Archiv für Juli 2011

Eine weitere literarische Heidegger-Kritik (und eine kleine Polemik gegen den GSP weiter unten!)

Via dem sehr tollen Blog Athene noctua bin ich auf eine weitere tolle Polemik gegen den der Polemik am allerwertesten Philosophen, Martin Heidegger, gestoßen, auf die ich an dieser Stelle aufmerksam machen möchte. Und geschrieben vom absoluten Gott der Polemik, oder zumindest: Beschimpfung, Thomas Bernhard. Viel Vergnügen bei der Lektüre:

Tatsächlich erinnert mich Stifter immer wieder an Heidegger, an diesen lächerlichen nationalsozialistischen Pumphosenspießer. Hat Stifter die hohe Literatur auf die unverschämteste Weise total verkitscht, so hat Heidegger, der Schwarzwaldphilosoph Heidegger, die Philosophie verkitscht, Heidegger und Stifter haben jeder für sich, auf seine Weise, die Philosophie und die Literatur heillos verkitscht. Heidegger, dem die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen nachgelaufen sind und den sie mit widerwärtigen und stupiden Doktorarbeiten überhäuft haben schon zu Lebzeiten, sehe ich immer auf seiner Schwarzwaldhausbank sitzen neben seiner Frau, die ihm in ihrem perversen Strickenthusiasmus ununterbrochen Winterstrümpfe strickt mit der von ihr selbst von den eigenen Heideggerschafen heruntergeschorenen Wolle. Heidegger kann ich nicht anders sehen, als auf der Hausbank seines Schwarzwaldhauses, neben sich seine Frau, die ihn zeitlebens total beherrscht und die ihm alle Strümpfe gestrickt und alle Hauben gehäkelt hat und die ihm das Brot gebacken und das Bettzeug gewebt und die ihm selbst seine Sandalen geschustert hat. Heidegger war ein Kitschkopf, sagte Reger, genauso wie Stifter, aber doch noch viel lächerlicher als Stifter, der ja tatsächlich eine tragische Erscheinung gewesen ist zum Unterschied von Heidegger, der immer nur komisch gewesen ist, ebenso kleinbürgerlich wie Stifter, ebenso verheerend größenwahnsinnig, ein Voralpenschwachdenker, wie ich glaube, gerade recht für den deutschen Philosophieeintopf. Den Heidegger haben sie alle mit Heißhunger ausgelöffelt jahrzehntelang, wie keinen anderen und sich den deutschen Germanisten- und Philosophenmagen damit vollgeschlagen. Heidegger hatte ein gewöhnliches, kein Geistesgesicht, sagte Reger, war durch und durch ein ungeistiger Mensch, bar jeder Phantasie, bar jeder Sensibilität, ein urdeutscher Philosophiewiederkäuer, eine unablässig trächtige Philosophiekuh, sagte Reger, die auf der deutschen Philosophie geweidet und darauf Jahrzehntelang ihre koketten Fladen fallen gelassen hat im Schwarzwald. Heidegger war sozusagen ein philosophischer Heiratsschwindler, sagte Reger, dem es gelungen ist, eine ganze Generation von deutschen Geisteswissenschaftlern auf den Kopf zu stellen. Heidegger ist eine abstoßende Episode der deutschen Philosophiegeschichte, sagte Reger gestern, an der alle Wissenschaftsdeutschen beteiligt waren und noch beteiligt sind. Heute ist Heidegger noch immer nicht ganz durchschaut, die Heideggerkuh ist zwar abgemagert, die Heideggermilch wird aber noch immer gemolken. Heidegger in seiner verfilzten Pumphose vor dem verlogenen Blockhaus in Todtnauberg ist mir ja nurmehr noch als Entlarvungsfoto übrig geblieben, der Denkspießer mit der schwarzen Schwarzwaldhaube auf dem Kopf, in welchem ja doch nur immer wieder der deutsche Schwachsinn aufgekocht worden ist, so Reger. Wenn wir alt sind, haben wir ja schon sehr viele mörderische Moden mitgemacht, alle diese mörderischen Kunstmoden und Philosophiemoden und Gebrauchsartikelmoden. Heidegger ist ein gutes Beispiel dafür, wie von einer Philosophiemode, die einmal ganz Deutschland erfaßt gehabt hat, nichts übrigbleibt, als eine Anzahl lächerlicher Fotos und eine Anzahl noch viel lächerlicherer Schriften. Heidegger war ein philosophischer Marktschreier, der nur Gestohlenes auf den Markt getragen hat, alles von Heidegger ist aus zweiter Hand, er war und ist der Prototyp des Nachdenkers, dem zum Selbstdenken alles, aber auch wirklich alles gefehlt hat. Heideggers Methode bestand darin, fremde große Gedanken mit der größten Skrupellosigkeit zu eigenen kleinen Gedanken zu machen, so ist es doch. Heidegger hat alles Große so verkleinert, daß es deutscbmäglich geworden ist, verstehen Sie, deutschmöglich, sagte Reger. Heidegger ist der Kleinbürger der deutschen Philosophie, der der deutschen Philosophie seine kitschige Schlafhaube aufgesetzt hat, die kitschige schwarze Schlafhaube, die Heidegger ja immer getragen hat, bei jeder Gelegenheit. Heidegger ist der Pantoffel- und Schlafhaubenphilosoph der Deutschen, nichts weiter. Ich weiß nicht, sagte Reger gestern, immer wenn ich an Stifter denke, denke ich auch an Heidegger und umgekehrt. Es ist doch kein Zufall, sagte Reger, daß Heidegger ebenso wie Stifter vor allem immer bei den verkrampften Weibern beliebt gewesen ist und noch heute beliebt ist, wie die betulichen Nonnen und die betulichen Krankenschwestern den Stifter sozusagen als Lieblingsspeise essen, essen sie auch den Heidegger. Heidegger ist noch heute der Lieblingsphilosoph der deutschen Frauenwelt. Der Frauenpbilosoph ist Heidegger, der für den deutschen Philosophieappetit besonders gut geeignete Mittagstischphilosoph direkt aus der Gelehrtenpfanne.

