Eine weitere literarische Heidegger-Kritik (und eine kleine Polemik gegen den GSP weiter unten!)

Via dem sehr tollen Blog Athene noctua bin ich auf eine weitere tolle Polemik gegen den der Polemik am allerwertesten Philosophen, Martin Heidegger, gestoßen, auf die ich an dieser Stelle aufmerksam machen möchte. Und geschrieben vom absoluten Gott der Polemik, oder zumindest: Beschimpfung, Thomas Bernhard. Viel Vergnügen bei der Lektüre:

Tatsächlich erinnert mich Stifter immer wieder an Heidegger, an diesen lächerlichen nationalsozialistischen Pumphosenspießer. Hat Stifter die hohe Literatur auf die unverschämteste Weise total verkitscht, so hat Heidegger, der Schwarzwaldphilosoph Heidegger, die Philosophie verkitscht, Heidegger und Stifter haben jeder für sich, auf seine Weise, die Philosophie und die Literatur heillos verkitscht. Heidegger, dem die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen nachgelaufen sind und den sie mit widerwärtigen und stupiden Doktorarbeiten überhäuft haben schon zu Lebzeiten, sehe ich immer auf seiner Schwarzwaldhausbank sitzen neben seiner Frau, die ihm in ihrem perversen Strickenthusiasmus ununterbrochen Winterstrümpfe strickt mit der von ihr selbst von den eigenen Heideggerschafen heruntergeschorenen Wolle. Heidegger kann ich nicht anders sehen, als auf der Hausbank seines Schwarzwaldhauses, neben sich seine Frau, die ihn zeitlebens total beherrscht und die ihm alle Strümpfe gestrickt und alle Hauben gehäkelt hat und die ihm das Brot gebacken und das Bettzeug gewebt und die ihm selbst seine Sandalen geschustert hat. Heidegger war ein Kitschkopf, sagte Reger, genauso wie Stifter, aber doch noch viel lächerlicher als Stifter, der ja tatsächlich eine tragische Erscheinung gewesen ist zum Unterschied von Heidegger, der immer nur komisch gewesen ist, ebenso kleinbürgerlich wie Stifter, ebenso verheerend größenwahnsinnig, ein Voralpenschwachdenker, wie ich glaube, gerade recht für den deutschen Philosophieeintopf. Den Heidegger haben sie alle mit Heißhunger ausgelöffelt jahrzehntelang, wie keinen anderen und sich den deutschen Germanisten- und Philosophenmagen damit vollgeschlagen. Heidegger hatte ein gewöhnliches, kein Geistesgesicht, sagte Reger, war durch und durch ein ungeistiger Mensch, bar jeder Phantasie, bar jeder Sensibilität, ein urdeutscher Philosophiewiederkäuer, eine unablässig trächtige Philosophiekuh, sagte Reger, die auf der deutschen Philosophie geweidet und darauf Jahrzehntelang ihre koketten Fladen fallen gelassen hat im Schwarzwald. Heidegger war sozusagen ein philosophischer Heiratsschwindler, sagte Reger, dem es gelungen ist, eine ganze Generation von deutschen Geisteswissenschaftlern auf den Kopf zu stellen. Heidegger ist eine abstoßende Episode der deutschen Philosophiegeschichte, sagte Reger gestern, an der alle Wissenschaftsdeutschen beteiligt waren und noch beteiligt sind. Heute ist Heidegger noch immer nicht ganz durchschaut, die Heideggerkuh ist zwar abgemagert, die Heideggermilch wird aber noch immer gemolken. Heidegger in seiner verfilzten Pumphose vor dem verlogenen Blockhaus in Todtnauberg ist mir ja nurmehr noch als Entlarvungsfoto übrig geblieben, der Denkspießer mit der schwarzen Schwarzwaldhaube auf dem Kopf, in welchem ja doch nur immer wieder der deutsche Schwachsinn aufgekocht worden ist, so Reger. Wenn wir alt sind, haben wir ja schon sehr viele mörderische Moden mitgemacht, alle diese mörderischen Kunstmoden und Philosophiemoden und Gebrauchsartikelmoden. Heidegger ist ein gutes Beispiel dafür, wie von einer Philosophiemode, die einmal ganz Deutschland erfaßt gehabt hat, nichts übrigbleibt, als eine Anzahl lächerlicher Fotos und eine Anzahl noch viel lächerlicherer Schriften. Heidegger war ein philosophischer Marktschreier, der nur Gestohlenes auf den Markt getragen hat, alles von Heidegger ist aus zweiter Hand, er war und ist der Prototyp des Nachdenkers, dem zum Selbstdenken alles, aber auch wirklich alles gefehlt hat. Heideggers Methode bestand darin, fremde große Gedanken mit der größten Skrupellosigkeit zu eigenen kleinen Gedanken zu machen, so ist es doch. Heidegger hat alles Große so verkleinert, daß es deutscbmäglich geworden ist, verstehen Sie, deutschmöglich, sagte Reger. Heidegger ist der Kleinbürger der deutschen Philosophie, der der deutschen Philosophie seine kitschige Schlafhaube aufgesetzt hat, die kitschige schwarze Schlafhaube, die Heidegger ja immer getragen hat, bei jeder Gelegenheit. Heidegger ist der Pantoffel- und Schlafhaubenphilosoph der Deutschen, nichts weiter. Ich weiß nicht, sagte Reger gestern, immer wenn ich an Stifter denke, denke ich auch an Heidegger und umgekehrt. Es ist doch kein Zufall, sagte Reger, daß Heidegger ebenso wie Stifter vor allem immer bei den verkrampften Weibern beliebt gewesen ist und noch heute beliebt ist, wie die betulichen Nonnen und die betulichen Krankenschwestern den Stifter sozusagen als Lieblingsspeise essen, essen sie auch den Heidegger. Heidegger ist noch heute der Lieblingsphilosoph der deutschen Frauenwelt. Der Frauenpbilosoph ist Heidegger, der für den deutschen Philosophieappetit besonders gut geeignete Mittagstischphilosoph direkt aus der Gelehrtenpfanne.

