Beiträge von neo

A female Serial Killer

Trotz der offensichtlichen journalistischen Unfähigkeit und herrschaftskompatiblen Ahnungslosigkeit des Filmemachers Nick Broomfield, ist seine Reportage ein unfreiwilliger Beleg dafür was die herrschenden Verhältnisse der heterosexistischen Männerkumpanei und spießbürgerlichen Bigotterie aus einem weiblichen Menschen machen können. Ailleen Wuornos, Life and Death of a Serial Killer.
Einfach die melodramatische Musik, die reißerisch anmutenden Passagen und die dummen Kommentare des Sprechers ignorieren, ab dem dritten Teil wird der Film wirklich interessant. Die relevantesten Punkte bekommt man quasi zwischen den Zeilen mit.

Zum verrückt werden!

Zeigt mir heute einen Vergleichbaren…

Die Diktatur der Langweiler und die flinke Schere in meinem Kopf

Es ist schon wieder geschehen: Ich musste einen Artikel löschen. Ein Kerl hat sich im Chat von EvE-Online gemeldet und sich über falsche Schiffsangaben in meinem letzten Manöverbericht mokiert und Krieg und Söldnerattacken angedroht, insofern ich nicht die vermeintlich falschen Angaben über sein Pixelschlachtschiff verbessere. Ist das noch zu packen? Hat dieser Mensch sich darüber gefreut dass ich seine relativ unsinnige und zeitraubende Leidenschaft für EvE teile? Fühlte er sich gebauchpinselt, weil sich jemand dazu herablässt von seinen virtuellen Heldentaten zu berichten? Nein. Er liest den Bericht, in dem ich von seinem Sieg über meine Corp berichte, ärgert sich über eine geringfügige Ungenauigkeit in meiner Aufzählung der beteiligten Schiffstypen und fängt sofort an mir härteste Strafmassnahmen und EvE-interne Denunziation anzudrohen. Unglaublich.
Join the revolutionary starfleet part 4, R.i.P.
Überhaupt vergrätzen mir die Miesepeter, Wichtigtuerinnen und Erbsenzähler meine Blogschreiberei inzwischen enorm. Verfasse ich einen kleinen persönlichen, politisch angehauchten Artikel, in dem ich (Antideutschen-untypisch) zuallererst eigene Fehler eingestehe, finden sich sofort irgendwelche phantasielosen Menschen zusammen, die sich nicht zu schade sind auf genau diesen, von mir selbst eingeräumten Fehlern herumzureiten und es auch überhaupt nicht stillos und entlarvend finden, das sie meine charmante Menschelei als blose, für ihre Ressentimentverbreiterei zu nutzende offene Flanke begreifen und entsprechend stiernackig-schamlos vorangehen.
Erst vor kurzem musste ich einen Artikel aus dem Net nehmen, weil Antifas der irrigen Meinung wahren ich würde Szeneinterna verraten, weil ich von einem öffentlichen Antinaziaktionstreffen mit einigen Dutzend Teilnehmerinnen berichtete und unter Verwendung von Synonymen, falschen Ortsangaben und unter Auslassung relevanter Punkte die Langeweile, Borniertheit und vorhersehbare tragodiamäßige Ideenlosigkeit des geführten „Diskurses“ wiederzugeben versuchte.
Ganze fünf Stunden stand der Text im Net und da hatten sich schon drei wohlwollende Mitmenschen am Telefon gemeldet um mir mitzuteilen das ich den Text mal lieber wieder aus dem Net nehmen sollte.
Das von mir Geschriebene war theoretisch wie politisch völlig wertlos. Den angedrohten Stress und das monatelange dumme Gesabbel war mir diese kleine Artikelschreiberfingerübung zur reinen Selbstbespaßung gar nicht wert. Ich habe der Aufforderung nach Löschung sofort Folge geleistet. Doch selbst dieser Gehorsam ging nach hinten los. Seitdem wird in der stillen Post behauptet ich hätte auf lavache Szeneinterna verraten und kein Mensch kann den Text noch lesen, um zu überprüfen ob dem auch wirklich so ist. Ein Dilemma.
Nerviger als Szenerepression und Liebesentzug sind nur noch juristische Drohungen. Einen Artikel musste ich deswegen schon komplett entfernen und wegen einem anderen eine Menge Emails schreiben und geforderte Verbesserungen einfügen. Auch wenn das Gekeife mich vor den Richter zu zerren in beiden Fällen offensichtlich weltfremd und blödsinnig und einer der Ankläger in spe ein nicht einzunehmender infantiler Spinner war, alleine der Gang zum Anwalt und die zur Vermeidung weiteren Umgemachs notwendige analoge Korrespondenz hätte mir im Falle einer Anzeige die Laune gründlich verdorben. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmte einfach nicht um die Texte unkorrigiert, bzw. überhaupt im Net zu belassen.
Ergo: Edit: „Warum Rhizom…etc“, R.iP.: „Horror an der Arbeitsfront“.

