Archiv für Mai 2012

Die Reaktion schläft nicht

Dieser Blog war seit etwa Freitag Abend nicht oder nur nur schwer erreichbar. Grund war eine DDoS-Attacke auf blogsport. Ich denke, dass die einzigen, die ein echtes Interesse daran haben, blogsport mit derart hohem Aufwand, es war ja fast vier Tage lang nicht erreichbar, zu schaden, irgendwelche Rechtsradikalen sind. Gibt auf einem anderen Blog dazu auch eine konkrete Spekulation, die ich allerdings nicht beurteilen kann.

Dem großen Thiere

Diese folgenden Gedichte widme ich von Herzen der Redaktion des Großen Thiers. Das erste ist ursprünglich einem Mädchen gewidmet, und ich möchte diese Widmung nicht zurück nehmen. Ich veröffentliche diese Gedichte hier, weil sie vom Großen Thier nicht abgedruckt werden und nicht zu einer Lesung, die die Zeitschrift im IvI veranstaltete, zugelassen wurden. Weil man generell was gegen Lyrik hat, speziell wenn es um Liebeskummer geht.
Aber ich lasse die Gedichte am besten für sich selbst sprechen.

Zertret die Distel, verbrenn sie, setz Vertilgungsmittel und Flammenwerfer ein – Du wirst sie nicht kaputt kriegen.
Solange sie wächst besteht Hoffnung auf eine Heilung der Welt.
Dieses Heil-Werden, dieses Wachsen einer Blüte aus dem Unkraut, schöner als alles, was die Welt je gesehen hat, diese Revolution in Permanenz nenne ich -
Communismus.
Wer sich an ihrer Liquidierung aktiv oder passiv beteiligt, ist Mitschuld am Unheil.

***

Zwei Gedichte für
das große, böse Thier

Déjà-vu

Das Streichholz flammt auf,
Dein Mund saugt den Hauch,
ich erkenne das alte Gesicht,
die vertrauten Stimmen säuseln.
Mein Hirn sagt: Es bedeutet nichts,
wenn unsere Blicke sich kreuzen.

***

Plädoyer für mehr Gedichte über Liebeskummer

Gewiss, besser wär‘s,
und lieber mir zugleich,
die glückliche Liebe zu besingen
- doch, wie jeder weiß,
verhält es sich in diesen Dingen
leider nicht immer so leicht.

Nun, wenn mir denn das Herz
im Innersten zerbricht,
wer will mir da,
und sei‘s zum Scherz,
verbieten zu schreiben ein Gedicht?
Denn Dichten, heißt es, soll man ja
über das, was wirklich wichtig ist
- also nicht über Kant
und Israel,
sondern der Liebsten Gesicht.

Gewiss, man soll ruhig auch
über die ernsten Dinge schreiben
und über die Liebe halt schweigen
- und auch ich hab‘ ja Wut im Bauch
und würd‘ mir gern den ganzen Tag
mit Marx-Lektüre vertreiben.

Doch, so sehr ich Marx auch mag,
so ernsthaft bin ich leider nicht,
und so fallen an manchem Tag
auch die unersten Dinge ins Gewicht
- ja, es scheint, als sei an diesen Tagen
mein Magen
nicht nur, verzeiht mir das geläufige Bild,
mit Brot, Wut und Maden,
sondern auch
mit Schmetterlingen gefüllt.

Mir scheint es gar als könne,
ich hoff‘, ich trag‘ nicht auf zu dick,
man unter ihrer Augen Brauen
für einen kurzen Augen-Blick
in den, wie man‘s auch immer nenne,
Communismus schauen.
Und das ist der Kunst unwürdig?

Gibt es denn in eurer Welt
nicht mehr als Maschinen und Panzer?
Geld,
Raketenturbinen und Landser?
Muss, wie der Stahl, gehärtet werden,
was anders, besser ist?
Trieb euch der überquellende, allgegenwärtige
Hass die Liebe aus?

Was soll‘s, ich sprech‘ es deutlich aus:
Wer das Dichten über Liebesnot
verbieten will,
und mich aus diesem Grunde disst,
ist entweder ein Idiot,
um den ich mich nicht kümmer‘,
oder schlimmer:
ein Faschist.
Ich dicht‘ wonach mir gerade ist!

