Archiv der Kategorie 'Allgemein'

„Die Geldmafia stranguliert die Völker“ (Ernst Prost)

Sätze wie diese, stoßen in Zeiten von Krisen und Staatsbankrotte auf offene Ohren. Es scheint von ganz rechts bis ganz links, von Holger Apfel bis Jürgen Elsässer, en vogue zu sein, naserümpfend über den Finanz-, Casino-, Raubtier-, kapitalismus zu richten. Gar 99 % sollen sich einig sein, wovon ein Promilleteil winterliche Temperaturen in Zelten trotzt, um den Banken das fürchten zu lehren!
Doch auch diesmal ist Vorsicht geboten, wenn Positionen auf solche Zustimmung suchen, dass sich Teile der Zustimmenden in Okkupationsphantasien ergehen.
Werfen wir also einen Blick auf die üblichen Phrasen. Bestens geeignet hierfür, eine wahllos ausgesuchte Aussage des eingangs zitieren Liqui-Moly Gründers Ernst Prost, einer jener Unternehmer, die in Talkshows ihre Solidarität mit dem kleinen Mann bekunden, indem sie allenthalb die „Perversionen“ der Finanzindustrie geißeln.
„Europa, die Länder, die Völker, die Nationen werden angegriffen von diesen so genannten Finanzmärkten“
Kennzeichnend für diese Position ist wohl das dichotomische Weltverständnis. Sei es die Gegenüberstellung von gierigen Bankern und ehrbaren Unternehmern oder allgemeiner von der überbordenden Finanzindustrie und produktiver Realwirtschaft, in jedem Fall scheint eine Verkehrung zweier Sphären vorzuliegen, die es zu beseitigen gilt. Doch nicht nur, dass diese Position verkennt, dass Akkumulation auf ein entwickeltes Kredit- und Finanzsystem angewiesen ist. Schließlich geriete der Prozess der kapitalistischen Produktion ins Stocken, fehlte ein institutionelles Gefüge über dies Geldkapital reibungslos die Anlagemöglichkeiten wechseln kann. Dabei spielt natürlich der Handel auf spätere Zahlungsansprüche, Aktien und Anleihen eine entscheidende Rolle, womit selbstredend ein spekulatives Element Einzug erhält. Doch ist Spekulation ein Grundzug jeden kapitalistischen Handelns. Denn auch der hochgelobte Mittelständler steht zukünftigen Entwicklungen ungewiss gegenüber, untersteht jedoch auch der Maxime der Profitmaximierung.
Die Position enthält zudem ein Element, das verkürzten Kritiken häufig gemein ist. Sie ist, trotz ihres radikalen Gebarens, affirmativ. Diese vermeintliche Kampfansage gegen bestehende Unzumutbarkeiten, bewegt sich weiterhin auf den Imperativen kapitalistischen Wirtschaftens. So soll gerade über das „Zurechtstumpfen“ des Finanzsystems das reibungslosere Funktionieren der Produktion um der Produktion willen garantiert werden. Schließlich gilt es den produktiven, mittelständischen Unternehmer vor der Auswüchsen der „Finanzalchemie“ zu schützen, damit der ehernste Zweck gesichert ist: die Erhaltung, wenn nicht gar Schaffung von Arbeitsplätzen.
Selbstverständlich ist unter solchen Vorzeichen, der Staat außerhalb der Kritik, im Gegenteil, gilt es ihn zu verteidigen. Wieder mal ist es der dichotomische Zugang, der sich hier ausdrückt. Der Staat, identisch mit dem Volk gesetzt, zumindest als dessen Handlungsinstrument, ist den Ratingagenturen und Staatsanleihespekulationen ausgeliefert. Damit wird nicht nur übersehen, dass der Staat über sein Gewaltmonopol die Bedingung für jedes kapitalistische Handeln darstellt, insofern, als dass jeder Tintenklecks unter einem Vertag nur dann Gültigkeit besetzt, sofern staatlicherseits die Garantie gegeben ist. Zudem ist staatliches Handeln nur auf der Grundlage funktionierender Kapitalakkumulation möglich, wie am Beispiel Griechenland offensichtlich wird, dessen Bankrott nur abgewendet werden kann, wenn Steuergelder sprudeln. Folglich ist das Gegensatzpaar Staat-Markt in der oft dargestellten Strenge unhaltbar.
