Feeling Recognized

Die FAZ hat einen lustigen Spaß für Schreiberlinge und solche, die es werden wollen, ins Internet gestellt: den FAZ-Stiltest „Ich schreibe wie…“. Freilich funktionierte die Zuordnung zu Nietzsche nur bei einem Text – bei dem ich das auch erwartet hatte. Bei anderen ergab sich bei mir eine große Übereinstimmung zu Dietmar Dath – auch wenig verwunderlich, bin ich doch durchaus am Popjournalismus geschult (um mal ein kleines Betriebsgeheimnis preiszugeben). Meine eher theoretischen Texte wurden einmal Sigmund Freud und einmal – und das hat mich wirklich gefreut – Georg Friedrich Wilhelm Hegel zugeordnet. Wobei: in diesem Text ging es schlichtweg um hegelianische Philosophie und in dem Nietzsche-Text habe ich eine nietzschianische Position vertreten. Um das zu prüfen, habe ich einmal einen dezidiert marxistischen Text von mir eingegeben – das Ergebnis war dementsprechend. Bei einer bewussten Heidegger-Persiflage von mir hat es leider nicht so gut funktioniert: sie wurde stilistisch Johann Wolfgang von Goethe zugeordnet. Mehrere Gedichte haben mir hat es wiederum geschafft, mit Friedrich Schiller verglichen zu werden.1 Und – man höre und staune – eine belanglose Mail an meine liebe Erzeugerin glich gar stilistisch ebenso dem Titanen aus Frankfurt (was sagt das über meine Beziehung zu ihr aus? Hm ….)

Dieses Programm bietet wirklich schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Die spannende Frage: schreibt Goethe überhaupt immer wie Goethe, Nietzsche wie Nietzsche, Marx wie Marx? Ist es nicht gerade ein Zeichen von stilistischer Gewandheit, sozusagen in verschiedenen Zungen reden zu können, den Stil jeweils dem Gegenstand anzunähern? Zumindest DAS würde mir ja laut Test einigermaßen gelingen. Jedenfalls ist er ein gutes Mittel, wenn man mal eine kleine Aufmunterung beim einsamen Geschäft des Schreibens braucht. (Es sei denn, man versucht wirklich einen bestimmten Autoren nachzuahmen und ist dann enttäuscht, wenn es nicht klappt – doch dies ist sicherlich in den meisten Fällen keine sehr empfehlenswerte Richtlinie für Autoren.)

Und ach ja: dieser Artikel gleicht stilistisch übrigens Ingo Schulze. Naja, auch nicht so prall, auch wenn ich mal bei einer Lesung von ihm war, die ich recht unterhaltsam fand. Zumindest unterhaltsam genug, um meiner lieben Erzeugerin ein handsigniertes Buch von ihm zu schenken. Irgendwie werde ich dieses Thema heute nicht los – doch zuviel Freud gelesen?

PS: Ach ja² – nach ein paar Nachbesserungen hat es doch funktioniert mit der lockerflockigen Pop-Schreibe: Rainald Goetz!!! Ich habs einfach drauf! ;-)

[Nächste Woche dann mehr in der Reihe: Ecce Thiel – Warum ich so geile Texte schreibe ^^]

  1. Eines mit Heinrich Heine – und tatsächlich eines, das auch „heinianisch“ wirken sollte. Eine gewisse Objektivität scheint dem Test also tatsächlich zuzukommen. [zurück]

8 Antworten auf “Feeling Recognized”


  1. Gravatar Icon 1 lea 09. Juni 2011 um 19:19 Uhr

    Karl Marx
    Gewonnen. Oi! :d

  2. Gravatar Icon 2 derivat 10. Juni 2011 um 0:25 Uhr
  3. Gravatar Icon 3 derivat 10. Juni 2011 um 0:30 Uhr

    Rainald Goetz
    das gefällt mir

  4. Gravatar Icon 4 derivat 10. Juni 2011 um 0:34 Uhr

    so schreibt übrigens „karl marx“:

    1000_words_pm „Identitätsformation und Diskurstyp in der Techno-Kultur – Aus der Perspekive der Poststrukturalismus-Debatte“

