Anekdote aus Libyen // Wer auch sonst?

Heute schon wieder eine gute Szene in der Tagesschau. Im Bild: Eine wütende Menge umringt einen Mann, der triumphierend ein von der libyschen Armee erbeutetes MG hochhält. Er ruft laut Übersetzung so etwas wie: „Da seht ihr’s, die USA und Israel haben Gaddafi seine Waffen geliefert!“ Der Sprecher dazu aus dem Off: „Was die Menschen nicht wissen können – diese Waffe wird in Belgien produziert.“


43 Antworten auf “Anekdote aus Libyen // Wer auch sonst?”


  1. Gravatar Icon 1 Ralf Suark 27. Februar 2011 um 12:43 Uhr

    Tja, die Welt ist eben wesentlich komplexer als es immer zunächst scheint. Ich würde den Menschen dort aber auch hier ja gerne eindeutige Feindbilder liefern aber die gibt es ja nur in Comicbüchern. Heute haben wir nur Interessengemeinschaften.

  2. Gravatar Icon 2 Thiel Schweiger 27. Februar 2011 um 17:25 Uhr

    Die Anekdote zeigt halt vorallem, dass die derzeitigen Rebellionen im arabischen Raum keinesfalls nur positiv zu beurteilen sind. Da muss man schon sehr wachsam sein.

    Auch wenn es aus einer emanzipatorischen Perspektive natürlich begrüßenswert ist, wenn Diktatoren wie Gaddafi gestürzt werden – islamischistische oder sonstwie reaktionäre in diesem Raum sind auch nicht viel besser bzw. vermutlich sogar schlechter. Die iranische Revolution hat ja hinreichend gezeigt, wie schnell eine ursprünglich progressive Bewegung reaktionär umschlagen kann. Und wenn dann völlig selbstverständlich das urantisemitische Feindbild von „USrael“ beschworen wird, gemahnt das schon zur Vorsicht.

    Ich bin jedenfalls sehr skeptisch was diese Entwicklungen betrifft und warte mal lieber ab, was da genau passiert. Hoffentlich haben die progressiven Teile der dortigen Revolutionsbewegungen aus den Fehlern der iranischen Revolution gelernt und gehen keine voreiligen Bündnisse mit den Islamisten ein oder kippen nicht sonstwie ins „antiimperialistische“ Lager.

  3. Gravatar Icon 3 earendil 27. Februar 2011 um 19:18 Uhr

    Ah, noch ein „Skeptiker“. Befindest dich ja in passender Gesellschaft.

    PS: Die Schweigers im Urlaub.

  4. Gravatar Icon 4 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 9:22 Uhr

    Tja, mal abwarten, wem die Geschichte recht gibt. ;)

  5. Gravatar Icon 5 Gadaffi 28. Februar 2011 um 12:27 Uhr

    Wenn die USA und/oder Israel nicht mit Waffenverkäufen assoziiert werden wollen, sollen sie halt aufhören Waffen zu exportieren. So einfach ist das.

  6. Gravatar Icon 6 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 12:43 Uhr

    Lern erst mal deinen Namen richtig schreiben, Scherzkeks.

    Es ist schon bedenklich, wenn man vor jeder Prüfung einfach mal annimmt, westlich aussehende Waffen stammten aus den „USA und Israel“. Das ist kein Irrtum, sondern „pathische Projektion“, zumal Libyen vermutlich von dem „guten“ Antiimp-Europa viel mehr gesponsert wurde als von der „Ostküste“ und dem „kleinen Bruder“.

    Überhaupt – jedweden Waffenexport verbieten, oder was?
    Israel stellt nun mal verdammt gute Waffen her – soll es die für sich behalten?

  7. Gravatar Icon 7 umwerfilein 28. Februar 2011 um 12:47 Uhr

    deutschland und österreich stellen auch verdammt gute waffen her – sollen die diese waffen für sich behalten?

  8. Gravatar Icon 8 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 12:55 Uhr

    Die können Waffen verkaufen soviel sie wollen. Mir ist das erstmal egal. Wenn man schon auf die realpolitische Ebene gehen möchte, machen natürlich Forderungen nach einer politisch motivierten Embargopolitik Sinn.

    (Und ja ok – Deutschland und Österreich hätten wohl besser demilitarisiert bleiben sollen. Anders Thema.)