Ein Einwand, jedoch, der den Finanzkapitalgegner gleichgültig ist, schließlich gilt ihnen die Sorge um das reibungslose Funktionieren der Realwirtschaft, eingebettet und garniert mit staatlichen Wohlfahrtsprogrammen.
Damit tritt die Produktionssphäre außerhalb der Kritik, der Ort an der Ausbeutung ihren Anfang hat. Nimmt doch hier die Aneignung der Früchte fremder Arbeit ihren Ausgang. Schließlich ist es die Besonderheit der Arbeitskraft, fähig zu sein, Reichtum über ihre Reproduktion hinaus zu schaffen, ein Mehrprodukt also, das dem Kapital zukommt. Stattdessen jedoch, die Vorstellung der harmonischen Einheit aus produktivem Kapital und Arbeit. Eine Einheit, nur gestört durch das raffende Finanzkapital.
Woher aber diese Vorstellung? Ist es mangelnde Einsicht? Oder liegt der Sachverhalt tiefer, angesichts der Dominanz dieser Vorstellung.
Eine mögliche Antwort ist, dass kapitalistisch verfasste Gesellschaften die Bedingungen selber produzieren, die diese dichotomischen Vorstellungen begünstigen:
Um dies plausibel zu machen, ein Blick auf das Alltäglichste, sprich die Form, unter der Menschen ihre Lebensbedingungen schaffen. Zweifellos herrscht hier eine Abhängigkeit aller von allen, d. h. Arbeitsteilung. Doch wie findet hier die Abstimmung statt? Woher Wissen, wie viel zu produzieren ist? Offensichtlich nicht bewusst, im Gegenteil, ist es wohl die „invisible hand“, die steuernd, hinter dem Rücken der Beteiligten, die Strippen zieht. Der Preis der Ware – der Ausdruck im Geld – verrät, ob sich noch lohnt zu produzieren oder es sinnvoller ist, dies sein zu lassen. Es ist die Geldvermittlung also, über die bürgerliche Gesellschaften interagieren.
Doch wo Geld ist, ist auch Kapital, sprich das Vermögen aus Geld mehr Geld zu machen. Womit wir wieder bei der Produktion sind. Schließlich läuft das Geldhecken nur über Warenproduktion. Ein Vorgang, wo diejenigen ins Spiel kommen, die außer ihr Vermögen zu arbeiten, nichts zu verkaufen haben. Doch der Verkauf hat´s in sich. Schließlich ermöglicht die Verfügung über das Vermögen zu arbeiten, dass der Verfügende hier auch nicht zu kurz kommt, der Verfügte mehr zu arbeiten hat, als für sein Auskommen nötig ist. Doch ist der Blick hierauf verstellt: Heißt es nicht der Arbeitslohn, der Lohn für Arbeit? Erhält der Arbeiter nicht das, was er verdient? Aber wo Gleiches mit Gleichem getauscht wird, wie außerhalb der Produktion üblich, da wird verkannt, dass innerhalb Schluss ist mit „Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Bentham“ (Marx).
Verhältnisse also, innerhalb derer Reichtumsproduktion nicht die Form allgemeiner bewusster Vereinbarung annimmt, stattdessen Reichtum seinen Ausdruck im Geld findet und dessen Vermehrung – Leitimperativ der Gesellschaft – ermöglicht wird durch die Interaktion der Sphäre, die Waren herstellt und derjenigen, die für den Tausch in Geld zuständig ist.
Dieses notwendige Auseinandertreten der Produktions- und Zirkulationssphäre ist Ausdruck eines Moments, der jeden Tauschakt begleitet. Tauschen heißt Ungleiches gleichsetzen, sei es Ware gegen Ware oder Ware gegen Geld – beides Mal ist es stofflich verschiedenes das aufeinander bezogen wird. Erst über die Abstraktion der konkreten Gestalt, geht die Gleichung auf – das Produkt wird zur Ware mit seinem Doppelcharakter aus Gebrauchswert und Tauschwert.
