IvI

IvI-Liste zur Frankfurter Lokalwahl?!

Bei der Wahl zum Frankfurter Stadtparlament tritt im kommenden Jahr wohl eine IvI-Liste an. Hier zu ihrem Webauftritt: diva.copyriot.com
Mein Favorit bei der Wahl ist klar! Wünsche viel Erfolg!

Solidarität für das IvI aus Dublin

Nachdem dem IvI aus der ganzen Welt (u.a. Reutlingen und Ankara) Solidarität entgegengebracht wurde, fand heute Abend auch in Dublin eine spontane Solidaritätsdemo der dortigen Sektion des „Namenlosen Kollektivs“ statt.
Die Demo zog von der Tesco-Filiale im Phibsborough Shopping Centre zum „Irish Volunteer Monument“. Zusammenstöße mit der Polizei gab es nicht, allerdings hatte die Demonstration auch nur eine_n Teilnehmer_in.
Der_die Sprecher_in der irischen Sektion des „Namenlosen Kollektivs“ erklärte die geringe Breitenwirkung folgendermaßen: „Wie schon W.B. Yeats bereits 1913 feststellte: ‚Romantic Ireland’s dead and gone.‘ Von dem revolutionären Impuls, der noch die Helden von 1916 und später antrieb, ist heute in Irland nur noch wenig bis nichts zu spüren. Dabei war es ein durchaus romantischer Impuls: der Kampf für eine im Grunde genommen von vorneherein verlorene Sache. Das machte diese Bewegung sicher auch für Künstler wie Yeats so interessant. Ähnlich steht es heute wohl mit dem Kampf für das IvI und die Utopie im Allgemeinen. Es ist eher ein romantisches als ein rationales Unternehmen. Unsere Spontandemo folgte in der Tat einem sehr spontanem Impuls. Sie wurde weder angekündigt noch vorbereitet. Wir waren naiv, vielleicht: romantisch, genug anzunehmen, dass uns die Massen spontan folgen und es vielleicht revolutionäre Aufwallungen geben würde. Das Ziel der Demo war die Besetzung des Hauptgebäudes der irischen Post wie eben damals und dort die Proklamation einer gesamtirischen Räterepublik. Doch wir sind zufrieden damit, ein Zeichen gesetzt zu haben für die Utopie. Vielleicht mangelt es uns heute oft an jenem romantischen Impuls, der noch die Kämpfer von 1916 antrieb. Ohne Liebe gibt es keine Revolution – und erst recht nicht ohne romantische Liebe.“
Daran anschließend meinte er_sie, dass die von IvI-Aktivisten oft bemühte Gegenüberstellung von bedrohtem Romantik-Museum und IvI kurzsichtig sei: „Man sollte genau entgegengesetzt argumentieren: Wer die Romantik retten will, muss auch bereit sein, das IvI zu unterstützen. Als Ort der gelebten, nicht der musealen Romantik. Das wäre eine wirklich radikale Botschaft.“
Die Demonstration verlief ansonsten friedlich.

Das IvI ist geräumt

Nun ist also das eingetreten, mit dem man schon seit über einem Jahr gerechnet hat … Es ist schon sehr eigenartig, wenn solche Dinge dann einmal wirklich passieren, es hat etwas furchtbar Unwirkliches. Ich zumindest hatte mit dem IvI ja schon längst innerlich abgeschlossen und habe mich eher gewundert, dass es sich noch so lange wacker hält. Andererseits bin ich jetzt doch ein wenig wütend, wie schnell und brutal es über die Bühne ging … zumal es bis zuletzt noch Hoffnungen gab, man könnte die Sache anders lösen und das IvI einfach nur umziehen.
Ob das Projekt jetzt noch eine Zukunft hat, weiß ich nicht. Es ist jedenfalls nicht ganz auszuschließen, deshalb will ich jetzt auch keinen „Nachruf“ oder so schreiben.
Das Wichtigste sagt ohnehin Hanning Voigts, der in den letzten 1 1/2 Jahren quasi der „IvI-Redakteur“ der FR war und durch seine regelmäßige und gründliche Berichterstattung sicher viel zum Durchhalten des Projekts beigetragen hat, in seinem extrem treffenden Kommentar, darum belasse ich es fürs erste dabei und drücke den Frankfurter Genoss_innen die Daumen!