Wenn Sie in eine kleinbürgerliche oder aber auch in eine aristokratisch-kleinbürgerliche Gesellschaft kommen, wird Ihnen sehr oft schon vor der Vorspeise Heidegger serviert, Sie haben Ihren Mantel noch nicht ausgezogen, wird Ihnen schon ein Stück Heidegger angeboten, Sie haben sich noch nicht hingesetzt, hat die Hausfrau Ihnen schon sozusagen mit dem Sherry Heidegger auf dem Silbertablett hereingebracht. Heidegger ist eine immer gut zubereitete deutsche Philosophie, die überall und jederzeit serviert werden kann, sagte Reger, in jedem Haushalt. Ich kenne keinen degradierteren Philosophen heute, sagte Reger. Für die Philosophie ist Heidegger ja auch erledigt, wo er noch vor zehn Jahren der große Denker gewesen ist, spukt er jetzt nurmehr noch sozusagen in den pseudointellektuellen Haushalten und auf den pseudointellektuellen Gesellschaften herum und gibt ihnen zu ihrer ganzen natürlichen Verlogenheit, noch eine künstliche. Wie Stifter, ist auch Heidegger ein geschmackloser, aber ohne Schwierigkeiten verdaulicher Lesepudding für die deutsche Durchschnittsseele. Mit Geist hat Heidegger ebenso wenig zu tun, wie Stifter mit Dichtung, glauben Sie mir, diese beiden sind, was Philosophie und was Dichtung betrifft, soviel wie nichts wert, wobei ich aber doch Stifter höher ein,schätze als Heidegger, der mich ja immer abgestoßen hat, denn alles an Heidegger ist mir immer widerwärtig gewesen, nicht nur die Schlafhaube auf dem Kopf und die selbstgewebte Winterunterhose über seinem von ihm selbst eingeheizten Ofen in Todtnauberg, nicht nur sein selbstgeschnitzter Schwarzwaldstock, eben seine selbstgeschnitzte Schwarzwaldphilosophie, alles an diesem tragikomischen Mann war mir immer widerwärtig gewesen, stieß mich immer zutiefst ab, wenn ich nur daran dachte; ich brauchte nur eine Zeile von Heidegger zu kennen, um abgestoßen zu sein und erst beim Heideggerlesen, sagte Reger; Heidegger habe ich immer als Scharlatan empfunden, der alles um sich herum nur ausgenützt und sich in diesem seinem Ausnützen auf seiner Todtnaubergbank gesonnt hat. Wenn ich denke, daß selbst übergescheite Leute auf Heidegger hereingefallen sind und daß selbst eine meiner besten Freundinnen eine Dissertation über Heidegger gemacht hat, und diese Dissertation auch noch im Ernst gemacht hat, wird mir heute noch übel, sagte Reger. Dieses nichts ist ohne Grund, ist das Lächerlichste, so Reger. Aber den Deutschen imponiert das Gehabe, sagte Reger, ein Gehabeinteresse haben die Deutschen, das ist eine ihrer hervorstechendsten Eigenschaften. Und was die Österreicher betrifft, so sind sie in allen diesen Punkten noch viel schlimmer. Ich habe eine Reihe von Fotografien gesehen, die eine zuhöchst talentierte Fotografin von Heidegger, der immer ausgesehen hat wie ein pensionierter feister Stabsoffizier, gemacht hat, sagte Reger, und die ich Ihnen einmal zeigen werde; auf diesen Fotografien steigt Heidegger aus seinem Bett, steigt Heidegger in sein Bett wieder hinein, schläft Heidegger, wacht er auf, zieht er seine Unterhose an, schlüpft er in seine Strümpfe, macht er einen Schluck Most, tritt er aus seinem Blockhaus hinaus und schaut auf den Horizont, schnitzt er seinen Stock, setzt er seine Haube auf, nimmt er seine Haube vom Kopf, hält er seine Haube in den Händen, spreizt er die Beine, hebt er den Kopf, senkt er den Kopf, legt er seine rechte Hand in die linke seiner Frau, legt seine Frau ihre linke Hand in seine rechte, geht er vor dem Haus, geht er hinter dem Haus, geht er auf sein Haus zu, geht er von seinem Haus weg, liest er, ißt er, löffelt er Suppe, schneidet er sich ein Stück (selbstgebackenes) Brot ab, schlägt er ein (selbstgeschriebenes) Buch auf, macht er ein (selbstgeschriebenes) Buch zu, bückt er sich, streckt er sich und so weiter, sagte Reger. Es ist zum Kotzen. Sind die Wagnerianer schon nicht zum Aushalten, erst die Heideggerianer, sagte Reger. Aber natürlich ist Heidegger nicht mit Wagner zu vergleichen, der ja tatsächlich ein Genie gewesen ist, auf den der Begriff Genie tatsächlich zutrifft wie auf keinen andern, während Heidegger doch nur ein kleiner philosophischer Hintermann gewesen ist. Heidegger war, das ist klar, der verhätscheltste deutsche Philosoph in diesem Jahrhundert, gleichzeitig ihr unbedeutendster. Zu Heidegger pilgerten vor allem jene, die die Philosophie mit der Kochkunst verwechseln, die die Philosophie für ein Gebratenes und Gebackenes und Gekochtes halten, was ganz und gar dem deutschen Geschmack entspricht. Heidegger hielt in Todtnauberg Hof und ließ sich auf seinem philosophischen Schwarzwaldpodest jederzeit wie eine heilige Kuh bestaunen. Selbst ein berühmter und gefürchteter norddeutscher Zeitschriftenherausgeber kniete andachtsvoll vor ihm mit offenem Mund, als erwartete er in der untergehenden Sonne von dem auf seiner Hausbank sitzenden Heidegger sozusagen die Geisteshostie. Alle diese Leute pilgerten nach Todtnauberg zu Heidegger und machten sich lächerlich, sagte Reger. Sie pilgerten sozusagen in den philosophischen Schwarzwald und auf den heiligen Heideggerberg und knieten sich vor ihr Idol. Daß ihr Idol eine totale Geistesniete war, konnten sie in ihrem Stumpfsinn nicht wissen. Sie ahnten es nicht einmal, sagte Reger. Die Heideggerepisode ist aber doch als Beispiel für den Philosophenkult der Deutschen aufschlußreich. Sie klammern sich immer nur an die falschen, sagte Reger, an die ihnen entsprechenden, an die stupiden und dublosen.