Nun ist der Ort dieser Abstraktion die Zirkulationssphäre, während jede Produktion notwendig konkret ist. Zugleich ist bestimmendes Moment kapitalistischer Gesellschaften die Dominanz der Abstraktion – das Handeln ist auf Vermehrung von Geld ausgerichtet, womit Abstraktion real vollzogen wird.
Zuspitzung erfährt nun diese abstrakte Reichtumsproduktion über das zinstragende Kapital. Schließlich erscheint hier das Geldhecken ohne Umweg über die stoffliche Seite möglich, wobei selbstredend dies nicht zutrifft, da der Zins nur ein Teil am Mehrwert darstellt. Anders dagegen bei handelbaren Zahlungsansprüchen – Derivate, Aktien usw. Über den Verkauf dieser Ansprüche kann der Umweg über die Produktion tatsächlich umgangen werden, stellen sie doch nichts anderes dar als Abbildungen zukünftiger Entwicklungen. Ob nun scheinhaft oder real – in beiden Fällen erreicht der Kapitalismus eine Steigerung seines abstrakten Moments.
Nun ist es Ausdruck der Finanzmarktgegner, sich gerade gegen die abstrakte Seite des Kapitals in Stellung zu bringen und dabei eine Lanze für die produktive-konkrete Seite zu brechen. Eine Haltung, die, wie versucht wurde zu zeigen, die notwendige Verbundenheit beider Momente – der Abstrakten und der Konkreten – übersieht. Darüber hinaus, in der Verherrlichung der stofflichen Seite, zwar ein Gewahrwerden und eine berichtigte Kritik der Gewalt der kapitalistischen Abstraktion aufblitzen lässt, jedoch dies umschlägt in Forderungen, die erkennen lassen, dass sie auf unmittelbare Ausbeutungsformen hinauslaufen, gerade weil sie gegen Vermittlungsformen, wie es die Finanzsphäre darstellt, gerichtet sind. Schließlich erscheint der Zorn mancher „Kritiker“ darin begründet, dass Reichtumsbildung möglich ist, ohne Verausgabung, während ihr Wunschbild einer gerechten Welt aufgeht, in der Verewigung des Broterwerbs im Schweiße des Menschen Angesichts.
Dagegen wäre gerade an das leidfreie Reichwerden anzuknüpfen, das arbeitsloses Einkommen bedeuten kann. Denn wer möchte nicht gerne Privatier sein und leben von Zins und Zinseszins? Überhaupt ist dem Kreditwesen anzurechnen, dass es die Entwicklung Weltmarkts forciert, jene Instanz, die auch „die barbarischsten Nationen in die Zivilisation“ (Marx) reißt, trotz Hunger und Elend, wobei dieses am größten ist in jenen Ländern, die abgeschnitten vom Weltmarkt sind.
Aber Zivilisation scheint keine Errungenschaft mehr zu sein, wenn vor der Übermacht des Weltmarkts das Bewahren von Altbekanntem solche Blüten treibt, dass die Umgestaltung von Bahnhöfen, Tausende auf die Straße treibt und Mobilität weniger zählt als das Leben von Juchtenkäfern.
Nun scheint es zudem so zu sein, dass die Gegnerschaft gegen die abstrakte Seite des Kapitals, konkret, d. h. personifizierend, auftritt. Dunkle Machenschaften der Managerkaste, die allein von Gier getrieben sind, scheinen verantwortlich gemacht zu werden, anstatt in der Analyse der realen Bewegungsgesetze des Kapitals die Ursache zu suchen. Fast scheint man Hans Werner Sinn Recht geben zu müssen, wenn er schreibt: „In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben.“
Überhaupt hilft nur Analyse und Kritik um in Zeiten wie diesen, sich „weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht […] dumm machen zu lassen.“ (Adorno)