  9. Gravatar Icon 9 оленьнива 28. Februar 2011 um 13:02 Uhr

    Das Land heißt Libyen, nicht Lybien.

  10. Gravatar Icon 10 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 13:05 Uhr

    Hehe, das hat aber wohl lange gedauert, bis es jemand merkt.

  11. Gravatar Icon 11 umwerfilein 28. Februar 2011 um 13:08 Uhr

    österreichs heer ist eh ziemlich demilitarisiert :D
    aber ne schöne wachtumsbranche ist der waffenexport schon. und irgendwie sind waffen ja auch nur waren, ähnlich wie getreide zB.

  12. Gravatar Icon 12 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 13:12 Uhr

    Es gibt schon ne österreichische Armee: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Milit.C3.A4r

    „aber ne schöne wachtumsbranche ist der waffenexport schon. und irgendwie sind waffen ja auch nur waren, ähnlich wie getreide zB.“

    Jaja.

    Nachbemerkung: ich hab den Begriff „Demilitarisierung“ (wohl inkorrekterweise) auch in dem Sinne gemeint, dass keine Rüstungsgüter produziert werden dürfen. Aber egal …

  13. Gravatar Icon 13 tee 28. Februar 2011 um 13:43 Uhr

    meine nikes werden in bangladesh produziert. ich halte sie dennoch für us-amerikanische schuhe.

  14. Gravatar Icon 14 umwerfilein 28. Februar 2011 um 13:47 Uhr

    wieso sollte gerade österreich keine waffen produzieren dürfen? und natürlich hat österreich ein heer – aber was für eines! allerdings ändert sich das grad im zuge der eu-militarisierung.

    usa und israel werden zuallererst identifiziert, weil
    1. die beiden staaten seit jahrzehnten immer wieder krieg führen – und im sog. „arabischen raum“ immer wieder „interveniert“ haben bzw. das heute noch tun (v.a. USA). das kann man schlicht nicht bestreiten.
    2. in der tat viele regime durch die USA gestützt wurden/werden, zB ägypten. das konnte der noch-diktator über jahrzehnte hinweg auch gut propagandistisch verbraten.
    3. europa erst eine einsatztruppe aufbaut, die dann eigenständig auch mal hart durchgreifen soll, wenn jemand nicht kuscht – europa wird großteils als harmlos – im vergleich zu den USA – wahrgenommen (was falsch ist).

    der fehler ist, dass europa in seiner brutalität bei der durchsetzung imperialistischer interessen unterschätzt wird. der blick richtet sich wie gebannt auf die (noch-)weltmacht und ihre schützlinge (als allererstes: israel). das wird sich aber in den nächsten jahrzehnten ändern, wenn erstmal die eu-kampftruppen das von der EU beanspruchte einsatzgebiet „unter kontrolle“ haben.

  15. Gravatar Icon 15 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 15:07 Uhr

    „meine nikes werden in bangladesh produziert. ich halte sie dennoch für us-amerikanische schuhe.“

    Sehr geistreich. Ich bin beeindruckt. :x

    @ umwerfilein:

    Du machst ja echt aus ner Mücke nen Elefanten … Erwecke ich den Eindruck, als hätte ich Lust auf weitere Nervdiskus mit dir und deinesgleichen? Ich ahne schon fürchterliches, seitdem ich durch euren Spam schon wieder bei „blogsports most discussed“ gelandet bin.

    Kurze Antwort:

    Ja, was du schreibst ist schon richtig. Aber ich halts wie gesagt trotzdem für nen Rationalisierungsversuch, zumal (s.o.) Libyen zu EUropa weit bessere Beziehungen unterhält als zu den USA. Wieso gelten die Hasspredigten nicht Italien?

    Da waren mir die iranischen Aufständischen mit ihrer (in diesem Kontext) höchst progressiven Parole „Nicht China, nicht Russland, nicht Palästina – unser Leben für den Iran!“ (aus dem Gedächtnis zitiert) schon wesentlich sympathischer (hab dazu in der Zeit ja auch auch mehrfach was geschrieben).

    Aber wie gesagt – vllt lasse ich mich ja wirklich von Vorurteilen leiten und man muss das alles in einem anderen Kontext sehen. Ich bin gespannt und würde mich ja freuen, wenn es anders läuft.

