde. Von wegen „Ultras Frankfurt“ und so.

    Nicht mehr und nicht weniger.

    Da schluckt man den fußballerischen Kollektivismus, den Lokalpatriotismus, die hooliganistische Gewaltverherrlichung, den Maskulinismus einfach mal mit und meint sogar, das hätte irgendwas mit Antifa zu tun.

    Geh mal ins JUZ Bockenheim nach Ffm – da schmieren die sogar ihr Logo an die Wand, die Burschenschaftler.

    Wir gesagt – ist partikular und tendenziell verkürzt, klar. Aber wenn man den Anspruch hat, am Projekt der Emanzipation an vorderster Front beteiligt zu sein, muss man sich halt auch daran messen lassen.

    Und ich sage garnicht, dass ich da besser wäre. Ich mache auch ganz viel antiemanzipatorischen Kram. Aber es geht eben immer noch eine Etage tiefer, sagen wirs mal so.

    Ich weiß wenigstens darum und versuche es partikular zu ändern. Praxis ist halt notwendig partikular. Im Guten wie im Schlechten.

    @ Fatah:

    Gut, mag sein, dass ich da falschen Quellen aufgesessen bin. Im Augenblick erscheint die Fatah halt als bessere Alternative zur Hamas, aber an Faktenwissen mangelt es mir in dieser Debatte leider (wohl auch, weil ich sie schlichtweg für ziemlich unerheblich halte).

    Aber das der Abbau der Siedlungen nötig ist, wirst du ja wohl nicht bestreiten können. Ein palästinensischer Staat muss lebensfähig sein können (genauso wie der israelische).

    BTW: Natürlich kann ich es verstehen, wenn die Siedler sich dagegen wehren, dass ihre Siedlungen geräumt werden. Ist halt scheiße aus ihrer Sicht: erst werden sie vom Staat dahin verfrachtet, dann ändert der Staat plötzlich seine Politik und sie stehen dumm da. Da würde ich wohl auch dagegen auf die Straße gehen.

    Am besten wäre es, wenn sich die israelischen und die palästinensischen Proletarier_Innen einfach verbrüdern und gemeinsam einen demokratisch-sozialistischen Staat aufbauen oder vielleicht sogar die Weltrevolution anstoßen würden.

    Aber Religion, Nationalismus, Kulturindustrie, Fetisch etc. verhindern das leider.

    (comment: bin betrunken, deshalb schreibe ich in Klassenkampfsprache ^^)

  10. Gravatar Icon 10 dig_it 28. Februar 2009 um 17:01 Uhr

    Eine „progressive“ Kraft gibt es wohl nicht in Palästina, soviel steht wohl fest, heissen tut das noch nicht viel, Frieden wird schliesslich mit Feinden geschlossen.
    Was aber die Fatah angeht, so ist es allgemein anerkannte historische Tatsache das sich diese bereits seit Anfang/Mitte de 70′er Jahre für die Zwei-Staaten Lösung einsetzte,und als deren penetrante Verhandlungsangebote schliesslich begannen den israelischen „rejectionism“ mehr und mehr international zu diskreditieren entschied sich Begin in den Libanon einzumarschieren und die PLO auszulöschen.
    Dennoch hat die PLO/Fatah stets an der Zwei-Staaten Lösung festgehalten und sogar mit den Osloer Verträgen den historisch singulären Schritt gemacht mit dem eine Befreiungsorganisation zum de-facto Vassalen des Besatzers machte.
    Was die Al-Aqsa Intifada angeht, ist es auch hier gelinde gesagt absurd Fatah und Hamas nach dem Motto „beide töten Juden“
    gleichzusetzten, den während die Gewalt raison d‘etre der populistischen Hamas-Politik ist (in der sich mittlerweile, wie damals bei der PLO, auch Brüche zeigen, nun da sie mit der Realität konfrontiort wird), war sie bei der Fatah Konsequenz der jedem internationalen Recht spottenden israelischen Angebote der Verhandlungen von Camp David.

  11. Gravatar Icon 11 Kuckkuck 28. Februar 2009 um 21:42 Uhr

    Ach, ich antworte doch nicht. Bleib bloß weiterhin uninteressiert bei dem Thema, T.S., und verscheuch die Sache mit den Siedlungen, die dig_it dir wahrscheinlich bereits ins Ohr gesetzt hat, wieder aus deinem Hirn.

  12. Gravatar Icon 12 Thiel Schweiger 02. März 2009 um 0:54 Uhr

    Ohne Argumente werde ich das sicher nicht vergessen.

    Und ich bin nicht uninteressiert zu dem Konflikt, ganz und garnicht. Ihm gilt nur nicht meine primäre Aufmerksamkeit, das ist alles.

  13. Gravatar Icon 13 Kuckkuck 07. März 2009 um 22:10 Uhr

    Also Argumente habe ich bei dig_it auch nicht gefunden. Nur Behauptungen, die stets darauf hinauslaufen, daß eigentlich nur die israelische Politik seit fast 40 Jahren dem Frieden im Weg steht; was sich mit der Zeitspanne deckt, in dem die islamisch-arabischen feindlichen Nachbarn es aufgegeben haben, Israel in einem konventionellen Krieg zu vernichten. Bei Camp David ist selbst Clinton angesichts von Arafats „Sturheit“ rot vor Wut geworden. Der aber hatte sie längst geplant gehabt nach der Aussage von Imad Al-Faluji, der, nachdem ihm von Arafat eingeheizt wurde, später behauptete, nie so etwas gesagt zu haben. Fatah/PLO auf dem Weg zum Frieden, Anerkennung Israels etc. anfang der 70er? Ausrufung des Stufenplans (unterm Propagandanamen aka Ten Point Program) als Reaktion auf die militärische Schwäche, außerhalb Münchens auf einem Flughafen war damals auch etwas, da wurde etwas, was dem Avatar dig_its ähnelt, in einen Hubschrauber geworfen, der dann explodierte und viele Taten des Friedens und der Anerkennung mehr, die dann wahrlich zum Einmarsch Israels, dessen abgrundtiefer Haß auf alles Nichtjüdische von der kompromißlosen Friedensbereitschaft der PLO ja wie von selbst eine neue Qualität annehmen mußte, in den Libanon führten. Wer aber Fatah und Judenvernichtung zusammenbringen will, der äußere Absurdes. Alles klar. Und man hat ja auch noch nie Fatah-Kämpfer den Hitler-Gruß performen sehen. Vielleicht lohnt ja auch mal ein Blick in die Doktorarbeit Abu Mazens, dem aktuellen Führer der „Befreiungsorganisation“, die sich zum de-facto Vasallen degradiert habe…

    Wenn es keine „progressive Kraft“ gibt, dann bringe ich hier auch mal eine Binse an: (regressive) Feinde können auch zur Kapitulation gezwungen werden.

  14. Gravatar Icon 14 Thiel Schweiger 10. März 2009 um 5:01 Uhr

    Ich verlinke hier mal ein kleines Textchen aus dem Jahr 2002, das aber an seiner Aktualität kaum etwas verloren haben dürfte:

    http://www.krisis.org/2002/auf-dem-minenfeld

    Sicher wird damit nicht alles getroffen, was unter dem Label „antideutsch“ firmiert. Aber doch genug.

  15. Gravatar Icon 15 Kuckkuck 11. März 2009 um 21:46 Uhr

    Ich weiß nicht, warum du das jetzt verlinkst (damit ich die Minen räume?). Es gibt nichts her über die Frage, wie progressiv die Fatah und Abbas oder Arafat sind oder waren. Nur so etwas wie eine Hintergrundprämisse, daß sie so schlimm schon nicht sein wird (und wenn: Israel ist mindestens genauso schlimm) und daß auf keinen Fall Vernichtungsantisemitismus in ihr zu finden sei, was ja dann doch etwas ist, den Fakten aber nicht standhält.

  16. Gravatar Icon 16 Thiel Schweiger 12. März 2009 um 18:25 Uhr

    Ja, ich gebe zu, dass der Text mit der Diskussion nichts bis garnichts zu tun hat, sondern nur eine allgemeine Ergänzung zu dem Thema nahostkonflikt darstellt.

    Zu deinen Ausführungen über die Fatah kann ich nichts sagen.