Jeder ist sich selbst sein eigenes Würstchen
. Ich bin inzwischen soweit – sobald ich am PC sitze und mit dem Anklicken des Schreibprogramms liebäugele – das ich die stumpfsinnig lärmende Meute schon freiwillig in meinem Kopf generiere und präoperativ über meine Schreibabsichten zu Gericht sitzen lasse: Will ich die linksradikalen Schäferhunde wirklich aus ihrer Hüte locken und ihre Frauchen dazu provozieren sie von der Kette zu lassen damit sie mir morgens um vier an der Theke ins Gesicht bellen können und mir in den Knöchel beißen?… Soll ich wirklich diesen Artikel über meine Arbeitsamtssachbearbeiterin schreiben? Vielleicht kann die Frau Internet… Soll ich wirklich nochmal am ASTA und seiner reformistischen Jämmerlichkeit rumnörgeln, vielleicht werden wieder vor Wut Flaschen kaputtgeschmissen… etc. Am Ende dieses Gedankengangs gewinnt in letzter Zeit immer öfter das was man in diesen Verhältnissen völlig geschichtsvergessen als „Vernunft“, oder das berechtigte „Bedürfniß nach Ausgewogenheit in der Berichterstattung“ bezeichnet. Mein Amüsement und obendrein die notwendigen wahren Worte bleiben auf der Strecke. Dieser verdinglichten „Vernunft“ sind inzwischen schon vier geplante Veröffentlichungen zum Opfer gefallen, bei denen ich befürchten muss das sie einen blödsinnigen Wirbel verursachen würden, den ich einfach nicht gebrauchen kann (Z.B. wollte ich hier meinen Spickzettel veröffentlichen, den ich anlässlich eines unerwartenden Treffens mit Wolfram Siener angefertigt habe. Es ist doch zu traurig wenn man in Alltagssituationen prominenten Leuten begegnet, denen man schon immer mal ein paar unwahrscheinlich wichtige Punkte mit Verve und Vehemenz ins Gesicht schleudern wollte und dann just in Time nichts besseres zu sagen hat als: „dummes Arschloch du… dich kriege ich noch“. Genauso ging es mir mit Jürgen Elsässer und Judith Holofernes. Deswegen der Spickzettel mit Photos und auf die Person passenden vorformulierten Texten die ich dann im Zweifelfall intonieren werde. Das wäre ein Spitzenartikel geworden, den die Fans von diesen Gestalten jedoch nicht verstanden hätten. Dummes Gerede und Humorlosigkeit im Kommentarteil, später Emails, Drohungen, am Ende hätte ich mich gar vor Gericht mit dem lahmen aber immer wider wirkungsvollen Verweis auf Satire herausreden müssen. Wer kann das wollen?). Aktuell habe ich deswegen nur noch wenig Lust zu bloggen. Manche mögen das eine gelungene Vermittlung zwischen ES und ÜberIch im Ich nennen. Für mich wäre die Richtigkeit dieser Feststellung ein Beweis dafür das dieser Zustand nicht in allen Fällen erstrebenswert ist.

Die Empörten („occupy Frankfurt“)