  16. Gravatar Icon 16 umwerfilein 28. Februar 2011 um 15:26 Uhr

    unser leben für die nation iran, klingt total unterstützenswert. da opfert man gerne sein leben für die nationale sache, zumindest thiel sieht es wohlwollend – aber gleichlautende parolen in palästina – unser leben für palästina – und co. gefallen dir auch? du kleiner schummler ;)

  17. Gravatar Icon 17 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 15:27 Uhr

    Zu Ägypten:

    Hier mal ein recht schockierender Bericht:

    http://www.nypost.com/p/news/international/cbs_reporter_cairo_nightmare_pXiUVvhwIDdCrbD95ybD5N

    Ähnliche Berichte kamen ja während der ganzen letzten Wochen auch in deutschsprachigen Medien. Sich als europäisch aussehender Mensch derzeit in dieser Region zu bewegen scheint lebensgefährlich zu sein.

    Ein anderes jüngst vergangenes Bsp, das freilich auch kein besonders gutes Licht auf die Regierung Mubarak wirft:

    http://www.heute-in-israel.com/2010/12/vorwurf-israel-plagt-aegypten-mit-haien.html

    (Wobei dies keine spezifisch ägyptische Angelegenheit ist – hier auch mal auch nen Link zu nem deutschsprachigen und offensichtlich gebildetem Antisemiten:
    http://brightsblog.wordpress.com/2010/12/30/agypten-haie-israel-und-polnischer-tourismus/)

    ***

    Ich bin halt dagegen, jede Revolte auf der Welt von vorneherein abzufeiern nur weil irgendwer irgendwas gegen „die Mächtigen“ macht. Pogrome sind halt auch ne Form von Revolte…

  18. Gravatar Icon 18 umwerfilein 28. Februar 2011 um 15:36 Uhr

    wie sehen denn europäer aus? wie rumänen oder wie arier deutsche? wer schonmal in ägypten und co war, weiß im übrigen, dass es auch blonde und blauäugige araber gibt. die sehen dann deutsch äh nordisch äh europäisch aus.

    natürlich gibt’s da nen israelhass und nen antisemitismus. und das:
    http://www.arabawy.org/2011/02/02/made-in-the-usa-from-obama-with-love/ und 2 mrden militärhilfe.

    wer feiert die aufstände denn ab?

  19. Gravatar Icon 19 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 15:39 Uhr

    @ Iran:

    Das ist doch lang und breit diskutiert worden – diese Parole ist halt gegen den weltrevolutionären Anspruch des antizionistisch-antiimperialistischen Regimes gerichtet.

    Hier dafür nen Beleg:

    http://iran-now.net/forum/viewtopic.php?p=2340328

    Es heißt dort: „Nicht Gaza und auch nicht Libanon, unser Leben für Iran“
    Diese Parole stört euch Post-antiimps natürlich, was? Wie können die nur gegen Antizionismus sein, und das als vom bösen Westen unterdrückte Muslime. Pfui!

    Der Witz ist doch, dass das kritikable Spezifikum am iranischen Regime und seiner Ideologie, die sich ja auch in seiner faktischen Politik manifestiert, ist, dass die keinen gewöhnlichen Patriotismus vertreten, sondern eine durchaus kosmopolitane Befreiungsideologie (nur allzu ähnlich den deutschen Nazis [Achtung: KEINE Gleichsetzung!]). Dagegen einen aufgeklärten Patriotismus zu vertreten, halte ich für äußerst progressiv, zumal aus den Äußerungen der Bewegung ja deutlich hervorgeht, dass die wenn sie „unser Leben für Iran“ sagen, alles andere als einen nationalistischen Kollektivismus im Sinn haben.

  20. Gravatar Icon 20 umwerfilein 28. Februar 2011 um 15:56 Uhr

    „Diese Parole stört euch Post-antiimps natürlich, was?“

    wer „euch“? die parole ist schlicht nationalistisch, das stört mich dran. ob der nationalismus dann pro-westlich ist oder nicht, ist zweitrangig.
    zudem hat jeder staat nen imperialistischen anspruch, es stellt dich lediglich die frage, ob er ihn auch real durchdrücken kann.

    die nazis waren keine turbo-nationalisten? ist ja interessant. wo hast das her? und „gewöhnlicher patriotismus“ ist nochmal was, unterscheidet sich wie vom nationalismus und inwiefern ist patriotismus bitte „progressiv“?! leute, der hauptfeind steht doch nicht im eigenen land – sondern? let’s make volksfront!

