Archiv für April 2010

Veranstaltungen zu SM im Rahmen der Gegenuni

Ich möchte Interessierte noch auf zwei Veranstaltungen bezüglich des Themas „SM“, zu dem ich hier ja auch schon gebloggt habe, hinweisen. Beide natürlich im Rahmen der 11. Gegenuni mit Schwerpunkt „Sexualität“.

Wie kann SM beschrieben werden?

Oder: Coming to Grips with Sadomasochism

Vortrag von Norbert Elb

Die gern gestellte Frage: Was ist (eigentlich) SM? Kann wissenschaftlich nicht so recht beantwortet werden. Die (bescheidenere) Frage: Wie kann SM beschrieben werden? können wir aber wissenschaftlich schon näher rücken. Ich habe dies in einer 2006 veröffentlichten Studie über die SM-Sexualität versucht. Erfahrungsgesättigt aus der heterodominierten SM-Szene Deutschlands heraus habe ich vorgeschlagen, SM als asynchrone Sexualität zu verstehen. Diese Asynchronität wird entweder durch sexuelle Gewalt oder durch Hierarchie oder durch machtgebende Fetische hergestellt. Die Sex-Ideologie oder Sex-Utopie hebt sich dadurch vom weitgehend synchronen Sexualitätsdiskurs der Mainstream-Welt ab.

SM erscheint zunächst als Abkürzung für Sadomasochismus. SM wird aber von den heterosexuellen SMerInnen ebenso wie schon früher von der schwulen Lederbewegung und von der lesbischen SM-Bewegung als relativ eigenständiger Begriff verwendet, um damit diese Sexualität einem pathologisierenden Diskurs zu entwinden.

Donnerstag, 6.5., 18:00 Uhr

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Filmvorführung „Verfolgt“

Der preisgekrönte deutsche Film aus dem Jahr 2006 erzählt die Geschichte einer ganz normalen sadomasochistischen Beziehung. Es gelingt ihm dabei nicht nur, diese gerade aus der Perspektive weiblichen („dominanten“) Begehrens heraus zu erzählen, sondern auch die gesellschaftlichen Widersprüche, in denen sich SMer_innen bewegen, darzustellen. Er ist daher kein reiner „SM-Film“, sondern generell interessant für alle, die die filmische Umsetzung des Schicksals devianter Minderheiten interessiert.
Weiterhin behandelt werden im Film auch die „heißen“ Themen von sexuellen Beziehungen mit großem Altersunterschied und Sexualität innerhalb pädagogischer Machtbeziehungen.
Und er ist natürlich, als typischer Vertreter seines Genres („amour fou“-Filme), auch einfach so ein ästhetischer Genuss.

Dienstag 11.5., 19:00 Uhr

Sartre goes Gegenuni

Wie ja schon angekündigt, werden einige Veranstaltungen unserer Sartre-Reihe im Rahmen der diesjährigen Gegenuni im Institut für vergleichende Irrelevanz stattfinden.
Hier noch einmal diese Veranstaltungen mit den jetzt feststehenden Terminen im Überblick:

Freud (Freud – The secret passion, 1962) – Film und Diskussion

Der unter der Regie von John Huston gedrehte biographisch orientierte Film über Freud basiert auf einem Drehbuchentwurf Sartres. Er stellt nicht nur eine gute allgemeine Einführung in die Psychoanalyse dar, sondern bietet auch Anlass, allgemein über Sartres Verhältnis zur Psychoanalyse zu diskutieren.

4.5. 19:00

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Sartre und der Marxismus – Vortrag von Christoph Zwi

Obwohl Sartre sich selbst als marxistisch inspiriert begriff, war er auch von undogmatischer Seite stets mitunter harscher Kritik ausgesetzt. Diese soll am Beispiel der Kritik des „orthodoxen“ Georg Lukács und der „extremistischen“ Situationistischen Internationalen dargelegt und diskutiert werden.
Der Referent ist u.a. als Mitglied des Autorenkollektivs BBZN (Situationistische Revolutionstheorie. Eine Aneignung) bekannt.

Verschoben auf Donnerstag, 20.5., 17:00 Uhr

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Sarte über (sexuelle) Begierde – Lektüreworkshop

In seinem philosophischen Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ analysiert Jean-Paul Sartre u.a. auch die „konkreten Beziehungen zu Anderen“: Liebe, Sadismus, Masochismus, Sprache, Hass, Gleichgültigkeit – und auch sexuelle Begierde. Die Lektüre dieses relativ kurzen Abschnitts hilft nicht nur, den Feminismus Simone de Beauvoirs besser zu verstehen, sondern wirft auch grundsätzlich die Frage auf, in welchen Begriffen sich das (anscheinend) in der „conditio humana“ selbst angelegte Phänomen der Sexualität am besten beschreiben lässt: in Begriffen der Biologie, einer biologisch fundierten Psychologie, der Sozialwissenschaften – oder eben, wie Sartre vorschlägt, einer philosophischen Anthropologie, die die Sexualität nicht als kontigentes biologisches Phänomen, sondern als grundlegende Verhaltensweise zum „Anderen“ begreift. Eine Verhaltensweise zumal, die immer Bestandteil eines Entwurf, einer freien Selbstwahl des Individuums, und nicht Produkt irgendwelcher Determinationen ist.

Lektüre: J.-P. Sartre: Das Sein und das Nichts. Hamburg 2009, S. 669-696. [eine Kopiervorlage wird im Arbeitsraum des IVI ausliegen]
13.5. 16:00 // 16.5. 17:00

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Das aktualisierte Programm zum Download.

Mehr Infos zur Gegenuni, die natürlich im gesamten ganz toll und besuchenswert ist.