Zugegeben: Mit einer USA Fahne und einem Schild auf dem „Ihr seid doch nur neidisch“ geschrieben steht (Rückseite: „lest Marx, lest Hegel“) auf die „occupy Frankfurt“-Demo zu gehen, war nicht die beste taktische Entscheidung die ich in letzter Zeit getroffen habe. Als wir uns den Spaß wenige Stunden zuvor auf einer Party ausgedacht haben, war ich mir eigentlich sicher das es nicht ganz so schlimm werden würde. Im Gegenteil: Wir hegten eher die Befürchtung das die Fahne nicht als Counterstatement gegen den antisemitischen und antiamerikanischen Teil des besinnungslosen Protestierpöbels wahrgenommen wird und die meisten denken würden wir wären lediglich solidarische New York-Okkupanten. Fail. Während der Abschlußkundgebung flogen die Fäuste und jetzt ist die Fahne kaputt und mein Handgelenk geschwollen. Eine Anzeige gegen die antisemitischen Schläger (u.A. „lutscht weiter israelische Schwänze“) wäre sinnvoll, leider bin ich kein guter Zeuge. Erstens war ich total betrunken und zweitens vollauf mit der Verteidigung der erst drei Stunden zuvor erstandenen Fahne beschäftigt.
Offensichtlich waren nicht alle Protestierenden solche dummen Arschlöcher wie die handgreiflich Empörten. Eine ältere Dame hat mir meine im Handgemenge verlorene Brille hinterher getragen. Mehrere Personen haben sich stellvertretend für ihre gewalttätigen Mitdemonstranten entschuldigt. Irgendwer hat uns sogar eine neue Fahnenstange geschenkt und mich aufgefordert nicht klein bei zu geben. Immerhin.
Von der Demo selbst habe ich nicht viel mitbekommen. Meistens war ich damit beschäftigt gegen irgendwelche verrückt gewordenen Menschen anzuschreien. Neben den obligatorischen Menschheitsbeglückern von DKP, Attac und Friedenskirche, hatten sich wohl auch einige nichteinschlägige Bürger eingereiht. Diesen Umstand konnte man deutlich an den klügeren, oder wahlweise noch dümmeren Statements als es normal üblich ist ablesen. Ungenierter Rassismus und manifester Antisemitismus hier, die erfreuliche Einsicht das eine Demonstration gegen die Charaktermasken der Finanzbranche, für die notwendige Emanzipation der Menschheit über die Zwänge der selbstreferentiellen Kapitalakkumulation untauglich ist dort.
Ich halte es durchaus nicht für völlig sinnfrei, den weniger verbohrten unter den „Empörten“, mit einem Flugblatt auf die Pelle zu rücken. Das Kapitalverhältnis ist ein Verhältnis, in dem sich die grundlegenden Mechanismen die das Leben von uns allen beherrschen, hinter dem Rücken der Akteurinnen und Akteure vollziehen. Das die Hirne eben dieser in vielerlei Hinsicht Hintergangenen, zwangsläufig diverse religiöse Mucken und barbarische Lösungsvorschläge für reale und eingebildete Menschheitsprobleme ausbrüten, braucht niemanden zu wundern. Das Kapitalverhältnis ist ein kompliziertes und gehört transzendiert. Ich bin nicht so naiv zu glauben man könne relevante Teile dieser Bewegung aufklären, oder auch nur verunsichern. Aber wer sich nicht damit abfinden möchte, das weiterhin nur die IDF die letzte line of defence gegen die finale Exekution des fetischistischen Furors der sich selbsttätig zu bloßen Staatsbürgersubjekten degradierenden Individuen darstellt, kann nichts anderes tun als weiterhin zu reden, zu schreiben, zu protestieren, d.h. Aufklärung wieder den heruntergekommen (End-)Zeitgeist zu betreiben.
Ich sehe mich aktuell außerstande ein Flugblatt zum Thema Finanzkrise und Gegenprotest zu fabrizieren, aber wenn jemand einen tauglichen Textvorschlag hat, wäre ich bei einer eventuellen Verteilaktion beim nächsten Happening vor den Bankentürmen dabei.
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Wer ist eigentlich dieser Kerl, was soll das mit dem Bild und was für einen verwirrten Kram erzählt er da in die Kamera?:

Schön wäre es ja, allerdings befürchte ich das der gestandene Antisemit Henry Ford diese Formulierung nicht im universell menschenfreundlichen Sinne getätigt hat, sondern mit dem „Geldystem“ eher die in seinen Augen wegzurevolutionierenden Juden meinte:

Selbstzweifel?:

Keine Selbstzweifel, aber ein Beleg von vielen, für den in deutschen Landen omnipotenten Staatsfetisch:

Neben der gruseligen „truther-Bewegung“ und den verschwörungstheoretischen Spinnern der „Zeitgeist Movement“, gab es noch etwas harmlosere Kuriositäten zu bewundern. Die „Einstein-Partei“:

Was sind das eigentlich immer für kannibalistische Wünsche? Dr. Freud übernehmen sie:

Nicht ganz unzutreffend:

Ein Gedicht des antifranzösischen Dichters Theodor Körners:

„Blut muss fliessen knüppelhageldick…“:

Heftigeres gab es wohl in Berlin zu sehen.

A mixtape for you

Wenn man jemanden kennen gelernt hatte den man mochte, dann war es ein Glücksfall in der Stadt erneut aufeinanderzutreffen. Man hat vor Elternhäusern herumgelungert und gewartet, Freunde befragt und kleine Zettel beschrieben. Es gab keine Handys, kein skype, keine Emails und kein Networking auf Facebook. Das war die Vergangenheit.
Ich habe auf Spielplätzen und Marktplätzen herumgestanden und gehofft das sie zufällig vorbeiläuft. Stundenlang habe ich vor meinem Doppeltapedeck gesessen um ihr ein Mixtape aufzunehmen, das ich ihr bei Gelegenheit in die Hand gedrückt habe. Die besondere Kunst und der einmalige Liebesbeweis bestand darin, die richtige Musik aufzunehmen die zu ihr, oder wenigstens meinem Gefühl passte. Songs die ihr entsprachen und ihr Wesen wiedergaben, wie ich in meiner überschwänglichen Vermessenheit fand. Die Reihenfolge musste einer selbst ausgetüftelten, vertrakten Dramaturgie entsprechen. Ich habe auch ein eigenes Cover gemalt und im Inlay jeden Titel in Schönschrift aufgelistet. Wahlweise mit einer zarten A und einer harten B Seite.
Das war in den 90er Jahren.
Was mache ich heute, wo alle tapes+tapedecks längst verrottet sind und ich weiss das sich die Person die ich aktuell gut finde, überhaupt nicht für Musik interessiert? Richtig! Ich führe ein virtuelles Selbstgespräch und veröffentliche es im Net, um wenigstens den lächerlich-liebenswert anmutenden Pathos eines an eine Mauer gesprühten „Ich liebe dich XY“-Spruches in die digitalen Zeiten der postmodernen Beliebigkeit und des Kommunikations-Overkill hinüberzuretten.

