Archiv für September 2010

Join the revolutionary Starfleet/MitspielerInnen gesucht! Part 1

(Vorsicht: Dieser dreiteilige Artikel ist in Gamer-Neusprech verfasst und besteht zum Großteil aus schamloser Produktwerbung!)

Ich gestehe: Ich gehöre zu den tankstellenernährten Stubenhockern die lieber mit MMORPGs ihre Lebenszeit verplempern, als sich mit unbefriedigenden RL-Kontakten herumzuschlagen. Eineinhalb Jahre habe ich Fiesta-online gespielt. Am Anfang war das viel versprechend. Hunderte von MitsspielerInnen in einer riesigen Welt die es zu entdecken gilt. Monster, Geschichten, Abenteuer. Was mich an der ganzen Sache vor allem gereizt hat war die Aussicht auf die Möglichkeit Dinge zu tun, die im RL durch eine nur warenförmig auftretende Bedürfnispalette und die damit einhergehende individuelle Vereinzelung so unvorstellbar erschwert sind. Kooperation, gemeinsames planen und phantasieren und vor allem die Umsetzung des Geplanten hat mich gereizt. Eine Gilde gründen, Rohstoffe und Items organisieren, gegen andere Gilden kämpfen, gemeinsame Quests bestehen, Weltflucht, Roleplay.
Doch, oh weh!
MitspielerInnen die sich nicht nur mit eintönigem Questrunning und Powerleveling innerhalb der vom NPC eng abgesteckten Grenzen zufrieden geben, habe ich dort nicht gefunden. Nur pubertäre Chardiktatoren und selbstinfantilisierende Möchtegernprinzessinnen. Dummes Gesabbel noch und nöcher. Eine längerfristige Kooperation die mehr als zwei Personen umfasst war mit den meisten Leuten unmöglich. Gilden und Allianzen sind reine Zweckgemeinschaften zur individuellen Erreichung des Imba-Status. Man wird permanent beleidigt, genervt, bestohlen, in sinnlose mehrheitsgesellschaftliche Scheissdiskurse hineingezogen, mit tradierten Rollenmodellen gestresst und von Bots mit Werbeangeboten vollgespamt. Wehren kann man sich nur indem man eine Petze wird und ständig zu den GMs läuft. Das zwischenmenschliche Miteinander: Eine Fortsetzung des RL unter veränderten Vorzeichen.
Dieses Elend wird durch die Machart des Programms und das grobmotorische Gameplay noch befeuert.
Um an wertvolle Items zu gelangen muss man unglaubliche Summen an Euro abdrücken. Die Quests sind eine reine Analogie zur Lohnarbeit: „Töten sie 500 Eisengolems“. Purer Stumpfsinn. Die Erfüllung einer solchen Aufgabe kann mehrere Stunden dauern. Um eines Tages in einem high PvP-Battle bestehen zu können, muss man davon tausende erledigen. Als hoffnungsloser Suchtcharakter habe ich den Quatsch lange genug mitgemacht um in eine ausgewachsene Abhängigkeit reinzurasseln. Zwei Stunden offline und ich fing an nervös zu werden. Ich habe begonnen meinen Tagesablauf nach den Terminen der Kingdomquests zu gestalten: Aufstehen, 12:45 PvP KQ, essen, 14:15 Phino, 16:45 PvP KQ, 18:45 Phino, Sozialkontakte, gegebenenfalls Arbeit, 23:45 PvP KQ, essen, schlafen, 04:45 PvP KQ (besonders wichtiger Termin – wenig Gegner, massig XP), schlafen. Die Ausgaben um meine Items zu uppen gingen in den letzten Monaten in die Hunderte. Finanziell war das eine Katastrophe. Körperhygiene, Ernährung, Sozialkontakte und damit einhergehend die psychische Gesundheit, werden da schnell zweitrangig und das während dem spielen schon zwei Leute verhungert sind, wundert mich überhaupt nicht.
Den Quatsch konnte ich so nicht weitertreiben. Nachdem mich so ein blöder dreizehnjähriger Bengel aus Oldenburg im Itemshop um sieben Goldstücke abgelinkt hat, war der Bogen überspannt. Tabularasa. Ich habe meine gesamten Imba-Items an den nächstbesten dahergelaufenen Newbie verschenkt und meine Level 86 Jägerin, >QUEENofDESEASE< (Ruhe in Frieden Genossin) gelöscht und das Programm ebenfalls.