Zeigt mir heute einen Vergleichbaren…

Die Diktatur der Langweiler und die flinke Schere in meinem Kopf

Es ist schon wieder geschehen: Ich musste einen Artikel löschen. Ein Kerl hat sich im Chat von EvE-Online gemeldet und sich über falsche Schiffsangaben in meinem letzten Manöverbericht mokiert und Krieg und Söldnerattacken angedroht, insofern ich nicht die vermeintlich falschen Angaben über sein Pixelschlachtschiff verbessere. Ist das noch zu packen? Hat dieser Mensch sich darüber gefreut dass ich seine relativ unsinnige und zeitraubende Leidenschaft für EvE teile? Fühlte er sich gebauchpinselt, weil sich jemand dazu herablässt von seinen virtuellen Heldentaten zu berichten? Nein. Er liest den Bericht, in dem ich von seinem Sieg über meine Corp berichte, ärgert sich über eine geringfügige Ungenauigkeit in meiner Aufzählung der beteiligten Schiffstypen und fängt sofort an mir härteste Strafmassnahmen und EvE-interne Denunziation anzudrohen. Unglaublich.
Join the revolutionary starfleet part 4, R.i.P.
Überhaupt vergrätzen mir die Miesepeter, Wichtigtuerinnen und Erbsenzähler meine Blogschreiberei inzwischen enorm. Verfasse ich einen kleinen persönlichen, politisch angehauchten Artikel, in dem ich (Antideutschen-untypisch) zuallererst eigene Fehler eingestehe, finden sich sofort irgendwelche phantasielosen Menschen zusammen, die sich nicht zu schade sind auf genau diesen, von mir selbst eingeräumten Fehlern herumzureiten und es auch überhaupt nicht stillos und entlarvend finden, das sie meine charmante Menschelei als blose, für ihre Ressentimentverbreiterei zu nutzende offene Flanke begreifen und entsprechend stiernackig-schamlos vorangehen.
Erst vor kurzem musste ich einen Artikel aus dem Net nehmen, weil Antifas der irrigen Meinung wahren ich würde Szeneinterna verraten, weil ich von einem öffentlichen Antinaziaktionstreffen mit einigen Dutzend Teilnehmerinnen berichtete und unter Verwendung von Synonymen, falschen Ortsangaben und unter Auslassung relevanter Punkte die Langeweile, Borniertheit und vorhersehbare tragodiamäßige Ideenlosigkeit des geführten „Diskurses“ wiederzugeben versuchte.
Ganze fünf Stunden stand der Text im Net und da hatten sich schon drei wohlwollende Mitmenschen am Telefon gemeldet um mir mitzuteilen das ich den Text mal lieber wieder aus dem Net nehmen sollte.
Das von mir Geschriebene war theoretisch wie politisch völlig wertlos. Den angedrohten Stress und das monatelange dumme Gesabbel war mir diese kleine Artikelschreiberfingerübung zur reinen Selbstbespaßung gar nicht wert. Ich habe der Aufforderung nach Löschung sofort Folge geleistet. Doch selbst dieser Gehorsam ging nach hinten los. Seitdem wird in der stillen Post behauptet ich hätte auf lavache Szeneinterna verraten und kein Mensch kann den Text noch lesen, um zu überprüfen ob dem auch wirklich so ist. Ein Dilemma.
Nerviger als Szenerepression und Liebesentzug sind nur noch juristische Drohungen. Einen Artikel musste ich deswegen schon komplett entfernen und wegen einem anderen eine Menge Emails schreiben und geforderte Verbesserungen einfügen. Auch wenn das Gekeife mich vor den Richter zu zerren in beiden Fällen offensichtlich weltfremd und blödsinnig und einer der Ankläger in spe ein nicht einzunehmender infantiler Spinner war, alleine der Gang zum Anwalt und die zur Vermeidung weiteren Umgemachs notwendige analoge Korrespondenz hätte mir im Falle einer Anzeige die Laune gründlich verdorben. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmte einfach nicht um die Texte unkorrigiert, bzw. überhaupt im Net zu belassen.
Ergo: Edit: „Warum Rhizom…etc“, R.iP.: „Horror an der Arbeitsfront“.

Jeder ist sich selbst sein eigenes Würstchen
. Ich bin inzwischen soweit – sobald ich am PC sitze und mit dem Anklicken des Schreibprogramms liebäugele – das ich die stumpfsinnig lärmende Meute schon freiwillig in meinem Kopf generiere und präoperativ über meine Schreibabsichten zu Gericht sitzen lasse: Will ich die linksradikalen Schäferhunde wirklich aus ihrer Hüte locken und ihre Frauchen dazu provozieren sie von der Kette zu lassen damit sie mir morgens um vier an der Theke ins Gesicht bellen können und mir in den Knöchel beißen?… Soll ich wirklich diesen Artikel über meine Arbeitsamtssachbearbeiterin schreiben? Vielleicht kann die Frau Internet… Soll ich wirklich nochmal am ASTA und seiner reformistischen Jämmerlichkeit rumnörgeln, vielleicht werden wieder vor Wut Flaschen kaputtgeschmissen… etc. Am Ende dieses Gedankengangs gewinnt in letzter Zeit immer öfter das was man in diesen Verhältnissen völlig geschichtsvergessen als „Vernunft“, oder das berechtigte „Bedürfniß nach Ausgewogenheit in der Berichterstattung“ bezeichnet. Mein Amüsement und obendrein die notwendigen wahren Worte bleiben auf der Strecke. Dieser verdinglichten „Vernunft“ sind inzwischen schon vier geplante Veröffentlichungen zum Opfer gefallen, bei denen ich befürchten muss das sie einen blödsinnigen Wirbel verursachen würden, den ich einfach nicht gebrauchen kann (Z.B. wollte ich hier meinen Spickzettel veröffentlichen, den ich anlässlich eines unerwartenden Treffens mit Wolfram Siener angefertigt habe. Es ist doch zu traurig wenn man in Alltagssituationen prominenten Leuten begegnet, denen man schon immer mal ein paar unwahrscheinlich wichtige Punkte mit Verve und Vehemenz ins Gesicht schleudern wollte und dann just in Time nichts besseres zu sagen hat als: „dummes Arschloch du… dich kriege ich noch“. Genauso ging es mir mit Jürgen Elsässer und Judith Holofernes. Deswegen der Spickzettel mit Photos und auf die Person passenden vorformulierten Texten die ich dann im Zweifelfall intonieren werde. Das wäre ein Spitzenartikel geworden, den die Fans von diesen Gestalten jedoch nicht verstanden hätten. Dummes Gerede und Humorlosigkeit im Kommentarteil, später Emails, Drohungen, am Ende hätte ich mich gar vor Gericht mit dem lahmen aber immer wider wirkungsvollen Verweis auf Satire herausreden müssen. Wer kann das wollen?). Aktuell habe ich deswegen nur noch wenig Lust zu bloggen. Manche mögen das eine gelungene Vermittlung zwischen ES und ÜberIch im Ich nennen. Für mich wäre die Richtigkeit dieser Feststellung ein Beweis dafür das dieser Zustand nicht in allen Fällen erstrebenswert ist.