  21. Gravatar Icon 21 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 15:56 Uhr

    „wie sehen denn europäer aus? wie rumänen oder wie arier deutsche? wer schonmal in ägypten und co war, weiß im übrigen, dass es auch blonde und blauäugige araber gibt. die sehen dann deutsch äh nordisch äh europäisch aus.“

    Zumindest der arabische Mob scheint da nen Blick für zu haben… Musst du schon die fragen, wie die das machen.

    „natürlich gibt’s da nen israelhass und nen antisemitismus. und das:
    http://www.arabawy.org/2011/02/02/made-in-the-usa-from-obama-with-love/ und 2 mrden militärhilfe.“

    Wechsel doch nicht ständig den Gegenstand. Es ging ursprünglich nur um Libyen, jetzt willst du unbedingt über den Iran und Ägypten diskutieren.
    Das ist schon alles richtig was du sagst.

    „wer feiert die aufstände denn ab?“

    Zumindest earendils Post habe ich schon so verstanden, dass mir mangelnde Solidarität und Begeisterung vorgeworfen wird.
    Wer noch? Keine Ahnung. In meinem linken Bekanntenkreis schon ein paar Leute … (ich ja auch, wenn in in der Stimmung dazu bin ^^)

  22. Gravatar Icon 22 umwerfilein 28. Februar 2011 um 16:05 Uhr

    „europäisch aussehender Mensch“ — deine worte, thiel.
    ich will den iran gar nicht debattieren – du hast den doch reingebracht (angeblich progressive forderung). ägypten war mir nur ein beispiel; bahrain wäre noch eines, saudi-arabien auch. siehe nr. 1 und 2 meines früheren kommentars.

    wir können uns das aber wirklich sparen. nur eines würde mich noch interessieren. das mit dem nationalismus und patriotismus.

  23. Gravatar Icon 23 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 16:33 Uhr

    „„europäisch aussehender Mensch“ — deine worte, thiel.“

    Jaja, sowas gibts ja garnicht, ist ja alles nur Konstrukt. ;))
    Man fällt ja als Europäer überhaupt nicht auf, wenn man durch Tokio, Kairo oder schwarze Viertel Kapstadts spazieren geht.
    Mir ist es ehrlich schon total oft passiert, dass mich Leute für einen Araber oder einen Chinesen gehalten haben, ohne Witz.

    Also ehrlich – wen willst du mit diesem Vulgärpoststruk eigtl zum besten halten?

    „wir können uns das aber wirklich sparen. nur eines würde mich noch interessieren. das mit dem nationalismus und patriotismus.“

    Ne, ich weiß genau welche Argumente du bringen wirst und weiß schon genau, dass das wieder zu ner riesigen Grundsatzdiskussion ausarten wird (die ich im übrigen schon mindestens einmal geführt habe – auch online). Nicht hier, nicht heute.
    Das komplizierte: dass was du an abstrakter Patriotismus (und auch Rassismus-) kritik vorbringst ist ja nicht falsch. Es ist nur abstrakt im Sinne von einseitig. Aber da du das (mangels verständlicher Befangenheit in Alltagsverstandskategorien) nicht kapierst und meine Position immer nur in deine abstrakte Schablone zu pressen versuchst, kann ich mit dir schlichtweg nicht diskutieren.

  24. Gravatar Icon 24 bigmouth 28. Februar 2011 um 16:43 Uhr

    es muß sich gar nicht um antiamerikanismus handeln:

    http://de.wikipedia.org/wiki/M249_SAW

    dieses belgische MG dürften die meisten leute als MG der US Army kennen – da liegt es nahe, es auch für ein amerikanisches produkt zu halten

  25. Gravatar Icon 25 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 16:51 Uhr

    Das würde die Verwechslung in der Tat erklären, okay.

    Die in der Tagesschau gezeigte Szene hat freilich – es war natürlich nur ein kurzer Ausschnitt – durchaus den Eindruck gemacht, als ging es um antiamerikanisch/antizionistische Stimmungsmache und nicht um eine sachliche Analyse, woher genau die Waffen der libyschen Armee stammen.