Jetzt musste ein neues Game her. Mit dem Spielen aufhören wollte ich natürlich nicht.
Kurzfristig habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt wieder zu den guten alten Pen&Paper-Tabletop Games zurückzukehren. Bei der Umsetzung dieser Idee stand mir allerdings meine Abneigung gegen eine Ausweitung der notwendigen RL-Kontakte im Wege.
Um einer erneuten finanziell ruinösen, verblödenden und zeitraubenden Suchtspirale auszuweichen, habe ich folgende Kriterien aufgestellt:

1. Das Spiel darf nicht mehr kosten als eine monatliche Gebühr.
2. Alle Questitems müssen mit Ingamemoney bezahlbar sein.
3. Keine verbindliche Storyline, kein Powerleveling, keine Spawntimes.
4. Ein möglichst langfristiger, wirtschafts- und strategiebasierter Spielaufbau, ohne spektakuläre Action und ständige PvP-Battles.
5. Keine permanent gängelnden NPCs und GMs.
6. Das Spiel muss wenigstens die technischen Möglichkeiten für umfangreiches RP enthalten.

Ich habe folgende Games ausprobiert:

To be continued…

Wir sehen uns wieder Genossin!

Gendertrouble?!

Hier auch mal von meiner Seite aus ein kleines Fundstück aus den Untiefen des Internets, das ich vor mehreren Monaten in irgendeinem abseitigen Forum aufgelesen habe. Eine kleine Repräsentanz dessen, was in der Welt alles so schief läuft:

Now, to not appear like a complete douche; I believe the reason I enjoy hentai is a blend of reasons. An appreciation for art, story(even lame, cliche ones that are just excuses for sex), fantasy, and that to me, animu wimmens are superior to their real life counterparts.

Real women are often ugly, and if they aren‘t, they know it and use it to their advantage. They‘re stuck up, sluts, whiny, needy and more often than not, borderline retarded. If they‘re your girlfriend, you have to put up with a load of shit and the sex is often half assed after the first few times and loses its charm.

But for me, hentai girls will always be there for me. I often play AG3 simply because when I do my ideal woman(or women) will be there waiting for me, no matter what. They‘re always happy to see me, spend time with me and make my day just a little bit better, all without the bullshit of a real girl.

Tja – willkommen im 21. Jahrhundert.

Philosophisches Wiedergängertum

Tief sein und tief scheinen. — Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit; wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um Dunkelheit. Denn die Menge hält Alles für tief, dessen Grund sie nicht sehen kann: sie ist so furchtsam und geht so ungern in’s Wasser. (F.Nietzsche: Fröhliche Wissenschaft III, 126

Es ist wohl in der Tat so, dass sich hinter besonders unverständlichen Lehren nicht besonders tiefgründige, sondern besonders dumme verbergen. Diese Erkenntnis sollte sich mittlerweile doch rumgesprochen haben. Manche, die es nicht einmal verstehen, tief zu scheinen, meinen jedoch im Namen ihrer Doktrin noch einmal auf deren Tiefe hinweisen zu müssen, damit diese auch ja keinem entgeht. Dies ist der Fall bei der sogenannten Tiefenphänomenologie.
Dieser neueste Versuch einer Umwälzung der Wissenschaft wurde initiiert vom Weisheitsfreund José Sánchez de Murillo.

Der Grundgedanke dieser Philosophie wird auf letzterm wikipedia-Eintrag wie folgt zusammengefasst:

Die beiden Gegensätze seiner bisherigen Welterfahrung – Armut, Ausbeutung, Verzweiflung und Krieg einerseits, Musik, Mystik, Phänomenologie, Maya-Kultur und deutsche Romantik andererseits – prallten in ihm hart aufeinander, und der Drang wuchs, die Bedingung dieser Zerrissenheit zu erforschen. So entstand die Grundunterscheidung: Tiefe und Ober-Fläche. Tiefe, bei Sánchez das lebensbejahende „Weibliche“, meint die Dimension der Lebensgeburt und Lebenserneuerung, den schöpferischen Un-Grund. Ober-Fläche, bei Sánchez das kämpferische „Männliche“, bezeichnet dagegen die Dimension, die von Machtstreben, Geltungssucht und Geld beherrscht wird. Diese Motive sind für die Tiefenphänomenologie grundlegend. Die für ihn nun evidente Sicht, dass die gesamte Menschheitsgeschichte von der ober-flächigen Dimension gesteuert wird und dass Philosophie und Wissenschaft diese Seite als die wesentliche betrachten, ließ ihn seine philosophische Aufgabe erkennen: Phänomenologische Philosophie als wissenschaftliche Forschung muss ganz von vorne beginnen mit Blick auf die Realität, aber zugleich auch auf die Möglichkeiten des Menschen. Darum nannte er seine Tiefenphänomenologie „Neue Vorsokratik“.

