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Die Geschichte und ich // Ein Kommentar zu den Geschehnissen in der Türkei

Die Geschichte und ich

Jetzt sitze ich hier und lese und schreibe Gedichte,
die Sonne scheint wie selten, der Grand Canal ist
mit Seerosen bedeckt,
so dass einem fast romantisch ums Herz wird.
Meine Rückenschmerzen haben sich gelindert und
es gibt wenige Sorgen.
Zur selben Zeit werden Genossen
von der türkischen Polizei verprügelt und mit Gas
zu verscheuchen versucht bis
die Augen nicht mehr wie Augen aussehen
und die Beine nicht mehr wie Beine.
Ein unheimliches Gefühl:
Anderswo schreibt man Geschichte.
Träume von Reisen in den Orient
keimen auf, werden von Realitätsresiduen zerstampft
- doch was heißt heute schon „Realismus“?
Wo ich lebe, lebt nicht die Wirklichkeit
in den Oasen der Gleichgültigkeit.

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Solidarität für das IvI aus Dublin

Nachdem dem IvI aus der ganzen Welt (u.a. Reutlingen und Ankara) Solidarität entgegengebracht wurde, fand heute Abend auch in Dublin eine spontane Solidaritätsdemo der dortigen Sektion des „Namenlosen Kollektivs“ statt.
Die Demo zog von der Tesco-Filiale im Phibsborough Shopping Centre zum „Irish Volunteer Monument“. Zusammenstöße mit der Polizei gab es nicht, allerdings hatte die Demonstration auch nur eine_n Teilnehmer_in.
Der_die Sprecher_in der irischen Sektion des „Namenlosen Kollektivs“ erklärte die geringe Breitenwirkung folgendermaßen: „Wie schon W.B. Yeats bereits 1913 feststellte: ‚Romantic Ireland’s dead and gone.‘ Von dem revolutionären Impuls, der noch die Helden von 1916 und später antrieb, ist heute in Irland nur noch wenig bis nichts zu spüren. Dabei war es ein durchaus romantischer Impuls: der Kampf für eine im Grunde genommen von vorneherein verlorene Sache. Das machte diese Bewegung sicher auch für Künstler wie Yeats so interessant. Ähnlich steht es heute wohl mit dem Kampf für das IvI und die Utopie im Allgemeinen. Es ist eher ein romantisches als ein rationales Unternehmen. Unsere Spontandemo folgte in der Tat einem sehr spontanem Impuls. Sie wurde weder angekündigt noch vorbereitet. Wir waren naiv, vielleicht: romantisch, genug anzunehmen, dass uns die Massen spontan folgen und es vielleicht revolutionäre Aufwallungen geben würde. Das Ziel der Demo war die Besetzung des Hauptgebäudes der irischen Post wie eben damals und dort die Proklamation einer gesamtirischen Räterepublik. Doch wir sind zufrieden damit, ein Zeichen gesetzt zu haben für die Utopie. Vielleicht mangelt es uns heute oft an jenem romantischen Impuls, der noch die Kämpfer von 1916 antrieb. Ohne Liebe gibt es keine Revolution – und erst recht nicht ohne romantische Liebe.“
Daran anschließend meinte er_sie, dass die von IvI-Aktivisten oft bemühte Gegenüberstellung von bedrohtem Romantik-Museum und IvI kurzsichtig sei: „Man sollte genau entgegengesetzt argumentieren: Wer die Romantik retten will, muss auch bereit sein, das IvI zu unterstützen. Als Ort der gelebten, nicht der musealen Romantik. Das wäre eine wirklich radikale Botschaft.“
Die Demonstration verlief ansonsten friedlich.

Eine Lesung noch!

Radio, Live Transmission
Cancer isn‘t a disease

7.7. // 14 Uhr // IvI-Bib im 1. Stock
More information: IvI-Sommerfest

Come and

dance, dance, dance, dance, dance

Ihr sollt mich kennenlernen!

Mit zwei Mit-bestreiter_innen ich diesen Samstag-Abend eine Lyriklesung. Titel: „Perspektivisches Denken & Dichten mit Marx“. Beginn: 21 Uhr. Im IvI-Saal.
Weitere Details? „Einen Finger zeigen wir …“
Jedenfalls viel bisher unveröffentlichtes Material von mir!