  26. Gravatar Icon 26 umwerfend, was sonst? 28. Februar 2011 um 16:56 Uhr

    „„europäisch aussehender Mensch“ — deine worte, thiel.“

    Jaja, sowas gibts ja garnicht, ist ja alles nur Konstrukt.

    eine rumänin, ein portugiese und eine bulgarin fallen in kairo nicht auf.

    aber ich weiß schon, was du mit „europäisch aussehend“ meinst: „nordisch“ aussehend. ja, da es zwar blonde und blauäugige araber gibt, aber nicht so viele wie im arierland, fällt es wahrscheinlich auf, wenn eine blond-deutsche reisetruppe durch kairo hatscht.

    jaja, alltagsverstand und so. passt scho, thiel. dann wünsch‘ ich dir viel spaß mit dem progressiven nationalismus a la deutschland 2011. immerhin nicht der NS, wa?

  27. Gravatar Icon 27 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 17:10 Uhr

    „eine rumänin, ein portugiese und eine bulgarin fallen in kairo nicht auf.“

    Ja, die werden u.U. einfach mal pauschal für Juden gehalten (s.o.), da geb ich dir recht.
    Ich kenn übrigens auch blonde Rumänen – soviel dazu. Und ich glaube durchaus, dass es abseits der Haar-, Augen- und Hautfarbe noch andere Kriterien gibt, jemanden als Europäer zu identifizieren – und seis der Akzent.

    „aber ich weiß schon, was du mit „europäisch aussehend“ meinst: „nordisch“ aussehend. ja, da es zwar blonde und blauäugige araber gibt, aber nicht so viele wie im arierland, fällt es wahrscheinlich auf, wenn eine blond-deutsche reisetruppe durch kairo hatscht.“

    Wahrscheinlich kriegen in Einzelfällen auch deine blonden und blauäugigen Araber eins aufs Maul. Und umgekehrt kommen schwarzhaarige deutsche heil durch, solange sie nicht zu sprechen anfangen [und nicht akzentfrei arabisch sprechen] – das mag schon sein, ja.

    Ich hab ja mit bedacht geschrieben: „europäisch aussehend“, nicht „europäisch“, um zu markieren, dass es um den Anschein geht – also dafür, für was die Leute gehalten werden.

    „jaja, alltagsverstand und so. passt scho, thiel. dann wünsch‘ ich dir viel spaß mit dem progressiven nationalismus a la deutschland 2011. immerhin nicht der NS, wa?“

    Danke. Ich versuche mein bestes. :x

  28. Gravatar Icon 28 umwerfend, was sonst? 28. Februar 2011 um 17:27 Uhr

    thiel: „europäisch aussehend“ hat nichts mit dem akzent zu tun.

    Ja, die werden u.U. einfach mal pauschal für Juden gehalten, da geb ich dir recht.

    wie schauen eigentlich menschen mosaischen glaubens aus? manchmal wie araber, weil manche araber sind.

    aber du weißt ja: „alles ein konstrukt“.

  29. Gravatar Icon 29 umwerfend, was sonst? 28. Februar 2011 um 17:33 Uhr

    ps: wie kommst eigentlich auf die idee, dass blond als haarfarbe in ägypten und co unbeliebt sei? das ist nicht nur historisch falsch.

  30. Gravatar Icon 30 tee 28. Februar 2011 um 18:37 Uhr

    „wer feiert die aufstände denn ab?“

    na smartie! ;)

  31. Gravatar Icon 31 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 19:30 Uhr

    Umwerfend, ich beziehe mich auf empirisch dokumentierte Fälle von Übergriffen auf Europäer in diesen Tagen in Ägypten. Das habe ich doch oben verlinkt. Ich weiß nicht, was du von mir mit deinem Zeug willst. Schlaf mal ne Runde drüber, dann verstehst du meine Ausführungen vllt. Auf diesem Niveau diskutiere ich definitiv nicht.

    Ob Aussehen / Wirkung: geschenkt.

    Friede sei mit dir.

    @ tee:

    Unter anderem, ja.

  32. Gravatar Icon 32 umwerfend, was sonst? 28. Februar 2011 um 20:03 Uhr

    ich verstehe deine „ausführungen“ durchaus. zusammenfassung:
    - europäer schauen ganz anders aus als ägypter (sagen wir mal: blond).
    - menschen mosaischen glaubens sehen anders aus als ägypter (sagen wir mal: europäisch).
    - nationalismus: böse und unpatriotisch; patriotismus: gut und fortschrittlich.

  33. Gravatar Icon 33 Thiel Schweiger 28. Februar 2011 um 20:39 Uhr

    Jaja, scho recht. :-"

  34. Gravatar Icon 34 neo 01. März 2011 um 6:44 Uhr

    Manometer. @umwerfend. Realsatire.
    Ich würde Eintritt zahlen, für ne halbe Stunde in deinem Kopf.
    Das stelle ich mir wie Geisterbahn vor.

  35. Gravatar Icon 35 Thiel Schweiger 02. März 2011 um 15:22 Uhr

    In Ägypten formiert sich übrigens gerade die Volksfront:

    http://al-samidoun.blogspot.com/2011/02/das-wird-sogar-mir-mulmig-zumute.html

    „Nach Al-Quds (Jerusalem) gehen wir, Märtyrer für Millionen“

    DAS ist die dortige Parole. Das ist kein ägyptischer Nationalismus, sondern panislamischer Kosmopolitismus, der auch die Christen nicht ausgrenzt, sondern als potentielle Helfer im Kampf gegen die „Weltverschörung“ gern integriert.
    Wahrscheinlich kritisieren diese Leute an Mubarak gerade, dass er zu sehr auf die Interessen Ägyptens und zu wenig auf die Interessen der Umma achtet.

    Ich befürchte schlimmes.

  36. Gravatar Icon 36 Thiel Schweiger 03. März 2011 um 21:43 Uhr

    In Tunesien sieht es freilich anders aus:

    http://blogs.reuters.com/faithworld/2011/02/20/tunis-march-against-islamists-for-harmony-after-polish-priest-murdered/

    Da ist dann auch „zufälligerweise“ der Davidstern neben Halbmond und Kreuz mit auf dem Plakat.

    (Der Unterschied hat übrigens nichts mit Demographie zu tun (vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Tunisian_Jews), sondern ist offensichtlich einer im politischen Bewusstsein.)

  37. Gravatar Icon 37 Forty 05. März 2011 um 4:12 Uhr

    Wie schön einfach ist doch die Welt, wenn man sich einzelne Bröckchen wie den Schlußsatz von El-Quadriwi aus seiner Predigt auf dem Meydan Tahrir zur Bestätigung sines Weltbildes des bösen antisemitischen Muselmanen rauspickt, aber von dem dem was sonst da passiert, gesagt und geschrieben wird anscheinend genau nichts mitbekommt.
    Ich kann dir versichern, Israel und Palästina ist dort derzeit ein dermaßenes Randthema, die sind voll und ganz damit beschäftigt die Figuren des alten Regimes, die immer noch überall festhocken, rauszudrängen um die Revolte zu einer wirklichen Veränderung werden zu lassen.
    So mußte zum Beispiel Safik, der noch von Mubarak eingesetzte Premierminitser aufgrung anhaltender Proteste gestern seinen Hut nehmen und ein weit fortschrittlicherer trat an seine Stelle. Gestern abend wurde die Zentrale der verhassten Staatspolizei in Alexandria gestürmt, weil bekannt wurde das dort seit Tagen Akten vernichtet werden. Die Bilder aus dieser bekannten Folterzentrale sehen sind voll mit Schreddermüll, die alte Regime bekommt es langsam mit der Angst zu tun.
    Das sind natürlich alles Sachen die man in deutschen Medien nicht mitbekommt, aber sie passieren. Und das sind die Sachen die dort wichtig sind, nicht ein eingebildeter Marsch nach Jerusalem.
    Aber einen Marsch wird es nächste Woche geben, wenn die, wie man so liest doch recht aufgeklärte, Jugend der MB gegen ihre eigenen alten Führer auf die Strasse geht.

  38. Gravatar Icon 38 Thiel Schweiger 05. März 2011 um 12:27 Uhr

    Meine Ausführungen sind auf die konkreten Äußerungen einer konkreten „muselmanischen“ Masse bezogen (s.o.). An dem krassen Antizionismus dieser Äußerungen gibt es ja nichts zu deuteln. Ebenso habe ich Belege für einen grassierenden ägyptischen Antisemitismus angeführt.
    Es mag sein, dass ich das Halbmond/Kreuz-Banner über- bzw. fehlinterpretiert habe und dass es in Ägypten auch andere Strömungen gibt.

