Beiträge von dig_it

Es rettet uns kein höh‘res Wesen

Rise like Lions after slumber
in unvaquishable number
shake your chains to earth like dew
which in sleep had fallen on you
ye‘ are many, they are few

-Paul Foot

Zehntausende Menschen demonstrieren auf den Strassen und Plätzen Teherans, Polizei und Bassidj-Milizen gehen brutal gegen die Demonstrierenden vor und es sollen auch schon erste Schüsse gefallen sein. Vieles spricht dafür dass sich der Mullahfaschismus im Tienamen-Jubiläumsjahr für die „chinesische Lösung“ rüstet. Es dürfte wohl außer Zweifel stehen, was Insider im iranischen Innenministerium schon ausgeplaudert haben: Der Erdrutschsieg ging zu Gunsten Mussawis und nicht Ahjamadinedschads. Fraglich ist nur für was jene Menchen die mit dem Konterfei Mussawis in der Hand „Wahlbetrug“ skandieren wirklich stehen. Ist es nur der Wahlbetrug am „Reformer“, nur das ihnen genommene Recht auf „Umma mit menschlichen Antlitz“ das die Menschen auf die Straße treibt, oder ist ein emanzipatorisches Potenzial vorhanden das zu verwirklichen wäre?
Als am zehnten November 1965 von einem Komitee der KP Chinas mit Artikeln in Wandzeitungen die „Große Proletarische Kulturrevolution“ gestartet wurde, war diese als Instrumentalisierung der Massen konzipiert welche den radikalen Flügel der KP unter Mao Zedong den Sieg über die Rechten bringen sollte. Die Funktionäre hätten sich niemals träumen lassen in welchen Maße sie zunehmend die Kontrolle über die aufgeputschten Massen verlieren sollten. Die Roten Garden wurden zum Selbstläufer die China an den Rand des Zusammenbruchs führen sollten. Die Geschichte autoritärer Systeme lehrt dass es darauf ankommt in welche Rolle der Protest in jenen Gesellschaften schlüpft. Lässt sich Protest instrumentalisieren, oder verwirklicht er sein emanzipatorisches Potenzial?
Vieles hängt nun wahrscheinlich von der Politik des „ideellen Gesamtbandenführers“ Chamenei ab. Wie wird er mit dem Kampf konkurrierender Flügel des Mullahsystems umgehen? Seine Präferenzen für die „Hardliner“ sind sicherlich ungebrochen, und im Moment scheint es wohl die schiere Gewalt zu sein die diese Politik stützt. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit dass Ahmadinedschad doch noch geschasst wird, und die demonstrierenden Massen für den Reformfaschismus instrumentalisiert werden. Auch wenn im Moment jenes Szenario unwahrscheinlich scheint, vor allem deswegen weil der militärische Komplex und insbesondere die aufs äusserste ideologiesierten Bassidj-Milizen (denen man je nach Schätzungen mehrere Millionen militärisch ausgebildeter Mitglieder zurechnet) für die „Hardliner“ Gewehr bei Fuß stehen, ist jenes Szenario zumindest eine Möglichkeit.
Hier liegt es an den Menschen, denen eigentlich schon die Despotie des „Reformers“ Rafsanjani bewiesen haben sollte, dass die elementaren Bedürfnisse der Menschen sich niemals mit denen der antimodernistischen Märtyrermentalität des Regimes decken lassen, ob ihr Protest die Transmissionsriemen der Umma sprengt, Emanzipation stattfindet und wie Salvador Allende einst, kurz vor seinem Tode im Kampf gegen die Faschisten, sagte
“ Sich eher früher als später die großen Alleen öffnen auf denen der freie Mensch schreitet um eine neue Gesellschaft aufzubauen.“

Unabhängig davon sollte unsere Solidarität den Genossinen und Genossen und und allen fortschrittlichen Menschen im Iran gelten.
Venceremos!
Die Geschichte ist auf unserer Seite.

Das Licht unter den Völkern

„Der Jordan hat zwei Ufer, und beide gehören uns.“
-israelisches Volkslied

Israel hat gewählt. Zwischen jenen Flügeln des Zionismus dessen einer den Palästinensern von Herzen gerne einen „Staat“ aus einem Flickenteppich von Elendsbantustans gewähren will, und jenem dem schon die physische Präsenz dieser Menschen schier unerträglich ist, hat sich Israel für letzteren entschieden.
Bedeuten wird dies dass nun nicht einmal mehr das Lippenbekenntniss zu einem palästinensichen Staat Eingang in die Koalitionsvereinbarungen findet (ungeachtet des Feigenblattes der Arbeiterpartei, die wie heute bekannt wurde, es sich ebenfalls nicht nehmen lässt an die Fleischtöpfe der Macht zu stürmen)und ein Mann Außenminister wird der offen ethnische Säuberungen vertritt (was einiges über den Zustand der israelischen Gesellschaft aussagt, der gute Ben Gurion und ihm treu ergebene Historiker mussten immerhin noch arabische Evakuierungsaufrufe zur Erklärung der Nakba herbeihalluzinieren).
Eines sollte klar sein, Frieden wird mit dieser Regierung nicht möglich sein, unabhängig von der palästinensischen Politik. Jene Männer die von heute an in Israel Politik machen wollen auch keinen Frieden, ihre Wurzeln liegen im revisionstischen Zionismus eines Ze‘ev Jabotinsky, untermauert von biblischen Besitzansprüchen träumte man schon damals von einem Groß-Israel am liebsten bis an die Grenzen des Irak. Mit der Vertreibung der Palästineser aus der Westbank und den Angriff Begins auf dem Libanon wurde diese Politik konsequent weiter geführt.
Auch von der Politik eines Obama muss keine „rechte“ (ein Begriff der sich im Kontext des Zionismus stark relativiert) Regierung Angst haben. Das normale pattern of behaviour jeder US Regierung bei (stets grenzenlos aufgebauschten) „Konflikten“ mit Israel ist die des verhalten-symbolischen Protestes gefolgt von einer Erhöhung der Waffenlieferungen. Als Begin es während der Amtszeit Reagans dan doch einmal zu doll trieb mit dem Siedlungsbau und Reagan daraufhin „protestierte“, folgte ein Brief an den „lieben Ron“ in dem dieser von Begin über „einfache historische Tatsachen“ belehrt wurde. Zweifelos ein aussenpolitischer Affront den sich kaum ein Staat auf der Welt leisten kann. Die Antwort: Erhöhung der Waffenlieferungen auf dass bis dahin höchste Niveau in den zwischenstaatlichen Beziehungen.
Auch das Bloch’sche Prinzip Hoffnung liegt mittlerweile schon schwer im Magen. Die üblichen Aufrufe zum Umdenken klingen abgeschmackt und sind es wohl auch schon.
Nichtsdestotrotz sind Lösungen möglich. Es liegt an den Menschen auf beiden Seiten der Mauer etwas zu ändern.