[aus Alte Meister via kulturkritik.net]

Man beachte die dezenten, aber treffsicheren Ingeborg-Bachmann-Seitenhiebe. Es ist ja ohnehin bemerkenswert, dass aus Österreich, obwohl es – wie auch alle halbwegs vernünftigen Österreicher selbst zugeben – eines der ekligsten Völkchen überhaupt ist (vgl. eine etwas ältere Zusammenschau von mir), so geniale Schriftsteller hervorbrachte. Eigentlich gibt es, zumindest meiner Ansicht nach, bis in die 80er hinein überhaupt keine deutsch-deutschen großen Schriftsteller, sondern nur österreichisch-deutsche. Und auch danach bleibt die qualitative Differenz: habe gerade angefangen, von Frau Jelinek Die Klavierspielerin zu lesen (die Verfilmung hat mich schon vor Jahren geflasht) und muss schon jetzt zugeben: diese Frau hat den Literaturnobelpreis wirklich verdient. Aus Deutsch-Deutschland kenne ich nichts dergleichen. Nun gut: auch hier wird das „obwohl“ wohl – wie so oft bei mir – zum „gerade weil“, da in dem eklig-perfiden Klima Österreichs große, aber selbst immer noch perfide, Talente wohl nahezu heranreifen müssen – wieder mal ein Beispiel für die zynische Dialektik der bürgerlichen Hochkultur. Die größten Romane, philosophischen Werke, Opern, Gedichte: alles mit neurotischen, gescheiterten Existenzen bezahlt. Das österreichische Milieu mit seiner dumpfen Mischung aus Spießigkeit, Wahnsinn und Nationalsozialismus muss sich da förmlich günstig auf die literarische und allgemein künstlerische Produktion ausüben einem wohlgedüngten Boden im Ackerbau gleich. Das geniale an Thomas Bernhard ist wohl, dass er diesen Umstand selbst offen in seine Werke einbaut: „Ticks, Ticks, Ticks“, wie es die S.I. einmal treffend von den bürgerlichen Großintellektuellen sagte (und auch Guy Debord kommt mir spätestens nachdem ich In girum imus nocte et consumimur igni gesehen habe, reichlich durchgeknallt vor – im positivsten Sinne!).1

Aber zurück zu Thomas Bernhard: auch wenn seine Polemik schön zu lesen ist und vieles trifft, fehlt jede direkte Bezugnahme auf den NS. Das mutet mir im Falle Heideggers fast schon wie eine Verharmlosung an. Er war eben mehr als ein bloßer philosophierender Kleinbürger, sondern – um es etwas pathetisch zu formulieren – womöglich tatsächlich ein Genie, ein Genie des absoluten Bösen. Vielleicht auf eine Art der österreichistische aller deutschen Philosophen.