A:
1. Lacrimosa: „Sehnsucht“
2. Angizia: „Leidenschaft“
3. Amon Düül: „Deutsch Nepal“
4. The Smiths: „Asleep“
5. Pink Floyd: „Crazy Diamond“
6. Dead Moon: „Where did i go wrong“
7. Die toten Hosen: „der Schandfleck“
8. David Bowie: „Heroes“
9. F.J. Degenhardt: „Tonio Schiavo“
10. Die Ärzte: „Zu spät“
11. Sparks: „i married myself“
12. ABBA: „Suzy hang around“
13. Sparks: „she is beautiful (so what?)“
B.
14. Dismember: „Nenia“
15. Samael: „The Ones who cames before“
16. My dying bride: „the price of beauty“
17. Bodycount: „Cop-Killer“
18. Onyx: „shot em down“
19. Judas Priest: „Painkiller“
20. Death: „Lack of Comprehension“
21. Darkthrone: „to old, to be cold“
22.Trelldom: „Taake“
23. PCP: „We are from Frankfurt“
24. Nastrond: „The stake rotten in my heart“
25. Immortal: „fields of sorrow“
26. Gabba Front Berlin: „Speedcore Lacrima“

Krieg!!!

Ich stehe in der Menschenschlange vor dem Amt zur Verhinderung subproletarischer Selbsttätigkeit. Missmutig blicke ich in die verhärmten Gesichter der anderen Arbeitsdronen auf Abruf und grusele mich bei dem Gedanken an die Gedanken in ihren Köpfen.
Das dumme Schwein am Schalter geht mir mit seiner monotonen Stimme gehörig auf den Geist. „Der Nächste bitte… der Nächste bitte…“. Der Sicherheitsmensch der gelangweilt auf und ab dackelt ist noch jung. Ich frage mich mit welchem bitter schmeckenden Cocktail an Alltagsideologien er es vermag, sich in der Bewusstlosigkeit zu halten die nötig ist, um eine solche Tätigkeit verrichten zu können: privater Securityfuzzie auf dem Arbeitsamt. Mich überkommt Mitleid.
Es ist stickig. 30 Grad und kein Luftzug. Noch einmal überdenke ich meine alte Phantasie, mit der ich mich schon während der Ausbildung über manch bleierne Stunde gerettet habe. Doch leider steht es mit schnellem Sex mit der Vorgesetzten im konkreten Fall schlecht. Nachdem ich meiner Sachbearbeiterin, anlässlich des letzten Agitpropgespräches, mitgeteilt habe: „es ist peinlich für sie das sie so ein dummes Zeug geschwätzt haben und es ist peinlich für mich das ich zugehört habe“, ist an Sex kaum zu denken. „Ich glaube sie wollen gar nicht arbeiten“ hat sie gesagt, kurz bevor ich die Tür ihres Büros hinter mir zuknallen ließ.
„Der nächste bitte“. Ich rücke einen Platz in der Schlange nach vorne, mein Gedankenkarussel dreht sich weiter und hält jäh inne bei einer alten Idee: Ich befinde mich in einem gnadenlosen Wettstreit, in einem Krieg. Jedes Mal wenn der Staat und seine menschlichen Ausführungsorgane es schaffen mir ihren Blödsinn aufzudrücken, bekommen sie einen Punkt. Wenn sie mir außerhalb der Routine des üblichen Äquivalententauschs Geldwertzeichen aus der Tasche ziehen, triumphieren sie. Wenn die Bullen mich festnehmen, ist das ein geschossenes Tor, ein gestürmtes MG-Nest für den Feind. Wenn sie mir mit ihrem Unfug Gesundheit und Lebenszeit rauben und mich mit Propagandageschwätz, Drohbriefen, Rechnungen, Fahrkartenautomaten, Arbeitsamtsterminen, Volkszählungen, Strassenkontrollen und anderem Dreck der nur dem Kapital nützt entnerven, hagelt es Punkte für Team Deutschland. Vor meinem geistigen Auge paradieren die Fußtruppen, das Millionenheer an Inkassobüroangestellten, Vermieterinnen, Bullen, Sachbearbeitern, Heimpflegerinnen und Sicherheitsleuten jeden Tag durch das Brandenburger Tor und wedeln in ausgelassenem Jubel mit ihren siegreichen Waffen an Bescheiden, Durchschlägen, Handschellen, Knarren, Verträgen und Mahnbriefen. Ich bin in meinem persönlichen Guerillakrieg gegen sie! Das gehässige Alltagsklein-Klein ist ausschließlich gegen mich gerichtet. Das muss ich begreifen. Ich muss Schwarzarbeiten, im Kaufhaus klauen, Fahrkarten fälschen, den Bullen Steine an ihre Köpfe schmeißen ohne erwischt zu werden und Steuern hinterziehen sobald ich das kann, Schufa Einträge sammeln, Rechnungen schreddern und Vermieter verklagen. Um die Alltagsschmach wettzumachen unter der ich leide, gibt es noch einiges zu tun. Ich muss aufrüsten, den Gegner ernst nehmen und doch den ganzen kriegerischen Vorgang als Sport begreifen, um nicht an Nervenstress und den damit verbundenen Magengeschwüren allzu früh zugrunde zu gehen. Deutschland-neo. Der aktuelle Punktestand lautet: 1098-3.