Räumung des IvI morgen (22.4.) früh befürchtet!

In IvI-Kreisen wird befürchtet, dass die Räumung morgen (22.4.) am frühen Morgen nun wirklich ansteht. Die Quellen sind einigermaßen glaubwürdig. Es wird dazu aufgerufen, heute Nacht im IvI zu übernachten oder morgen früh um 4 Uhr 30 vorbeizukommen.
Sollte die Räumung tatsächlich passieren, wird am Dienstag dann die ja schon angekündigte „Tag X+1″ Demo stattfinden (um 18 Uhr am „Kaisersack“/Hbf).
Weitere Infos auf der IvI-Website.

Edit: Es ist soweit – anscheinend wird das IvI gerade (22.4. gegen 6 Uhr) tatsächlich geräumt!!!

Edit 2: Das IvI ist nun geräumt. Pressemitteilung des IvI, Artikel des HR.

Räumungsklage gegen das IvI

Kurznotiz: Die Räumungsklage gegen das IvI war erfolgreich. Von einer baldigen Räumung ist auszugehen.
Quellen: HR, FR

Das IvI als utopischer Ort

Vorbemerkung: Dieser Text stellt eine Kurzversion des Textes Der Ursprung des IvI – ein ontologischer Beitrag zur Selbstreflexion dar, der sich hier abrufen lässt.
Diese Version ist eine Art kleines, verspätetes Geburtsgeschenk an das IvI, dessen Existenz am 3. 12. 2003 mit der Besetzung des Kettenhofwegs 130 begann.

Wir wünschen das Beste hoffen auf weitere irrelevante Jahre!

Krisen sind stets eine Gelegenheit zur Selbstreflexion. Was zeichnet das in die Krise geratene Projekt eigentlich aus, was ist der „Kern”, auf den sich dieses Projekt besinnen sollte? Die in diesem Artikel vertretene These soll eine Art Vorschlag sein, wie sich das IvI selbst definieren, was sein „Kern” sein könnte. Dies ist nicht als bloße normative Setzung, sondern genau als „Kern”-Analyse gemeint – also primär deskriptiv, freilich nicht im Sinne einer empirischen Untersuchung, sondern einer grundsätzlicheren, philosophischen Selbstreflexion.
Es ist generell sehr hilfreich, bei solchen Fragen mit dem scheinbar Banalsten, Einfachsten zu beginnen und sich von dort zum eigentlichen Problem vorzutasten. Oft genug verbirgt sich in dem zunächst Banalstem, Einfachstem bereits das eigentliche Problem. Das scheinbar Banalste, Einfachste ist, dass das IvI ein Ort ist. Freilich ist diese Bestimmung nicht unkontrovers: man könnte das IvI auch als politisches oder kulturelles Projekt jenseits eines bestimmten Ortes verstehen und den Ort nur als sekundäre Folgerung, als Mittel. Doch was wäre das IvI ohne einen Ort? Für welche Ideen stünde es genau? Wir glauben in der Tat, dass man vom Ort ausgehen muss, wenn man den „Kern” des IvI begreifen will. Jede politische Definition des Projekts basiert auf seiner Örtlichkeit, nicht umgekehrt. Es geht also darum, nach dieser Örtlichkeit zu fragen. Beginnen wir daher mit sehr grundlegenden Überlegungen zum Ortsbegriff.
Der Mensch ist ein grundsätzlich im Raum existierendes Wesen. Er ist nicht irgendwo, er ist „da”. Dieser Raum ist freilich kein abstraktes etwas, sondern immer schon konkret geordnet im Rahmen der leiblichen Existenz des Menschen. Diese Ordnung basiert auf Orientierungspunkten – ich liege im Bett, ich stehe auf, um aufs Klo zu gehen, ich verlasse das Haus, um zum Supermarkt zu gehen etc. Das ist der Grundbegriff des Ortes. Orte strukturieren den Raum und geben ihm so erst eine Kontur, gleichzeitig enthüllt sich in dieser Kontur erst die konkrete Materialität des Raumes (etwa als Hindernis, als Abstand, als Erleichterung etc.). Die Definition des Ortes ist somit immer eine konkrete Aneignung der Materialität des Raumes, genauer gesagt: der Erde als basaler materieller Qualität und unabdingbarer Grundlage jeder Räumlichkeit.
Es gibt dabei eine basale Orientierung aufgrund meiner natürlich-leiblichen Existenz. Diese ist für meine Örtlichkeit zwar fundierend, entscheidend ist jedoch ihre soziokulturelle Definition. Ich bewege mich stets in einer örtlichen Matrix die zwar je meine ist, jedoch nie von mir gemacht wurde. Ich stehe etwa morgens auf. Mein Bett, mein Zimmer, mein Haus ist definiert als mein Erholungsplatz, indem ich schlafen, essen, lesen kann, einen gewissen „Freiraum” genieße. Mein gesamter Wohnraum ist im Hinblick auf diesen Erholungsplatzcharakter strukturiert. Ich muss nun aufstehen und zu meinem Arbeitsplatz gehen. Dieser ist nun mein Orientierungspunkt, mein Weg zur Arbeit erscheint als zu überwindender Abstand, als Verkehrsweg, den bestimmte Regeln definieren, nach denen ich mich zu richten habe. Etc. pp.
Man könnte diese Beschreibung endlos fortsetzen. Doch aus dieser groben Skizze sollte bereits klar werden: es existiert eine normative Ordnung, die jedem Ort, sei es als Erholungs-, als Arbeits-, als Spiel-, als Kultur-, als Marktplatz, seinen Platz, seine gesellschaftliche Funktion zuweist und in der wir uns für gewöhnlich bewegen. Diese Ordnung ist dabei nicht bloß ideell, so als handelte es sich um eine Art kollektive Einbildung, sondern manifestiert sich jeweils in der konkreten materiellen Organisation der Orte, die bereits in sich eine bestimmte Benutzung nahelegt. Freilich markiert diese Materialität der Orte auch immer eine gewisse Widerständigkeit: selbst der funktionalistischste Architekt kann einen Ort niemals so zurichten, dass seine Materialität völlig in seiner Funktionalität aufginge. Es gibt immer einen gewissen Überschuss der Benutzbarkeit – der teilweise wiederum selbst Teil seiner Funktion ist, teilweise dieser Funktion hinderlich. Von der subjektiven Seite aus gesehen heißt das: ich kann mir den Ort auch immer anders aneignen, meine Örtlichkeit immer anders definieren, als mir meine normative Ordnung vorgibt. Vom Standpunkt dieser Ordnung aus gesehen ist das ein Missbrauch – von meinem aus gesehen nichts weiter als ein alternativer Gebrauch, der meinen eigenen subjektiven Erfordernissen entspricht. Ich kann auf der Autobahn Skateboard fahren, im städtischen Brunnen schwimmen, im Kaufhaus schlafen etc. pp.