    0. PRÉFACE SUR LA DEUXIEME EDITION 1. VORWORT 2. ZUR EINFÜHRUNG DER UND IN DIE TECHNO-KULTUR 2.1. Was ist Techno-Musik und wie funktioniert sie? 2.2. Zur Partykultur 2.3. Popmusiken und assoziierte Jugendkulturen in den 90er Jahren 2.4. Einordnung der Techno-Kultur in das skizzierte Dispositiv und Darstellung des Forschungsvorhabens 3. SPRACHE UND DISKURS IN DER TECHNO-KULTUR 3.1. Vorbemerkungen zur Arbeitsweise 3.2. Die Musik, die ohne Text funktioniert 3.2.1 Stimme und Text in der Techno-Musik 3.2.2.Die Implikationen für das Zuhören 3.3. Drei ausgewählte Beispiele reflexiv-analytischer und literarischer Versuche über die Techno-Kultur zu sprechen 3.3.1. Patrick Walder/Philip Anz (Hrsg.) – “Techno” 3.3.2. Ulf Poschardt – “DJ-Culture” 3.3.3. Techno-Kultur und die Bedingungen des Sprechens von ihr bei Rainald Goetz 3.3.4. Zusammenfassung und Auswertung 3.4. Analyse der Diskurse in der Techno-Kultur 3.4.1. Theoretische Vorbemerkung. Michel Foucaults Diskursanalyse unter besonderer Berücksichtigung des Begriffs der diskursiven Strategie. 3.4.2. Zur Sprache von Flyern 3.4.3. Eine techno-spezifische Form des Zeitschriftenformats: Inhaltsanalyse von “Der Partysan” (Ausgabe Juli 1996) 3.4.3.1. Zur vorliegenden Ausgabe von “Der Partysan” 3.4.3.2. Die Funktion der Werbung und das Verhältnis ihres Diskurses zu den übrigen Texten. Bestimmung der ersten diskursiven Strategie. 3.4.3.3. “Der Partysan”: Redaktioneller Teil. Die zweite diskursive Strategie. 3.4.4. Das Verhältnis des Diskurses von “Der Partysan” zu kritischen und interpretierenden Diskurse 3.4.4.1. Darstellung der zwei konkurrierenden Diskurse 3.4.4.2. Die Bezugnahme von “Der Partysan” auf die skizzierten Diskurse 3.4.4.3. Die Abwesenheit der Interpretation und der Kategorie der Bedeutung 3.4.5. Techno-Zeitschriften 3.4.5.1. Einleitende Charakterisierung der fünf Zeitschriften 3.4.5.2. Gegliederte Darstellung der enthaltenen Themen 3.4.5.3. Vergleichende Untersuchung eines mehrfach auftauchenden diskursiven Objekts 3.4.5.4. Die dritte diskursive Strategie der Techno-Kultur: Experten-Diskurse. EXKURS: Wie kann man überhaupt über Musik sprechen? 3.4.5.5. Die vierte diskursive Strategie in der Techno-Kultur: experimentelle Diskurse 3.4.6. Auswertung der Analyse-Ergebnisse der Untersuchung von Print-Medien aus der Techno-Kultur 3.5. Der Diskurstyp und die Wahrheitstypen in der Techno-Kultur 3.5.1. Wahrheitstypen und die Diskurse der Techno-Kultur 3.5.2. Zur Funktion von Sprache 3.5.3. Bestimmung des Diskurstyps 4. IDENTITÄTSFORMATION UND SUBJEKTIVIERUNG IN DER TECHNO-KULTUR 4.1. Das Subjekt aus der Perspektive des Poststrukturalismus 4.1.1. Die Stellung der Subjektkategorie in der poststrukturalistischen Theorie 4.1.2. Das Subjekt bei Michel Foucault 4.1.3. Das Subjekt in der postmodernen Kultur 4.2. Der Autor in der Techno-Kultur 4.2.1. Michel Foucaults Konzeption des Autors 4.2.2. Erste Überlegungen zur Autorfunktion in der Techno-Kultur 4.2.3. Der Produzent der Techno-Musik als Autor 4.2.4. Deejayen – Reproduktion und postmoderne Performanz 4.2.5. Die Zerstreuung der Autorfunktion in der Techno-Kultur 4.3. Die Rolle des Körpers 4.3.1. Vorbemerkungen 4.3.2. Als erstes Indiz: Der Körper in den Vocal-Samples 4.3.3. Die zentrale Praktik des Tanzens 4.3.4. Die Funktion des Drogengebrauchs 4.3.5. Die Dezentrierungs-These 4.4. Abschließende Diskussion der Frage der Identitätsformation in der Techno-Kultur 4.4.1. Bestimmung der Techno-Kultur als postmoderne Kultur 4.4.2. Subjektivierung und Techno-Kultur I 4.4.3. Subjektivierung und Techno-Kultur II 5. SCHLUSSBEMERKUNG 6. BIBLIOGRAPHIE

  5. Gravatar Icon 5 neo 10. Juni 2011 um 3:30 Uhr

    2 mal gemacht den Test, mit absolut unterschiedlichen Texten von mir. 2 mal: Freud.
    Also bitte. Das ist doch Quatsch.

  6. Gravatar Icon 6 Dr. Kollossos 10. Juni 2011 um 16:56 Uhr

    nach diesem programm schreibt adorno wie hegel!

  7. Gravatar Icon 7 оленьнива 10. Juni 2011 um 17:40 Uhr

    Das Programm hat also, wie Adorno und seine Fans und eigentlich beinahe ausnahmslos jeder andere ebenfalls, Hegel nicht verstanden.

  8. Gravatar Icon 8 Thiel Schweiger 10. Juni 2011 um 21:48 Uhr

    @ derivat:

    Vllt hat es ja stilistische Ähnlichkeiten mit dem Inhaltsverzeichnis des „Kapital“. :-?

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