Aha. Dies kommt uns, die wir uns ein wenig mit den ganz tiefen deutschen phänomenologischen Vorläufern Murillos auseinandergesetzt haben, durchaus bekannt vor. Ein Schelm, der sich fragt, aus welchem Ab-grunde von „Ober-Bindestrich!-Fläche“ die Rede ist, statt banal von „Oberfläche“. Und wieso nicht gleich von „Metaphysik“, „Seinsvergessenheit“ und „Seiendem“? Ist es bloß Zufall, dass das Jahrbuch des von Murillo gegründeten Edith-Stein-Instituts „Denken Dichten Musik“ und nicht, wie man es geläufig nennen würde, „Philosophie Literatur Musik“?1
Auch auf der website des Instituts wird das seinem Anspruch nach durchaus kritische Programm der neuen Lehre kurz dargelegt. Unter dem Stichwort „Naturphilosophie und Pflanzenkultur“ heißt es:

Die Erforschung der erwähnten Traditionen der vortechnischen Naturphilosophie ergaben ein Weltbild, das Grundüberzeugungen früherer Hochkulturen, den Bauernkulturen, entsprach. Unter diesen ragt die Maya-Kultur hervor. Sie ist eigentlich eine Pflanzenkultur; der Mais wurde wie eine göttliche Erscheinung verehrt. Der Grund dafür war nicht nur die grundlegende Ernährungsfunktion dieser Pflanze, sondern auch deren zyklische Lebensform, welche Symbol und Offenbarung des Urweiblichen waren.

Die Seinserfahrung einer scheinbar abstrakten Philosophie im Europa des 16. Jh. bewirkte nicht nur die Bewegung der Deutschen Romantik mit dem Motto „zurück zu den Müttern“. Auffallend war, dass sie auch in völlig anderen geschichtlichen Zusammenhängen anzutreffen war: als Grundlage einer auf Frieden bedachten Zivilisation, deren Entwicklung in eine naturfreundlichere, menschlichere Richtung zu gehen versprach.

Aber wie die Maya-Kultur blieb auch der deutsch-romantische Weltentwurf des 19. Jh. ohne geschichtliche Wirkung. Die Vernunftphilosophie siegte und ermöglichte die Entwicklung der technischen Wissenschaften.

Die gegenwärtige planetarische Selbstgefährdung kann möglicherweise durch verantwortungsbewusste Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft abgeschwächt und verlangsamt werden. Eine entscheidende Wende ist jedoch nur durch eine Wandlung im Wesen des Menschen möglich.

Und am Ende wird noch einmal resümmiert:

Ohne die Tiefe kann die Ober-Fläche nicht als solche verstanden werden. Deshalb versteht sich die Tiefenphänomenologie als Philosophische Grundwissenschaft (die „prima philosophia“ des technischen Zeitalters), welche an der Erforschung (Aufdeckung und Klärung) von Urphänomenen arbeitet, die – meist unbeachtet oder verdrängt – den geschichtlichen Verlauf ermöglichen und tragen.

Wir befinden uns sicher nicht auf dem Holzweg, wenn wir sagen: dieser Mann sagt einfach dasselbe wie Heidegger – nur verständlicher. Dieses hat er seinem Vordenker immerhin voraus. Spricht Heidegger noch sublimiert vom „Sein“ spricht Murillo offen aus, um was es „eigentlich“ geht: Natur, Mütter, Religion, Verherrlichung vor-vormoderner Einfachheit, Antimodernismus. Er eröffnet so die Möglichkeit, vielleicht auch den tiefsten aller tiefen Dichter und Denker des 20. Jahrhunderts besser zu verstehen – sein unstillbares Unbehagen in der Welt von „Gerede“ und „man“ gar einer therapeutischen Auflösung zukommen zu lassen. Die „Sage“ wird in ihrer entsublimierten Form zurückgeführt auf einfache „Wahrheiten“, wie wir sie aus anderen zivilisationskritischen Ecken kennen. Murillo verrät das Betriebsgeheimnis des Denkens Heideggers. Grund genug, auf diesen unterschätzten Denker der Gegenwart hinzuweisen.

Man bedenke freilich stets: „Die mystischen Erklärungen gelten für tief; die Wahrheit ist, dass sie noch nicht einmal oberflächlich sind.“ (wie oben; III, 126)

  1. Hier waren die Epigonen freilich seinsvergessen. Ohne das genaue Wort, das dem Wesen der Musik in der neuen Sprache zugedacht wurde, zu kennen, müsste es doch in Anbetracht der nicht zu übersehenden metaphysischen Spuren, die dem Namen „Musik“ eingeschrieben sind, einen ursprünglicheren Namen geben, der dem Wesensgefüge, in dem die „Musik“ ursprünglich steht, gemäßer ist. Etwa „Tonkunst“ oder „Singen“, bildet das „Singen“ nebem dem Dichten, Denken und Sagen doch ein weiteres Zimmer in der Behausung, die dem Menschen vom Sein her zugeworfen – der Sprache. „Mus-ik“ würde freilich das „Musische“, das wesenhaft Geschenkhafte der Mus-ik als von den Musen her den Menschen geschickt, an der Musik, was der geläufige Name „Musik“ eher verstellt als entbirgt, deutlicher hervortreten lassen.[zurück]



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