Was treibt sie?

Was treibt diese Leute auf die Straße? Der Kampf für Aufklärung? Der Austritt aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit? Doch warum dann keine Demos gegen Islam, gegen den Dalai Lama und andere Schrecklichkeiten? Hier will man dem Muselmann wohl nicht dazwischenfunken, schon gar nicht den friedliebenden Buddhisten.
Anders wohl beim Katholizismus. Gegen ihn anzugehen, mit dem Impetus des Tabubrechers, umgibt einen die Aura des Aufklärers. Dass dabei der Gegenstand in seiner realen Bedeutung aufgebauscht wird, muss wohl billigend in Kauf genommen werden.
Doch was ist nun der Stein des Anstoßes?
„Keine Macht den Dogmen“ – diese Losung war es, die unsere Religionskritiker vor sich trugen. Angegangen wird also ein nicht hinterfragbarer Anspruch auf Wahrheit. Doch was genau? Ist es nicht allein schon der Anspruch auf Wahrheit, der sie auf die Straßen treibt.
Ist es nicht die Absolutheit des Meinungsgeschwirrs, in dessen Namen sie gegen Absolutes vorgehen. Gültig kann nur eine Aussage sein, die auf diese Gültigkeit verzichtet. Meinungsfreiheit, eigentlich immer mit der Stoßrichtung einer Freiheit von Meinung, verkehrt sich so. Dogmatisch also will man gegen Dogmen sein.
Gerade dann erzürnt eine Institution, die mit Vernunft noch mehr verbindet als die Fähigkeit sein eigenes Süppchen zu kochen. Eine Institution, die mit der Fähigkeit zur Vernunft einen göttlichen Schimmer erkennt, der den Menschen über die Natur erhebt und damit letztlich noch einen Begriff von Eros bewahrt. Und eine Institution, die mit Vernunft mehr verbindet als ihre instrumentelle Abrichtung, stattdessen auf Versöhnung drängt.
Dagegen verkümmert bei den Kritikern der Mensch zum Primaten:

Dank für regen Gedankenaustausch hierüber an terrific-speech!

A mixtape for you

Wenn man jemanden kennen gelernt hatte den man mochte, dann war es ein Glücksfall in der Stadt erneut aufeinanderzutreffen. Man hat vor Elternhäusern herumgelungert und gewartet, Freunde befragt und kleine Zettel beschrieben. Es gab keine Handys, kein skype, keine Emails und kein Networking auf Facebook. Das war die Vergangenheit.
Ich habe auf Spielplätzen und Marktplätzen herumgestanden und gehofft das sie zufällig vorbeiläuft. Stundenlang habe ich vor meinem Doppeltapedeck gesessen um ihr ein Mixtape aufzunehmen, das ich ihr bei Gelegenheit in die Hand gedrückt habe. Die besondere Kunst und der einmalige Liebesbeweis bestand darin, die richtige Musik aufzunehmen die zu ihr, oder wenigstens meinem Gefühl passte. Songs die ihr entsprachen und ihr Wesen wiedergaben, wie ich in meiner überschwänglichen Vermessenheit fand. Die Reihenfolge musste einer selbst ausgetüftelten, vertrakten Dramaturgie entsprechen. Ich habe auch ein eigenes Cover gemalt und im Inlay jeden Titel in Schönschrift aufgelistet. Wahlweise mit einer zarten A und einer harten B Seite.
Das war in den 90er Jahren.
Was mache ich heute, wo alle tapes+tapedecks längst verrottet sind und ich weiss das sich die Person die ich aktuell gut finde, überhaupt nicht für Musik interessiert? Richtig! Ich führe ein virtuelles Selbstgespräch und veröffentliche es im Net, um wenigstens den lächerlich-liebenswert anmutenden Pathos eines an eine Mauer gesprühten „Ich liebe dich XY“-Spruches in die digitalen Zeiten der postmodernen Beliebigkeit und des Kommunikations-Overkill hinüberzuretten.