Sartre par lui-même – Filmvorführung

1972 gab Sartre in seiner Privatwohnung in Montparnasse ein dreistündiges Interview über sein Leben, das 1976 im Kino gezeigt wurde. Wir wollen „Sartre über Sartre“ als kleine Ergänzung zum bisherigen Programm von „Der Gangsterboss des Existenzialismus“ zeigen und darüber diskutieren. Es ist ein wertvolles Zeitdokument, in denen auch zahlreiche Freund_innen Sartres, darunter auch Simone de Beauvoir, zu Wort kommen.

Weitere Infos zum Film

Wann? Freitag, 23.4. ’10 19:00 Uhr
Wo? IVI (Kettenhofweg 130; FfM)

[Wegen der Länge des Films wird um pünktliches Erscheinen gebeten!]

Bildungsstreik – ein (vorläufiges) Fazit

Vor gut einem halben Jahr (wie die Zeit vergeht, mir kommt es wie gestern vor) startete ich hier eine Umfrage „Was ist der Bildungsstreik für dich?“ . Diese sei nun, da der Bildungsstreik wohl (vorläufig) beendet ist, abgeschlossen und ihre Ergebnisse dokumentiert:

# Das Nichts nichtet, der Bildunsstreik streikt.: 5% (5)
# A super sach, da bin ich voll dabei!: 4% (4)
# Ein pseudorevolutionäres reformistisches Spektakel.: 5% (5)
# Ideologisch verbrämte Randale.: 0% (0)
# Eine höchst ambivalente Geschichte, zu der ich mir keine voreilige Meinung bilden will.: 7% (7)
# Studentenkacke.: 17% (18)
# Leider zu gewalttätig, aber an sich richtig.: 2% (2)
# Die Revolution.: 3% (3)
# Alles, nur kein „Streik“.: 5% (5)
# Ein Zwergenaufstand.: 11% (12)
# Watt?/Interessiert mich nicht.: 7% (7)
# Demokratieidealistische Trottel, die keinen Begriff davon haben, wofür sie zu streiken glauben: 10% (11)
# Die deutsche Volksgemeinschaft auf dem Weg zum nationalen Sozialismus!: 14% (15)
# ein Irrtum: an den Unis gehts vielmehr um Ausbildung.: 2% (2)
# die konformistische Rebellion linksintellektueller, kleinbürgerlich-mittelstandsgeschädigter Kinder mit Abitur, die als Karrieristen auf die Herrschaft der geistigen über die körperliche Arbeit sp: 4% (4)
# ekulieren: 4% (4)
# queere mnml DJs auf abwegen: 1% (1)
# ich bin dafür, dass diese Umfrage auch mal ihr Ende findet: 1% (1)

Gesamte Teilnehmer_innen: 106

(Hätte auch eine schöne Graphik machen können, bin aber zu faul.)

Anscheinend scheint die Leserschaft dieses Blogs die Meinung der Blogger weitgehend zu teilen (dokumentiert u.a.: hier, hier und dort). Die relative Mehrheit fand immerhin das Statement „Studentenkacke“, gefolgt von – dieses wohlgemerkt nicht von mir hinzugefügt, sondern von einem Teilnehmer – „Die deutsche Volksgemeinschaft auf dem Weg zum nationalen Sozialismus!“ und – ebenfalls nicht von mir – „Demokratieidealistische Trottel, die keinen Begriff davon haben, wofür sie zu streiken glauben“. Der Bildungsstreik hat wohl – um im Jargon seiner Akteure zu bleiben – ein „Vermittlungsproblem“, zumindest in der „Zielgruppe“, die diesen Blog liest.
Mittlerweile bin ich ja schon fast bereit versöhnlichere Töne anzuschlagen. Doch die Kritik bleibt und solange sie nicht widerlegt wird, besteht sie. Es ist sicherlich – „prima facie“, wie man so sagt – besser, schlechte Verhältnisse zu bekämpfen als sie hinzunehmen oder zu akzeptieren – aber das heißt nicht, dass deswegen jede Form des Widerstands supi ist, dass es eine moralische Pflicht zum permanenten Aktivismus gäbe. Zumal mittlerweile die reformistische Integration der Bewegung ausgemacht zu sein scheint – wenn es etwas gibt, was sich post festum noch einigermaßen hochhalten lässt, sind es einige wenige Versuche, außeruniversitär Lesekreise etc. zu organisieren (wobei das Konzept der „Norbert-Wollheim-Uni“ hier in Frankfurt dieses „außer“ gerade nicht beinhaltet!).
Zuletzt die spektakuläre Organisation der Großdemonstration im Februar, mit Clownsidiotie, berechneter Provokation der Polizei, karnevalesker Stimmungsmache vom Lauti, um wenigstens einen letzten Rest von Motivation zu surrogieren – als verzweifelte Demonstration guter Laune gegen Miesepetrigkeit im Event Studidemo – zeigt, wes‘ Geist diese Streikbewegung – die in Frankfurt sicherlich noch vergleichsweise progressiv ist – ist.
Es geht mir dabei nicht darum, eine Position der „schönen Seele“ aufzumachen, die sich ohnehin aus allem raushält, da man ständig irgendetwas „falsch“ machen kann, sondern einfach nur ein – offenbar auch von vielen unpolitischen Studierenden geteiltes – Unbehagen in Begriffe zu fassen. Es ist halt alles „Pop“ – „Deutschland denken heißt Auschwitz denken“ und das Anarchie-Symbol sind brands und slogans wie chucks und „Bond, James Bond“ – wir leben in einer Gesellschaft des Spektakels, in der auch noch die (schein-)radikale Subversion Element seiner objektiven Affirmation wird.

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Lieber schöne Seele als sich in bunt-kreativ-quirligen „Bewegungen“ und „Projekten“ aufopfernder Soldat der Tugend.




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