Archiv für Mai 2010

Idioten im Kollektiv

Der wohl unangenehmste Aspekt an der WM ist wohl weniger der Hurra-Patriotismus, als vielmehr das Bedürfnis „Hurra“ zu schreien. So scheint es nicht oder kaum das ernsthafte Bekenntnis zum Vaterland zu sein, das die Horden zum Flagge schwenken drängt, als vielmehr die Begeisterung, zuschauend dergestalt affektiert zu werden, als dass die eigene Unfähigkeit ins Spielgeschehen einzuschreiten eine Spannung erzeugt, die sich im freudigen Aufschrei orgasmusartig entladen möchte. Dabei muss wohl der Freudentaumel überproportional zur Anzahl der anwesenden Mitfiebernden zunehmen, denn schließlich scharen sich die Be(un)geisterten nicht von Ungefähr in grölende Massen zusammen. Jeden Samstag um halb vier lässt sich dies beobachten. Aber besonders im Zwei-Jahres-Takt, von EM zu WM, schlägt der Drang mitzufiebern voll durch. Dann findet das Bedürfnis nach aufbrausender Kollektivität sein liebstes Objekt: die Nation. Jetzt ist garantiert, dass die Schar der Jubelnden die eigene Stadtgrenze überschwappt und erst ihr Ende findet an der Emotionswelle der Nachbarnation. Zusätzlich reißt es selbst noch die in den Bann, denen der Fußball sonst herzlich gleichgültig ist. Hauptsache man ist Teil der Gefühlswelle, dessen erstes Opfer der Verstand ist, welcher eingelullt im Bierdunst zu Grunde gehen muss, wenn Deutschland und Ballermann koinzidieren.
Hierfür ein Beispiel:

Ikea und die Deutschen

Was herauskommt, wenn die Marketingabteilung von Ikea sich in Mentalitätskunde versucht, kann man derzeit im neuen Fernsehspot feststellen. Dabei attestieren Möbelwerber dem Deutschen einen Hang zum Verabschieden: Angefangen beim Kaiser über die Spießigkeit der Bürger, der Hauptstadt Bonn, der Mauer bis zur DM, von allem trennten sich die Deutschen! Doch wurde da nicht was vergessen? Eine kurze Spanne zwischen Kaiserverabschiedung und Ende der Spießigkeit! Sagten die Deutschen da nicht auch „Tschüß“ zum Juden? Vielleicht beim nächsten Mal, wenn es um das Bewerben von Gasherde geht!

Sartre und der Marxismus – Audiomitschnitt

Hier der Mitschnitt des am 20.5. im Rahmen der 11. Gegenuni gehaltenen Vortrag Sartre und der Marxismus von Christoph Zwi. Wie man schnell merken wird, gab es leider einige Komplikationen. Nichtsdestotrotz eine hörenswerte Dokumentation, die, wie der Referent ankündigte, alsbald um eine schriftliche Ausarbeitung des sehr komplexen Themas ergänzt werden wird. Denn es geht nicht nur um Sartre und den Marxismus, sondern darüber hinaus um die Gegenüberstellung der avanciertesten (Sozial- )Ontologien des 20. Jahrhunderts (Heidegger, Sarte, Lukács, Situationisten). Viel Spaß beim Hören!
(Dauer: ca. 1 h 20 Min.)

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Wie kann SM beschrieben werden? – Coming to Grips with Sadomasochism – Audiomitschnitt

Hier der angekündigte Audiomitschnitt des Vortrags und die anschließende Diskussion über SM mit Norbert Elb im Rahmen der Gegenuni. Viel Spaß beim Anhören. (Dauer jeweils ca. 45 Minuten)

Der Vortrag:

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Die Diskussion:

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Sartre vs. Heidegger

Heidegger in grüner Jägerjoppe und Spazierstock auf einer Bank. Schaut nachdenklich nach vorne.

Im Rahmen des Lektüreworshops „Sartre vs. Heidegger“ haben wir inzwischen den Vortrag „Ist der Existenzialismus ein Humanismus?“ zu Ende gelesen und wollen uns in der Folge dem „Brief über den Humanismus“ Heideggers widmen.
Da wir ohnehin einen neuen Text beginnen, sei jede/r Interessierte/r hier noch einmal herzlich eingeladen dazuzustoßen.
Nächster Treffpunkt ist Mittwoch, der 26.5., um 18:00 Uhr im IVI.

Desweiteren sei noch auf einen kleinen. von mir gehaltenen, Vortrag zum Verhältnis von Sartre und Heidegger, insbesondere was die von uns gelesenen Texte betrifft, verwiesen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf biographischen Fakten einerseits, den einschlägigen Äußerungen in Sartres „Das Sein und das Nichts“ andererseits.
Vorneweg allerdings eine kleine Relativierung: der Vortrag wird keineswegs streng wissenschaftlich-akademischen Maßstäben gerecht und beansprucht dies auch nicht. Es handelt sich eher um eine Zusammenstellung meiner bisherigen Lektüreeindrücke, die insbesondere, was Heidegger betrifft, relativ spärlich sind. Heidegger wird deshalb auch nahezu vollständig aus Sartres Brille referiert.
Nichtsdestotrotz ein lesenswerter kleiner Text, den ich zumindest für fundiert genug halte, veröffentlicht zu werden:

Zum Vortrag als pdf-Datei.




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