A:
1. Lacrimosa: „Sehnsucht“
2. Angizia: „Leidenschaft“
3. Amon Düül: „Deutsch Nepal“
4. The Smiths: „Asleep“
5. Pink Floyd: „Crazy Diamond“
6. Dead Moon: „Where did i go wrong“
7. Die toten Hosen: „der Schandfleck“
8. David Bowie: „Heroes“
9. F.J. Degenhardt: „Tonio Schiavo“
10. Die Ärzte: „Zu spät“
11. Sparks: „i married myself“
12. ABBA: „Suzy hang around“
13. Sparks: „she is beautiful (so what?)“
B.
14. Dismember: „Nenia“
15. Samael: „The Ones who cames before“
16. My dying bride: „the price of beauty“
17. Bodycount: „Cop-Killer“
18. Onyx: „shot em down“
19. Judas Priest: „Painkiller“
20. Death: „Lack of Comprehension“
21. Darkthrone: „to old, to be cold“
22.Trelldom: „Taake“
23. PCP: „We are from Frankfurt“
24. Nastrond: „The stake rotten in my heart“
25. Immortal: „fields of sorrow“
26. Gabba Front Berlin: „Speedcore Lacrima“

Krieg!!!

Ich stehe in der Menschenschlange vor dem Amt zur Verhinderung subproletarischer Selbsttätigkeit. Missmutig blicke ich in die verhärmten Gesichter der anderen Arbeitsdronen auf Abruf und grusele mich bei dem Gedanken an die Gedanken in ihren Köpfen.
Das dumme Schwein am Schalter geht mir mit seiner monotonen Stimme gehörig auf den Geist. „Der Nächste bitte… der Nächste bitte…“. Der Sicherheitsmensch der gelangweilt auf und ab dackelt ist noch jung. Ich frage mich mit welchem bitter schmeckenden Cocktail an Alltagsideologien er es vermag, sich in der Bewusstlosigkeit zu halten die nötig ist, um eine solche Tätigkeit verrichten zu können: privater Securityfuzzie auf dem Arbeitsamt. Mich überkommt Mitleid.
Es ist stickig. 30 Grad und kein Luftzug. Noch einmal überdenke ich meine alte Phantasie, mit der ich mich schon während der Ausbildung über manch bleierne Stunde gerettet habe. Doch leider steht es mit schnellem Sex mit der Vorgesetzten im konkreten Fall schlecht. Nachdem ich meiner Sachbearbeiterin, anlässlich des letzten Agitpropgespräches, mitgeteilt habe: „es ist peinlich für sie das sie so ein dummes Zeug geschwätzt haben und es ist peinlich für mich das ich zugehört habe“, ist an Sex kaum zu denken. „Ich glaube sie wollen gar nicht arbeiten“ hat sie gesagt, kurz bevor ich die Tür ihres Büros hinter mir zuknallen ließ.
„Der nächste bitte“. Ich rücke einen Platz in der Schlange nach vorne, mein Gedankenkarussel dreht sich weiter und hält jäh inne bei einer alten Idee: Ich befinde mich in einem gnadenlosen Wettstreit, in einem Krieg. Jedes Mal wenn der Staat und seine menschlichen Ausführungsorgane es schaffen mir ihren Blödsinn aufzudrücken, bekommen sie einen Punkt. Wenn sie mir außerhalb der Routine des üblichen Äquivalententauschs Geldwertzeichen aus der Tasche ziehen, triumphieren sie. Wenn die Bullen mich festnehmen, ist das ein geschossenes Tor, ein gestürmtes MG-Nest für den Feind. Wenn sie mir mit ihrem Unfug Gesundheit und Lebenszeit rauben und mich mit Propagandageschwätz, Drohbriefen, Rechnungen, Fahrkartenautomaten, Arbeitsamtsterminen, Volkszählungen, Strassenkontrollen und anderem Dreck der nur dem Kapital nützt entnerven, hagelt es Punkte für Team Deutschland. Vor meinem geistigen Auge paradieren die Fußtruppen, das Millionenheer an Inkassobüroangestellten, Vermieterinnen, Bullen, Sachbearbeitern, Heimpflegerinnen und Sicherheitsleuten jeden Tag durch das Brandenburger Tor und wedeln in ausgelassenem Jubel mit ihren siegreichen Waffen an Bescheiden, Durchschlägen, Handschellen, Knarren, Verträgen und Mahnbriefen. Ich bin in meinem persönlichen Guerillakrieg gegen sie! Das gehässige Alltagsklein-Klein ist ausschließlich gegen mich gerichtet. Das muss ich begreifen. Ich muss Schwarzarbeiten, im Kaufhaus klauen, Fahrkarten fälschen, den Bullen Steine an ihre Köpfe schmeißen ohne erwischt zu werden und Steuern hinterziehen sobald ich das kann, Schufa Einträge sammeln, Rechnungen schreddern und Vermieter verklagen. Um die Alltagsschmach wettzumachen unter der ich leide, gibt es noch einiges zu tun. Ich muss aufrüsten, den Gegner ernst nehmen und doch den ganzen kriegerischen Vorgang als Sport begreifen, um nicht an Nervenstress und den damit verbundenen Magengeschwüren allzu früh zugrunde zu gehen. Deutschland-neo. Der aktuelle Punktestand lautet: 1098-3.