Generell finde ich es ja immer wieder lesenswert, wenn Schriftsteller die hehren Grenzen der kulturellen Sparten überspringen und über Philosophen bzw., allgemeiner gefasst: Theoretiker, schreiben. Nicht an die engen Regeln „sachlicher“ Argumentation gebunden, können sie wesentlich leichter als diese Aspekte thematisieren, die im „herrschaftsfreien Diskurs“ der Theoriebildung so nicht angesprochen werden können, wenn man sich nicht durch Regelverletzung selbst exkommunizieren will. Heidegger war eben nicht nur ein zweifelhafter Philosoph mit in seinem Werk überdeutlichen Nazi-Tendenzen, sondern seinem gesamten Habitus nach ein leicht durchgedrehter Kleinbürger auf dem Sprung zum Nazismus und das kann man von seiner Philosophie im Grunde überhaupt nicht trennen. Wenn ein Literat das ausspricht leidet das natürlich unter mangelnder Verbindlichkeit und wird sofort als „bloße Dichtung“ abgetan. Bei Thomas Bernhard fällt das in der Tat auch sehr leicht, betreibt er doch anscheinend ganz bewusst die Steigerung des Grantelns und Schimpfens um seiner selbst willen bis ins Absurde. Und das ist ja auch das tolle an seinem Werk, man würde es völlig verkennen, wenn man alle seine Beschimpfungen als propositionale Aussagen wörtlich nehmen und der Falsifikation unterziehen wollte, wie es für theoretische Texte angemessen ist. Dennoch scheint seine (und andere) literarische Polemik gerade in ihrer Übertriebenheit treffender zu sein, als manchem lieb. Als kleines Beispiel, das ich schon immer mal verlinken wollte und nun tue, schon allein, um eine meines Erachtens selbst sehr vielsagende Verbindungslinie herstellen zu können, sei hier an die Berichte von Rainald Goetz über das Treiben der GSP-Vorläuferorganisation „MG“ in den 80ern in München erinnert, die dankenswerter Weise ofenschlot ausgegraben hat (da bin ich doch ganz froh über seine „Fundstücke“ ;-) ):

Der General, Genannt Der Schwarze Papst

Zu lebenslänglichem Schweigen verurteilt wird auch der Marxist Harald Kuhn. Das ist ein kleiner dicker dummer bärtiger Student, der als sogenannter Fachschaftssprecher Philosophie und im Namen der dreifach gebenedeiten Marxistischen Gruppe (M »SJ« G) neulich zu einem Teach-In eingeladen hat, das den großartigen Titel hatte: Dummheit – Wie geht das?
Ich ging nämlich durch Münchens nächtliche Straßen (…) Da pfeilte mir durch den Augenwinkel ein hyperrotes Plakat ins Hirn, ich fuhr herum, sah, las, lachte auf, riß ab, und jetzt hängt es bei mir daheim, unterm Stuck, neben den Terroristen (…) und murmelt aus dem Hyperrot schwarz auf mich herunter: Teach-In. DUMMHEIT. Wie geht das?
Anderntags saß ich im Auditorium Maximum, denn eine Frage, die mich mehr plagt als diese, wird sich schwerlich finden lassen. Und was ich erhofft hatte geschah: Der schöne Hohepriester selbst, Doktor Karl Held, M »SJ« G, trat ans Mikrofon und begann mit wohl gesetzten Worten seine Rede und machte in wenigen Minuten diese beiden Argumente: 1. Dummheit ist Einsatz vorhandener Intelligenz, aber in einer Weise, die ihr selbst zuwider läuft. 2. Dummheit ist parteiliches Denken, denn wer parteilich denkt, konstruiert sich selbst dumme Gedanken.
Was ist daran so grandios? Am ersten, daß es mich wiedermal an Descartes erinnert hat, an den herrlichen Anfang von »Discours de la méthode pour bien conduire sa raison, et chercher la vérité dans les sciences«, wo Descartes auf meine im Februar-SPEX unter dem Titel »Gewinner und Verlierer« öffentlich gemachte fatalistische IQ-Philosophie mit dem Argument antwortet: Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt. Ich weiß ja nicht, ob es wirklich stimmt, aber gewißlich ist es viel schöner und menschenfreundlicher, sich die zahllosen Idioten, die mit ihrer Dummheit die Welt verseuchen, nicht als unheilbar vorzustellen, sondern im Gegenteil: als erziehbar, als Haber von ausreichend Vernunft, als Auch-Hirne, die man nur zu richtigem Gebrauch ihrer Vernunft überreden muß. Es ist dies eine Arbeitshypothese, die jeder, der eine bessere Welt will und dafür kämpft, lieben muß, weil sie ihn aus der Resignation reißt und tätig macht.
Am zweiten Heldschen Argument war das Wunderbare, daß es mir das wunderbare prächtige Hirn dieses Menschen bei der Arbeit vorgeführt hat. Man muß sich das ganz plastisch vorstellen: Als Held, als Hirn, als echter Philosoph, als marxistischer Denk-Krieger sitzt man vor den besten Mannen des von einem selbst gegründeten Vereins, und die heißen dann Doktor Fertl und Doktor Ebel oder Nochnichtdoktor Kuhn, und die sind von einer so pechschwarzen Dummheit, daß man sich als Held wohl dann und wann bestürzt fragt: Warum hilft mir von diesen Idioten keiner beim Denken? Warum nur plappern die mir alles so seltsam automatisch nach? Und in welcher noch viel schwärzeren Denkdüsternis mag der vielhundertköpfige Gefolgsrest von Gemeinen Soldaten seine tieftraurige dumpfe Marxistenexistenz fristen, wenn schon mein Generalstab, meine Ebels und Fertls, auf jede Frage nur immer wieder irgendeine Stanze des schmerzensreichen oder auch mal des segensreichen Rosenkranzes an mich hin beten? Wie kann denn das nur sein?
So mag es ein trauriges Heldsches Hirn sekundenweise durchzucken, dann weiß es wieder, daß sein Verein eine ganz normale revolutionäre Partei ist, nach den vernünftigen autoritären Kaderprinzipien Lenins vernünftig organisiert, nicht dazu da, Wahrheit zu erdenken, sondern durchzusetzen. Aber kein Gedankenblitz durch so ein Heldsches Hirn, der nicht irgendwo irgendwann ein kleines nicht unhelles Lichtlein hinterließe, so dieses Argument von der Dummheit als parteilichem Denken.
Nach zehn glücklichen hellen Held Rede Minuten trat besagter dicker dumpfer Harald Kuhn ans Mikrofon, um einmal mehr vorzuführen, deshalb erzähle ich das Ganze, wie sektiererisches Argumentieren vor zustimmend nickenden Sektenmitgliedern auftritt: als Nicht-Argumentieren. Dummheit – wie geht das? Genau so, wie hier vorgeführt. Und so mußte Held selbst immer wieder aufspringen, seinen Knecht fort drängen und selbst ergänzen, korrigieren, verbessern mit jener Präzisierungswut, die in seinem schönen Kopf so schön umher tollt.

Aus Krieg via Ofenschlot

[Ach ja – Ofenschlot schreibt in dem Artikel: „Verdammt, gibt’s nicht noch mehr von Goetz über Held? Gibt es. Demnächst mehr an dieser Stelle.“ Wo ist es? Ich will mehr!
edit: Wurde inzwischen gefunden (s. Kommentarspalte)]

Witzigerweise vereint ja ausgerechnet Karl Held und Martin Heidegger, dass sie ganz besonders auf der strikten Trennung von Leben und Werk beharren. GSPler würgen jeden Verweis auf die ihre Theorie im Grund prima facie schon völlig diskretierende „Praxis“ (sofern man dieses Wort dafür überhaupt verwenden will) ja bekanntlich schon im Ansatz mit den all bekannten Phrasen von wegen „Prüf‘ doch mal den Wahrheitsgehalt“ etc. ab. Dieser Habitus scheint selbst schon Teil einer intellektualistischen, letztendlich idealistischen Ideologie zu sein, die sich gegenüber jeden (angeblich) „externen“ Kritik abschotten will. In Wahrheit zeigt es jedoch durchaus etwas auf, wenn jemand (z.B.) beständig Moral kritisiert und sich gleichzeitig total moralistisch verhält (wie der GSP eben) – was freilich natürlich, um nicht in diskursive Barbarei abzugleiten, erst wieder auf die Theorie rückbezogen werden muss (insofern geht es mir keineswegs um eine Rechtfertigung von Argumenten ad hominen – eine theorieimmanente Kritik ist natürlich immer zu leisten – zumindest, wenn man daran festhalten will, soetwas wie „Argumentation“ sinnvoll weiter zu betreiben). Mir war jedenfalls bereits nach den ersten frühen persönlichen Kontakten zu den Verteidigern der grauen Hefte klar: nein, so will ich nicht enden – dann doch lieber, um den Reigen der Genies fortzusetzen und einen weiteren ganz großen herbeizuzitieren – „nur Narr, nur Dichter“.
Nun gut – ich habe meine grundsätzlichen Ansichten zum Thema Polemik bereits an anderer Stelle dargelegt und will mich hier nicht wiederholen. Dieser Beitrag hier stellt im Grunde nur eine konkretisierende Ergänzung zu jenem dar.

  1. In krasser Form – deshalb ist Jelinek wohl auch tatsächlich radikaler als Bernhard, der sich ja meist sehr unterhaltsam liest – wird dieser Zusammenhang natürlich auch thematisch in Die Klavierspielerin. [zurück]

16 Antworten auf “Eine weitere literarische Heidegger-Kritik (und eine kleine Polemik gegen den GSP weiter unten!)”


  1. Gravatar Icon 1 bla 31. Juli 2011 um 0:13 Uhr

    Zwei Hinweise:
    1) Ofenschlot dachte vermutlich an jene Stelle in Irre, in welcher Goetz sich auf Held und die Psychologie des bürgerlichen Individuums bezieht. Auch diese ist inzwischen auf seinem blog dokumentiert. Es gibt noch ein paar weitere Stelle, an denen zumindest die MG auftritt, aber die lasse ich dich selbst suchen. Es wäre dazu sicherlich hilfreich die Schriftsteller, die man doch so lobt und schätzt, auch zu lesen.

    2) Dass der MG der Zusammenhang von Leben und Werk zumindest bei Heidegger klar war, kann man in ihrem Büchlein über jenen nachlesen:

    Dennoch ist die so abwegig erscheinende Verleihung des Prädikats „faschistisch“ an die Philosophie des Schwaben durchaus nichts Irrationales. Wer weiß, und beim Studium von Heidegger ist das kaum zu übersehen, daß er es nicht mit Parteiparolen, sondern eben mit Philosophie zu tun hat; wer darüber hinaus weiß, wie die politische Logik der Faschisten geht – und die beginnt nicht beim Antisemitismus, sondern fordert ihn als Konsequenz ganz anderer, auch jedem Demokraten geläufiger Gedanken über Gott-Staat-Mensch –, vermag durchaus zu entdecken, daß Philosophie und politischer Faschismus sehr wesentlich miteinander zu tun haben.

    Die Begründung dafür wirst du wiederum selbst nachlesen müssen.

  2. Gravatar Icon 2 Thiel Schweiger 31. Juli 2011 um 1:28 Uhr

    Vielen Dank für die sehr nützlichen Hinweise. Ich hab den zweiten Text von Rainald Goetz vie Suchfunktion bei ofenschlot einfach nicht gefunden.
    Die Heideggerkritik werde ich mir mal bei Gelegenheit zu Gemüte führen.

    „Es wäre dazu sicherlich hilfreich die Schriftsteller, die man doch so lobt und schätzt, auch zu lesen.“

    Goetz hat auch ein paar mehr Bücher als „Irre“, das ich in der Tat ausgerechnet nicht gelesen habe, geschrieben. Aber schön zu hören, dass es da desöfteren um den MG geht. Ein Grund mehr für mich, diese Lücke bald zu schließen.

  3. Gravatar Icon 3 Thiel Schweiger 31. Juli 2011 um 4:58 Uhr

    Die Gelegenheit kam schon jetzt. Ich kann die Heidegger-Kritik des GSP aber nur bedingt empfehlen. „Empfehlen“, da darin die wichtigsten Elemten einer marxistischen Heidegger-Kritik – also das, was einfach gesagt werden muss – enthalten sind und auch recht verständlich die wichtigsten Grundgedanken Heideggers erläutert werden (soweit ich das zu beurteilen vermag auch korrekt), „bedingt“, weil all die guten Einsichten im Rahmen des Gegenstandpunktismus verloren gehen.

    Jedem fällt doch sofort auf, dass man, um eine solche durchdachte Kritik an Heidegger üben zu können, sich schon sehr intensiv nicht nur mit Heidegger, sondern mit der Philosophie im Allgemeinen auseinandergesetzt haben muss. Noch dazu muss man sie doch für wichtig genug erachten, ihrer Kritik einiges an Lebenszeit zu opfern. Schon allein dadurch diskreditiert sich die „Philosophie-Kritik“ des GSP in meinen Augen. Die GSPler sind doch in Wahrheit die größten Philosophen – nur geben sie es nicht zu (was sie, nebenbei bemerkt, mit Heidegger, der sich selbst ja ausdrücklich davon distanziert hat, Philosophie zu betreiben, gemeinsam haben).

    Denn das ist doch die Kernaussage der Kritik:

    a) Heidegger ist der Vollender der Philosophie (er führt sie bis ins Absurde fort) [Philosophie=Metaphysik=Letztbegründung]

    b) Heidegger war (in Philosophie wie in Politik) faschistisch [weil er einen heroischen Nihilismus predigt]

    --> c) Alle Philosophie ist letztendlich faschistisch. [und falsch]

    Sowohl a und b als auch, folgerichtig, c erscheinen mir ziemlich zweifelhaft. Französischer Existenzialismus, Frankfurter Schule, bürgerliche Philosophie (in all ihren Spielarten: Nietzschianismus, Kantianismus, Hegelianismus, Positivismus und und und), Marxismus, mittelalterliche Theologie, antike Philosophie – im Grunde alles dieselbe Scheiße, alles faschistisch. Das ist mir doch einige Abstraktionsetagen zu hoch – viel zu philosophisch.

    NB: Stilistisch fand ich den GSP-Text übrigens überraschend gelungen. Die Lektüre hatte stellenweise einen sehr hohen Unterhaltungswert.

  4. Gravatar Icon 4 bla 31. Juli 2011 um 12:55 Uhr

    Und noch ein dritter Hinweis:
    Es gab in den 80ern einen Vortrag von Peter Decker(?), in welchem dieser unter dem Titel Heidegger und Adorno: Positive und negative Sinnsuche deren Philosophie vergleicht. Ob dabei Identität wie Differenz gebührend zur Sprache kommen oder der Vortrag ein paar „Abstraktionsetagen zu hoch“ angelegt ist, kann ja jeder selbst nachprüfen.

  5. Gravatar Icon 5 Thiel Schweiger 31. Juli 2011 um 15:27 Uhr

    Ja, das ist Peter Decker, die Stimme ist unverkennbar.

  6. Gravatar Icon 6 Philosoph 31. Juli 2011 um 16:46 Uhr

    Erstmal: danke für die vielen Links und Zitate sowohl @ Thiel als auch @ bla. Ich beschäftige mich gerade – notgedrungen – intensiv mit Heidegger und kann mit dem Zeug extrem viel anfangen. Leider kommt sowas in der akademischen Philosophie viel zu kurz.

    Zu Peter Decker:

    Es ist doch viel zu kurz gegriffen, Philosophie auf Metaphysik zu reduzieren. Erkenntnistheorie oder Handlungstheorie (z.B.) ist doch keine Metaphysik, es geht nicht um Rechtfertigung, sondern vielmehr ganz nüchtern um Begriffsklärung. Wie es Hegel so gut formulierte: „Philosophie ist ihre Zeit in Gedanken gefasst.“ Daraus folgt natürlich auch, dass ein großer Teil der Philosophie ideologisch ist. Aber in dem radikalen Anspruch der Philosophie, keine ungeprüften Behauptungen gelten zu lassen, liegt doch zugleich auch genau das Gegenteil von Ideologie – nämlich Ideologiekritik. Von daher geht es mir vermutlich ganz ähnlich wie Thiel und ich verstehe den Anspruch von P.D., den er ja auch an anderer Stelle vertritt *die* Philosophie überhaupt zu kritisieren, schlichtweg nicht.
    Gerade Adorno und die anderen Frankfurter haben doch nun wirklich einige Gedanken entwickelt, die für eine radikale Kritik der Gesellschaft absolut zuträglich, wenn nicht gar notwendig sind. Man muss nur mal „Jargon der Eigentlichkeit“ lesen, um zu sehen, dass Adornos Abgrenzung von Heidegger noch ganz andere Facetten hat, als es P.D. suggeriert.

    P.D.’s eigentliche Botschaft ist doch: ihr müsst euch garnicht mit so komplizierten Denkern wie Adorno, Heidegger & Co. auseinandersetzen, das ist ohnehin alles Blödsinn, in Wahrheit ist einfach ganz einfach – lest einfach meine Bücher und ihr wisst, wie der Laden läuft. Nur so ist mir zu erklären, warum der überhaupt noch immer gerade bei jungen Leuten so populär ist. Aber diese Haltung ist natürlich vollkommen theoriefeindlich. Die dürftigen positiven Resultate von jahrzehntelanger Selbstbeschränkung des Geistes unter dem selbst schon höchst verräterischem Label „Gegen – *Standpunkt*“, was ja nichts anderes als eine abstrakte Negation aller anderen Standpunkte von einem eigenen Standpunkt aus ausdrückt, sprechen da ja für sich.

    Zumal man als philosophisch gebildeter Mensch schlichtweg weiß – wie es Thiel ja schon andeutete – dass die Inhalt dieses „Standpunkts“ nicht von irgendwoher kommen oder aus einfachem nüchternen, voraussetzungslosen Nachdenken stammen, sondern ein recht wildes Amalgam aus Kant, Hegel, Nietzsche und auch ein bisschen Marx darstellen – gewürzt mit einer ordentlichen Brise positivistischem Pragmatismus. Hier wird also – ganz unhegelianisch – das Vermittelte für ein Unmittelbares ausgegeben. Der theoretische wie praktische Standpunkt der abstrakten Negation führt nun zu einem Bewusstsein, bei dem ich sofort an Hegels Kritik der „schönen Seele“, die sich selbst aus allen gesellschaftlichen Vermittlungszusammenhängen imaginär herausreißt und deren Praxis in der reinen Abstinenz von derselben besteht. Oder an Marx‘ Kritik der „kritischen Kritik“.

    Auch diese Art der Kritik an der Metaphysik („das ist doch schlichtweg falsch und man muss sich davon verabschieden“) kann ich so nicht nachvollziehen. Das Bedürfnis nach „Sinn“ scheint schon extrem tief in unseren Lebensentwürfen verwurzelt zu sein, und ich glaube nicht, dass man sich da einfach durch einen „Bewusstseinssprung“ alla Kierkegaard herauskatapultieren kann. Jedenfalls scheint mir diese Vorstellung reichlich idealistisch zu sein. P.D. scheint zudem auch ein ziemlich auf Sinnsuche und Triebsublimierung getrimmter Mensch zu sein, sonst würde er wohl kaum sein ganzes Leben damit verbringen, für den GSP zu agitieren. Ein unmittelbar bedürfnisorientiertes Leben – selbst unter den gegenwärtigen Bedingungen – stelle ich mir jedenfalls anders vor. Oder gut – er wird wohl sagen, dass die Verbreitung der richtigen Argumente das einzig taugliche Mittel für die Revolution ist. Damit wäre dann sein Bezug zur Theorie 1. rein instrumentell (was ich problematisch finde) und 2. scheint mir das eine ziemliche Rationalisierung seines Tuns zu sein (so, als wäre es realistisch, dass allein aufgrund – vermeintlich – guter Argumente die Massen innerhalb P.D.’s Lebenszeit den Kommunismus so weit verwirklicht haben werden, dass er in seinem persönlichen Schlaraffenland leben kann).
    Naja, Adorno scheint mir der Wahrheit mit seinem kritisierten Diktum („Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach“) schon weit näher zu sein als P.D., der das Verhältnis zu Sinn bzw. Sinnlosigkeit des Lebens strikt subjektiviert.

  7. Gravatar Icon 7 u 02. September 2011 um 17:45 Uhr

    Es ist ja ohnehin bemerkenswert, dass aus Österreich, obwohl es – wie auch alle halbwegs vernünftigen Österreicher selbst zugeben – eines der ekligsten Völkchen überhaupt ist (vgl. eine etwas ältere Zusammenschau von mir), so geniale Schriftsteller hervorbrachte.

    einem völkischen muss das freilich ‚bemerkenswert‘ erscheinen.

    ansonsten: bernhard ist große klasse. ob er glücklich gewesen wäre, hier zitiert zu werden, steht in den sternen.

  8. Gravatar Icon 8 u 02. September 2011 um 17:49 Uhr

    habe gerade angefangen, von Frau Jelinek Die Klavierspielerin zu lesen (die Verfilmung hat mich schon vor Jahren geflasht) und muss schon jetzt zugeben: diese Frau hat den Literaturnobelpreis wirklich verdient. Aus Deutsch-Deutschland kenne ich nichts dergleichen.

    elsner, zB (nicht ohne grund war jelinek hieran beteiligt: http://www.amazon.de/Die-letzte-Kommunistin-Erinnerungen-Autorin/dp/3930786567). ob diese hervorragende autorin mit der nationalistischen einsortierung ins schublädchen „deutsch-deutsch“ glücklich gewesen wäre, steht wiederum in den sternen.

  9. Gravatar Icon 9 Thiel Schweiger 03. September 2011 um 12:32 Uhr

    „Völkisch“. Kein schlechter Vorwurf aus berufenem Munde.

  10. Gravatar Icon 10 u 09. September 2011 um 22:45 Uhr

    das mit dem einschlägigen „berufen“-sein wäre noch nachzuweisen.

  11. Gravatar Icon 11 Thiel Schweiger 13. September 2011 um 1:27 Uhr

    Achso, du bist also nicht berufen? Na dann Verzeihung, dann war das wohl ein Missverständnis.

  12. Gravatar Icon 12 ie 17. Oktober 2011 um 8:08 Uhr

    „Das Bedürfnis nach „Sinn“ scheint schon extrem tief in unseren Lebensentwürfen verwurzelt zu sein“

    Einerseits soll die metaphysische Untertänigkeit so tief wurzeln, dass sich der Autor Sinn-Kritik gar nicht vorstellen mag, andererseits lässt sich derselbe „Sinn“ auch gegen seine Kritiker wenden:

    „P.D. scheint zudem auch ein ziemlich auf Sinnsuche und Triebsublimierung getrimmter Mensch zu sein“

    Das ist hübsch: Sinnsuche als quasinatürlicher Reflex, der gleichzeitig als General-Vorurteil „instrumentalisiert“ wird gegen Leute, die „Sinn“ für eine blöde Idee halten. Einfach wasserdicht, Sinnkritiker in Sinnsucher zu verfabeln. Wenn einem der „Sinn“ als moralische Entgleisung madig gemacht wird, behauptet man einfach, das Gegenüber sei bloß auf einen ANDEREN Sinn aus …

  13. Gravatar Icon 13 Thiel Schweiger 17. Oktober 2011 um 23:36 Uhr

    Warum suchen denn deines Erachtens die Menschen nach Sinn? Irgendeinen Grund wird der Fehler ja schon haben.

  14. Gravatar Icon 14 Daniel 04. August 2012 um 10:26 Uhr

    Ich will hier ja nicht schimpfen, dass das alles bloße Polemik ist, weil es ja auch nur als solche klassifiziert wurde.

    Aber ich mache es in gewisser Weise trotzdem: Wie kann man eigentlich eine einzige Sekunde seines Lebens dafür opfern, so einen Text zu schreiben bzw. zu lesen? Das ist ja ein hundert Mal paraphrasiertes „Heidegger war lächerlich“. Und das wird dann als Stilblüten polemischen Schreibens verkauft. Was für eine feige, witzlose, null-und-nichtige Polemik sich mir dagegen aufhalste, die sich ständig um ihre Verleumdungsshow im Kreis dreht. Ich selbst habe einen Anspruch an Polemik, dass sie nicht nur von Heideggermilch redet, sondern auch von Bausteinen seiner Theorie und von Argumenten, die er ins Feld führt, und die dann rhetorisch _und_ mit eigenen Gegenargumenten ausradiert werden. Ich fordere keine Sachlichkeit, da es ja um Polemik geht, aber ich fordere den Mut durch ein argumentatives Minenfeld zu laufen anstatt mit einem minengeschützten Panzer alles platt zu machen. Das wäre mein Anspruch an Polemiken, und ich würde ihn ja gerne gerade ausleben und hier nicht nur diese Polemik denunzieren, aber da in ihr kein Deut Argumentation steckt (ganz im Gegensatz zu Heideggers Schriften), kann ich das ja leider nicht. Also müsst ihr leider mit bloßer Verleumdung, wie ihr es ja zu mögen scheint, leben. Danke.

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