Schön wär es…

Messer rein, Messer raus, Messer rot, Nazi tot.

Lyzis… alter Tschekist!

Ich sitze in meiner Bude und schreibe einen Kommentar in einer Blogsportdiskussion, bin endlich fertig und gucke auf die Uhr: 4 Stunden. Wie blöd ist das den? 4 Stunden für einen lächerlichen Kommentar in einer nur mäßig interessanten KleinKleinBlogsportscheissdiskussion? Nee, nee. So darf das nicht laufen. Ineffizient. Überhaupt nicht einzusehen! Im Namen der revolutionären Zeitökonomie und ganz im Sinne meines BlogsportWichtigtuerrelativVielschreiberRankings veröffentliche ich den Kommentar hier glatt als Artikel. Gnadenlos:

@LW
Wie ich es vermittelst einer veränderten Schreibweise vermag den ganzen „BEGRIFF des Kommunismus“ zu revidieren, bleibt dein Geheimnis. Du wirst nicht in der Lage sein das zu erklären.

Aber wie steht es den mit deiner Begriffsarbeit, mit deinem „BEGRIFF“ vom Kommunismus? Ziemlich mau wie ich meine.
Aus einer völlig berechtigten Opposition zur antiauthoritär-pazifistischen und damit voluntaristischen Wursthaarlinken, verharrst du ex negativo in der überkommenen Pose des Politkommissars without Organisation und entlarvst dich als Derjenige zu kritisierende, der mit dem Arsch noch nicht einmal gedanklich aus dem linken Szeneurschleim herausgekommen ist. Aus reiner Besinnungs-und Ratlosigkeit entartest du zum polternden StaatsParteiStalin-Apologeten. Deine mit durchaus bemerkenswerter Kunstfertigkeit aufgetürmten Wortkathedralen bleiben so Reaktion, pure Defensive, Mahnmal deines Verkriechens und Anlehnens an den Glanz und die Stärke des Gewesenen im Angesicht des erkenntnisfernen Elends das sich links, linksradikal oder kommunistisch schimpft – kein souveränes Agieren, kein Materialismus in Aktion und keine dialektische Herangehensweise an die grosse communistische Aufgabe der Arbeit des Begriffs. Bloses Verharren. Wie die Maus vor der Schlange.