Schön wär es…

Messer rein, Messer raus, Messer rot, Nazi tot.

Nightfighters

Bei meinem permanenten Infotainment-Konsum ist mir letztens doch glatt etwas Sehenswertes untergekommen. Schwarze Piloten im zweiten Weltkrieg. Ausser den Gurkhas, wurden Menschen mit meiner Hautfarbe also nicht nur in kolonialen Hilfstruppen als Cannon-Fodder verheizt und als Bausoldaten in der Etappe eingesetzt. Schön.
Unbedingt anschauen: Nightfighters.
Die anderen Teile befinden sich in der Seitenleiste.

PS: Passt zwar nicht ganz rein, ich schreibe es aber trotzdem hier hin. Die Bezeichnung: „Peoples of Colour“ (in deutschen abkürzungsaffinen Kreisen auch kurz „PoC“), ist ein ganz großer Scheissdreck. Mir egal ob irgendwelche demokratieidealistischen postcolonial-Antirassistinnen, „Afrodeutsche“ (noch so ein Deppenbegriff. Erinnert mich immer an die irgendwie „emanzipativ“ gemeinte, aber völlig in die Grütze geschossene Wortkreation: „Burschenschaftlerinnen“, als Bezeichnung weiblicher Dorfburschenschaftsmitglieder) und „critical Whiteness“-Streber meinen mit dieser lächerlichen Sprachmagie etwas gegen den Alltagsrassismus tun zu können.
Wieso bitteschön soll Ich hier der Farbige sein? Die merheitsgesellschaftkompatiblen Trottel die solche Begriffe ohne jede Ironie verwenden, sollten sich ihre weißen Kadaver mal im Spiegel angucken. Rote Pickel, blaue Flecken, gelbe Finger vom Rauchen, Haare in allen Farben, braune Sommersprossen, schwarze Mitesser. Von den kunterbunten Geschlechtsteilen mal ganz zu schweigen. „Peoples of Colour“? – Bullshit! Die korrekte, nicht von falschem Antirassismus strotzende und einzig vernünftige Bezeichnung lautet: Schwarz! Nicht braun, nicht farbig, nicht „Coloured“… Schwarz! Die Schwarzen sind so schwarz, wie die Weißen weiß sind. Black Power und nicht „Coloured Power“. Black is beautiful und „farbig“ sind Legobausteine. Ganz einfach.
PS2: Falls ich die Leute so schnell nicht mehr zu Gesicht bekommen werde: Die akademisierende Dooftussie die letztens zu fortgeschrittener Stunde meinte u.A. mit der „PoC“– Bezeichnung bei mir punkten zu können, sollte sich diese Formulierung zusammen mit dem anderen präsentierten positivrassistisch anmutenden Denkdreck wieder abgewöhnen. Da mag die Biene noch so flott sein, bei so einem hirnlosen Gutbürgergesabbel vergeht mir Alles. Meine anfänglich geäusserte Zustimmung zu baldigem Geschlechtsverkehr, ist hiermit zurückgezogen.
PS3: Eine ähnliche Ansage ergeht an die Professorenwitwe aus dem Nordend, mit dem penetranten Black-Power-Tick. So ein Gefasel höre ich mir nur noch gegen Bares an. Das erbetene gemeinsame Weissweintrinken in ihrer Wohnung kostet 300 € die Stunde. Mit Anfassen wird’s noch teurer.

Join the revolutionary Starfleet/MitspielerInnen gesucht! Part 3

Part 1
Part 2

Nur durch Missirunning habe ich es geschafft aus meinem monatelangen finanziellen Dauertief unterhalb der 50 Millionen ISK herauszukommen. Inzwischen ist meine Drake (Caldari T1 BC) vernünftig ausgeskillt und die Maelstrom (Minmatar T1 BS) läuft rund, nachdem ich einige Zeit, Skillbücher und Übung in die 800mm „Scout“ Repeating Artillery-Bewaffnung gesteckt habe, die mir anfänglich wegen ihrer stark differierenden Trefferquote noch arge Probleme bereitet hatte. „Angel Extravaganza“, die Mission die mir in letzter Zeit sehr oft von meinen Stammagenten (LvL4, +18 und LvL4, -10) analog angeboten wurde, bewältige ich inzwischen in zwei Stunden. Dieser Umstand hat mir ein bescheidenes Vermögen von 400 Millionen ISK eingebracht. Schön.
Seit gestern jedoch ist meine Glückssträhne offensichtlich vorbei. Beide Agenten (in der Entfernung von 10 Warp Sprüngen sind keine weiteren vernünftigen LvL4 Agenten von der Caldari-Navy zu finden) bieten mir nur noch Scheissdreck an. „Der Angriff“ ist die Seuche: Zwei dreiste Web-Scrambler und einige Drohnenkiller (die sofort nach dem Spawn der ersten Welle auf die Einsatzdistanz von 8 Km gehen, so das ich jede Sekunde in einer solch kritischen Situation Scrambling erwarten muss und genötigt bin sie sofort abzuschießen oder aus der Anomalie herauszuwarpen), die wegen vier T2 Faction-Golems nur schwer zerstört werden können. Danach acht T2 Battleships und sieben T2 Cruiser. Zu allem Unglück jammen die Golems von Anfang an im Kanon. Eine kontinuierliche Zielaufschaltung über 15 Sekunden ist kaum möglich. Das massive Heavy Aussault Missile- und Cruise Missile-Feuer zwingt einen permanent zurück an das Gate, ohne das man die Möglichkeit hat auch nur eine Rat zu zerstören. In vier Stunden habe ich es geschafft die Scrambler und weitere drei Schiffe abzuschießen. Mehr nicht. Die Rats waren nach meiner Erholungsphase immer wieder auf 100%, weil ich während meiner kurzen Angriffe nicht einmal an die Struktur herangekommen bin.
Ich war am Ende so frustriert, dass ich auf mein gutes Faction-Standing verzichtet habe und die Mission unterhalb der CDT ablehnte. Dadurch bin ich bei dem LvL4, +18 Agenten in Ungnade gefallen und bekomme nun keine Aufträge mehr. Verdammichtnochmal. Elend. Fuckscheisse verfickte.
Ich hab dann meine Strategie zum Gelderwerb gezwungenermaßen geändert. Da die Aktivitäten meiner Corp im WH der Allianz aktuell gegen Null gehen, lag zunächst Trading am nächsten. Nach einer stundenlangen Einarbeitung wurde mir klar das ich so auch nicht schneller zu den gewünschten 1,5 Milliarden ISK (für den von mir angestrebten strategischen T3 Kreuzer: Tengu) komme. Alles was ich anzubieten habe sind Armor Plates, gelootete Missiles und Faction Tags (Gold oder Brilliant sagt hier gar nichts über den Preis aus). Alles Ladenhüter. Fehlanzeige.
Blieb mir noch das Scanning. Es hätte ja sein können das ich einige Hideouts ausfindig mache und ein Nest der Rats als Headhunter angreifen kann, um das Kopfgeld einstreichen zu können. Ebenfalls Fehlanzeige. 50 Millionen ISK für das CovertOps-Schiff, Launcher und Probes und es konnte los gehen. Das Scanning war dann aber so langweilig und blieb ergebnislos, dass ich es nach acht Stunden wieder aufgegeben habe.
Zwei frustige Tage in EvE. Ein guter Grund heute Abend ein Menge Bier zu trinken. Das ich es meinen Kollegas im RL nur schwer begreiflich werde machen können, warum ich so schlecht gelaunt bin, nervt mich jetzt schon. Ich glaube ich denke mir einen Streit mit einer fiktiven Freundin aus.

to be continued…

Karl Nagel im IvI

Eine dicke Frau, bei der ich eine halbe Stunde gebraucht habe um zu merken dass sie eine Sängerin ist und kein Sänger und ein circa 60 jähriger Bassist mit Lesebrille und Wodkaflasche, haben es vermocht mich daran zu erinnern wofür ich Punkrock dereinst geliebt habe. Nach Jahren der Abstinenz, habe ich mich deswegen dazu entschlossen mal wieder ein bisschen Punk zu veranstalten. Wer wäre besser dazu geeignet abgeschlaffte Politniks und Expunks wie mich, an die besseren Augenblicke der eigenen wilden Adoleszenz zu erinnern als Karl Nagel?

Danach gibt es ein bisschen billigen Alk an der Theke und Plattenauflegerei vom Holzfäller.




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: