Archiv für November 2010

Islam und Antiislamismus

Rhizom präsentiert auf seinem Blog eine recht informative Linksammlung über aktuellen Rassismus, speziell auf den Antiislamismus bezogen. Das Highlight.

Opfer des Sklavenaufstands

Paula und Eustochium gehörten zu dem Kreis christlicher Witwen und Jungfrauen, der sich in Rom um den Priester und späteren Kirchenvater Hieronymus gebildet hatte. Paula ermunterte die lebenslustige junge Witwe (ihr Mann Furius starb sieben Monate nach der Heirat) Blaesilla zu dem asketischen Leben, das sie selbst und Eustochium führten, zunächst vergebens. 384, nachdem Blaesilla fast an einer Krankheit gestorben wäre und sich gerade erholte, entschloss sie sich jedoch, die asketische Lebensweise ihrer Mutter und Schwester zu übernehmen. Mit Eifer betrieb sie Bibelstudien; Hieronymus lobte die Ernsthaftigkeit ihres Gebetes und ihren scharfen Intellekt. Angeblich lernte sie die hebräische Sprache schneller als Origenes. Die Askese jedoch war für ihren geschwächten Körper zu viel und sie starb vier Monate später.

Der Kirchenvater dazu konsequent wie verräterisch: „Wir aber, die wir Christus angezogen haben und nach dem Apostel ein königliches und priesterliches Geschlecht geworden sind, sollen uns nicht wegen der Toten betrüben.“ Zu dieser Zeit war das Christentum immerhin noch so schwach, dass er und Paula nach dem Tod der Unglücklichen aus Rom gejagt wurden.

Quelle

Augsburg – verkannte Hochburg des antifaschistischen Widerstands?

Die Augsburger als mutige antifaschistische Widerstandskämpfer? Offensive Selbstverteidigung berichtet.

Die Verdammten dieser Erde…

Parallaxe verweist auf eine sehr sehenswerte ARTE-Doku, „Für eine andere Welt“,1 die anhand des Beispiels des Widerstands gegen die Räumung eines besetzten Hauses in Kopenhagen, dem Aufstand in Griechenland nach einer Ermordung eines 15-jährigen durch die Polizei und einer Streikwelle in China in diesem Jahr einen Überblick über den zunehmenden sich gewaltsam artikulierenden globalen Unmut gegen das aktuelle Herrschaftsmodell (was auch immer das sei – darüber besteht ja mitnichten Einigkeit) zu bieten versucht. Kommentator ist u.a. Tonio Negri. Besonders interessant fand ich – zumal ich davon vorher überhaupt nichts gehört hatte (das kommt davon, wenn man seine Informationen über das Zeitgeschehen v.a. über web.de bezieht ^^) – den Bericht über die Arbeiteraufstände in China.
Anscheinend befindet sich – natürlich im Verbund mit der aktuellen ökonomischen Krise, deren Ende ja noch garnicht abzusehen ist – das aktuelle System im Weltmaßstab in einer durchaus ernstzunehmenden Legitimationskrise. Jüngst ereigneten sich ja erst große Streiks in Frankreich und Spanien und der Protest gegen Stuttgart 21 im Schwabenländle. Letzterer ist meines Erachtens ein besonders krasser und interessanter Fall, da es einmal nicht „irgendwelche Jugendlichen“ oder gar „migrantischen Jugendlichen“ waren, die „Krawall“ gemacht haben, sondern im Grunde ganz normale Bürger, die sich von der Politik übergangen fühlen. Die Anlässe für die Aufstände bzw. Akte zivilen Ungehorsams (ein „Aufstand“ war das in Stuttgart ja nun nicht gerade) mögen dabei wie ihr – wenn überhaupt existierendes – Programm vollkommen nichtig oder gar kritikabel sein: den Kitt der wütenden Massen scheint eher ein diffuses Unbehagen zu bilden, dem jeder Anlass recht ist.
Da der krisengeschüttelte Kapitalismus aktuell weder ideologisch noch politisch und ökonomisch in der Lage zu sein scheint, die überall grassierenden Konflikte zu lösen, sondern sich eher abzeichnet, dass sie sich in den nächsten Jahren noch mehr zuspitzen werden, ist ein Ende der Protestwelle nicht abzusehen. Selbst die Staatsgewalt selbst scheint an ihre Grenzen zu stoßen, so klagt etwa die Gewerkschaft der Polizei über eine dauerhafte Überbelastung wegen der ständigen Sondereinsätze:

Wenn man sich das anhört, kriegt man fast ein wenig Mitleid mit den willigen Handlagern des Systems. Droht demnächst sogar ein Aufstand der Polizei selbst?

Diese Legimationskrise, die inzwischen auch im akademischen Diskurs offen thematisiert wird (es gab beim diesjährigen Kongress der deutschen Gesellschaft für Soziologie einige bemerkenswerte Äußerungen dazu), scheint jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Anlass für irgendeinen Optimismus zu bieten. Es handelt sich in der Tat um keine neu erwachende revolutionäre Klasse, sondern eine diffuse Multitude. Ihr Merkmal ist gerade die Verzweiflung und das Wissen um die eigene Ohnmacht, das sich nur mühsam vertuschen lässt. Das System ist noch immer stabil genug und die aktuelle sicherheitspolitische Aufrüstung ist ja zu einem guten Teil Aufstandsprävention. Aber das muss ja nicht so bleiben. Das Fehlen einer postiven Alternative, einer „großen Erzählung“, in die sich das eigene Unbehagen widerspruchsfrei eingliedern könnte, markiert ja eher eine Radikalität als Stärke, die auf Künftiges verweist.