Revolution – National und sozial?! // Einige Überlegungen zum Film „Tanz auf dem Vulkan“ (1938)

Es war ein ganz schöner Schreck, als mich ein Bekannter, dem ich von meinem Artikel in der Zeitschrift „Tanz auf dem Vulkan“ erzählte, mit einer gewissen Ironie fragte, ob sich der Titel der Zeitschrift auf den Nazi-Film mit Gustaf Gründgens von 1938 beziehe und was das in Bezug auf „Blockupy“ zu bedeuten habe. Ich versicherte mich sofort bei der Redaktion, dass sie ebensowenig wie ich von der Existenz dieses Films gewusst haben, dass namensgebend eher Klaus Manns antifaschistischer Roman „Der Vulkan“ gewesen sei. Eine google-Recherche versicherte mir, dass die Metapher des Tanzes auf dem Vulkan in allen politischen Lagern verbreitet ist und dass ich mir also keine Sorgen machen muss, in Verdacht zu geraten, unwissentlich in einem Querfront-Magazin veröffentlicht zu haben.
Dennoch ließ mir die Existenz dieses Films keine Ruhe. Ich wusste, es gab nur einen Weg: ich musste ihn mir einmal in voller Länge anschauen. Also besorgte ich ihn mir in der Videothek und tat dies. Es ist sowieso immer wieder interessant, sich Nazi-Filme anzuschauen (ein wirklicher guter Film ist etwa „Münchhausen“ von 1943 – nach einem Drehbuch von Erich Kästner).
Doch es war nicht nur das, was mich neugierig machte. Zum einen war es dieser einzige Ausschnitt aus dem Film, den es bei youtube zu finden gab:

Ein musikalisch zwar nicht besonders innovativer, aber fetziges Lied mit Ohrwurmqualität, das nach 1945 von diversen klar linken Künstlern gecovert wurde. Kein Wunder: bei dem Text würde auf den ersten Lauscher wohl niemand denken, es handelte sich um den Titelsong eines Nazi-Films. Zumal – ein Nazi-Film, an dessen Ende die Tricolore im Bild flattert?!
Zum anderen ging aus dem wikipedia-Eintrag zu dem Film hervor, dass der Film, speziell auch der Schlager „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ Goebbels in der Tat nicht ganz geheuer war. Andererseits aber auch, dass sein Regisseur, Hans Steinhoff, kein verkappter Antifaschist, sondern richtiger, echter, wirklicher Hardcore-Nazi gewesen war, dem man wohl kaum unterstellen kann, einen versteckt subversiven Film drehen gewollt zu haben.

Es stellte sich also ein echtes Rätsel. Und als guter Philosoph kann ich nicht ruhen, ehe sich mir ein solcher scheinbarer Widerspruch in Wohlgefallen auflöst. Lange Rede, kurzer Sinn: ich ging in die Videothek und schaute mir den Film an. Es folgt eine Art Rezension. (mehr…)

„La vache qui rit“ schafft es in ein Printmedium // Releaseveranstaltung der Zeitschrift „Tanz auf dem Vulkan“ am 13.5. im KOZ

Am 13.5. ist im KOZ um 18 Uhr die Release-Veranstaltung der Zeitschrift Tanz auf dem Vulkan – Zeitschrift in der Krise. Mit dabei auch der Dichter Pjotr G. Distelkranz und meine Wenigkeit, die jeweils Texte zur Zeitschrift beigetragen haben. Es handelt sich um eine theoretische Intervention in die Mitte Mai anstehenden „Blockupy“-Proteste.

Kommt und staunt!

Mehr Infos auf der website der Zeitschrift.

Kunst Erkenntnis Problem // Tagung vom 22.-24. Juni im IvI (FfM)

Das

So, ich möchte diesen Blog mal wieder für einen kleinen Hinweis auf eine Veranstaltung, die ich gut finde und daher unterstützen möchte, nutzen. Diesmal handelt es schließlich auch um keinen lumpigen Vortrag oder eine Party, sondern eine richtige Tagung. Kunst Erkenntnis Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute ist der vollständige Titel. Sie findet vom 22. bis 24. Juni im IvI statt. Die Tagung hat auch eine website, die in den nächsten Woche sukzessive erweitert werden wird: www.kunst-erkenntnis-problem.de

Es soll in der Tagung weder darum gehen, eine bestimmte theoretische Schule zu hypen, sondern einen möglich breit gefächerten Diskurs zu diesem ja doch recht komplexen und schwierigem Thema zu führen. Die Tagung markiert ja schon im Titel, dass die Frage nach den erkenntnisfördernden Potentialen der Kunst ein „Problem“ darstellt – daher gibt es keine bereits feststehenden Antworten, sondern zuallerst Fragen. Speziell die eine Frage: Was kann die Kunst heute noch leisten? Ist sie endgültig das „heitere Spiel“, von dem schon Hegel sprach, oder kann sie noch heute Verwirrung in herrschenden Ideologien stiften, verschüttete Glücksversprechen entbergen und Leute in ihrem Kampf für die Emanzipation bestärken … Dementsprechend geht es weder darum, zum 100. Mal das Ende der Kunst auszurufen, noch, der gegenwärtigen Kunst-Ideologie das Wort zu reden.
Ohnehin geht es nicht nur ums „reden“, sondern es wird bei der Tagung auch einiges an Kunst gezeigt bzw. gemacht werden.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.

Weitere Infos gibt es auch auf der website des ASTA Frankfurt.

Und ja – wer die Bilder auf der website der Tagung wiedererkennt, hat Recht. ;-)




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