Wenn Sie in eine kleinbürgerliche oder aber auch in eine aristokratisch-kleinbürgerliche Gesellschaft kommen, wird Ihnen sehr oft schon vor der Vorspeise Heidegger serviert, Sie haben Ihren Mantel noch nicht ausgezogen, wird Ihnen schon ein Stück Heidegger angeboten, Sie haben sich noch nicht hingesetzt, hat die Hausfrau Ihnen schon sozusagen mit dem Sherry Heidegger auf dem Silbertablett hereingebracht. Heidegger ist eine immer gut zubereitete deutsche Philosophie, die überall und jederzeit serviert werden kann, sagte Reger, in jedem Haushalt. Ich kenne keinen degradierteren Philosophen heute, sagte Reger. Für die Philosophie ist Heidegger ja auch erledigt, wo er noch vor zehn Jahren der große Denker gewesen ist, spukt er jetzt nurmehr noch sozusagen in den pseudointellektuellen Haushalten und auf den pseudointellektuellen Gesellschaften herum und gibt ihnen zu ihrer ganzen natürlichen Verlogenheit, noch eine künstliche. Wie Stifter, ist auch Heidegger ein geschmackloser, aber ohne Schwierigkeiten verdaulicher Lesepudding für die deutsche Durchschnittsseele. Mit Geist hat Heidegger ebenso wenig zu tun, wie Stifter mit Dichtung, glauben Sie mir, diese beiden sind, was Philosophie und was Dichtung betrifft, soviel wie nichts wert, wobei ich aber doch Stifter höher ein,schätze als Heidegger, der mich ja immer abgestoßen hat, denn alles an Heidegger ist mir immer widerwärtig gewesen, nicht nur die Schlafhaube auf dem Kopf und die selbstgewebte Winterunterhose über seinem von ihm selbst eingeheizten Ofen in Todtnauberg, nicht nur sein selbstgeschnitzter Schwarzwaldstock, eben seine selbstgeschnitzte Schwarzwaldphilosophie, alles an diesem tragikomischen Mann war mir immer widerwärtig gewesen, stieß mich immer zutiefst ab, wenn ich nur daran dachte; ich brauchte nur eine Zeile von Heidegger zu kennen, um abgestoßen zu sein und erst beim Heideggerlesen, sagte Reger; Heidegger habe ich immer als Scharlatan empfunden, der alles um sich herum nur ausgenützt und sich in diesem seinem Ausnützen auf seiner Todtnaubergbank gesonnt hat. Wenn ich denke, daß selbst übergescheite Leute auf Heidegger hereingefallen sind und daß selbst eine meiner besten Freundinnen eine Dissertation über Heidegger gemacht hat, und diese Dissertation auch noch im Ernst gemacht hat, wird mir heute noch übel, sagte Reger. Dieses nichts ist ohne Grund, ist das Lächerlichste, so Reger. Aber den Deutschen imponiert das Gehabe, sagte Reger, ein Gehabeinteresse haben die Deutschen, das ist eine ihrer hervorstechendsten Eigenschaften. Und was die Österreicher betrifft, so sind sie in allen diesen Punkten noch viel schlimmer. Ich habe eine Reihe von Fotografien gesehen, die eine zuhöchst talentierte Fotografin