Eine Einführungs ins „Kapital“

Nachdem ich kürzlich Michael Heinrichs Kritik der politischen Ökonomie kritisiert habe, möchte ich diesmal eine in völlige Vergessenheit geratene Alternative dazu vorstellen: Das Kapital zum Selbststudium von Erhart Löhnberg (Frankfurt 1975). Das zweibändige Taschenbuch fasst bündig nicht nur alle drei Bände des Kapital zusammen, anstatt sich wie Michael Heinrich weitgehend auf den ersten Band zu beschränken, sondern liefert auch einen Überblick über wichtige nachmarxsche Debatten, wie insbesondere einen sehr umfassenden über die „klassischen“ Debatten zur Marxschen Krisentheorie. Wer etwas näheres über die Marxschen Reproduktionsschemata wissen will, einem der zentralsten Theoreme zum Verständnis der kapitalistischen (Re-)Produktionstotalität, oder wie genau Marx die Grundeigentümer als dritte große Klasse der modernen kapitalistischen Gesellschaft neben Proletariat und Kapitalisten beschreibt – also landlords wie die Ölscheichs –, jedoch keine Zeit findet, das Original zu lesen, ist mit Löhnbergs verdienstvollem und meines Wissens einzigartigem Werk sehr gut beraten.

PS: Hab gerad mal geguckt: ist bei amazon günstig zu erwerben.


8 Antworten auf “Eine Einführungs ins „Kapital“”


  1. Gravatar Icon 1 Dr. Kollossos 11. August 2010 um 11:54 Uhr

    eine frage: abgesehen von heinrichs kritik am anti-dühring, was missfällt dir denn noch an der einführung? ich finde sie nämlich, um es rund heraus zu sagen, sehr sehr gelungen!

  2. Gravatar Icon 2 Thiel Schweiger 11. August 2010 um 11:57 Uhr

    Sie ist schon ganz gut. Aber Löhnberg behandelt halt Bd. 2 und 3 intensiver. Ist ja auch klar: Löhnbergs ist mindestens doppelt so umfangreich.

    Ansonsten habe ich schon Detailkritik an M.H. Z.B., was den tendenziellen Fall der Profitrate betrifft. Dieses Gesetz halte ich nämlich für nicht so abstrus, wie H. es darstellt.

  3. Gravatar Icon 3 Dr. Kollossos 11. August 2010 um 14:29 Uhr

    zum tendenziellen fall der profitrate: hier finde ich gerade die argumentation heinrichs äußerst plausibel!

  4. Gravatar Icon 4 Thiel Schweiger 12. August 2010 um 18:58 Uhr

    Er bringt doch, wenn ich mich recht entsinne, einfach nur ein beliebiges Zahlenbeispiel, für das das Gesetz nicht gilt. Das finde ich bisschen zu billig.

  5. Gravatar Icon 5 Dr. Kollossos 12. August 2010 um 22:10 Uhr

    naja, find ich nicht. er zeigt doch recht deutlich auf, dass allein eine zunahme des konstanten kapitals nicht zwingend zu einem fall führen muss. schließlich hängt diese auch vom variablen kapital als auch vom mehrwert ab.

  6. Gravatar Icon 6 Thiel Schweiger 13. August 2010 um 11:29 Uhr

    Das gibt Marx ja auch zu, dass es nur eine Tendenz ist, der Gegentendenzen entgegenstehen.
    Die These ist doch, dass sich der Kapitalismus dadurch auszeichnet, dass er gesetzmäßig zu Produktivitätsfortschritten führt. Diese senken idR den verhältnismäßigen Anteil des variablen Kapitels und erhöhen den des konstanten – schon allein dadurch, dass in derselben Zeit mehr Rohstoffe verarbeitet werden als zuvor. Von Gegentendenzen abgesehen bleibt dies doch durchaus ein Problem für die Kapitalakkumulation, deren entscheidende Kennziffer ja die Profitrate ist.
    ME hat sich mit der mikroindustriellen Revolution die von Marx erkannte Tendenz in einem selbst von Marx wohl so nicht geahntem Maß durchgesetzt – die Folgen davon können wir ja alltäglich beobachten. Die Heinrichsche Skepsis ist nahezu anachronistisch. Er gibt damit eines der entscheidenden Instrumentarien zur Erklärung von Krisenzyklen etc. preis.

  7. Gravatar Icon 7 Dr. Kollossos 14. August 2010 um 11:52 Uhr

    zwei gute artikel von heinrich zum tendenziellen fall der profitrate findest du auf seiner website: http://www.oekonomiekritik.de/! du findest die artikel, über den link weiterführendes!

  8. Gravatar Icon 8 Thiel Schweiger 14. August 2010 um 12:26 Uhr

    Joa, les ich mir bei Gelegenheit mal durch. Danke.

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