Archiv für Dezember 2009

Jesus, der Manager

Es scheint schon den Charakter eines Allgemeinplatzes angenommen zu haben, darauf aufmerksam zu machen, dass bürgerliche Ökonomen, außerhalb ihrer Denkkategorien, niemals anders auf die Geschichte schauen. Schließlich lässt selbst Ricardo, wie Marx in einer Fußnote im Kapital erwähnt, „den Urfischer und Urjäger […] sofort als Warenbesitzer Fisch und Wild austauschen […]“. Warum sollte man somit mehr erwarten vom Vulgärsten aller Vulgärökonomen, den Wirtschaftsjournalisten? Doch ist es immer wieder erheiternd und es verdient auch nur deswegen eine Beachtung, dass diesmal Alexandra Borchardt in der aktuellen SZ einen ihrem Berufsstand wohl typischen Blick auf das Wirken Jesu wirft. Unter der Überschrift „In der Ich-Falle“ beklagt sie, „wie der Personenkult die Gesellschaft zerreiben kann“. Ganz der Weihnachtsbotschaft verpflichtet, fordert sie stattdessen Zurückhaltung, vielleicht gar Selbstlosigkeit. Doch wie jeder anständige Ökonom ist ihr stärkstes Argument, selbstredend nicht eine etwaige Zufriedenheit (die sich einstellen könnte), sondern, mit Rückgriff auf wissenschaftliche Studien, die Effektivitätssteigerung zurückhaltender Führungskräfte und der langfristige Erfolg. Und wer wusste dies schon vor 2000 Jahren? Kein Geringerer als der Sohn Gottes, dem wohl besten Personalmanager. Denn, ganz dem langfristigen Erfolg verpflichtet und dem Bewusstsein, dass „weniger egozentrische Chefs […] die zweite Reihe stark werden [lassen], damit den Top-Job jederzeit jemand anders [Petrus oder Joseph Ratzinger, Anmerkung: Dr. Kollossos] übernehmen kann“, setzte er „gleich zwölf Apostel“ ein, womit „der Boden für Jahrtausende erfolgreicher Nachfolgeplanung“ bereitet war. Diese Exegese ernst genommen, kommt die Gottesebenbildlichkeit wohl am stärksten im Manager zum Ausdruck.

Mehr Demokratie wagen …

Ein Spruch von Willy Brandt, eine Forderung vieler Studierenden, ein Kritikpunkt von mir. Um dem auch mal was Konkretes folgen zu lassen (und endlich mal die Umfragefunktion auf blogsport auszutesten), gibt es hier (also DA in der sidebar rechts – ihr seht es ja) nun eine – wenn auch leicht verspätete – Umfrage, um ein Stimmungsbild zum Bildungsstreik bei den Leser_innen dieses Blogs zu erhalten. Falls eine Option fehlt, kann diese nach Beliebem ergänzt werden.




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