von Heidegger, der immer ausgesehen hat wie ein pensionierter feister Stabsoffizier, gemacht hat, sagte Reger, und die ich Ihnen einmal zeigen werde; auf diesen Fotografien steigt Heidegger aus seinem Bett, steigt Heidegger in sein Bett wieder hinein, schläft Heidegger, wacht er auf, zieht er seine Unterhose an, schlüpft er in seine Strümpfe, macht er einen Schluck Most, tritt er aus seinem Blockhaus hinaus und schaut auf den Horizont, schnitzt er seinen Stock, setzt er seine Haube auf, nimmt er seine Haube vom Kopf, hält er seine Haube in den Händen, spreizt er die Beine, hebt er den Kopf, senkt er den Kopf, legt er seine rechte Hand in die linke seiner Frau, legt seine Frau ihre linke Hand in seine rechte, geht er vor dem Haus, geht er hinter dem Haus, geht er auf sein Haus zu, geht er von seinem Haus weg, liest er, ißt er, löffelt er Suppe, schneidet er sich ein Stück (selbstgebackenes) Brot ab, schlägt er ein (selbstgeschriebenes) Buch auf, macht er ein (selbstgeschriebenes) Buch zu, bückt er sich, streckt er sich und so weiter, sagte Reger. Es ist zum Kotzen. Sind die Wagnerianer schon nicht zum Aushalten, erst die Heideggerianer, sagte Reger. Aber natürlich ist Heidegger nicht mit Wagner zu vergleichen, der ja tatsächlich ein Genie gewesen ist, auf den der Begriff Genie tatsächlich zutrifft wie auf keinen andern, während Heidegger doch nur ein kleiner philosophischer Hintermann gewesen ist. Heidegger war, das ist klar, der verhätscheltste deutsche Philosoph in diesem Jahrhundert, gleichzeitig ihr unbedeutendster. Zu Heidegger pilgerten vor allem jene, die die Philosophie mit der Kochkunst verwechseln, die die Philosophie für ein Gebratenes und Gebackenes und Gekochtes halten, was ganz und gar dem deutschen Geschmack entspricht. Heidegger hielt in Todtnauberg Hof und ließ sich auf seinem philosophischen Schwarzwaldpodest jederzeit wie eine heilige Kuh bestaunen. Selbst ein berühmter und gefürchteter norddeutscher Zeitschriftenherausgeber kniete andachtsvoll vor ihm mit offenem Mund, als erwartete er in der untergehenden Sonne von dem auf seiner Hausbank sitzenden Heidegger sozusagen die Geisteshostie. Alle diese Leute pilgerten nach Todtnauberg zu Heidegger und machten sich lächerlich, sagte Reger. Sie pilgerten sozusagen in den philosophischen Schwarzwald und auf den heiligen Heideggerberg und knieten sich vor ihr Idol. Daß ihr Idol eine totale Geistesniete war, konnten sie in ihrem Stumpfsinn nicht wissen. Sie ahnten es nicht einmal, sagte Reger. Die Heideggerepisode ist aber doch als Beispiel für den Philosophenkult der Deutschen aufschlußreich. Sie klammern sich immer nur an die falschen, sagte Reger, an die ihnen entsprechenden, an die stupiden und dublosen.

[aus Alte Meister via kulturkritik.net]

(mehr…)

Schön wär es…

Messer rein, Messer raus, Messer rot, Nazi tot.

Versuch eines Nachrufs auf A. W.

Es scheint sie doch noch zu geben, die großen Mythen des Spektakels, so entleert, langweilig, beliebig und redundant es auch sonst geworden sei. So muss man es eigentlich machen: mit irgendeinem „Talent“ (in ihrem Fall, soweit ich dazu überhaupt etwas sagen kann: einem eigentlichen; sie hatte zumindest noch so etwas wie eine Stimme, ihr Erfolg scheint auf mehr als der bloßen Willkür irgendeiner Plattenproduzenten zu beruhen, sondern auf echter Könnerschaft, „hard skills“ – welch Seltenheit in der heutigen Zeit!1) Millionen scheffeln (man muss sich ja nichts vormachen: sie hatte es mit Sicherheit einfach schlichtweg nicht mehr nötig, ein neues Album zu machen – unverständlich ist eher, warum andere „Künstler“ eines nach dem anderen raushauen), das Geld für mehr oder weniger gezielte Selbstzerstörung zu verjuchteln und dann gepflegt unter „Verschwendung“ des ganzen wunderbaren „Talents“ abzutreten – und das natürlich, wie es sich für einen echten Pop-/Rock-Star gehört mit 27. In gewisser Weise steht Amy Winehouse – ob mit Wille und Bewusstsein oder nicht – für die radikalste heute noch mögliche Subversion, selbst wenn oder gerade weil ihre Praxis die völlige Negation der Gebote der praktischen Vernunft impliziert. Für Kant wäre Amy Winehouses Verhalten zumindest der Gipfel der Barbarei: sie folgt nicht den „Naturgesetzen“ der bürgerlichen Gesellschaft: macht nichts aus sich, folgt ihrem eigenen Gesetz – mit höchster Konsequenz: dem der Selbstzerstörung: Grund genug, für sie einen Nachruf zu schreiben und sie, wie es die Sitte Roms gebietet, in ehrenhafter Erinnerung zu halten.

Back to Black!

[Das kritisch-dialektische „Ja, aber…“ – abgesehen davon, dass dies laut dem Meister ja bekanntlich eine sehr plumpe Art ist, dialektisch zu schreiben – sei hier des Nachrufcharakters, der schon durch diese Nachbemerkung selbst empfindlich in Gefahr läuft völlig obsolet zu werden – Rettung: es handelt sich schließlich, wie der Titel bescheiden sagt, nur um einen „Versuch“ –, wegen ausgespart.]

  1. Das tolle an ihrer Stimme war wahrscheinlich gerade das leicht debile, „fertige“, das über die Melodie und den Songtext hinwegschmierende, so, als müsste sie jeden Laut in einem Akt unbeschreiblicher Selbstüberwindung aus sich herauspressen, als würde sie jeden Moment verstummen – und trotzdem ist ihr Gesang so leicht, so mühelos, so selbstverständlich. Das macht sie wohl tatsächlich zur repräsentativen Sängerin unseres erschöpften, dekadenten, post-apokalyptischen Zeitalters.[zurück]

Existenzialismus auf Deutsch

Lese gerade Kirschen der Freiheit von Alfred Andersch, dem (inzwischen ja fast in Vergessenheit geratenen) deutschen Nachkriegs-Existenzialisten abseits der „Eigentlichen“, sondern unmittelbar an Frankreich orientiert. Ein wirklich gut geschriebener autobiographischer Bericht, der sich im wesentlichen um seine Desertion als Wehrmachtssoldat 1944 dreht – kurz nach dem Krieg wirklich ein mutiger Schritt. Auf die – sicherlich zu Recht – geführte Debatte um Anderschs wirkliches Verhalten während des NS und einige äußerst problematische Äußerungen in seinem Werk will ich jetzt nicht eingehen. Jedenfalls ein Klassiker der antifaschistischen deutschen Literatur, aus dem man viel zitieren könnte (etwa die wunderbare Begründung, warum der Eid an den „Führer“ nichtig gewesen sei).

Ich belasse es mal bei einer recht schönen, und Sartre-nahen (auch wenn Sartre die Freiheit freilich umfassender begreift als es Andersch tut), Zusammenfassung seines Existenzialismus-Verständnisses, das – und aus diesem Grund zitiere ich es überhaupt – in einem kurzen, aber pointiertem Heidegger-Bashing endet:

Mein Buch hat nur eine Aufgabe: einen einzigen Augenblick der Freiheit zu beschreiben. Aber es hat nicht die Aufgabe, zu behaupten, daß die Größe des Menschen sich nur in solchen Augenblicken verwirklichte. Es ist ein Leben denkbar, in dem die Freiheit niemals erfahren wird und das dennoch seinen vollen Wert behauptet. Der Wert des Menschen besteht darin, daß er Mut und Angst, Vernunft und Leidenschaft nicht als feindliche Gegensätze begreift, die er zerstören muß, sondern als Pole des einen Spannungsfeldes, das er selber ist. Denn wie kann bis zum Mord entschlossene Feindschaft herrschen zwischen Eigenschaften, die so offensichtlich zur menschlichen Natur gehören, daß, wollte man auch nur eine amputieren, die Seele sterben müßte? Wie viele lebende Leichname gibt es, die – mag ihr Fleisch noch so blühen – gestorben sind, weil sie entweder die Angst oder den Mut, die Vernunft oder die Leidenschaft aus ihr ausgerottet haben? Die Freiheit ist nur eine Möglichkeit, und wenn man sie vollziehen kann, so hat man Glück gehabt – worauf es ankommt, ist: sich die Anlage zur Freiheit zu erhalten.

(So meine ich, daß ein Denken, welches nur von der Angst und der Sorge redet, aber nicht von der Unbekümmertheit, der Abenteuerlust und der Tapferkeit des Menschen, in die Unfreiheit führt. Es starrt dem Tode ins Gorgonenhaupt, und es wird darüber versteinern.)

Alfred Andersch: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 5. Zürich 2004, S. 383.

Gut – es handelt sich eher um Polemik als Kritik. Doch man nehme nur Heideggers Antwort auf ähnliche Vorwürfe, freilich von Nazi-Seite, eine schwächliche „Angstphilosophie“ zu vertreten in dem 1943 – also ein Jahr bevor Andersch desertierte – geschriebenen Nachwort zu „Was ist Metaphysik?“ um sich von deren Relevanz zu überzeugen:

Dieses Denken [das „wesenliche“; T.S.] antwortet dem Anspruch des Seins, indem der Mensch sein geschichtliches Wesen dem Einfachen der einzigen Notwendigkeit überantwortet, die nicht nötigt, indem sie zwingt, sondern die Not schafft, die sich in der Freiheit des Opfers erfüllt. Die Not ist, daß die Wahrheit des Seins gewahrt wird, was immer auch dem Menschen und allem Seienden zufallen möge. Das Opfer ist die allem Zwang enthobene, weil aus dem Abgrund der Freiheit entstehende Verschwendung des Menschenwesens in die Wahrung der Wahrheit des Seins für das Seiende. Im Opfer ereignet sich der verborgene Dank, der einzig die Huld würdigt, als welche das Sein sich dem Wesen des Menschen im Denken übereignet hat, damit dieser in dem Bezug zum Sein die Wächterschaft des Seins übernehme.

Frankfurt a. M. 1992, S. 49.

Unbekümmertheit wäre für Heidegger ein bloßes Zeichen für eine tiefe Verfallenheit an das „Man“ (zu dessen Attributen u.a. „Geschäftigkeit, Angeregtheit, Interessiertheit, Genussfähigkeit“, aber auch „Leichtnehmen“ und „Sichdrücken“ zählen). Tapferkeit vielleicht im Sinne einer auf den „Ruf des Gewissens“ folgenden „Entschlossenheit“ legitim – eine „Entschlossenheit“ freilich, die man eher mit derjenigen der letzten Nazi-Offiziere, die begeistert ihr ganz persönliches „Vorlaufen-in-den-Tod“ (in diesem Fall: in die Arme der Alliierten) inszenieren, als der wohl überlegten Desertion Anderschs – also der Umschlag von einer existentiellen, tiefen Angst in das andere (schlechte) Extrem. Wie will man das ständige vergebliche Bemühen darum, die (erkannte) Absurdität des Todes durch eine ganz tiefe Bewusstwerdung des Todes doch irgendwie ins Leben zu integrieren und ihm damit doch irgendwie einen Sinn zu verleihen auch anders aushalten?

Lyzis… alter Tschekist!

Ich sitze in meiner Bude und schreibe einen Kommentar in einer Blogsportdiskussion, bin endlich fertig und gucke auf die Uhr: 4 Stunden. Wie blöd ist das den? 4 Stunden für einen lächerlichen Kommentar in einer nur mäßig interessanten KleinKleinBlogsportscheissdiskussion? Nee, nee. So darf das nicht laufen. Ineffizient. Überhaupt nicht einzusehen! Im Namen der revolutionären Zeitökonomie und ganz im Sinne meines BlogsportWichtigtuerrelativVielschreiberRankings veröffentliche ich den Kommentar hier glatt als Artikel. Gnadenlos:

@LW
Wie ich es vermittelst einer veränderten Schreibweise vermag den ganzen „BEGRIFF des Kommunismus“ zu revidieren, bleibt dein Geheimnis. Du wirst nicht in der Lage sein das zu erklären.

Aber wie steht es den mit deiner Begriffsarbeit, mit deinem „BEGRIFF“ vom Kommunismus? Ziemlich mau wie ich meine.
Aus einer völlig berechtigten Opposition zur antiauthoritär-pazifistischen und damit voluntaristischen Wursthaarlinken, verharrst du ex negativo in der überkommenen Pose des Politkommissars without Organisation und entlarvst dich als Derjenige zu kritisierende, der mit dem Arsch noch nicht einmal gedanklich aus dem linken Szeneurschleim herausgekommen ist. Aus reiner Besinnungs-und Ratlosigkeit entartest du zum polternden StaatsParteiStalin-Apologeten. Deine mit durchaus bemerkenswerter Kunstfertigkeit aufgetürmten Wortkathedralen bleiben so Reaktion, pure Defensive, Mahnmal deines Verkriechens und Anlehnens an den Glanz und die Stärke des Gewesenen im Angesicht des erkenntnisfernen Elends das sich links, linksradikal oder kommunistisch schimpft – kein souveränes Agieren, kein Materialismus in Aktion und keine dialektische Herangehensweise an die grosse communistische Aufgabe der Arbeit des Begriffs. Bloses Verharren. Wie die Maus vor der Schlange.

