Archiv für Oktober 2010

Das ist, wo ich herkomm

Endlich gibt es ihn: einen Song, der dem „Geist“ der Gegend, die mich so lange Jahre in ihren freundlichen Fittichen barg, der ich so viele schöne Stunden verdanke und die ich so ungern verließ, einen repräsentativen Ausdruck verleiht. Lange musste die Stadt der Fugger auf ihr persönliches „California“ oder „Take me home country roads“ warten, jetzt ist es vollbracht. Ich bin begeistert und hätt jetzt auch gern ein kühles Helles.
Mann, hab ich vielleicht „Heimweh“.

…aus Taktik und Rücksichtnahme

(…) die sexistischen Antisexisten und femininen Feministinnen, die Queerbewegten, die beleidigten FreiraumprinzessInnen, die Partykids und ihre Anführer von UmsGanze, die hochdieKampfdem-Studis, die postmodern-dekonstruktivistischen Sprach- Kunst- und KörpersprachenkritikerInnen mit Bravo Abonnement, die heimlichen und unheimlichen ReformistInnen, die langhaarigen Langweiler, die alternden Älteren, die Möchtegern- „Generation Golf“ der Linken – die NGO KarrieristInnen without Career und die unentdeckten PositivrassitInnen, die softcore Antideutschen, die VersöhnlerInnen, die VeganerInnen, die ungewaschenen Waschbären von der Containerfront, die Spex LeserInnen, die Streik mimenden ProtestlerInnen ohne Protest, die gewaltfreien Hooligans, die hierarchisch organisierten Hierarchiefreien und die handgreiflich Friedlichen. Eben die im Stillstand bewegte, kritikfrei kritische und freudlos freundliche, solide solidarische, ewig immergleiche deutsche Linke.

Join the revolutionary Starfleet/MitspielerInnen gesucht! Part 2

Fortsetzung des ersten Teils

(Vorsicht: dieser dreiteilige Artikel ist in Gamer-Neusprech verfasst und besteht zum Großteil aus schamloser Produktwerbung!)

1. Anarchy online. Hier handelt es sich wohl um eine Weltraumversion von WOW mit einem etwas anspruchsvolleren Gameplay. Leider konnte ich den Client nicht herunterladen. Nach zwei Stunden habe ich es aufgegeben. Das Programm entsprach allerdings nicht meinen gesetzten Ansprüchen. Mich hatte lediglich der Titel angelockt.
2. Starport, habe ich drei Tage lang gespielt. Langfristige Aufbaustrategie im Weltall, Basen, Raumschiffe, Rohstoffe, ein entwickeltes Marktsystem. War for Territory. Eine aktive Community bietet die Kooperation die ich mir gewünscht habe. Die Grafik und das Gameplay sind so dröge das kurzfristig motivierte JusforFunGamer abgeschreckt werden. Das wirkt sich positiv auf das Gesprächsniveau im Chatkanal aus. Allerdings war mir dieser JavaFlashGamePixelmüll auf Dauer zu nervig. Ein bisschen mehr Design, Vielfalt und optischer Anspruch darf es schon sein.
3. Starcraft 2, habe ich mir aus der Videothek besorgt. Neu kostet das Ganze 45€. Mit dem ersten Teil habe ich schon vor 10 Jahren Dauersitzungen verlebt. Wenn ich mich später auf der Pritsche einer staatlichen Sterbeanstalt an meine saftigen Jahre erinnere, wird da nur wenig sein: Bier, Punkrock, meine damalige Freundin und dieses Game! Ich habe wirklich geschwitzt als ich von dem Launch des zweiten Teils hörte. Gut das es auf meinem Lap nicht lief, ohne hart zu laggen. RuckelHackelZippZappFehlermeldungError840Computerabstürz. Wäre das nicht gewesen hätte ich das Jahr 2011 abhaken können.
4. Second Life, bietet genau das was der Name verspricht: Eine virtuelle Variante des First Life. Was die eigentliche Attraktivität des Programms ausmacht, macht es für meine Zwecke völlig untauglich. Ich interessiere mich weder für modische Klamotten, noch für moderne Musik und flotten Lifestyle. Auch die unterschiedlichen ambitionierten Menschheitsbeglückungskonzepte von irgendwelchen dahergelaufenen Idealisten sind mir völlig egal. Ich spiele um diesen bunten Lichtern zu entkommen. Ich will RP und Weltflucht.
5. EvE online. Volltreffer. Mein neuer Spielplatz und der Grund warum ich überhaupt diese Artikelserie verfasst habe.
Das Game ist ein kostenpflichtiges (15€ monatlich) ScieFi-MMORPG das in einer fernen Galaxie (New Eden) der Zukunft spielt, die von vier verschiedenen Fraktionen bevölkert wird, die allesamt von den Menschen der alten Erde abstammen. Gallente (Demokraten), Amarr (religiöse Fanatiker), Minmatar (Exsklaven der Amarr), Caldari (Kapitalisten). Zwischen den einzelnen Fraktionen finden permanente Kriege statt die von den NPCs und den GMs gesteuert werden und an denen man sich beteiligen oder nicht beteiligen kann. Was heute noch dem NPC-gelenkten Staat der Caldari gehörte, besetzt nun die von realen Personen geführte Corporation XY. Die Aufteilung des riesigen Raumes aus 5000 Sonnensystemen verändert sich permanent. Jedoch ist man an keine Fraktion gebunden. Wie der einzelne User sein Spiel gestaltet bleibt ihm völlig selbst überlassen. Ob man sein Geld als Kopfgeldjägerin, Industriemagnat, Minenboss, Söldnerin, Bankier, Erfinderin, Transporteur, Händlerin oder Allrounder bestreitet bleibt einem selbst überlassen. Die Story läuft dezent im Hintergrund ab und zwingt niemanden zur Teilnahme. Das Programm ist eine perfekte Simulation des Weltalls. Es gibt Wurmlöcher, Trümmerfelder vergangener Schlachten, Asteroidengürtel, Gaswolken, Raumverwerfungen, Anomalien, Forschungsstationen, Raumstationen, Sprungtore, Handelzentren, Verteidigungs- und Industrieanlagen verschiedenster Art, Planeten, Sonnen, weiße Zwerge, rote Riesen, Eisgiganten und Gasriesen. Piraten mit deren Abschuss man sich Kopfgeld verdienen kann und Wegelagerer die einem das Leben schwer machen. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt und nach zweimonatiger Spielzeit vermag ich nur einen Bruchteil zu überblicken.
Die technischen Anforderungen des Gameplays sind zunächst eine brutale Zumutung (byebye all ihr kurzfristig motivierten ADS-Kids). Ich selbst habe zwei Anläufe zur Überwindung meiner Frustrationsgrenze (die hängt allerdings auch sehr niedrig. Andere dürften da weniger Probleme haben) benötigt, um mich in die Materie einzuarbeiten. Was als ein unüberwindlicher Block an unverständlichen Buttons und Icons erscheint, entschlüsselt sich jedoch bald, mittels permanenter selbsterklärender Einblendungen und man wird entdecken dass das gesamte Interface logisch und grundvernünftig aufgebaut ist. Die Komplexität des HUD ist einfach bedingt durch die Vielfalt der Möglichkeiten. Kein Schnörkel, keine unnötiger Firlefanz. Die Grafik ist eine Augenweide. Alleine Im All herumzuirren um Dieses und Jenes zu entdecken macht schon Spaß.
Man beginnt mit einem kostenlosen Trial-Acc der nach der Anmeldung sofort für 14 Tage frei geschaltet wird. Bei einer Spielzeit von einer Stunde pro Tag ist das ungefähr der Zeitraum indem man die Tutorials durchspielen kann um sich mit den grundlegenden Funktionen und Möglichkeiten des selbst entworfenen Chars/Avatars und des dazugehörigen Anfängerschiffes vertraut zu machen. Ein echter Primus liest dazu noch das 170seitige Pilotenhandbuch (was ich aus Faulheit nicht getan habe und zu bereuen hatte). Im Net findet sich eine Unmenge an Videos und Tutorials, Blogs, Foren, Fittingguides und Ratgebern die einem schnell unentbehrlich werden um sich mit der riesigen Anzahl unterschiedlicher Schiffsausrüstungen und ihrer effektiven Benutzung zurechtfinden zu können.
Ein besonderes Augenmerk hatten die Entwickler offensichtlich auf dem Marktsystem, in dem alle im Spiel notwendigen Gegenstände zu erstehen sind. Da alles was in New Eden gekauft werden kann auch von einem menschlichen Spieler hergestellt oder vorher erbeutet werden muss, ist dies, neben den Kampfhandlungen und der dafür notwendigen unterschiedlichen Schiffsausrüstung, eines der großen Betätigungsfelder der Spielerinnen und Spieler. Neben dem Missionrunning, Mining, Skilling und Fitting verbringt man die meiste Zeit mit dem Preisvergleich in den Regionen und dem Kauf und Verkauf zehntausender unterschiedlicher Gegenstände und Rohstoffe.
Im Allgemeinen ist EvE ein ruhiges Spiel. Permanente Effekthascherei und kurzfristige billige Belustigung bleiben außen vor. Dafür bekommt man eine liebevoll ausgestaltete Simulation mit zehntausenden an Mitspielerinnen und Mitspielern. Die Anzahl an Plausiblitätslücken und fiktional inkohärenten Situationen die Nerds wie mir die Phantasie erschweren, hält sich in erträglichen Grenzen. Eine Reise durch 21 Sprungtore dauert reale 30 Minuten und gibt einem genug Gelegenheit die phantastische Tiefe, Verlassenheit und Leere des Raumes zu bewundern. Der Ausgang der anschließenden Schlacht mit NPC-Piraten ist schnell verloren wenn man die falsche Munition und Schilde mitgenommen hat.
Es sind hier allerdings auch einige Abstriche zu machen. Wie es sein kann das man ein mehrere hundert Meter langes Schlachtschiff ohne eine Besatzung steuern kann und wie dieses Schiff ohne erkennbare Steuerdüsen manövriert wird, diese Probleme gilt es für jeden Einzelnen gedanklich zu lösen. Außerirdische fehlen komplett und die strikt zweigechlechtlichen Menschen halten sich offensichtlich an ein schon zehntausend Jahre zuvor gängiges Schönheitsideal. Kapitalismus, Sklaverei und Religion erscheinen mir nicht als eine geeignete gesellschaftliche Grundlage die die Menschen dereinst dazu befähigen wird, in mehreren tausend Lichtjahre entfernten Galaxien Kolonien zu errichten. Für die der Phantasie abträgliche Befangenheit der Storieschreiber und Entwicklerinnen im kapitalistischen Hir und Jetzt, spricht auch die Tatsache das man in New Eden mit isländischen Kronen bezahlt (kurz ISK genannt. CCP, die Entwicklerfirma stammt aus Island), so wie man offensichtlich immer noch Lohnarbeit als zb. Tabledancerin oder Prostituierte zu leisten hat. Lenins letzte Phase des Sozialismus, wie im Storieboard von StarTrek ist das nicht.

To be continued…

Die Revolution …

… ist noch nicht abgeschlossen.

(Eine kleine tagespolitische Intervention.)

Ländervergleich Vol. 1 // Der Wahnsinn dieser Welt

Heute mal wieder auf „Deutschlands blödestem Webportal“ (T.S.):

a) In England gibt es zahlreiche verrückte Leute. Doch die Deutschen setzen immer noch einen drauf.

b) Erst Darwin, jetzt Galileo. Kommt als nächstes Euklid an die Reihe? Aber auch diese seltsamen Zeitgenossen kommen an die oben erwähnten Deutschen nicht ran.

Politologieprofessor schlägt Sarrazin mit eigenen Waffen

Wer selbst auf blogsport bloggt, hat es wohl schon gelesen: der Blog The Dishwasher hat auf einen Artikel des Politikwissenschaftlers Volker Eichener aufmerksam gemacht, der mit bewunderswerter Akribie das Buch „Deutschland schafft sich selbst ab“ von Thilo Sarrazin zerpflückt. Anscheinend wimmelt es in diesem Machwerk nur so von wissenschaftlichen Anfängerfehlern, die Sarrazins Anspruch, „unideologisch“ und „auf Fakten gestützt“ zu argumentieren ziemlich konterkarieren. Selbst an den Standards empirischer Sozialforschung gemessen scheint dieser Bestseller, von dem sich laut wikipedia bereits 650.000 Exemplare verkauften, eine ziemliche Luftnummer zu sein. Eine Lektüre lohnt dieser Artikel also allemal. Nicht einmal die einfachsten Anforderungen an eine stringente Argumentation werden erfüllt: so werden wiederholt Statistiken als Belege herangezogen, die die behaupteten Daten überhaupt nicht enthalten. Man fragt sich, ob dieses Buch überhaupt jemals lektoriert worden ist. Naja, dem Verlag ist bei diesen Verkaufszahlen wohl alles recht.
Man erfährt u.a. auch, dass einer der großen Vorbilder Sarrazins explizit der britische Eugeniker Francis Galton ist, der u.a. der Ansicht war, dass „es eine größtenteils völlig unvernünftige Sentimentalität gegenüber der schrittweisen Auslöschung einer niederen Rasse gibt“ (wiki).

Begrüßenswert ist, dass Eichener die moralische Ebene verlässt und versucht, Sarrazin auf der Basis von reinen Tatsachen auszuhebeln. Denn das scheint ja der O-ton der meisten Sarrazin-Kritiker zu sein: „In der Sache hat er ja recht, aber so darf man das natürlich nicht sagen.“ Freilich ist auch hier Vorsicht geboten: man könnte schließlich zu entgegengesetzten Schluss kommen: „Wenn Sarrazins Tatsachenbehauptungen zutreffen würden, würde ich sein politisches Programm absolut unterstützen.“ Beides ist eine fragwürdige Position.

Die ganze Diskussion zeigt wieder einmal, dass grundsätzlich misstrauen gegenüber denen geboten ist, die von sich selbst behaupten „völlig ideologiefrei“ zu argumentieren: diese Art von Ideologiefreiheit ist selbst die größte Ideologie. Es ist ja gut und schön, dass die zahlreichen Sarrazin-Fans anscheinend wert auf große Wissenschaftlichkeit legen. Doch im heutigen Zeitalter des „Fakten“-Fetischismus ist es wohl nicht sehr gewagt, den Ausspruch zu tätigen: „Stelle irgendeine obskure Behauptung auf und ich ergoogle dir eine empirische Studie, die sie belegt.“ Oder – falls selbst das nicht fruchtet: interpretier an der Studie einfach was du willst, merkt eh keiner. Geht es um rein begriffliche Argumentation, kann man sich immerhin noch auf seinen logischen Spürsinn – sofern ausgebildet – verlassen, um Scharlatene zu durchschauen. Doch je mehr sich eine Argumentationskette nur auf empirische Belege stützt, ist Betrug Tür und Tor geöffnet. Wer macht sich schon die Mühe und prüft die zitierten Quellen eines Buches – zumindest nicht der, der mit der Konklusion der Argumente ohnehin einigermaßen zufrieden ist (wie wohl ein Großteil der Sarrazin-Fans). Ein an sich aufgeklärtes Bedürfnis nach logischer Stringenz und empirischer Stichhaltigkeit schlägt so um in einen absolut voraufgeklärten Glauben an wissenschaftliche Autoritäten („amerikanische Wissenschaftler haben in einer neuen Studie herausgefunden …“ – ein Satz wie ein Warnschild).
Oder, um mit einem bedeutenden deutschen Dichter zu sprechen:

Schüler:

Fast möcht ich nun Soziologie studieren.

Weiser Mann:

Ich wünschte nicht, Euch irre zu führen.
Was diese Wissenschaft betrifft,
Es ist so schwer, den falschen Weg zu meiden,
Es liegt in ihr so viel verborgnes Gift,
Und von der Arzenei ist’s kaum zu unterscheiden.
Am besten ist’s auch hier, wenn Ihr nur einen hört,
Und auf des Meisters Worte schwört.
Im ganzen- haltet Euch an Worte!
Dann geht Ihr durch die sichre Pforte
Zum Tempel der Gewißheit ein.

Schüler:

Doch ein Begriff muß bei dem Worte sein.

Weiser Mann:

Schon gut! Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen
Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Fakt zur rechten Zeit sich ein.
Mit Fakten läßt sich trefflich streiten,
Mit Fakten ein System bereiten,
An Fakten läßt sich trefflich glauben,
Von einem Fakt läßt sich kein Jota rauben.
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