Wo bleibt den in deinen Ausführungen der „Staat der nur zum Sterben bestimmt ist“? (die entsprechenden Stellen bei Marx wirst du kennen), wo sind den deine Überlegungen zu den Verkommenheiten in der Zeit des Stalinismus? (Stalin und alle seine Lakaien waren Konterrevolutionäre! Beispiele: Die mangelnde blutige Bekämpfung der Kirche nach der russ. Rev., die zögerlichen und unzureichenden Waffenlieferungen an die spanischen Revolutionäre 36/37. Das schändliche Verschlafen des deutschen Angriffskrieges – alleine dafür hätte das gesamte Zentralkomitee sofort an die Laterne gehört. Die anfänglich äusserst dilletantische und bis zum Ende von kleinbürgerlich-konterrevolutionärer Ruhmsucht und fachlicher Inkompetenz geprägte Kriegsführung, Stichwort: Wettrennen zwischen Korossowski und Schukov. Das war nicht nur menschenfeindlich, sondern hat auch die besten Männer und Frauen der roten Armee gekostet, abgesehen davon das die Hinrichtungen 1937 nach Quote in der Generalität der roten Armee zuvor ihr Übriges getan hatte. Wieso wurde Berlin nicht einfach ausgehungert und aus der Luft ausradiert? Stattdessen blutiger Häuserkampf? Die Beantwortung dieser Frage hätte unter vernünftigeren Bedingungen nochmal Laterne und zusätzlich proletarisches Erschissungskommando für die Führung bedeutet! Eine Auseinandersetzung mit den Theoremen aus der Zeit des Stalinismus würde den Text um das zehnfache vergrössern. Egal, du @LW argumentierst ja schließlich überhaupt nicht theoretisch, sondern nur mit Schlagworten. Überflüssig also.), wo sind deine Kritikpunkte zu Geld/Geldwirtschaft und Lohnarbeit z.B. in der von dir oft genug gehypten DDR? (Lies mal die „Kritik des Gothaer Programms“, verstehe und vergleiche das mit den lächerlichen Faxen die diesbezüglich im Ostblock bejammernswerte Realität wurden). Nichts von alledem.

Du machst eloquentes Holzhammergebolze. Schön, bzw. erquicklich zu lesen. Du vermagst es aber trotzdem nicht mit verbalradikalem Wortgeklingel zu verschleiern, das die dringend(st)e Frage nach der Immanenz des Subjekt gewordenen Menschen, auch in deinem Stalinismus nicht beantwortet wird. Solange du nicht zwischen der Diktatur der Partei und der Diktatur des Proletariats zu unterscheiden lernst, ist dir nicht zu helfen.

Was du – ganz verfangen im HierundJetztunddadrübenvor20Jahren – „sozialistischen Staat“ nennst, nennen Communisten die ihre Kritik von Marx her entwickeln eine „staatsanaloge Form die sich so bald wie möglich selbst abzuschaffen hat“. Was du dir ihn deiner hölzernen ML-Denke nur als „Partei“ vorstellen kannst, nenne ich – im Eingedenken der überall und jederzeit werkelnden Verdinglichungen und der Art und Weise wie diese (Partei-)Apparate in deutschen Verhältnissen immer wieder figurierten – „proletarische Selbstorganisation“. Das ist die „Arbeit des Begriffs“, die Form die dem Inhalt verpflichtet ist und Ausdruck der richtigen materialistischen Herangehensweise, die das Gewesene rezipiert und zu deren Denkanstrengung du nicht bereit bist.

Weil ich jetzt gerade zu faul bin weiter zu schreiben, noch ein kleiner communistischer Allgemeinplatz aus dem Zitatebergbau: „Mit Idealismus und Metaphysik kommt man in der Welt am leichtesten durch, denn man kann dann soviel Unsinn zusammenschwatzen wie man nur will, ohne sich auf die objektive Realität stützen zu müssen und ohne der Prüfung dieser unterworfen zu sein. Materialismus und Dialektik erfordern hingegen Anstrengungen, da muß man sich auf die objektive Realität stützen und die Prüfung durch diese bestehen, unternimmt man keine Anstrengungen, dann wird man in Idealismus und Metaphysik abgleiten“. (Mao)

Der Mensch von Morgen: Schon heute!

Wenn erst das herrschende Kapitalverhältnis abgeschafft ist, Kapital, Geld, Lohnarbeit und Warenform auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet sind, stehen die Gremien und Räte der kollektiven Organisation des gesellschaftlichen Lebens und der Produktion aller zum Leben notwendigen Gebrauchswerte vor einem riesigen Problem: Was soll man bloß anfangen mit all der gewonnenen Lebenszeit?

Wenn erst die gesamtgesellschaftliche Arbeitszeit auf das notwendige reduziert wurde, die volle Automation greift und die noch zu tätigenden Handgriffe auf Alle verteilt wurden, entsteht ein riesiges Millionenheer an Menschen, die ohne die tägliche zwangsweise Vernutzung ihrer Lebenskräfte nichts mehr mit sich anzufangen wissen. Sie werden ihrer Lebensaufgabe beraubt dastehen und in vielen Fällen auf eine jahrzehntelange Lebenslüge zurückblicken. Bänker, Polizistinnen, Werbefachleute, Stadtplanerinnen, Betriebsoziologinnen, Sozialtechniker, Aufseherinnen, Richter, Rechtsanwältinnen, Türsteher, Profisportlerinnen, Entwicklungshelfer, Atomkraftgegnerinnen, Pfaffen, Johannes B. Kerner und Anne Will, Linksradikale und Börsenmakler werden auf der Strasse und auf öffentlichen Plätzen herumstehen, Maulaffen feilhalten und im Gesamten die neue Situation nicht begreifen. In den besseren Fällen werden sie nach einigen freundlichen Hinweisen durch die communistische Organisation vor Ort und einem kurzen Lernprozess, versuchen ihre Profession in die gesamtgesellschaftliche Lebensorganisation einzubringen. Sie werden dann merken das ihr „Wissen“, ihre „Bildung“ und ihre „Erfahrung“ nicht mehr gebraucht werden. Doch trotz Frust und Tränen werden sie sich darauf konzentrieren endlich das zu tun was sie schon immer tun wollten, aber niemals die Zeit dafür hatten. Sie werden Bücher lesen, schlafen, ihre Kinder und Eltern kennenlernen, mit den verschiedensten Genüßen experimentieren, ihre Männer verlassen, reisen, anderen Menschen begegnen und Häuser entwerfen.
In den schlechteren Fällen werden sie sich zusammenrotten und gegen die Vernunft aufbegehren, öffentlich an die Gedankengespenster der alten Zeit appellieren und sich in masochistischer Manier in den Alpdruck des kapitalistischen Verblendungszusammenhangs zurücksehnen. Auf vielen verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichsten Formen werden sie in letzter Konsequenz die tatkräftige Mannschaftsstärke der Konterrevolution stellen.

Diejenigen die schon heute zu keinem eigenen Gedanken in der Lage sind, diejenigen die sich wissenschaftliches Streben nur an der Universität vorstellen können und die ein Buch nur lesen wenn es ihnen für die nächste Hausarbeit als nützlich erscheint, erst dann aktiv werden wenn eine Organisation oder eine Anführer vorangeht, diejenigen die zu feige sind sich Feinde zu machen, diejenigen die keine eigenständigen Hobbys haben und diejenigen deren einziges Interesse darin besteht von allen gemocht zu werden sind das wirkliche Problem. Sie werden nach der Revolution dastehen und im Zweifelsfall den Communismus dafür verantwortlich machen das ihre SoftSkills und Professionen – d.h.: Ihre Rücksichtslosigkeit, ihre Politik, ihr Geschwätz, ihre Intrigen, ihre mit Fremdworten kaschierte Ahnungslosigkeit und all die dazugehörigen Machtspielchen – nicht mehr gebraucht werden.

Islamisten, Nazisschläger, Henkerinnen, Cops, Menschenjäger, handgreifliches, offen kämpferisches, reaktionäres Packvolk eben – gegen sie wird die Revolution gemacht. Um sie an den Galgen zu bringen und zu erschießen, um gegen sie Krieg zu führen und sie schlussendlich in einer räumlich separierten Erziehungsdiktatur unterdrücken zu können, nicht zuletzt dafür ist die Revolution da und es wird keine communistische Revolution sein wenn dies nicht geschieht. Doch was ist mit denjenigen die sich in den aktuell herrschenden Verhältnissen einfach nur wohl fühlen, ohne andere direkt zu drangsalieren. Was ist mit den Menschen die den Kapitalismus brauchen um einen Sinn in ihrem Leben verspüren zu können, die sich menschliche Arbeit nur als Arbeit sans phrase, also als Lohnarbeit vorstellen können und allmorgentlich die Knute des Arbeitstaktes benötigen um ihren Arsch überhaupt hoch zu bekommen und die schon jetzt zu einer selbsttätig verbrachten Freizeit absolut unfähig sind?

Manchmal verzweifel ich über dieser Frage und oft erscheint es mir so als ob dies die wirklich wichtige Frage communistischer Denkarbeit ist.
Ich glaube es wird die eigentliche Mammutaufgabe der Revolution sein, mit diesen verüberflüssigten Menschenmassen umzugehen, ihnen irgendwie beizubringen das sie nun ganz Herr ihrer eigenen Lebenszeit sind und das sie mit der doch bitteschön etwas sinnvolles anfangen sollen, anstatt die alten Verhältnisse wieder herbeizulamentieren und schlussendlich herbeizuschiessen.
Ausser der „drei Zonen Lösung“ der untergegangenen APPD (ganz klar: Ich wäre Bewohner der APZ und des GEP) kommt mir kein Vorschlag in den Sinn, der an eine wirkliche Praktikabilität heranreicht und der dem vorprogrammierten Elend entgegenwirken kann.
Deswegen bin ich in meiner aktuellen Ratlosigkeit so bescheiden und freue mich schon über jeden fanatischen Modellbauer, Eisenbahnfan, Blumenfreund, über jede Briefmarkensammlerin, jeden Angler und alle anderen Leute die sich selbst genügen, ohne anderen ihren Unfug aufzwingen zu müssen. Mit ihnen wird es unter den kommenden gesamtgesellschaftlichen Bedingungen einer gemeinschaftlich und vernünftig organisierten Produktion und Konsumption aller Gebrauswerte keine Probleme geben. Sie können dann Blumen pflanzen, Eisenbahnen streicheln und soviel angeln wie es ihnen in den Sinn kommt.
Noch toller, nämlich objektiv communistisch finde ich diejenigen Leute die in ihrer Freizeit selbsttätig, unter Ausnutzung der aktuellsten Technik etwas wirklich neues und wahrhaft für alle Menschen erquickliches schaffen (und das ist eben nicht die selbstinfantilisierende Kuntibunti-Schmierfinkerei, oder das Jonglier-Seiltanz-Volxküchen-RumpelkonzertImAzDreckloch- und FeuerspuckElend das die linke Szene so gerne als kreative Freizeitgestaltung ausgibt), ohne das sie dazu aufgefordert wurden, oder das sie dafür mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Geld, Sexeinheiten oder Applaus erwarten können (das sie das später doch bekommen, ist nur recht und billig). Diejenigen die mit dem Kopf durch die Wand gehen, nicht nach links und rechts, oder nach Karriere und Konformität schauen und auf der Klaviatur der kapitalistischen Warenproduktion meisterhaft rumzuhämmern wissen, ein herrliches Affentheater veranstalten und sich nach Leibeskräften dabei amüsieren.
Für mich ist Karl Nagel so ein Fall und James Rolfe ist ebenfalls ein würdiges Beispiel des neuen Menschen, ein Sendbote der kommenden Freizeitgesellschaft der erwachsenen Menschheit.