Achja, das ganze natürlich im Rahmen der supergenialen Kunsttagung „Kunst – Erkenntnis – Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute“ vom 22.-24 Juni im IvI (Link).

Mit Verspätung

Dem Gespenst von Jacques Derrida und der Philosophie.

Frühfrühling

Hinter Deinen Augen und
hinter ihren Gläsern
erkenn‘ ich da nicht
mit apodiktischer Evidenz, dass
ich am Wettkampf um
die größten Brillen mit den dicksten Gläsern nicht
teilnehmen muss, dass
mir Arme gegeben sind zum
verschmitzten Verschnaufen
und, eh ich‘s vergesse,
den treuen Bleistift
als Bruder
hab‘ ich ja auch?

Und hinter den Gläsern
grünt das Grün ja auch,
wie es heißt,
es ist so scheu, und
hinter den Gläsern seh
ich auch das
um tiefes Schwarz gehüllte
Blau.

Und dann hat man die Wahl: mal
die Zeichen mit abwaschbaren Farben als
Beute des kommenden Regens, oder
ritz sie mit scharfer Klinge ein, dann
sieht man sie nicht und
täusche dich nicht ob
der Schärfe der Klinge, denn
ist sie sehr scharf, blickt
man irgendwann nicht mehr durch,
so vollgekratzt sind die Scheiben, denn
man erkennt ja nicht,
was man zuvor noch schrieb.
Doch das kümmert jetzt nicht:
wenn sich die Gläser scheu aneinanderreiben,
womöglich zerspringen,
beginnt da der Frühling
endlich?
Blendete nicht das grelle Licht?
Tränten nicht die übernächtigten
Pupillen, schattenumsäumt?
Trocknete sie da nicht die
sich verwechselseitigende Wärme in
uns?

Und die stählernen Bügel verbögen sich dann zu
Orakelzeichen, bewährungsgeprüft.

Dem großen Thiere

Diese folgenden Gedichte widme ich von Herzen der Redaktion des Großen Thiers. Das erste ist ursprünglich einem Mädchen gewidmet, und ich möchte diese Widmung nicht zurück nehmen. Ich veröffentliche diese Gedichte hier, weil sie vom Großen Thier nicht abgedruckt werden und nicht zu einer Lesung, die die Zeitschrift im IvI veranstaltete, zugelassen wurden. Weil man generell was gegen Lyrik hat, speziell wenn es um Liebeskummer geht.
Aber ich lasse die Gedichte am besten für sich selbst sprechen.

Zertret die Distel, verbrenn sie, setz Vertilgungsmittel und Flammenwerfer ein – Du wirst sie nicht kaputt kriegen.
Solange sie wächst besteht Hoffnung auf eine Heilung der Welt.
Dieses Heil-Werden, dieses Wachsen einer Blüte aus dem Unkraut, schöner als alles, was die Welt je gesehen hat, diese Revolution in Permanenz nenne ich -
Communismus.
Wer sich an ihrer Liquidierung aktiv oder passiv beteiligt, ist Mitschuld am Unheil.

***

Zwei Gedichte für
das große, böse Thier

Déjà-vu

Das Streichholz flammt auf,
Dein Mund saugt den Hauch,
ich erkenne das alte Gesicht,
die vertrauten Stimmen säuseln.
Mein Hirn sagt: Es bedeutet nichts,
wenn unsere Blicke sich kreuzen.

***

Plädoyer für mehr Gedichte über Liebeskummer

Gewiss, besser wär‘s,
und lieber mir zugleich,
die glückliche Liebe zu besingen
- doch, wie jeder weiß,
verhält es sich in diesen Dingen
leider nicht immer so leicht.

Nun, wenn mir denn das Herz
im Innersten zerbricht,
wer will mir da,
und sei‘s zum Scherz,
verbieten zu schreiben ein Gedicht?
Denn Dichten, heißt es, soll man ja
über das, was wirklich wichtig ist
- also nicht über Kant
und Israel,
sondern der Liebsten Gesicht.

Gewiss, man soll ruhig auch
über die ernsten Dinge schreiben
und über die Liebe halt schweigen
- und auch ich hab‘ ja Wut im Bauch
und würd‘ mir gern den ganzen Tag
mit Marx-Lektüre vertreiben.

Doch, so sehr ich Marx auch mag,
so ernsthaft bin ich leider nicht,
und so fallen an manchem Tag
auch die unersten Dinge ins Gewicht
- ja, es scheint, als sei an diesen Tagen
mein Magen
nicht nur, verzeiht mir das geläufige Bild,
mit Brot, Wut und Maden,
sondern auch
mit Schmetterlingen gefüllt.

Mir scheint es gar als könne,
ich hoff‘, ich trag‘ nicht auf zu dick,
man unter ihrer Augen Brauen
für einen kurzen Augen-Blick
in den, wie man‘s auch immer nenne,
Communismus schauen.
Und das ist der Kunst unwürdig?

Gibt es denn in eurer Welt
nicht mehr als Maschinen und Panzer?
Geld,
Raketenturbinen und Landser?
Muss, wie der Stahl, gehärtet werden,
was anders, besser ist?
Trieb euch der überquellende, allgegenwärtige
Hass die Liebe aus?

Was soll‘s, ich sprech‘ es deutlich aus:
Wer das Dichten über Liebesnot
verbieten will,
und mich aus diesem Grunde disst,
ist entweder ein Idiot,
um den ich mich nicht kümmer‘,
oder schlimmer:
ein Faschist.
Ich dicht‘ wonach mir gerade ist!

Kunst Erkenntnis Problem // Tagung vom 22.-24. Juni im IvI (FfM)

Das

So, ich möchte diesen Blog mal wieder für einen kleinen Hinweis auf eine Veranstaltung, die ich gut finde und daher unterstützen möchte, nutzen. Diesmal handelt es schließlich auch um keinen lumpigen Vortrag oder eine Party, sondern eine richtige Tagung. Kunst Erkenntnis Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute ist der vollständige Titel. Sie findet vom 22. bis 24. Juni im IvI statt. Die Tagung hat auch eine website, die in den nächsten Woche sukzessive erweitert werden wird: www.kunst-erkenntnis-problem.de

Es soll in der Tagung weder darum gehen, eine bestimmte theoretische Schule zu hypen, sondern einen möglich breit gefächerten Diskurs zu diesem ja doch recht komplexen und schwierigem Thema zu führen. Die Tagung markiert ja schon im Titel, dass die Frage nach den erkenntnisfördernden Potentialen der Kunst ein „Problem“ darstellt – daher gibt es keine bereits feststehenden Antworten, sondern zuallerst Fragen. Speziell die eine Frage: Was kann die Kunst heute noch leisten? Ist sie endgültig das „heitere Spiel“, von dem schon Hegel sprach, oder kann sie noch heute Verwirrung in herrschenden Ideologien stiften, verschüttete Glücksversprechen entbergen und Leute in ihrem Kampf für die Emanzipation bestärken … Dementsprechend geht es weder darum, zum 100. Mal das Ende der Kunst auszurufen, noch, der gegenwärtigen Kunst-Ideologie das Wort zu reden.
Ohnehin geht es nicht nur ums „reden“, sondern es wird bei der Tagung auch einiges an Kunst gezeigt bzw. gemacht werden.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.

Weitere Infos gibt es auch auf der website des ASTA Frankfurt.

Und ja – wer die Bilder auf der website der Tagung wiedererkennt, hat Recht. ;-)

Was gesagt werden muss

Wo Günther Grass für einen Dichter gilt
da liest man Spiegel, FAZ, ND und Bild.

Wiglaf Droste im Nachwort zu Peter Hacks: Hundert Gedichte. Berlin 2004

Das Loben von Grass‘ „politischer Dichtkunst“ überlassen wir rhizom und schmok.

Ode an das IvI – optisch

Wie angekündigt habe ich in den letzten Wochen einen selbst gestalteten Flyer zu meiner Ode an das IvI in der ganzen Stadt verbreitet. Da die zweite Auflage mittlerweile fast erschöpft ist und die im Augenblick nicht die Notwendigkeit einer dritten sehe, hier meine eingescannten Original in digitaler Form:

Seite 1:

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Auf der farbigen Version sind manche Details natürlich besser zu erkennen als auf der schwarz-weißen Printversion. Wer letztere noch ergattern will, sollte sich allerdings beeilen, eine neue Auflage wird wohl nicht folgen. Und wer weiß – wenn ich einmal berühmt bin sind die limitierten Originale meines Erstlingswerks vielleicht eine Menge wert.

Jetzt mag, wer will und kann, zur Vertonung schreiten, um den Charakter des Gesamtkunstwerks zu vervollständigen.

Das IVI muss bleiben,
sonst werden wir’s euch zeigen.
Für das IVI in den Kampf
macht den Bonzen Dampf!

Ein lyrischer Beitrag zum Kampf um das IVI

Die Texte von Thiel Schweiger und anderen haben mich dazu bewegt, diese Ode zu schreiben. Möge sie der Bewegung zur Erbauung dienen! Lasst uns für das IVI kämpfen!

Das IVI bei Nacht. Aus den Fenstern leuchtet das Licht sehr hell.

Ode an das IVI

Es nennt sich Institut
und ist auch eins,
vielleicht viel mehr noch als die andern „Institute“
(auch die in naher Nachbarschaft),
zumindest ist und bleibt es meins
- unseres, wie ich vermute.

„Wir“, ein Haufen Gruppen, Lesekreise,
Einzelpersonen, Junge, Weise,
Weise, die es gerne wären
- alle, die hier hingehör‘n,
woanders das Stadtbild doch nur stör‘n,
hier, zugegeben, nicht aufhör‘n
zu nerven und zu provozier‘n,
manchmal sich selbst,
manchmal die Nachbarn,
besonders in der Nacht,
manchmal auch die Macht.

Ja, die Leute hier sind schon ein Haufen,
doch exzellenter als jeder Cluster,
man kann mit ihnen herrlich günstig saufen
und frönen auch so manchem andern Laster.

Hier finden bessere Konzerte und Vorträge statt,
von den legendären Partys ganz zu schweigen,
als irgendwo sonst in dieser trostlosen Stadt
- und jetzt will irgendein dahergelaufener Idiot
diese Oase ersteigern?!

Wir haben es aufgebaut,
die Kisten geschleppt,
die Bücher sortiert,
die Wände gestrichen,
die Vokü serviert:
Jetzt will man uns enteignen?!
Drum rufen wir gemeinsam laut:
„Finger weg, ihr Schweine!
Das IVI muss uns bleiben!“
Und einen Finger zeigen wir,
welchen, das verschweig ich hier.

Wenn die Kronkorken zischen,
leere Flaschen sich zu ihren Genossen gesell‘n,
die als Aschenbecher schon überquell‘n
auf den verdreckten Tischen,
werden Gespräche wie nirgends sonst geführt,
dabei zahlreiche relevante Punkte berührt
(ja – relevant sind wir,
labern tut nur ihr):

Erstens ist den Antisemiten auf’s Maul zu hau‘n immer wieder,
das macht Israel, das machen wir,
davon erklingen uns‘re Lieder
Träumes voll
- auf nem Merkava durch die Wüste pflügend nur mit Dir.

Zum zweiten, dass die Ausbeutung aufhör‘n muss,
das muss man sagen,
alles andre ist Stuss
- Kapital, Patriarchat, Heterosexismus anklagen
(das sind die restlichen Punkte,
es gibt ihrer sicher noch mehr,
doch zum Punkt komme ich sonst nicht mehr)
für Freiheit, Leben, Überfluss!
(Ja – niemand ist so überflüssig
und so notwendig wir wir,
eures Treibens sind wir überdrüssig
- zumindest ich bin’s,
darum schreib ich hier.)

Endlich ist die Nacht vorüber,
ich wach verkatert auf dem Sofa auf,
mir geht’s nicht gut, und doch wär‘ es mir lieber
das IVI blieb, sonst könnt‘ man Frankfurt gleich vergessen,
ich hoff‘ doch, dieser Aufruf ist nicht allzu sehr vermessen,
und auch nicht allzu schlecht gedichtet
(ich hab‘ das Augenmerk auf den Gehalt gerichtet),
und so geb‘ ich, vorläufig verlassend dieses Haus
(nehmt’s mir nicht übel,
mir ist schlichtweg speiübel
- morgen Abend bin ich ja wieder am Start)
zum Abschluss die klare unpoetische Parole aus,
ich hoff‘, ich bin nicht allzu zart:

Das IVI muss bleiben,
sonst werden wir’s euch zeigen!
Für das IVI in den Kampf,
macht den Bonzen Dampf!




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