Es gibt so eine Politik des Ortes, die für jede widerständige Politik von zentraler Bedeutung ist: es geht darum, sich den Raum gemäß seinen eigenen Bedürfnissen anzueignen, sich die Nutzung des Raumes nicht von der herrschenden Funktionalisierung der Welt diktieren zu lassen. Diese Funktionialisierung produziert zwar permanent neue Möglichkeiten der Aneignung des Raumes, sie bleibt jedoch ihrem Wesen nach letztendlich doch repressiv und beschränkend: der Materialität der Erde, der Leiblichkeit und der Idealität der Individuen wird jeweils Gewalt angetan – ihre Entfaltungsmöglichkeiten werden gehemmt, ihre innersten Bedürfnisse negiert. Wälder werden sinnlos gerodet, Orte nach einer für den Leib völlig dysfunktionalen Weise zugerichtet, der Möglichkeitssinn der Menschen systematisch zugekleistert, indem durch die bloße Materialität der Orte eine Pseudoevidenz ihrer herrschenden Nutzung suggeriert wird (Moral und Gewöhnung erledigen das Übrige).
Jede Wiederaneignung des Raumes ist somit ein eminent subversiver Akt. Es handelt sich nur vom Standpunkt der Ordnung aus betrachtet um eine „Be-setzung” (was eine Hemmung suggeriert), eigentlich handelt es sich um eine Frei-setzung, das Gegenteil einer Hemmung. Im Idealfall bedeutet diese Freisetzung die Schaffung dessen, was man als einen „utopischen Ort” bezeichnen kann. Ein Ort, dem keine Funktionalität im System zugeordnet werden kann, der in ihm wie eine unheilbare Wunde klafft. Doch vom Standpunkt der Emanzipation aus betrachtet markiert eine solche radikale Verwundung den Beginn einer möglichen Heilung: es kann ein neues Verhältnis zu Erde und Leib erprobt, aber vor allem der Möglichkeitssinn enthemmt und überhaupt erst entwickelt werden. Was ist mit einem Ort möglich? Wie kann man ihn kollektiv verwalten in einem Vakuum jenseits der herrschenden normativen Ordnung? Was soll an ihm geschehen können und was nicht? All dies sind Fragen, die das IvI-Kollektiv über all die Jahre konsequent beschäftigt hat. Der Verdienst des IvI ist es, sich der Versuchung einer Refunktionalisierung konsequent widersetzt und seine ursprüngliche Offenheit weitestgehend bewahrt zu haben. Dies war nicht zuletzt wegen der Materialität des Ortes selbst möglich: der „Funktionalismus” des Architekten Ferdinand Kramers bedeutet gerade nicht eine Einschränkung auf bestimmte Funktionen, sondern eine möglichst offene Gestaltung, die eine vielfältige Funktionalisierung ermöglicht. Das IvI konnte so als Bibliothek, Treffpunkt, Veranstaltungsort, Wohnraum u.v.m. dienen. Seine „eigentliche” Bestimmung blieb immer offen, es konnte nie klar unter einer dieser Kategorien subsumiert wurden. Es wurden Dinge gemacht, die anderswo so nicht möglich gewesen wären und das nicht, und das ist entscheidend, individuell und vereinzelt, sondern kollektiv.
Die spezifische polemische Pointe genau dieser Freisetzung ist nun, dass es sich ursprünglich um einen öffentlichen Ort handelte: ein Universitätsgebäude. Es ging also nicht darum, ein privates Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen oder sogar, wie bei manchen alten Hausbesetzungen, einer bestimmten neuen Nutzung im Rahmen gesellschaftlicher definierter Funktionsnormen („Erholungsplatz”) zuzuweisen. Viel eher ist die implizite Botschaft dieser Freisetzung viel radikaler: bei der so genannten „Öffentlichkeit” handelt es sich um eine Pseudo-Öffentlichkeit. Es geht darum, den öffentlichen Raum zu öffnen, ihn somit erst seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen: nicht funktionalistisch definierter Treffpunkt von Individuen unterschiedlichster Herkunft zu sein, um in gemeinsamen Dialog und gemeinsamer Praxis den Vorschein einer künftigen Menschheit zu konstituieren.
Das IvI ist für die einen ein Schandfleck in der durchfunktionalisierten Frankfurter Innenstadt, eine Störung des Ausbildungs-, Wohn- und Bürobetriebs im Umfeld, für die anderen eine Oase, „utopisch” einerseits im Sinne eines konkreten Vorscheins eines möglichen Besseren, andererseits im Sinne seiner konkreten Nicht-Verortbarkeit im Rahmen des herrschenden Ordnungsrahmens. Selbst als bloße Fata Morgana käme ihm, so verstanden, doch noch eine wichtige Bedeutung zu als Symbol möglichen Widerstands: es gibt ein mögliches Leben jenseits des totalen Funktionierens, es muss nur erobert und freigesetzt werden. Deshalb lohnt sich unserer Ansicht nach der Kampf für den Erhalt des IvI, gerade in so widrigen Zeiten wie diesen.

Eskalation der Lage im IvI

In den letzten Wochen hat sich die Lage um das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) in Frankfurt am Main erneut zugespitzt. Franconofurt versucht vehement, jegliche Veranstaltungen im IvI zu unterbinden. Außerdem wurde anscheinend mittlerweile die Räumungsklage eingereicht.

Solidarität ist also im Augenblick entscheidender denn je!
Die Veranstaltungen sollen wohl (u.a. aufgrund der juristischen Fragwürdigkeit des Verbots) weiterhin stattfinden.

Zur aktuellen Lage vgl. die aktuellste Presseerklärung des IvI, einen Bericht der FR über das Veranstaltungsverbot und einen des Wiesbadener Kuriers.




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