Der gute Deutsche

Blood hath been shed ere now, i‘th‘olden time,
Ere humane statute purg‘d the gentle weal;
Ay, and since too, murthers hath been perform‘d
Too terrible for the ear, the time has been,
That, when the brains were out, the man would die,
And there an end; but now, they rise again,
With twenty mortal murthers on their crowns,
And push us from our stools. This is more strange
Than such a murther is.

Macbeth III/4

Das Jahr 2009 gebiert einen schaurigen Reigen deutschtümelnder Großereignisse, die einen so sehr man will nicht kaltlassen können. Der Tatsache geschuldet das sich zwischen Herrman dem Cherusker und „Deutschland einig Vaterland“ ja noch jenes „dunkle Kapitel“ befand, gilt die Aufmerksamkeit der Bürgerpresse wieder einmal den „Männern des zwanzigsten Juli.“
Als diese 1944 bemerkten dass wenn sie jetzt nicht handelten sie zweifelos entweder am Galgen oder im Gulag ihr Ende finden würden, war bereits halb Europa dem Erdboden gleich. Solange die Strahlkraft der Wahnidee des tausendjährigen Reiches noch nicht an der Realität zerbrach, solange hielten jene „Helden“ den Eid den sie geschworen hatten. Was dass im Klartext heisst zeigt jeder flüchtige Blick ins Geschichtsbuch:

- „Reichskriminalpolizeichef Arthur Nebe […] [ließ] als Einsatzgruppenleiter Zehntausende osteuropäische Juden ermorden […]“.

- „Generalquartiermeister Eduard Wagner […] [forderte] als Verantwortlicher für das Kriegsgefangenenwesen den Hungertod Hunderttausender gefangener Rotarmisten
[…] damit der Vormarsch der Wehrmacht nicht behindert werde.“

- „Und selbst Henning von Tresckow, der in Gelöbnis- und sonstigen Feieransprachen meistzitierte widerständische Offizier, hat als Beauftragter für die »Partisanenbekämpfung« und als Chef des Stabes der 2. Armee (ab November 1943) Verbrechen angeordnet.“ (jW, 21.01.2009)

All dies, mal ganz davon abgesehen das die Attentäter nach dem Umsturz eine Militärdiktatur errichten wollten hält die Bürgerprsse nicht von Urteilen wie jenem ab:

„[…] [D]ie Männer des 20. Juli [wurden] nach ´45 […] als Verräter […] [und] in jüngster Zeit als Antidemokraten verunglimpft […].“ (Focus Online)

Anders handeln kann sie auch kaum stellt doch jener Kult eines der zentrale Momente der neuen deutschen Erinnerungskultur dar.
Ende der 90′er Jahre wurde durch die rotgrüne Politik und auch wesentlich davor schon, während des sogennanten Historikerstreits, ein Wandel von der Relativierung und Verdrängung hin zur offenen Auseinandersetzung mit der Shoah propagiert. Was an sich ein zu begrüssender Wandel schien, zeigte bald sein wahres Gesicht, als im Vorfeld des Kosovo Konflikts die politische Diskussionskultur der BRD in einer geifernden Propagandawelle ersoff und Serbien in einem hasserfüllten Furor, wie es Peter Handke einmal sagte „schlachtreif geschrieben wurde“. Die Crux jener Tage war jedoch dass dies alles in einer nie dagewesenen Flut von Nazivergleichen gipfelte, begleitet von einer „Wir dürfen nicht wegsehen-Rethorik.“ Wie der paranoid Schizophrene die Abbilder seines Wahns sahen Bonner Politiker in jeder kosovarischen Stadt ein KZ stehen.
Jener vulkanartige Ausbruch von 50 Jahren sublimierter Vergangenheit, liess TAZ- Reporter Massengräber finden (die nicht existierten), Josef Fischer KZ`s aufspüren (dito) und Rudolf Scharping mit einer fast sexuell anmutenden Fasziantion über das Fussballspielen mit Albanerköpfen (oder Grillen von Föten) schwadronieren.
Die Mär vom Antifaschismus des deutschen Soldaten, als letzter Ruckzugspunkt jener schon überwundenen von der „guten“ Reichsmacht, war das Paradigma jenes nationalen Selbstvertstännisses das Bomben auf Belgrad fallen ließ. Oder wie Hermann L. Gremliza einmal sagte:

„Weil Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde und nicht […] von einer rotgrünen muss die Rotgrüne überall auf der Welt Auschwitze suchen und befreien, die zufällig immer an Orten zu finden sind wo etwas zu holen ist.“




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