Wo bleibt den in deinen Ausführungen der „Staat der nur zum Sterben bestimmt ist“? (die entsprechenden Stellen bei Marx wirst du kennen), wo sind den deine Überlegungen zu den Verkommenheiten in der Zeit des Stalinismus? (Stalin und alle seine Lakaien waren Konterrevolutionäre! Beispiele: Die mangelnde blutige Bekämpfung der Kirche nach der russ. Rev., die zögerlichen und unzureichenden Waffenlieferungen an die spanischen Revolutionäre 36/37. Das schändliche Verschlafen des deutschen Angriffskrieges – alleine dafür hätte das gesamte Zentralkomitee sofort an die Laterne gehört. Die anfänglich äusserst dilletantische und bis zum Ende von kleinbürgerlich-konterrevolutionärer Ruhmsucht und fachlicher Inkompetenz geprägte Kriegsführung, Stichwort: Wettrennen zwischen Korossowski und Schukov. Das war nicht nur menschenfeindlich, sondern hat auch die besten Männer und Frauen der roten Armee gekostet, abgesehen davon das die Hinrichtungen 1937 nach Quote in der Generalität der roten Armee zuvor ihr Übriges getan hatte. Wieso wurde Berlin nicht einfach ausgehungert und aus der Luft ausradiert? Stattdessen blutiger Häuserkampf? Die Beantwortung dieser Frage hätte unter vernünftigeren Bedingungen nochmal Laterne und zusätzlich proletarisches Erschissungskommando für die Führung bedeutet! Eine Auseinandersetzung mit den Theoremen aus der Zeit des Stalinismus würde den Text um das zehnfache vergrössern. Egal, du @LW argumentierst ja schließlich überhaupt nicht theoretisch, sondern nur mit Schlagworten. Überflüssig also.), wo sind deine Kritikpunkte zu Geld/Geldwirtschaft und Lohnarbeit z.B. in der von dir oft genug gehypten DDR? (Lies mal die „Kritik des Gothaer Programms“, verstehe und vergleiche das mit den lächerlichen Faxen die diesbezüglich im Ostblock bejammernswerte Realität wurden). Nichts von alledem.

Du machst eloquentes Holzhammergebolze. Schön, bzw. erquicklich zu lesen. Du vermagst es aber trotzdem nicht mit verbalradikalem Wortgeklingel zu verschleiern, das die dringend(st)e Frage nach der Immanenz des Subjekt gewordenen Menschen, auch in deinem Stalinismus nicht beantwortet wird. Solange du nicht zwischen der Diktatur der Partei und der Diktatur des Proletariats zu unterscheiden lernst, ist dir nicht zu helfen.

Was du – ganz verfangen im HierundJetztunddadrübenvor20Jahren – „sozialistischen Staat“ nennst, nennen Communisten die ihre Kritik von Marx her entwickeln eine „staatsanaloge Form die sich so bald wie möglich selbst abzuschaffen hat“. Was du dir ihn deiner hölzernen ML-Denke nur als „Partei“ vorstellen kannst, nenne ich – im Eingedenken der überall und jederzeit werkelnden Verdinglichungen und der Art und Weise wie diese (Partei-)Apparate in deutschen Verhältnissen immer wieder figurierten – „proletarische Selbstorganisation“. Das ist die „Arbeit des Begriffs“, die Form die dem Inhalt verpflichtet ist und Ausdruck der richtigen materialistischen Herangehensweise, die das Gewesene rezipiert und zu deren Denkanstrengung du nicht bereit bist.

Weil ich jetzt gerade zu faul bin weiter zu schreiben, noch ein kleiner communistischer Allgemeinplatz aus dem Zitatebergbau: „Mit Idealismus und Metaphysik kommt man in der Welt am leichtesten durch, denn man kann dann soviel Unsinn zusammenschwatzen wie man nur will, ohne sich auf die objektive Realität stützen zu müssen und ohne der Prüfung dieser unterworfen zu sein. Materialismus und Dialektik erfordern hingegen Anstrengungen, da muß man sich auf die objektive Realität stützen und die Prüfung durch diese bestehen, unternimmt man keine Anstrengungen, dann wird man in Idealismus und Metaphysik abgleiten“. (Mao)




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: