Damit die Solidarität nicht nur theoretisch bleibt

Diesen Samstag (20.6.) findet in Frankfurt um 12 Uhr eine von verschiedenen iranischen Exilorganisationen veranstaltete Demo mit einer Kundgebung vor dem iranischen Konsulat statt. Startpunkt ist das HR 3-Gebäude (Betramstr. 8). Sicherlich wird dadurch die Bewegung im Iran nicht direkt unterstützt, aber der Protest wird doch in die Öffentlichkeit getragen und evtl. für das Regime unerwünschte Bilder prdouziert. Dabei ist aus Sicht der Veranstalter wichtig, dass es nicht so aussieht, als würden „nur“ irgendwelche Exil-Iraner was gegen das Regime haben, sondern dass sich auch Nicht-Exil-Iraner zur Demonstration einfinden, um ihre Sympathie für die möglicherweise im Entstehen befindliche revolutionäre Bewegung im Iran kundzutun.

In anderen Städten, in denen sich iranische Konsulate bzw. eben die Botschaft des Iran befinden, wird es am Wochenende sicherlich ähnliche Veranstaltungen geben, von denen mir aber nichts bekannt ist.

Wer sich für die Frage interessiert, inwiefern man „als Kommunist“ solidarisch mit einer „immanenten“ Bewegung verhalten sollte, wird auf Lysis‘ Blog eine ausführliche Debatte vorfinden. Dabei ist mein Eindruck, dass es eben tatsächlich in diesem Land erst einmal darum geht, bürgerlich-demokratische Verhältnisse zu etablieren, womöglich sogar mit sozialistischen Elementen in der Wirtschaftspolitik, dass die Zeit für einen kommunistischen Umsturz dort, der ohnehin ziemlich desparat wäre (wie sollte er auf die gesamte Welt übergreifen?), einfach noch nicht reif ist. Aus der Beobachterperspektive, ist es leicht, die Proteste als unzureichend abzutun, doch aus der Perspektive der dort real Involvierten ist es erst einmal wichtig, sich aus den Ketten der Theokratie zu befreien. Um überhaupt erst einmal die Möglichkeit weiterer Emanzipation, die eben auf dem Boden der Theokratie nahezu unmöglich ist, zu schaffen.

Wie sich die Dinge entwickeln, wird wohl insbesondere vom Verhalten der Weltmächte abhängen – werden sie die inneren Proteste von außen real unterstützen oder es bei Sonntagspresseerklärungen belassen? Entscheidend wird dabei sicherlich sein, dass eines der zentralen Ziele ist, „Ruhe und Ordnung“ gerade in wichtigen Rohstoffimporteuren wie dem Iran aufrechtzuerhalten. Aber es mag auch sein, dass man sich von einem demokratischen Iran einen besseren Kooperationspartner verspricht. Aus der Perspektive der Protestierenden dort ist es zu wünschen, dass sich letzteres Kalkül durchsetzt.

Eine recht umfassende Linkliste zum Thema haben die NeocommunistInnen zusammengestellt.


4 Antworten auf “Damit die Solidarität nicht nur theoretisch bleibt”


  1. Gravatar Icon 1 v 18. Juni 2009 um 21:43 Uhr

    gibt es für die kundgebung auch einen aufruf und einen link dazu? find da nix drüber

  2. Gravatar Icon 2 Thiel Schweiger 19. Juni 2009 um 0:40 Uhr

    Nein, soweit ich weiß, nicht, da sie eben sehr kurzfristig geplant wurde. Ich habe den Termin eben auch erst gestern über persönliche Kontakte erfahren.

  3. Gravatar Icon 3 Different 19. Juli 2009 um 23:53 Uhr

    Auch wenn das alles nicht mehr aktuell ist (habe dein Blog erst gestern entdeckt), stellt sich mir doch die Frage, in wiefern es dem Umsturz des iranischen Regimes in irgendeiner Weise zuträglich sein sollte, dass da ein paar Leute im Ausland vor den Botschaften demonstrieren?

  4. Gravatar Icon 4 Thiel Schweiger 20. Juli 2009 um 12:42 Uhr

    Naja, das hab ich ja im Text zu begründen versucht. Ich denke halt, es ist durchaus ein wichtiges Symbol. Zum einen halt für die Demonstrierenden im Iran selber, zum anderen, um das Thema auch in der westlichen Bevölkerung populär zu machen. Das könnte dann im Endeffekt die Politik der westl. Staaten mit beeinflussen.

    Außerdem demonstrieren da ja zu einem guten Teil Exiliraner, die auch iranische Staatsbürger sind. Insofern machen die eigtl dasselbe, wie ihre „Landsleute“ – nur eben hier.

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