  17. Gravatar Icon 17 dig_it 17. März 2009 um 21:33 Uhr

    Die historischen Binsenweisheiten des Kuckucks sind ebenso populär wie sie falsch sind.
    Fakt ist: die Angebote Israels bei den Verhandlungen von Camp David treffen in keinem Punkt auch nur ansatzweise die Axiome des internationalen Konsenses, der von allen Nationen der Welt (außer den USA, Israel, Nalau, Palau, Mikronesien und den Marshall Islands…) vertreten wird.). Sämtliche dieser Vorschläge kommen prozentual nicht einmal im entferntesten an die Grenzen von ’67 heran. Der in Camp David konzipierte „Staat“ hätte de facto die Aufteilung der Westbank in mindestens zwei voneinander weitgehend isolierte Homelands (ganz zu schweigen von der Zerstückelung durch israelische Schnellstraßen) bedeutet. Dem Absatz der UN Resolution 242 der darauf bestand dass ein eventueller Gebietsaustausch „minor and mutual“ zu sein habe gedachte man dadurch nachzukommen den Palästinensern für die fruchtbarsten Gebiete des Westjordanlandes ein Stück Wüste im Negev zu geben.
    Im januar 2001 wurde dann scheinbar zum ersten Mal in der Geschichte die israelische Verweigerungshaltung durchbrochen, in Taba wurden die Clinton-Parameters verhandelt. Im Vorfeld dieser Verhandlungen äusserten beide Seiten Kritik an diesen „Parameters“, dennoch schien man einer Einigung nah, doch dann wurde durch Barack, der eventuelle Zusagen aufgrund der abzusehenden Wahlniederlage ohnehin nicht einhalten konnte, die Verhandlungen unilateral beendet.
    Was den „Schwarzen September“ angeht: Erstens: Es ist keine Verbindung dieser Gruppe zur Fatah definitiv nachgewiesen.
    Zweitens: Mit dem Libanonfeldzug hat das schon einmal garnichts zu tun, den der war zehn Jahre später.
    Drittens: Der offizielle Auslöser für den ersten Libanonkrieg war der Anschlag auf den israelischen Botschafter in London durch die Abu-Nidal Gruppe die nicht nur nichts mit der PLO (oder Fatah) zu tun hat, sondern mit dieser verfeindet ist.
    Dem Einmarsch ging eine Waffenruhe voraus an die sich die PLO hielt, die Israel jedoch immer wieder durch gezielte Provokationen zu hintertreiben versuchte.
    Soviel zu den Fakten.

  18. Gravatar Icon 18 Kuckuck 18. März 2009 um 22:56 Uhr

    Also, ich halte mich an die Aussagen von Dennis Ross und Bill Clinton. Beide sehen die Ursache des Scheiterns in Arafat. Clinton sagte über Arafat (vielleicht ihn etwas zu stark psychologisierend), daß er nicht zustimmen konnte und wollte: „pride goes before the fall“. Ross kritisiert dann auch die Auffassung, die du vertrittst. Nachdem nach ca. einem Jahr die Clinton/Ross-Auffassung langsam infragegestellt wurde, wies er darauf hin, daß die vorgeblich Existenz eines Angebots eines zwei- oder dreigeteilten Westjordanland eine Fehlinterpretation der PLO ist, die es als Endangebot von Camp David dann hingestellt hat. Stattdessen käme Arafat hier wie in Taba stets mit den Flüchtlingen, woran Taba ja auch nur scheiterte (daher Baraks Rückzug).
    München hatte in der Tat mit dem Libanonfeldzug nicht direkt etwas zu tun, habe ich auch nicht behauptet. Doch es war leider so, daß es irgendwann zuviele Anschläge und Raketen wurden. Die PLO machte damals in der Intensität nichts anderes als die Hamas heute. Zwar wurden noch UN-Truppen eingesetzt, die jedoch versagten. Aber gezielte Provokationen Israels, die dem Krieg vorausgingen? Ach ja, so nennt man das ja in gewissen Kreisen, wann immer die IDF einschreitet, weil es für die Bürger Israels kein Leben mehr ist in den Bunkern oder fernab von zu Hause. Fehlt eigentlich nur noch, daß sie unverhältnismäßig waren, Damals also im Norden, war es vor kurzem bekanntlich wieder im Süden der Fall. Ein Glück, daß du erkennst, daß die PLO/Fatah nicht progressiv ist und es auch damals nicht war. Warum verteidigst und relativierst du sie nur so? Nichts spricht für sie, auch nicht vom libanesischen Standpunkt damals. Zur ANO: genau, ihr Attentat war der Auslöser. Aber die Ursache war die andauernde Gewalt der PLO (auch während des Waffenstillstands) und das enorme Kriegsmaterial der PLO, das sich mehr und mehr angehäuft hatte. Und damals war es schon so, daß für die „Befreiungsorganisation“ nicht einmal unbedingt das israelische Militär der Gegner war, sondern vor allem die Zivilbevölkerung.

  19. Gravatar Icon 19 Kuckuck 19. März 2009 um 23:45 Uhr

    Der internationalen Bedeutung von „gemäßigt“ mal wieder öffentlich spottend (oder wie kommt man zu einem Kompromiß, wenn man die andere Seite gar nicht anerkennt?): http://www.israpundit.com/2008/?p=11055#more-11055

  20. Gravatar Icon 20 dig_it 24. März 2009 um 18:47 Uhr

    Zu den Grenzen: Fehlinterpretation der PLO? In den ganzen Büchern die jemals über den Nahen Osten gelesen habe sind mir diese Karten mindestens ein dutzendmal über den Weg gelaufen (auch bei Dershowitz). Selbst Shlomo Ben Ami, einer der israelischen Unterhändler gesteht die Unannehmbarkeit dieser Vorschläge ein.
    Die angeblichen Forderungen bezüglich der Flüchtlinge sind ein Mythos, es existieren keinerlei Bewiese die diese Auffassung stützen. Zwar bestand die PLO darauf Verhadlungen auf Basis der Resolution 194 zu führen, verschloss sich aber durchaus nicht einer pragmatischen Lösung, die jedoch allein schon dadurch scheiterte das Barack sich weigerte jegliche israelische Verantwortung für die Vertreibung der Palästinenser zu übernehmen.
    Sehr viel interesanter sind hier die Ausführungen Amnon Lipkin-Shahaks, der ebenfalls führend an den Verhandlungen beteiligt war, und sagte: „Taba was not aimed to reach an agreement. Taba was aimed to convince the Israeli Arabs to vote.“

  21. Gravatar Icon 21 Kuckuck 29. März 2009 um 0:10 Uhr

    Und ich dachte, Alan Dershowitz und Shlomo Ben Ami stützten die Darstellungen von Clinton/Ross. So zitiert etwa Derhsowitz („Listen to Dennis Ross“) einen Prinzen aus Saudi-Arabien in einem seiner Bücher, das den Untertitel „Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen“ trägt: Arafats Haltung sei, so also der Saudiprinz, „ein Verbrechen gegen die Palästinenser, ja gegen die gesamte Region“ gewesen. Ben Ami wiederum hat bereits kurze Zeit vor Clinton seine Beherrschung verloren, als die Palästinenser mit ihrem Gejammere von Entschädigung und ihrem Opferbedürfnis kamen, nachdem gerade äußerste Zugeständnisse bezüglich Jerusalem gemacht wurden. Über Arafat sagte er unmißverständlich „Er schwebte auf den Wolken des islamischen Ethos und des Flüchtlingsethos und des palästinensischen Ethos. Arafats Rede ist sowieso nie von praktischer Art. Seine Sätze stehen in keinem Zusammenhang und sind nicht vollständig.“ (Haaretz) Kann man alles nachlesen, wie auch die fehlenden Gegenvorschläge sowie über das Beharren auf dem Rückkehrrecht, die palästinensiche Verachtung für das Jüdische. Deine Behauptung von der Zwei- bzw. Dreiteilung würde er übrigens jederzeit als „lächerliche Behauptung“ bezeichnen, wie wohl auch Mubarak, der aber vermultich etwas lauter im Ton.
    Zu Lipkin-Shahak kann ich nichts sagen, außer daß ich aus den Darstellungen Ben Amis herauslesen würde, daß er auf einer Linie mit Ben Ami liegt. Wo hast du es denn her? Es ist vermutlich authentisch, nur muß man es in diesem Fall interpretieren, denn für sich selbst spricht es nicht unbedingt. Barak (nicht Barack) wollte nach Camp David eigentlich nicht mehr nach Taba, wollte wohl nicht ein zweites Mal gedemütigt werden. „Er sah keinen Sinn und Zweck darin. Aber in dieser Phase hatte er die Pistole auf der Brust. Die Wahlen sollten in einem Monat stattfinden und es gab einen Minister, der ihm sagte, wenn er nicht nach Taba ginge, würden sie ihn in der Öffentlichkeit anprangern, dass er seiner Pflicht, Frieden zu schaffen, aus dem Weg gegangen sei. Er hatte keine andere Wahl, als zu einem Treffen zu gehen, bei dem Dinge besprochen werden sollten, an die er selbst nicht mehr glaubte.“ (S.B.A.) Hatte Barak also so etwas wie Würde?