1. 2. 3. 4. 5. usw. etc.

Nightfighters

Bei meinem permanenten Infotainment-Konsum ist mir letztens doch glatt etwas Sehenswertes untergekommen. Schwarze Piloten im zweiten Weltkrieg. Ausser den Gurkhas, wurden Menschen mit meiner Hautfarbe also nicht nur in kolonialen Hilfstruppen als Cannon-Fodder verheizt und als Bausoldaten in der Etappe eingesetzt. Schön.
Unbedingt anschauen: Nightfighters.
Die anderen Teile befinden sich in der Seitenleiste.

PS: Passt zwar nicht ganz rein, ich schreibe es aber trotzdem hier hin. Die Bezeichnung: „Peoples of Colour“ (in deutschen abkürzungsaffinen Kreisen auch kurz „PoC“), ist ein ganz großer Scheissdreck. Mir egal ob irgendwelche demokratieidealistischen postcolonial-Antirassistinnen, „Afrodeutsche“ (noch so ein Deppenbegriff. Erinnert mich immer an die irgendwie „emanzipativ“ gemeinte, aber völlig in die Grütze geschossene Wortkreation: „Burschenschaftlerinnen“, als Bezeichnung weiblicher Dorfburschenschaftsmitglieder) und „critical Whiteness“-Streber meinen mit dieser lächerlichen Sprachmagie etwas gegen den Alltagsrassismus tun zu können.
Wieso bitteschön soll Ich hier der Farbige sein? Die merheitsgesellschaftkompatiblen Trottel die solche Begriffe ohne jede Ironie verwenden, sollten sich ihre weißen Kadaver mal im Spiegel angucken. Rote Pickel, blaue Flecken, gelbe Finger vom Rauchen, Haare in allen Farben, braune Sommersprossen, schwarze Mitesser. Von den kunterbunten Geschlechtsteilen mal ganz zu schweigen. „Peoples of Colour“? – Bullshit! Die korrekte, nicht von falschem Antirassismus strotzende und einzig vernünftige Bezeichnung lautet: Schwarz! Nicht braun, nicht farbig, nicht „Coloured“… Schwarz! Die Schwarzen sind so schwarz, wie die Weißen weiß sind. Black Power und nicht „Coloured Power“. Black is beautiful und „farbig“ sind Legobausteine. Ganz einfach.
PS2: Falls ich die Leute so schnell nicht mehr zu Gesicht bekommen werde: Die akademisierende Dooftussie die letztens zu fortgeschrittener Stunde meinte u.A. mit der „PoC“– Bezeichnung bei mir punkten zu können, sollte sich diese Formulierung zusammen mit dem anderen präsentierten positivrassistisch anmutenden Denkdreck wieder abgewöhnen. Da mag die Biene noch so flott sein, bei so einem hirnlosen Gutbürgergesabbel vergeht mir Alles. Meine anfänglich geäusserte Zustimmung zu baldigem Geschlechtsverkehr, ist hiermit zurückgezogen.
PS3: Eine ähnliche Ansage ergeht an die Professorenwitwe aus dem Nordend, mit dem penetranten Black-Power-Tick. So ein Gefasel höre ich mir nur noch gegen Bares an. Das erbetene gemeinsame Weissweintrinken in ihrer Wohnung kostet 300 € die Stunde. Mit Anfassen wird’s noch teurer.




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