  39. Gravatar Icon 39 earendil 08. März 2011 um 14:35 Uhr

    Es gibt übrigens durchaus „Anekdoten“ aus Libyen, die Anlass zur Sorge geben: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749458,00.html
    Angesichts des ohnehin latenten Rassismus‘ gegen Schwarzafrikaner und des gerüchteweisen oder tatsächlichen Einsatzes schwarzafrikanischer Söldner durch das Gaddafi-Regime war sowas leider fast schon zu erwarten.

    Diesen „gewöhnlichen“ Rassismus halte ich für bedeutsamer als allen Antiamerikanismus und Antizionismus. Wenn ein Zehnjähriger ständig kleine Erstklässler verprügelt, kümmert mich das nämlich auch wesentlich mehr, als wenn er lautstark den stiernackigen Hünen fünf Klassenstufen über ihm beschimpft.

    Um sowas ins Blickfeld zu kriegen, müsste man sich aber mal von der zwanghaften Fixierung auf Israel und die USA lösen, und zudem einsehen, dass antideutsche Theoriebildung zur Kritik von „gewöhnlichem“ Rassismus, wo sie ihn nicht noch aktiv befördert, nullkommanichts beizutragen hat.

    Und das gilt, btw, für das gesamte Thema „arabischer Frühling“.

  40. Gravatar Icon 40 Thiel Schweiger 08. März 2011 um 16:29 Uhr

    Hehe, witzigerweise bin ich über derartige Berichte gerade erst gestern selbst gestolpert und habe mir schon überlegt, dass auch zu bloggen. Ja – das ist bedenklich. Schließt sich eine Rassismus- und Antisemitismuskritik gegenseitig aus? Ich hoffe nicht.
    Gerade was Ägypten betrifft, schätze ich den Antisemitismus jedoch als gefährlicher als den Rassismus, den es natürlich auch gibt (und gerade auch als gegen die Weißen gerichteten) ein – gerade weil eben die Gefahr eines Bruchs des Friedensvertrags zwischen Ägypten und Israel besteht.
    Zum ägyptischen Antisemitismus hab ich auf hagalil.com ne ganz gute Studie gefunden:
    http://www.hagalil.com/antisemitismus/islam/heibach-1.htm

    Doch auch da heißt es rationalisierend:

    „Richtig bleibt, dass der Palästinakonflikt der Hauptgrund der heutigen Verbreitung antisemitischer Stereotype in der arabisch-islamischen Welt ist.“

    Da würde ich dagegen halten, dass es nur vor dem Hintergrund einer bereits bestehenden Prädisposition zum Antisemitismus Sinn macht, den Nahostkonflikt zum „Hauptgrund“ antisemitischer Stereotype zu machen. Es ist sehr bedenklich und rationalisierend, dem empirischen Verhalten der Juden die Schuld am Antisemitismus zu geben.

    Ein anderer sehr interessanter Bericht dazu:

    http://beer7.wordpress.com/2008/12/02/moderater-islam-scheich-mohammed-tantawi/

    Was mir vorher garnicht klar war, ist, wie tief islamisch selbst die ägyptische Verfassung ist. Ich hoffe, die augenblickliche Revolution richtet sich auch dagegen.

    Was für obskure Blüten der offizielle ägyptische Islamismus mitunter treibt, sieht man etwa an solchen Berichten:

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/6681511.stm

  41. Gravatar Icon 41 shaebo 25. März 2011 um 14:45 Uhr

    @ Schweiger:

    Empirisches Verhalten der Juden?
    Zwar besteht der Zionismus bedingungslos und illegitimerweise darauf die Juden der Welt zu vertreten (der Antisemit, zumindest im Nahen Osten, ist derjenige der ihm glaubt),
    doch tut er dies nicht.
    Wenn, dann sprechen wir vom empirischen Verhalten der Zionisten.

  42. Gravatar Icon 42 Thiel Schweiger 30. März 2011 um 20:43 Uhr

    Das war ne generelle Aussage. Mit „empirisch“ meinte ich das wirkliche Verhalten im Gegensatz dazu, wie es der Antisemit interpretiert bzw. imaginiert.

    Ich bin mir nicht sicher, inwiefern „der“ Zionismus (?) oder auch der Staat Israel behauptet, für alle Juden der Welt zu sprechen. Hast du dafür einen Beleg?

    Davon abgesehen: bist du ernsthaft der Ansicht, die Zionisten, wer immer das sei, seien Schuld am Antisemitismus?

  1. 1 Revolutionszeit « Smarties Welt Pingback am 28. Februar 2011 um 9:59 Uhr

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