  22. Gravatar Icon 22 dig_it 02. April 2009 um 12:11 Uhr

    Die Meinung Ben Amis stammt aus einer Diskussion zwischen ihm und Norman Finkelstein auf Democracy Now!(kann man auf YouTube anschauen). Ben Amis Standpunkt ist der dass Camp David nicht annehmbar war, Taba jedoch schon (darin dreht sich dann auch die Diskussion zwischen ihm und Finkelstein).
    Was Dershowitz angeht so stützt dieser Selbstverständlich die Aussagen von Clinton/Ross, tatsächlich ist mir hier auch ein Fehler unterlaufen in seinem Buch „The Case for Israel“ dessen deutsche Übersetzung du ansprichst, finden sich überhaupt keine Karten zu Campd David und Taba. Was ich eigentlich meinte war das Buch „Camp David – What went wrong?“ das Aussagen sämtlicher Beteiligter sammelt und so einen sehr ausgewogenen Standpunkt vertritt.
    Im übrigen scheint deine Argumentation auch nur aus relativ nichtssagenden Zitaten zu bestehen. Prinz Bandar erfreut sich höchst vitaler geschäftsbeziehungen zu den USA, das dürfte seine Aussage zumindest relativieren (wenn sie überhaupt etwas bedeutet). Nach Camp David bereiste Clinton mehrere Staaten insbesondere in der arabischen Welt um im Hinweis auf die „Beziehungen“ dieser Staaten mit den USA, seiner Version der Ereignisse einen gewissen Anreiz zu verschaffen.

    Die Aussage Lipkin-Shahaks stammt aus dem Buch „The Truth about Campd David“ von Clayton Swisher (ehrt mich dass du mir zumindest nicht zutraust Zitate zu erfinden ;).

  23. Gravatar Icon 23 Kuckuck 12. April 2009 um 13:55 Uhr

    Also eigentlich wiederholt sich SBA nur in seinen Ausführungen mit Finkelstein. Du zitierst nur die Hälfte seiner Aussage und verschweigst, daß er sagt, daß Israel keine „reservations“ erhob im Gegensatz zur PLO (right of return etc.), sondern lediglich „statements“ abgab zur aktuellen Verhandlungssituation. So deckt es sich mit, was er fünf Jahre vorher schon sagte: es sei die unnachgiebige Haltung der PLO (eben ihre vielen „reservations“), die jeden Kompromiß unwahrscheinlich machte, sp daß man als der innenpolitische Druck zu groß wurde, dann ihm auch jeweils nachgab. Daß Israel die Verhandlungen unilateral torpedierte ist also nur eine böswillige Interpretation bzw. Verkehrung der ganzen Angelegenheit. Denn Verhandlungen im eigentlichen Sinn gab es nicht. Ähnlich sieht es wohl auch Lipkin-Shahak.

    Wie wäre es, wenn du auch einmal auf abweichende Aussagen eingehen würdest, etwa daß SBA sagte, die Auffassung von der forcierten Kantonisierung der Westbank in CD wäre lächerlich. SBA hat sich so eindeutig geäußert, daß es eigentlich nicht wundert, daß du dich als Israelkritiker bei einer etwas uneindeutigen Stelle so festbeißt. Und er hat sich so klar geäußert, daß er einige seiner aktuelleren Positionen noch einmal überdenken sollte.

    Klar, Pinz Pandar geht gar nicht. Nach der Logik und dem impliziten Schluß Clinton und alle westlichen Kommentatoren dann auch nicht. So brauchst du dann auf ihre Deutungen und Darstellungen gar nicht eingehen, sondern kannst wie alle Feinde Israels dich darauf zurückziehen, daß Parteilichkeit für Israel gleich Lobby gleich Lüge sei.

    Man muß sich aber auch gar nicht an Wortlauten nur halten. Bestimmt sind die, die seit Jahren Schulbücher in Auftrag geben, in denen es den Staat „Palästina“ nicht nur bereits gibt, sondern er auch eine seltsam verlängerte Westküste hat, stets bereit unter der Voraussetzung der Anerkennung Israels zu verhandeln. Wie sonst könnte man etwas anderes annehmen? Wenn nur nicht Israel mit seinen kolonialistischen Gestapo-Methoden immer wieder den guten Fried enswillen derer unterminieren würde, deren „Nationalismus“ sich aus nichts als Feindschaft zu Juden und Israel ableitet. Das leuchtet ein.

    Du scheinst im übrigen sehr viel von Finkelstein zu halten…

Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


neun − = zwei



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: