Archiv der Kategorie 'Musike'

Leben im Abgrund Selbstverwirklichung – Über das Subjekt im Kapitalismus und wie wir uns befreien könnten

Unter diesem Titel findet im WiSe 13/14 in Frankfurt am Main eine Veranstaltungsreihe zum Thema Subjektkritik statt. Aus dem Ankündigungstext:

Der subjektive Reichtum der Gesellschaften, in denen die Kultur beziehungsloser Beziehung herrscht, erscheint als unendliche Zahl von Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Aber jede dieser Möglichkeiten, die wir begehren und zu der wir zugleich gezwungen sind, erweist sich als Entwirklichung unserer selbst.

In unserer Gesellschaft sind die Menschen in ihrem Inneren von einer Dingheit besetzt. Sie sind geknechtet von einem objektiven, ihrer Kontrolle entzogenen Trieb – einem Trieb, der zugleich dem eigenen Wollen entspringt. In dieser ihrer Entzweiung mit sich selbst begehren sie nach Identität: in der Besetzung und Unterjochung ihrer Objekte, in eigener Größe und eigenem Wert, in der Abgeschlossenheit. Dieser Trieb ist so sehr mit ihrem Innersten verstrickt, dass sie sich nicht mehr davon lösen können: Obwohl sie oftmals darunter leiden, können sie nicht davon abgehen, können dieses Ding in sich nicht als etwas Fremdes erkennen. Dieses Ding ist ihr eigenes Selbst.

Das bunte Programm deckt zahlreiche Aspekte dieses breiten Themas ab. Ich will es gar nicht groß kommentieren, sondern verweise einfach auf die Website der Veranstaltungsreihe: http://www.kulturumwaelzer.de/abgrund

Eine Lesung noch!

Radio, Live Transmission
Cancer isn‘t a disease

7.7. // 14 Uhr // IvI-Bib im 1. Stock
More information: IvI-Sommerfest

Come and

dance, dance, dance, dance, dance

Heidegger goes Punk

Nicht nur auf Nietzsche kann man abgehen:

Irgendwie passt es. ;-)
Geht es dem Punkt nicht darum, der universellen Uneigentlichkeit der Gesellschaft zu entkommen und ein eigentliches Leben jenseits allen Konventionen, sozusagen „auf der Lichtung des Seins“, ins Nichts gestellt, zu führen?
Naja, ob sich Heidegger angesichts einer solchen Bezugnahme im Grab umgräbt oder nicht ist wohl ebenso unklar wie die Frage, ob er in der Hölle oder im Philosophenhimmel schmachtet. Wenn letzteres der Fall ist, denke ich, dass er sich mit den griechischen Philosophen ziemlich zerstritten hat, weil die mit seinen „eigentlichen“ Übersetzungen nicht so ganz klar kommen und er ihnen permanent Verrat ihrer eigenen Einsichten vorwirft.
(Aber ach was: im Philosophenhimmel sind ohnehin alle Hegelianer – geworden.)

(Mit herzlichem Dank für den Hinweis an D. :-) )

Nietzsche über den Tanz

Ich bin mal wieder auf einen sehr schönen und geistreichen kleinen Aphorismus von Friedrich Nietzsche gestoßen. Er enthält nicht nur eine sehr klare Einsicht in den bis heute denke ich unveränderten Stand des Geistes, sondern auch eine sehr gute Explikation von Nietzsches Tanz-Begriff:

Gleichnis vom Tanz. — Jetzt ist es als das entscheidende Zeichen großer Kultur zu betrachten, wenn Jemand jene Kraft und Biegsamkeit besitzt, um ebenso rein und streng im Erkennen zu sein als, in andern Momenten, auch befähigt, der Poesie, Religion und Metaphysik gleichsam hundert Schritte vorzugeben und ihre Gewalt und Schönheit nachzuempfinden. Eine solche Stellung zwischen zwei so verschiedenen Ansprüchen ist sehr schwierig, denn die Wissenschaft drängt zur absoluten Herrschaft ihrer Methode, und wird diesem Drängen nicht nachgegeben, so entsteht die andere Gefahr eines schwächlichen Auf- und Niederschwankens zwischen verschiedenen Antrieben. Indessen: um wenigstens mit einem Gleichniss einen Blick auf die Lösung dieser Schwierigkeit zu eröffnen, möge man sich doch daran erinnern, dass der Tanz nicht das Selbe wie ein mattes Hin- und Hertaumeln zwischen verschiedenen Antrieben ist. Die hohe Kultur wird einem kühnen Tanze ähnlich sehen: weshalb, wie gesagt, viel Kraft und Geschmeidigkeit not tut.