  1. Aufgrund der Lobbypolitik der Privatfernsehsender ist das Video auf der arte-Seite nicht mehr verfügbar, daher meine Einbettung des youtube-Mitschnitts. [zurück]

Sartre goes Gegenuni // Sartre über Freiheit, Unbewusstsein und Sexualität

Und schon folgt der zweite Streich: ein kurzer Bericht über die Veranstaltungen zu Jean-Paul Sartre im Rahmen der 11. Gegenuni. Kernthema ist Sartres Begriff der Sexualität – man sieht zugleich, wie progressiv Sartres Verständnis von „Perversionen“ wie Homosexualität oder „Sadomasochismus“ war. Natürlich ist es nicht möglich, derart komplexe Theorien auf vier Seiten zusammenzufassen – es handelt sich also eher um einen teaser, der Lust auf mehr machen soll. Denn für das nächste Jahr ist eine weitere Veranstaltungsreihe geplant, die u.a. auch einen Lesekreis des Kapitels Die konkreten Beziehungen zu anderen
(in dem sich eben u.a. Sartres Theorie der Begierden befindet) beinhalten soll.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten des Sartre/Heidegger-Lesekreises und der nächsten Veranstaltungsreihe gibt es u.a. auch über die Mailadresse jpsartre [“at“ einfügen] email.de.

Download des Berichts als pdf

Aus aktuellem Anlass … Ein Rückblick auf die 11. Gegenuni


Graphik von Fuchskind

Anlässlich eines Berichts über das diesjährige Berliner Pornfilmfestival von TaP auf dem Mädchenblog ist dort schon wieder – man erinnere sich – eine kontroverse Debatte zur politischen Bewertung von SM-Pornographie wie BDSM im Allgemeinen entflammt. Immerhin gesteht TaP diesmal selbst ein: „Zu meinem eigenen Mißfallen muß ich sagen, daß ich die Dominanz der butch eine ganze Zeit lang sexy fand. Irgendwann sagte aber nicht nur der Kopf, sondern auch der Bauch ‚nein‘.“ „Das Böse“ liegt uns also – wieder einmal – näher als uns lieb ist.
Freilich wirkt es angesichts des hohen moralischen Anspruchs des/r AutorIn doch verwunderlich, wenn Sätze fallen wie: „Davor gab es den Kurzfilm Noir Slut mit hetero/a/sexuellem SM (Domina tröpfelt heißen Kerzenwachs auf einen Mann.) Prädikat: Kein Mitleid mit Männern im Patriarchat, aber: ich hätte es nicht sehen müssen.“

Fern davon, einen eigenen durchreflektierten Beitrag zu dieser Debatte zu liefern, will ich hier einen Bericht über die Veranstaltungen zu SM im Rahmen der letzten Gegenuni veröffentlichen. Trotz der bewusst (weitgehend) neutral gehaltenen Form des Berichts, bringt er einige mir sehr wichtige Aspekte zu der gesamten Diskussion recht gut auf den Punkt. Zudem enthält er einige Literaturhinweise, die ebenfalls einen Blick wert sind.

Download des Berichts als pdf

In eigener Sache

Ich habe mit einigen Kolleginnen und Kollegen lange getrunken und Musik gehört. Um vier Uhr hatte ich die Schnauze voll und habe mich auf den Heimweg gemacht. Ich bin in die Straßenbahn gestiegen und habe versucht die acht Stationen bis nach Hause zu verschlafen. An der zweiten Station hat sich ein Typ auf den Platz gegenüber gesetzt. Er telefonierte lautstark und der Minutenschlaf war beendet. „…Nächstes mal kommst du zu mir. Du glaubst doch wohl nicht das ich noch mal in so ein Kanackenghetto fahre nur um einen zu kiffen“ (er guckt mir provozierend in die Augen und ich kriege schlechte Laune). „Alter…, bei dir im Viertel sieht es aus wie in Nordafrika“ (Noch ein provozierender Blick in meine Richtung und meine schlechte Laune verwandelt sich in Gewaltbereitschaft). „Ich hab kein Bock auf die Nigger“.
Ich habe dann meine Nase auf 10 Zentimeter an seine heranbewegt und ihm mitgeteilt: „Sprich ruhig weiter mein Freund“. Ich hielt diesen Spruch für ausreichend und habe mich darauf vorbereitet seinen Schädel an der nächsten Station einzuschlagen. Hinter mir stand eine junge Frau mit einem Kinderwagen. Einige ältere Herrschaften und ein Bahnangestellter standen an der Tür. Meine Provokation beeindruckte das Wunschopfer nicht. Er stand auf und verließ den Zug an der nächsten Station.
Ich war zu faul hinterherzuspringen. Ich habe dann auch gemerkt dass ich auf solche Aktionen eigentlich gar kein Bock mehr habe. Über die Jahre, über strafrechtliche und körperliche Blessuren bin ich ängstlich geworden. Meine jugendliche Entschlussfreudigkeit ist dahin – dem permanenten Zweifel und der instrumentellen Scheissvernunft gewichen.

Warum habe ich diesen Quatsch hier veröffentlicht? Keine Ahnung. Mir war wohl gerade danach. In zwei Wochen ist auf jedem Fall Soliparty im IvI. Wer wissen will um was es geht, kann dort bei mir persönlich nachfragen.




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