(aus: Menschliches, Allzumenschliches)

Und natürlich bietet sich dieser Aphorismus auch an als gute Gelegenheit, noch einmal einen kleinen Hinweis auf die Tagung „Kunst – Erkenntnis – Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute“ zu streuen, die vom 22.-24. Juni im IvI stattfinden wird. (Link)

In diesem Sinne: Tanzt, tanzt, tanzt! :-)

Revolution – National und sozial?! // Einige Überlegungen zum Film „Tanz auf dem Vulkan“ (1938)

Es war ein ganz schöner Schreck, als mich ein Bekannter, dem ich von meinem Artikel in der Zeitschrift „Tanz auf dem Vulkan“ erzählte, mit einer gewissen Ironie fragte, ob sich der Titel der Zeitschrift auf den Nazi-Film mit Gustaf Gründgens von 1938 beziehe und was das in Bezug auf „Blockupy“ zu bedeuten habe. Ich versicherte mich sofort bei der Redaktion, dass sie ebensowenig wie ich von der Existenz dieses Films gewusst haben, dass namensgebend eher Klaus Manns antifaschistischer Roman „Der Vulkan“ gewesen sei. Eine google-Recherche versicherte mir, dass die Metapher des Tanzes auf dem Vulkan in allen politischen Lagern verbreitet ist und dass ich mir also keine Sorgen machen muss, in Verdacht zu geraten, unwissentlich in einem Querfront-Magazin veröffentlicht zu haben.
Dennoch ließ mir die Existenz dieses Films keine Ruhe. Ich wusste, es gab nur einen Weg: ich musste ihn mir einmal in voller Länge anschauen. Also besorgte ich ihn mir in der Videothek und tat dies. Es ist sowieso immer wieder interessant, sich Nazi-Filme anzuschauen (ein wirklicher guter Film ist etwa „Münchhausen“ von 1943 – nach einem Drehbuch von Erich Kästner).
Doch es war nicht nur das, was mich neugierig machte. Zum einen war es dieser einzige Ausschnitt aus dem Film, den es bei youtube zu finden gab:

Ein musikalisch zwar nicht besonders innovativer, aber fetziges Lied mit Ohrwurmqualität, das nach 1945 von diversen klar linken Künstlern gecovert wurde. Kein Wunder: bei dem Text würde auf den ersten Lauscher wohl niemand denken, es handelte sich um den Titelsong eines Nazi-Films. Zumal – ein Nazi-Film, an dessen Ende die Tricolore im Bild flattert?!
Zum anderen ging aus dem wikipedia-Eintrag zu dem Film hervor, dass der Film, speziell auch der Schlager „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ Goebbels in der Tat nicht ganz geheuer war. Andererseits aber auch, dass sein Regisseur, Hans Steinhoff, kein verkappter Antifaschist, sondern richtiger, echter, wirklicher Hardcore-Nazi gewesen war, dem man wohl kaum unterstellen kann, einen versteckt subversiven Film drehen gewollt zu haben.

Es stellte sich also ein echtes Rätsel. Und als guter Philosoph kann ich nicht ruhen, ehe sich mir ein solcher scheinbarer Widerspruch in Wohlgefallen auflöst. Lange Rede, kurzer Sinn: ich ging in die Videothek und schaute mir den Film an. Es folgt eine Art Rezension. (mehr…)

Kunst Erkenntnis Problem // Tagung vom 22.-24. Juni im IvI (FfM)

Das

So, ich möchte diesen Blog mal wieder für einen kleinen Hinweis auf eine Veranstaltung, die ich gut finde und daher unterstützen möchte, nutzen. Diesmal handelt es schließlich auch um keinen lumpigen Vortrag oder eine Party, sondern eine richtige Tagung. Kunst Erkenntnis Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute ist der vollständige Titel. Sie findet vom 22. bis 24. Juni im IvI statt. Die Tagung hat auch eine website, die in den nächsten Woche sukzessive erweitert werden wird: www.kunst-erkenntnis-problem.de

Es soll in der Tagung weder darum gehen, eine bestimmte theoretische Schule zu hypen, sondern einen möglich breit gefächerten Diskurs zu diesem ja doch recht komplexen und schwierigem Thema zu führen. Die Tagung markiert ja schon im Titel, dass die Frage nach den erkenntnisfördernden Potentialen der Kunst ein „Problem“ darstellt – daher gibt es keine bereits feststehenden Antworten, sondern zuallerst Fragen. Speziell die eine Frage: Was kann die Kunst heute noch leisten? Ist sie endgültig das „heitere Spiel“, von dem schon Hegel sprach, oder kann sie noch heute Verwirrung in herrschenden Ideologien stiften, verschüttete Glücksversprechen entbergen und Leute in ihrem Kampf für die Emanzipation bestärken … Dementsprechend geht es weder darum, zum 100. Mal das Ende der Kunst auszurufen, noch, der gegenwärtigen Kunst-Ideologie das Wort zu reden.
Ohnehin geht es nicht nur ums „reden“, sondern es wird bei der Tagung auch einiges an Kunst gezeigt bzw. gemacht werden.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.

Weitere Infos gibt es auch auf der website des ASTA Frankfurt.

Und ja – wer die Bilder auf der website der Tagung wiedererkennt, hat Recht. ;-)

„Doch die Krise kommt bestimmt.“

Ich höre gerade viel Anarchist Academy und bedauere mal wieder, dass ich nicht ein paar Jahre früher geboren bin. Okay, wir hatten Egotronic, aber gerade in ihrer Direktheit und teilweise Plumpheit stehen A.A. irgendwie für eine Radikalität, die es so heute im deutschen Rap einfach nicht mehr gibt. Selbst die teilweise extrem schlechten Reimketten auf „-ismus“ und „-ist“, die unzähligen „Reim dich oder ich fress dich“-Zeilen und nicht einmal mehr als „unrein“ zu bezeichnenden Notreimen wie „Europa – glasklar“ oder „Kolonialismus – Kolumbus“ wirken, wenn man sie als bewusst eingesetztes Stilmittel interpretiert, besonders radikal: „Es geht uns nicht darum, schöne, lyrisch ausgefeilte Texte zu machen, sondern wir sagen einfach, was Sache ist, wir artikulieren unsere Wut mit möglichst vielen rhymes per minutes wie MG-Salven.“ Und – A.A. haben, obwohl sie offensichtlich dumme Antiimps sind, einfach recht. Ihre Texte passen gerade zur heutigen Situation wahrscheinlich besser als zu den Boomzeiten in den 90ern, als alle dachten, der Kapitalismus würde wie von selbst all seine Probleme lösen und die Neonazis wären nur ein Übergangsphänomen. Zu dieser Haltung passt wiederum besser der Spaß-Hedonismus, den die heutigen Anti-d-kiddies so konsumieren. Dass, was A.A. noch satirisch meinten („heute sind wir wirklich kritisch, heute sind wir frei“), praktizieren heute Egotronic & Co., von einigen Frühwerken, die ich nachwievor großartig finde abgesehen, ganz real: die Zeit der Ideologien ist vorbei. Als Egotronic noch was zu sagen hatten außer „Drogen nehmen ist geil“ waren sie schlichtweg noch 90ies, waren noch die würdigen Fortsetzer des Politraps alla A.A. Letztendlich könnte heute die Musik, die auf den meisten Antifa-Partys läuft, im großen und ganzen auch auf der JN-Sommersause laufen. Der Grund, warum das nicht der Fall ist, ist die Borniertheit dieser Kreise, die sich aber in ein paar Jahren sicher auch gelegt haben wird. Irgendwie kommen auch die Nazis in der postideologischen Talkshow-/Diskursethik-/Einheitsbrei-Gesellschaft der letzten Menschen an. Mitte der 90er scheint das noch nicht so gewesen zu sein. Als subversiv gilt es heute schon, musikalisch veralteten 80er- und 90er-Pop zu hören. Naja – immerhin darf man in linken Läden rauchen, Drogen nehmen und nach Herzenslust saufen und das ganze ist billiger als in professionellen Clubs und die Leute ein wenig angenehmer. Wahrscheinlich muss man sich damit in der heutigen Zeit schon zufrieden geben. Auf Anarchist Academy-Konzerten hätte man freilich vielleicht weniger Zulauf, aber auch weniger Probleme mit sexistisch-faschistoiden Schlägern – weil die Texte einfach zu eindeutig sind, überhaupt kein Missverständnis zulassen. Minimal (z.B.) ist hingegen schlichtweg unpolitisch, die Aussage der musikalischen Form ist nichts weiter als „Vorwärts“. Das finden ja alle gut – gerade wiederum in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Also – falls einer von A.A. das hier lesen sollte: ich supporte euer Comeback!

Eine tolle VIVA-Aufzeichnung als Anschauungsmaterial:

A.A. machen freilich nicht nur zeitlos-klassischen Politrap, sondern haben auch was zu „Liebe“ zu sagen. Mein Gott, wie altmodisch. Und A.A. sind nicht einmal ironieresistent, was man ihnen auf den ersten Blick vorwerfen könnte – gerade das hartnäckig-trotzige Durchhalten der „-ismen“-Reime und der anderen Verstöße gegen jede lyrischen guten Geschmack muss als feine Art der Selbstironie verstanden werden, die sich zugleich selbst nicht soweit selbst demontiert, dass es inhaltlich letztendlich doch wieder nur bei einem „Hallo, ich bin der xy und ich will euch heute mal was präsentieren, was ich mir in meinem Zimmerchen so ausgetüfelt habe und danach machen wir Party“ bleibt.

(OMG – von R.A.M. will ich jetzt garnicht erst anfangen.)

Kraftwerk – ihrer Zeit voraus // Leuchtende Gedanken für trübe Tage wie diesen Teil 1

Sie trinkt im Nachtbus immer Sekt – korrekt!

Ein Lied mit dem Titel „Simone de Beauvoir“

Bin heute auf der – erfolglosen – Suche nach einem guten youtube-Clip, in dem Simone de Beauvoir life zu sehen und hören ist, auf dieses recht lustige und durchaus auch eine Spur Wahrheit enthaltende Lied über Sexualität unter Intellektuellen im postfeministischen Zeitalter gestoßen. Viel Spaß beim Hören:

Am 10.11. findet übrigens ein Vortrag von Roswitha Scholz zu dem Thema „Simone de Beauvoir heute“ im IVI statt (Link).

A mixtape for you

Wenn man jemanden kennen gelernt hatte den man mochte, dann war es ein Glücksfall in der Stadt erneut aufeinanderzutreffen. Man hat vor Elternhäusern herumgelungert und gewartet, Freunde befragt und kleine Zettel beschrieben. Es gab keine Handys, kein skype, keine Emails und kein Networking auf Facebook. Das war die Vergangenheit.
Ich habe auf Spielplätzen und Marktplätzen herumgestanden und gehofft das sie zufällig vorbeiläuft. Stundenlang habe ich vor meinem Doppeltapedeck gesessen um ihr ein Mixtape aufzunehmen, das ich ihr bei Gelegenheit in die Hand gedrückt habe. Die besondere Kunst und der einmalige Liebesbeweis bestand darin, die richtige Musik aufzunehmen die zu ihr, oder wenigstens meinem Gefühl passte. Songs die ihr entsprachen und ihr Wesen wiedergaben, wie ich in meiner überschwänglichen Vermessenheit fand. Die Reihenfolge musste einer selbst ausgetüftelten, vertrakten Dramaturgie entsprechen. Ich habe auch ein eigenes Cover gemalt und im Inlay jeden Titel in Schönschrift aufgelistet. Wahlweise mit einer zarten A und einer harten B Seite.
Das war in den 90er Jahren.
Was mache ich heute, wo alle tapes+tapedecks längst verrottet sind und ich weiss das sich die Person die ich aktuell gut finde, überhaupt nicht für Musik interessiert? Richtig! Ich führe ein virtuelles Selbstgespräch und veröffentliche es im Net, um wenigstens den lächerlich-liebenswert anmutenden Pathos eines an eine Mauer gesprühten „Ich liebe dich XY“-Spruches in die digitalen Zeiten der postmodernen Beliebigkeit und des Kommunikations-Overkill hinüberzuretten.

A:
1. Lacrimosa: „Sehnsucht“
2. Angizia: „Leidenschaft“
3. Amon Düül: „Deutsch Nepal“
4. The Smiths: „Asleep“
5. Pink Floyd: „Crazy Diamond“
6. Dead Moon: „Where did i go wrong“
7. Die toten Hosen: „der Schandfleck“
8. David Bowie: „Heroes“
9. F.J. Degenhardt: „Tonio Schiavo“
10. Die Ärzte: „Zu spät“
11. Sparks: „i married myself“
12. ABBA: „Suzy hang around“
13. Sparks: „she is beautiful (so what?)“
B.
14. Dismember: „Nenia“
15. Samael: „The Ones who cames before“
16. My dying bride: „the price of beauty“
17. Bodycount: „Cop-Killer“
18. Onyx: „shot em down“
19. Judas Priest: „Painkiller“
20. Death: „Lack of Comprehension“
21. Darkthrone: „to old, to be cold“
22.Trelldom: „Taake“
23. PCP: „We are from Frankfurt“
24. Nastrond: „The stake rotten in my heart“
25. Immortal: „fields of sorrow“
26. Gabba Front Berlin: „Speedcore Lacrima“




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