Archiv der Kategorie 'Seelenkunde'

Leben im Abgrund Selbstverwirklichung – Über das Subjekt im Kapitalismus und wie wir uns befreien könnten

Unter diesem Titel findet im WiSe 13/14 in Frankfurt am Main eine Veranstaltungsreihe zum Thema Subjektkritik statt. Aus dem Ankündigungstext:

Der subjektive Reichtum der Gesellschaften, in denen die Kultur beziehungsloser Beziehung herrscht, erscheint als unendliche Zahl von Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Aber jede dieser Möglichkeiten, die wir begehren und zu der wir zugleich gezwungen sind, erweist sich als Entwirklichung unserer selbst.

In unserer Gesellschaft sind die Menschen in ihrem Inneren von einer Dingheit besetzt. Sie sind geknechtet von einem objektiven, ihrer Kontrolle entzogenen Trieb – einem Trieb, der zugleich dem eigenen Wollen entspringt. In dieser ihrer Entzweiung mit sich selbst begehren sie nach Identität: in der Besetzung und Unterjochung ihrer Objekte, in eigener Größe und eigenem Wert, in der Abgeschlossenheit. Dieser Trieb ist so sehr mit ihrem Innersten verstrickt, dass sie sich nicht mehr davon lösen können: Obwohl sie oftmals darunter leiden, können sie nicht davon abgehen, können dieses Ding in sich nicht als etwas Fremdes erkennen. Dieses Ding ist ihr eigenes Selbst.

Das bunte Programm deckt zahlreiche Aspekte dieses breiten Themas ab. Ich will es gar nicht groß kommentieren, sondern verweise einfach auf die Website der Veranstaltungsreihe: http://www.kulturumwaelzer.de/abgrund

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da // Zur (Un-)Möglichkeit revolutionärer Praxis heute

Als kleine Untermalung meines Artikel zum Film Tanz auf dem Vulkan habe ich vor etwa einem Monat eine Umfrage gemacht mit der Frage, was die Lieblingsversion des Titelsongs des Films, „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“, ist. An der Umfrage haben sich 5 Leute beteiligt, 3 gaben an „Ich hasse das Lied“, 2 „Nur das Original von Gründgens!“ Ich schließe die Umfrage hiermit und möchte das Ergebnis für sich sprechen lassen.

Zu meinem Artikel vielleicht noch ein kleine Nachbemerkung:
Es gab, leider nicht auf diesem Blog selbst geführt, an anderer Stelle heftige Debatten um ihn, die ich mir beim Verfassen kaum hätte ausmalen können. Ich möchte an dieser Stelle nicht im Detail darauf eingehen. Im Wesentlichen wurde mir (zumindest, soweit ich die Kritik nachvollziehen konnte) die Verwendung des Begriffs „revolutionärer Nationalsozialismus“ vorgeworfen. Ich fand diese Debatte auch für mich selbst, zumindest teilweise, recht fruchtbringend und möchte daher diese Verwendungsweise kurz erläutern.
Für mich ist der Begriff „Revolution“ oder „revolutionär“ ein rein deskriptiver, kein wertender Begriff (weder in einem positiven noch in einem negativen Sinne). Er bezeichnet schlicht grundlegende Umwälzungen (eben Re-Volutionen von lateinisch „revolutio“) auf bestimmten sozialen Feldern. Es gibt politische, soziale, ökonomische, kulturelle, künstlerische Revolutionen etc. Sie können in eine fortschrittliche, emanzipatorische, in eine regressive Richtung weisen, ambivalent oder sogar indifferent sein (wobei mir im Augenblick kein Beispiel für eine indifferente Revolution einfällt – aber ich möchte nicht ausschließen, das es soetwas gibt, zumal solche Urteile ja auch immer vom Standpunkt des Betrachters abhängen). Insofern verstehe ich die Verärgerung darüber, dass ich von einem „revolutionären NS“ spreche, nicht, zumal ich in dem Artikel ja deutlich genug von einer „Scheinrevolution“ spreche.
Dass der NS eine „Scheinrevolution“ ist, ergibt sich meines Erachtens daraus, dass er die wesentlichen Grundstrukturen der bürgerlichen Gesellschaft unangetastet lässt oder nur auf einer symbolisch-imaginären Ebene aufhebt. Auch die Massenvernichtung an den Juden war insofern scheinrevolutionär. Wobei „Schein“ natürlich nicht heißt, dass es sich darum nicht um ein sehr reales Ereignis handelte – im Gegenteil, natürlich war es ein sehr „seiendes“ Ereignis. Aber es war eben „Schein“ im Hinblick auf den von den Nazis ja selbst artikulierten Anspruch, mit der Vernichtung der Juden die grundlegenden Probleme der modernen Zivilisation zu lösen. Kein einziges Problem wurde dadurch auf einer relevanten Ebene gelöst, es wurden nur zahllose Menschenleben sinnlos hinweggerafft und zahllose neue Probleme geschaffen. Genau davon geht ja die Kritik am NS aus – eine Kritik, die in gewissem Sinne, so sinnlos dieses Unterfangen angesichts der grundlegenden Irrationalität des NS-Denkens auch scheinen mag, „immanent“ ist, da sie den NS, der sich ja selbst als revolutionär verstand, beim Wort nimmt.

Ich kann die Kritik an diesem Gebrauch des Begriffs „Revolution“ daher nicht nachvollziehen. Eher nachvollziehen kann ich die, ebenfalls geäußerte, Kritik, dass meine Rede von einer „Scheinrevolution“ den höchst real-revolutionären Charakter des NS verfehlt. Ich würde zwar daran festhalten, dass der NS in dem oben beschriebenen Sinne eine „Scheinrevolution“ war – in einem anderen Sinne war er eine ganz reale Revolution. Zumindest eine politische, in mancherlei Hinsicht auch eine ökonomische und soziale. Das nicht klar zu benennen, stellt meines Erachtens eine schlichte Verharmlosung des NS dar. Man tut so, als könne man den Begriff der „Revolution“ auch nach 1933 noch ungebrochen affirmativ gebrauchen – so, als hätte es all das Gerede von der „deutschen Revolution“ nicht gegeben, so, als hätte der NS nicht ein für alle mal gezeigt, dass es schlicht noch schlimmeres geben kann als den bürgerlichen Normalzustand: seine irrational-scheinhafte „Überwindung“ im Faschismus und eliminatorischem Antisemitismus. Nein, ich würde die Kritik genau umkehren und denen, die anscheinend zwanghaft am aus dem 19. Jahrhundert überkommenen Revolutionsbegriff festhalten wollen, Geschichtsblindheit vorwerfen. Sie haben nicht einmal einen zureichenden Begriff von der kapitalistischen Produktionweise. Denn diese basiert ja gerade, wie Marx, der den Begriff der „Revolution“ etwas explizit auch für technologisch verwendet, im „Kapital“ gezeigt hat, auf einer permanenten Revolutionierung der Lebensverhältnisse. Immer wieder werden neue Technologien eingeführt, immer wieder neue Menschenmassen in Arbeitslosigkeit und Elend geworfen, um ihren Nachkommen eine vermeintliche „bessere Zukunft“ zu gewähren. Wenn etwas revolutionär ist, dann ist es der Kapitalismus.

Zu guter letzt habe ich auch Probleme damit, in der heutigen Situation den Begriff der „Revolution“ auf irgendwelche konkreten heutigen politischen Praktiken, Zusammenschlüsse o.ä. anzuwenden. Als ich mich dafür entschied, diesen Blog als „subversiv“ zu bezeichnen, hing das schon mit diesem damals noch recht intuitiven Unbehagen zusammen. Heute verstehe ich dieses Unbehagen genauer: Was kann es vor dem Hintergrund der meines Erachtens doch sehr offensichtlich sehr schlechten Chancen für eine kommunistische Weltrevolution in den nächsten Jahrzehnten heißen, die eigene Praxis als „revolutionär“ zu bezeichnen? Dies kann im Grunde nur eine rein subjektive Zwecksetzung ausdrücken. In diesem Sinne bin natürlich auch ich revolutionär – ich will die kommunistische Weltrevolution. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses bloße Wollen in der derzeitigen Situation wenig bis nichts bedeutet. Auf die Wirklichkeit des Handelns kommt es an – und da sehe ich nicht, wie man ernsthaft behaupten kann, seine eigene Praxis wäre objektiv revolutionär in dem Sinne, dass sie zum Kommunismus führt.

Nein, ich habe für mich in der letzten Zeit immer klarer erkannt, dass der Glaube an die Revolution und den revolutionären Charakter des eigenen Tuns heute kaum mehr als eine Ersatzreligion sein kann. Er bringt nichts außer einem subjektiven Mehrwert für den, der ihn pflegt. Freud zitiert in einer religionskritischen Schrift ein Volkslied: „Den Himmel überlassen wir / den Engeln und den Spatzen.“ Ich bin versucht, hier Himmel durch Revolution zu ersetzen. Was man dadurch verliert, ist eine Form der Sinngebung, die jedoch letztendlich, da sie auf Unaufrichtigkeit basiert, nur von der wirklichen Welt entfremdet und frustriert. Sicher muss man daran festhalten, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu denunzieren und zu kritisieren. Doch die grundlegende Frage der Praxis heute kann meines Erachtens nicht die nach der Revolution sein. Es kommt darauf an produktive, kreative, interessante Projekte voranzutreiben, die sicherlich subversiv sind, die ihren Gebrauchswert jedoch nicht aus ihrer abstrakten Bezogenheit auf eine mögliche Revolution, sondern aus ihren ganz konkreten, unmittelbaren, diesseitigen Effekten beziehen. Ich würde etwa das IvI in Frankfurt als ein solches Projekt beschreiben.

Was mir vorschwebt, ist schlicht ein wenig mehr Realismus. Dieser Realismus wäre jedoch gerade unrealistisch, wenn er kein klares Bewusstsein von den Möglichkeiten sozialer Veränderungen beinhaltete – er ist also kein Pessimismus. Es gibt ja durchaus Zeichen der Hoffnung – und die liegen meines Erachtens genau in Projekten wie dem IvI. Doch ob diese Projekte jemals zur Revolution führen werden, ist eine Frage, die sich eben erst nach der Revolution beantworten lassen wird. Es gibt keine Garantie, dass es sie werden. Daraus folgt schlicht: wir müssen unsere Sache möglichst gut machen. Unsere Projekte müssen sich aus sich selbst rechtfertigen, nicht aus einem künftigen Himmelreich. Verzichten wir auf den Mythos der Revolution, arbeiten wir an uns selbst.

Der Ursprung des IVI – Ein ontologischer Beitrag zur Selbstreflexion

Ein Text zur Unterstützung des IVI und zur Anregung kommender Projekte.

[…]

Das IVI zeichnet sich nun unserer Meinung nach gegenüber all diesen funktional definierten Orten durch ein Moment radikaler Unbestimmtheit aus, das es selbst von all den längst integrierten ‚Freiräumen’ abhebt. Es ist schlicht nicht klar, was das IVI für ein Ort ist und was ‚man’ an ‚einem Ort wie dem IVI’ tun und lassen darf. Es gibt keinen anderen Ort wie das IVI, gerade weil es so sehr mit den verkrusteten Konventionen anderer besetzter Hausprojekte bricht. Es macht keinen Sinn, im IVI zu sagen „Hier macht man das nun mal so“.
Dies zeigt sich genau in dem Umstand, dass es so etwas wie ein kollektives, klar definiertes Projekt ‚IVI’ nicht gibt. Manche sehen das IVI als „Stützpunkt“ im Sinne der S.I., andere als „centro sociale“, andere schlicht als Pennplatz oder Ort, an dem sie Partys feiern oder ihre Lesekreise abhalten können. Keines dieser Selbstverständnisse kann beanspruchen, ‚das IVI’ zu repräsentieren. Es gibt auch keinen ‚großen Anderen’ im Sinne Lacans, der im IVI irgendeine Autorität besäße – selbst die ‚Beschlüsse’ des Plenums haben eine bindende Kraft nur dadurch, dass sich alle freiwillig daran halten. Sie besitzen nahezu keinerlei reale Autorität und können schon beim nächsten Plenum, bei anderer personellen Zusammensetzung des Plenums, sofort wieder umgeschmissen werden. Es gibt im IVI weder ein richtiges Wir-Bewusstsein noch eine Instanz, die ein solches Bewusstsein legitim repräsentieren könnte. Das IVI ist, ganz im Gegensatz zur Universität, erst recht zum Campus Westend, ein realer „Tummelplatz der Ideen“.
Wir weisen daher alle anderen Definitionsversuche des IVI strikt zurück und wollen es, um es kurz zu machen, als ‚u-topischen Ort’ bezeichnen, ein Ort, der aus der herrschenden Raum-Zeit-Ordnung so radikal wie nur möglich herausfällt, ein Ort ohne Bestimmung, ohne Wert (in jeder denkbaren Bedeutung des Wortes), ohne Daseinsberechtigung, ohne Zweck. Gemäß der herrschenden Ordnung der Dinge hat jeder Ort ein geradezu logisch aus der basalen Struktur der Gesamtgesellschaft ableitbares Wesen (wir denken hier an ein totales, sich aus sich selbst begründendes System in Hegels Manier), aus dem sich die Notwendigkeit seiner Existenz erst begründet. Beim IVI geht die Existenz dem Wesen, der Essenz, voraus – es ist.
Allzu oft empfinden {wir} diese Unordnung als Nachteil – und sicher ist es schwierig, sich in einem u-topischen Ort zu bewegen, gerade, weil ein solcher Ort ja nicht einfach außerhalb der Gesellschaft steht. Das IVI ist mitnichten ein Freiraum. Vielmehr treten hier gerade aufgrund der radikalen Unbestimmtheit des IVI die in der Gesamtgesellschaft herrschenden Konflikte aus der sie normalerweise verschleiernden ideologischen Form heraus und werden erst kenntlich. Menschen verschiedener sozialer Klassen begegnen sich z.B. in der Regel nicht, da die Orte, wo ‚man’ sie so antrifft strikt voneinander separiert sind. Und wenn sie sich treffen, herrschen an diesen Orten zugleich Regeln, die ihren Umgang miteinander kodieren. Im IVI fallen diese Codes weg. Es entsteht ein Vakuum, dessen Füllung immer wieder zur Disposition steht. Letztendlich ist das kein Problem des IVI, sondern {unser} Problem: {wir} wissen nicht, wie man sich an einem Ort ohne Regeln verhalten muss, weil {wir} {uns} daran gewöhnt haben, {unsere} Verantwortung zu delegieren und an Orten genau das zu tun, was ‚man’ dort so tut. {Wir} haben die Regulierungen lieb gewonnen – {wir} fliehen die Unbestimmtheit wo {wir} nur können. Und auch im IVI würden {wir} am liebsten gemäß diesen Regulierungen handeln. Doch aufgrund der fehlenden institutionellen Verankerung, aufgrund des Pluralismus der Nutzer_innen, aufgrund des nicht-traditionslinken Anspruchs der Nutzer_innen von Anfang an, aufgrund sicherlich nicht zuletzt auch den ganz materiellen Eigenschaften des Kramer-Baus (der gerade aufgrund seines radikalen Funktionalismus so vielfältig nutzbar ist), macht {uns} das IVI einen Strich durch die Rechnung. {Wir} gehen am IVI kaputt, weil {wir} kaputt sind, weil {wir} unfähig sind, authentisch im Sinne Sartres, d.h. freiheitsbejahend, zu sein.
Zahlreiche Maßnahmen des IVI in der Vergangenheit haben, reflektiert oder unreflektiert, versucht, das IVI zu definieren und es so in den herrschenden Funktionszusammenhang zu integrieren. Durch den Ausschluss bestimmter Personen, die Etablierung bestimmter Verhaltenscodices, das abweisende Verhalten Fremden gegenüber etc. Das alles hat nicht gefruchtet – zum Glück. {Wir} sollten auch der Versuchung widerstehen, das IVI erhalten zu wollen, indem {wir} es funktionabel machen, indem {wir} ihn ein Label alla ‚alternatives Wohnprojekt’, ‚alternatives Wohnprojekt’, ‚Ort kritischer Wissenschaft’, ‚alternative Partylocation’, ‚Treffpunkt alternativer Künstler_innen’ etc. anheften und {uns} so vermarktbar machen wollen – das IVI ist nicht ‚alternativ’, es ist radikal anders. Sicher mag es aus strategischen Gründen wichtig sein, nach außen hin solche Labels zu etablieren und die Existenz des IVI so zu sichern. Doch es besteht bei solchen Manövern immer die Gefahr, seine eigenen Lügen zu glauben und sie so irgendwann zur Realität werden zu lassen. Nein – wenn {wir} das IVI retten, indem {wir} es funktionabel machen, zerstören {wir} es in Wahrheit. Das IVI ist ein Ort der radikalen Öffnung – {wir} müssen allen Tendenzen entgegentreten, diese Wunde im Stadtbild Frankfurt, selbst wenn sie auch für {uns} schmerzhaft sein mag, schließen zu wollen. {Wir} müssen diese radikale Offenheit, diese radikale Unbestimmtheit lieben lernen. {Wir} haben alle im IVI nicht nur schmerzhafte, unangenehme, sondern auch sehr positive Erfahrungen gemacht. {Wir} müssen anerkennen, dass die schmerzhaften und die positiven Erfahrungen ein- und dieselbe Wurzel haben, dass die positiven Erfahrungen letztendlich nur dadurch ermöglicht wurden, dass das IVI so ist, wie es ist. {Wir} haben Leute getroffen, denen {wir} sonst aufgrund {unserer} sozialen Herkunft vielleicht nie begegnet wären, {wir} haben Dinge gemacht, die an anderen Orten strikt verboten gewesen wären, {wir} haben anstrengende, aber auch zahlreiche sehr produktive, offene Diskussionen geführt, die {wir} an anderen Orten so nie hätten führen können. {Wir} haben, zumindest in wenigen, kostbaren Augenblicken die Erfahrung eines wahrhaft utopischen Lebens, eines Lebens jenseits aller heteronomen Normierungen, eines autonomen Lebens gemacht, in dem {wir} Dinge machen, weil {wir} sie für richtig halten, nicht, weil ‚man’ sie für richtig hält. Und es ist ja auch eine wichtige Erfahrung, genau an einem solchen Ort zu scheitern – ein Scheitern, aus dem man nur für die nächsten authentischen Projekte lernen kann. Insbesondere haben {wir} erfahren, was es heißt, sich selbst Normen aus Freiheit zu geben. {Wir} haben das gemacht, was den heutigen Frankfurter ‚kritischen’ Theoretiker_innen so viel Kopfzerbrechen bereitet.
Das IVI hat also keine Funktion, es ist zu nichts zu gebrauchen – das heißt gerade, dass es zu allem zu gebrauchen ist, zu allem, was {wir} wollen. {Wir} stehen wie ein_e Künstler_in vor einem leeren Stück Papier und können es bekritzeln. (Dies manifestiert sich recht konkret in der stets umkämpften Bemalung der Wände des IVI.) Das ‚Problem’ sind die anderen, die es auch bekritzeln wollen – doch darin liegt eben die produktive Herausforderung, der {wir} {uns} stellen müssen. {Wir} müssen {unsere} private, bornierte Individualität in machen Punkten aufgeben und zu akzeptieren lernen, dass es auch andere Umgangsweisen mit u-topischen Orten gibt. Solche, die {uns} vielleicht nicht gefallen, die {wir} aber akzeptieren müssen, solange sie nicht die allgemeine Offenheit des IVI gefährden. Das IVI hat so den Charakter eines kollektiven Kunstwerks – eines Kunstwerks freilich, das nicht abgetrennt vom Leben steht, sondern teil des ganz gewöhnlichen Lebens ist. (Wir werden darauf unten zurückkommen.)
Daraus ergibt sich weiterhin, dass das IVI nicht in einem einfachen Sinne Teil einer Bewegung ist, die selbst Mittel zur Revolution wäre, die der Realisation einer als Zweck gesetzten Utopie dient. Das IVI ist eben bereits im Hier und Jetzt ein u-topischer Ort – und es lässt sich auch nicht auf den Zweck reduzieren, „Stützpunkt“ einer revolutionären Bewegung zu sein – selbst wenn es das auch sein mag und auch sein sollte. Wer das IVI nur als Mittel seiner persönlichen Zwecke sieht, hat es nicht verstanden. Es ist niemands Mittel und zugleich das Mittel aller. Damit steht es in einem viel radikaleren, unmittelbareren Sinn im Gegensatz zu den herrschenden Verhältnisse, als jeder „Stützpunkt“, der seiner Form nach jedem Parteibüro gleicht. Das IVI ist der C/Kommunismus in dem Sinne, in dem dieser die wirkliche Bewegung ist, die den Kapitalismus abschafft – Teil der (Wieder-)aneignungsbewegung der entfremdeten Welt durch ihre Produzent_innen. {Wir} müssen akzeptieren, diese Entfremdung nicht in entfremdeten Formen bekämpfen zu können. Deshalb brauchen {wir} u-topische Orte wie das IVI. Als Keimzellen, Stützpunkte, Rückzugsräume, Experimentierfelder.

Aus diesem Selbstverständnis heraus lassen sich recht einfach konkrete Forderungen ableiten, die ich zum Schluss noch ausformulieren möchte. Zunächst müssen {wir} {uns} jedoch vergegenwärtigen, was es heißt, dass {wir} es überhaupt so lange an einem solchen Ort ausgehalten haben. Es ist klar, dass es Leuten, die sich gerne heteronomen Regeln unterwerfen, die verrückt werden, sobald diese außer Kraft sind, nicht lange im IVI behagt. Es ist ihnen zu unordentlich, sie fühlen sich nicht wohl etc. Sie kriegen im IVI die Krise. Zugleich haben {wir} immer eine Art magische Sogwirkung empfunden, die {uns} mit dem IVI verband und die {uns} dort so manche Nacht um die Ohren schlagen ließ. {Wir} haben, vom pragmatischen Nutzen des IVIs für {unsere} je individuellen Projekte abgesehen, immer gefühlt, dass hier ein Ort ist, an dem Dinge möglich sind, die es woanders nicht sind. {Wir} haben diese Offenheit intuitiv gerade gesucht. Das macht {uns} sicherlich ‚schwierig’ und dysfunktional, doch es ist vielleicht nicht der schlechteste Zug an {uns}. Dies erkennend, können {wir} vielleicht {uns} selbst besser verstehen. Und {wir} können vielleicht doch so etwas wie ein Wir-Bewusstsein entwickeln. Sicherlich ein Wir-Bewusstsein metastabilen Typs, kein ‚Wir‘, das sich über festgelegte Normen und Werte definiert – außer einem: den Wert der Freiheit, den einzigen ursprünglichen Wert, der allen anderen Werten erst vorausgeht, da jeder Wert eine Wahl impliziert, nicht einfach gegeben ist (sonst wäre er ja keiner, sondern ein Faktum). {Wir} sind alle ‚Honks’!
Alle {unsere} zukünftigen Aktivitäten im IVI sollten daher klarer und bewusster darauf ausgerichtet sein, einerseits die konstitutive Offenheit des IVI zu erhalten, andererseits ihre schmerzhaften Folgen, soweit möglich, zu minimieren – und gleichzeitig auf Grundlage dieser Offenheit das IVI als Experimentierfeld für ein utopisches Leben der Freiheit zu nutzen. Nicht das machen, was ‚man’ so macht, sondern es radikal anders machen. {Wir} müssen das IVI als Miniatur-Modell einer utopischen Gesellschaft begreifen lernen. Auch der C/Kommunismus wird kein Zuckerschlecken sein. Dass das IVI so viele Jahre doch einigermaßen gut überlebt und viele einzigartige Projekte hervorgebracht hat, straft alle Lügen, die behaupten, ein autonomes Leben sei nicht möglich – es ist im Rahmen der bestehenden Gesellschaft nur sehr schwer, da sich diese eben konstitutiv auf Heteronomie gründet.
Dies sollte {uns} die nötige Entschlossenheit verleihen, allen freiheitsfeindlichen Tendenzen inner- und außerhalb des IVI entgegenzutreten. Dies heißt insbesondere:

[…]

Weiter zum vollständigen Text als pdf.

Was stimmt an diesem Satz nicht?

Das Thema „Burnout“ scheint derzeit in den Medien ziemlich angesagt zu sein. Neulich habe ich mir dazu eine recht unterhaltsame wie aufschlussreiche Ausgabe von Anne Will angeschaut. Das können sich natürlich auch die „Trendsetter“ von der web.de-Redaktion nicht entgehen lassen. In dem Artikel „Häufige Tränen weisen auf Burnout hin“ heißt es u.a., passend zum Titel:

Kollegen sollten aufmerksam werden, wenn ein Arbeitnehmer am Arbeitsplatz immer öfter in Tränen ausbreche, rät die Arbeitspsychologin Susanne Roscher in der Zeitschrift „der freie Beruf“.

Gut – zunächst mal muss man wohl keine Arbeitspsychologin sein, um bei einem solchen Verhalten zu merken, dass der Kollege ein Problem hat. Doch impliziert dieser Satz nicht, dass es völlig normal ist, ab und an mal auf der Arbeit in Tränen auszubrechen? Ist es ein Problem, wenn das jeden Tag geschieht oder erst, wenn der Kollege den ganzen Tag heult? OMG.

Brumlik vs. Zizek & Badiou // Masse, Kritik und Revolution Teil 2

Im ersten Teil dieser Mini-Serie, die keinen weiteren Teil haben soll, habe ich recht knapp Alain Badious Ansicht zu widerlegen versucht, dass Personenkult in irgendeiner Form revolutionär sein könnte. Diese knappe Widerlegung will ich im Folgenden durch einige Überlegungen zur Bildung revolutionärer Massen ergänzen. Eher weniger, um mich weiter mit dem meines Erachtens ohnehin kaum Ernst zu nehmenden Badiou auseinanderzusetzen, sondern eine grundsätzliche Frage zwar sicher nicht zu lösen, aber doch zur Diskussion zu stellen, die meines Erachtens in der Linken viel zu selten diskutiert wird, aber von durchaus entscheidender Bedeutung für revolutionäre Organisationsformen ist: Wie sähe eine revolutionäre Masse aus?

Wie jede Ideologie enthält nämlich auch Badious Personenkultbegeisterung einen Ernst zu nehmenden Funken Wahrheit. Um dies zu verdeutlichen, will ich kurz die Grundidee von Sigmund Freuds Massenpsychologie und Ich-Analyse skizzieren. Folgende Ideen Freuds scheinen mir dabei für meine Diskussion relevant:

1. „Masse“ ist nichts per se schlechtes, sondern die Grundlage jedweder Sozialität. Jedes stabile menschliche Kollektiv ist eine Masse. Freilich gibt es emotional intensive, meist sehr unbeständige Massen, und sozusagen „sublimiertere“, dafür aber beständigere, Formen der Masse wie die Kirche.

2. Massenbildung funktioniert psychologisch darüber, dass sich die Mitglieder der Masse ein kollektives Über-Ich setzen. Sie konstituieren sich in einem recht wörtlichen Sinne als Brüdern und Schwestern unter dem Banne eines imaginären Vaters bzw. einer Mutter. Aggressive Triebimpulse werden nach außen verlagert, die emotionale Bindung unter den Massemitgliedern zugleich desexualisiert und stabilisiert, da sie sich nicht mehr unmittelbar, sondern über das geteilte Ideal vermittelt herstellt. Dieses „Ideal“ kann nach Freud sowohl eine gemeinsam anerkannte reale Person, ein „Führer“ sein, aber eben auch, wie in den Religionen, eine imaginäre Person oder letztendlich auch eine Idee.

Dass eine revolutionäre Bewegung eine stabile Massenbildung voraussetzt, halte ich für relativ unproblematisch. Es wäre ziemlich idealistisch, davon auszugehen, dass sich Menschen aus reinen instrumentell-rationalistischen Motiven in einem revolutionären Kollektiv engagieren würden. Es bedarf einer emotionalen Basis, der dem Kollektiv den für kollektives Handeln unerlässlichen „Kitt“ verleiht. Die Theorie wird in der Tat zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Doch die Massen werden sich nicht von einer Theorie ergreifen lassen, die allein an ihre Ratio appeliert. Damit sind freilich offensichtliche Gefahren verbunden. Die Grenze zwischen Mob und Masse ist fließend. Zugleich gibt es eben destruktive Triebimpulse, die nach Kanalisation verlangen – sei es Hass oder Liebe, die vom Standpunkt der Masse aus betrachtet beide gleichermaßen destruktiv sein können. (Emotionen wie Hass und Aggression müssen nach außen gerichtet, konstruktive libidinöse Energien nach Möglichkeit an das Massenideal gebunden und damit für die Masse nutzbar gemacht werden. Lieben sich z.B. zwei Massemitglieder untereinander, schwächt das den Zusammenhalt der Masse. Gelingt diese Kanalisation, stärkt das die Masse entsprechend.)
Die größte Gefahr liegt jedoch in dem für die Massenbildung nötigen „Ideal“. Geht es um eine wirklich revolutionäre Masse, darf dessen Qualität nicht beliebig sein – es geht schließlich nicht, wie im Faschismus, um die Formierung irgendeiner Masse, die dann von ihren Führern zu beliebigen Zwecken verheizt werden kann. Eine von einem „Führer“ geführte Masse scheidet daher für die Bildung einer revolutionären Masse aus. Psychologisch gesehen ist dies eine Schwäche gegenüber faschistischen Kollektiven, schließlich lässt eine Führerfigur eine recht unmittelbare psychische Identifikation zu und erinnert an die familiäre Sozialisation. In der französischen Revolution versuchte man etwa, die alte Religion durch einen neuen Kult der Vernunft zu ersetzen. Um diesem Kult gesellschaftliche Akzeptanz zu verleihen, staffierte man eine junge Frau als Personifikation der Vernunft aus und hoffte auf nicht nur rationale, sondern auch sinnliche Verehrung.1 Mit derartigen Tricks ist freilich keine kommunistische Revolution zu machen. Die Kommunisten müssen sich allein auf die Identifikationskraft der für die Revolution leitenden Ideen verlassen – je konkreter diese sich bestimmen lassen, umso besser. „Vernunft“, „Freiheit“, „Gerechtigkeit“, „Wahrheit“, „Aufklärung“ etc. Diese Ideen müssen zugleich mit ihrem rationalen Gehalt jedoch auch einen emotionalen Gehalt aufweisen. Sie dürfen weder Götzen noch von der spröden Eleganz mathematischer Sätze sein.

Eine positive, universalistische Begründung dieser Ideen ist zugleich wichtig, um eine Feindbildung nach Außen auf ein Minimum zu beschränken. Faschistische Kollektive mögen sich primär über negative Feindbilder und partikulare, quasi-“natürliche“ Zugehörigkeiten konstituieren – derartig ressentimentgeleitet darf ein kommunistisches Kollektiv unter keinen Umständen verfahren. Das Ressentiment sagt: „Wir sind die Guten, weil wir nicht wie die Bösen sind.“ Was hier eigentlich bestimmend ist, ist der geteilte Hass auf das „Böse“ (wie natürlich idealtypisch im Antisemitismus). Bestimmend muss hingegen in einer revolutionären Masse die Liebe zum „Guten“, also der geteilten, je zu konkretisierenden Idee sein. Negative Massen stehen nicht zuletzt vor dem Paradox, dass sie, sollte ihr „gerechter Kampf“ je gewonnen, die „Bösen“ je besiegt werden, plötzlich vor dem Nichts stehen. Im Grunde brauchen sie den Feind, sie wollen ihn gar nicht ernsthaft besiegen – was in der Praxis wiederum oft zu einer eigenartigen Komplizenschaft führt.2
Ebensowenig soll der Einzelne in der Masse „aufgehen“ oder sich für diese irrational aufopfern. Vielmehr müsste die geteilte Idee gerade aufgrund ihrer (relativen) Abstraktheit die Individuen befähigen, sich von der Masse wenn nötig zu distanzieren ohne dass diese deswegen ihre Bindungskraft verliert.
Der Hauptunterschied zwischen einer personen- und einer ideengeleiteten Masse ist dabei wohl, dass in einer personengeleiteten Masse qua Befehl des Führers recht klar ist, was die Masse zu einem bestimmten Zeitpunkt zu tun hat. Dies ist in Situationen, die schnelle Entscheidungen verlangen, natürlich ein großer Vorteil. In einer ideengeleiteten Masse hingegen obliegt die konkrete Bestimmung der Idee und der aus ihr folgenden handlungsleitenden Konsequenzen stets der Autonomie der Massemitglieder selbst. Selbst, oder vielleicht sogar: gerade, wenn jedes Massemitglied absolut von der Idee überzeugt ist, kann dies die kollektive Handlungsfähigkeit der Masse hemmen und zu Spaltungen führen, da schließlich jeder für sich beansprucht, der wahre Jünger der Idee zu sein. Gerade in politisch schwierigen Zeiten sollte daher die ideengeleitete Masse zumindest partiell personell ergänzt werden. Es muss jedoch klar sein, dass einer Person nur deshalb Gehorsam zu leisten ist, weil und insofern sie der Idee folgt, nicht umgekehrt einer Idee, weil sie von einer Person stammt. Der Idee muss stets das klare Primat zukommen.

Die Anforderungen für eine revolutionäre Masse sind also sehr hoch. Es sollte jedoch zumindest skizzenhaft gezeigt worden sein, dass eine wirklich revolutionäre Masse theoretisch möglich ist. Ob sie es auch praktisch ist, steht auf einem anderen Blatt. Die kollektive Vereinigung unter dem Banner einer abstrakten Idee setzt schließlich viel Ich-stärkere, sublimationsfähigere Individuen voraus als eine autoritäre Kollektivbindung unter einer Person oder eine spontane Mobbildung. Trotzdem muss das kommunistische Kollektiv ja in Konkurrenz mit den irrationalen Kollektiven aller Coleur treten und eine höhere Anziehungskraft besitzen, die es wohl kaum nur aus seiner bloßen Vernünftigkeit heraus gewinnen kann (selbst wenn dies der Idealfall wäre). Wie dieses Problem zu lösen ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt.
Die praktische Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Überlegungen keineswegs abstrakt sind. Es gibt ja bereits jetzt Gruppierungen, die den hier genannten Kriterien mehr oder weniger entsprechen – bei einer gleichzeitigen Korrelation zwischen ihrer politischen Fortschrittlichkeit und dem Sublimierungsgrad der Massebildung. Reaktionäre Kollektive konstituieren sich über abstrakte, inhaltsleere Ideen, Personenkult und Hass nach außen. Fortschrittliche durch konkrete, positiv bestimmte Ideen und benötigen kraft dessen eine starke negative Abgrenzung nach außen gar nicht. Die Erfahrung zeigt ja hinreichend, dass z.B. politische Gruppen, die sich primär über einen gemeinsamen Feind (und seien es „richtige Feinde“ wie Nazis) konstituieren, in ihren politischen Resultaten recht dürftig sind. Gleichzeitig scheint es eine übermächtige Tendenz zu geben, ursprünglich ideelle Massen doch wieder zu personifizieren. Aufgrund der erwähnten Sozialisation scheint diese Tendenz unvermeidbar – man will schließlich mehr als eine bloße Idee, man tritt seinen Genossen nicht nur als Genossen, also Mitstreitern für bestimmte Ideen gegenüber, sondern stets als konkrete Individuen, zu denen man sofort auch in bestimmte psychologische Beziehungen tritt. Diese Tendenz kann ganze Gruppenzusammenhänge zerfressen, verleiht ihnen aber zugleich auch eine zusätzliche Stabilität, wenn die geteilte Idee nicht stark genug ist.
Vielleicht wäre die Utopie eine Assoziation, in der es nur noch Brüder und Schwestern der Idee gibt. Liebe und Hass untereinander sind auf ein Mindestmaß beschränkt, sie gelten allein der Idee bzw. ihren Feinden. Dies wäre freilich eine Gesellschaft von Über-Menschen. Freilich hat man das Gefühl, dass viele linke Utopien implizit auf genau so eine Assoziation hinauslaufen.
Die Frage ist nun, welche Idee es genau ist, die für eine revolutionäre Massenbildung in Frage kommt. Realiter kommen dafür natürlich viele in Frage, und sei es ein praktisches Projekt. Dieses kann freilich kaum die nötige dauerhafte Bindungskraft aufweisen, da die „Idee“ (also etwa der Plan, eine Nazidemo zu verhindern) ja sofort obsolet wird, sobald sie sich realisiert hat. Die „Idee des Kommunismus“ ist recht unbestimmt und bestimmt sich primär negativ über die geteilte Ablehnung des Kapitalismus. Im Grunde genommen gibt es die Idee, die eine Idee die so stark wäre, dass sie alle psychologischen Hindernisse überbrückt und zugleich vernünftig ist, noch nicht. Man kann sie auch nicht am Reißbrett entwerfen. Viel eher gälte es die implizit in revolutionären Zusammenhängen bereits jetzt handlungsleitenden Ideen zu explizieren und ihren begrifflichen Kern derart stringent zu reformulieren, dass er zu einer Bombe wird (hier muss natürlich nicht nur der Theorie, sondern auch der Kunst eine tragende Rolle zukommen – die Idee ist Bild und Begriff zugleich). Vielleicht müssen wir die Revolution auch im Namen mehrerer, konkurrierender Ideen machen und das Ende der Vorgeschichte kommt dem Beginn des Zeitalters eines echten Kriegs der Ideen gleich, der seines Namens würdig ist bis die Idee endlich gefunden ist. (Okay – laut Hegel ist es ja schon so weit: die Freiheit. Jedenfalls ein heißer Kandidat. Vielleicht müssen wir einfach nur der – natürlich ursprünglich bürgerlichen – Idee der Freiheit einen neuen Sinn verleihen. „Freiheit“ ist zumindest mein persönlicher Favorit.)

  1. Vgl. wiki [zurück]
  2. Genauso funktioniert ja auch der „Kampf gegen den Islam“. Anstatt erst einmal positiv eine dem Islam entgegengesetzte Idee auszuformulieren, definiert man die eigene, „abendländische“ Identität negativ zum Islam. („Bei uns müssen die Frauen kein Kopftuch tragen.“ „Bei uns dürfen Homosexuelle ungehindert ihre Sexualität ausleben.“ etc.) Dass jedoch gerade im Zuge dieses Kampfes die Freiheit des freien Westens selbst inhaltlich ausgehöhlt und faktisch unterminiert wird, gerät dabei aus dem Blickfeld. [zurück]

A mixtape for you

Wenn man jemanden kennen gelernt hatte den man mochte, dann war es ein Glücksfall in der Stadt erneut aufeinanderzutreffen. Man hat vor Elternhäusern herumgelungert und gewartet, Freunde befragt und kleine Zettel beschrieben. Es gab keine Handys, kein skype, keine Emails und kein Networking auf Facebook. Das war die Vergangenheit.
Ich habe auf Spielplätzen und Marktplätzen herumgestanden und gehofft das sie zufällig vorbeiläuft. Stundenlang habe ich vor meinem Doppeltapedeck gesessen um ihr ein Mixtape aufzunehmen, das ich ihr bei Gelegenheit in die Hand gedrückt habe. Die besondere Kunst und der einmalige Liebesbeweis bestand darin, die richtige Musik aufzunehmen die zu ihr, oder wenigstens meinem Gefühl passte. Songs die ihr entsprachen und ihr Wesen wiedergaben, wie ich in meiner überschwänglichen Vermessenheit fand. Die Reihenfolge musste einer selbst ausgetüftelten, vertrakten Dramaturgie entsprechen. Ich habe auch ein eigenes Cover gemalt und im Inlay jeden Titel in Schönschrift aufgelistet. Wahlweise mit einer zarten A und einer harten B Seite.
Das war in den 90er Jahren.
Was mache ich heute, wo alle tapes+tapedecks längst verrottet sind und ich weiss das sich die Person die ich aktuell gut finde, überhaupt nicht für Musik interessiert? Richtig! Ich führe ein virtuelles Selbstgespräch und veröffentliche es im Net, um wenigstens den lächerlich-liebenswert anmutenden Pathos eines an eine Mauer gesprühten „Ich liebe dich XY“-Spruches in die digitalen Zeiten der postmodernen Beliebigkeit und des Kommunikations-Overkill hinüberzuretten.

A:
1. Lacrimosa: „Sehnsucht“
2. Angizia: „Leidenschaft“
3. Amon Düül: „Deutsch Nepal“
4. The Smiths: „Asleep“
5. Pink Floyd: „Crazy Diamond“
6. Dead Moon: „Where did i go wrong“
7. Die toten Hosen: „der Schandfleck“
8. David Bowie: „Heroes“
9. F.J. Degenhardt: „Tonio Schiavo“
10. Die Ärzte: „Zu spät“
11. Sparks: „i married myself“
12. ABBA: „Suzy hang around“
13. Sparks: „she is beautiful (so what?)“
B.
14. Dismember: „Nenia“
15. Samael: „The Ones who cames before“
16. My dying bride: „the price of beauty“
17. Bodycount: „Cop-Killer“
18. Onyx: „shot em down“
19. Judas Priest: „Painkiller“
20. Death: „Lack of Comprehension“
21. Darkthrone: „to old, to be cold“
22.Trelldom: „Taake“
23. PCP: „We are from Frankfurt“
24. Nastrond: „The stake rotten in my heart“
25. Immortal: „fields of sorrow“
26. Gabba Front Berlin: „Speedcore Lacrima“

Join the revolutionary Starfleet/MitspielerInnen gesucht! Part 3

Part 1
Part 2

Nur durch Missirunning habe ich es geschafft aus meinem monatelangen finanziellen Dauertief unterhalb der 50 Millionen ISK herauszukommen. Inzwischen ist meine Drake (Caldari T1 BC) vernünftig ausgeskillt und die Maelstrom (Minmatar T1 BS) läuft rund, nachdem ich einige Zeit, Skillbücher und Übung in die 800mm „Scout“ Repeating Artillery-Bewaffnung gesteckt habe, die mir anfänglich wegen ihrer stark differierenden Trefferquote noch arge Probleme bereitet hatte. „Angel Extravaganza“, die Mission die mir in letzter Zeit sehr oft von meinen Stammagenten (LvL4, +18 und LvL4, -10) analog angeboten wurde, bewältige ich inzwischen in zwei Stunden. Dieser Umstand hat mir ein bescheidenes Vermögen von 400 Millionen ISK eingebracht. Schön.
Seit gestern jedoch ist meine Glückssträhne offensichtlich vorbei. Beide Agenten (in der Entfernung von 10 Warp Sprüngen sind keine weiteren vernünftigen LvL4 Agenten von der Caldari-Navy zu finden) bieten mir nur noch Scheissdreck an. „Der Angriff“ ist die Seuche: Zwei dreiste Web-Scrambler und einige Drohnenkiller (die sofort nach dem Spawn der ersten Welle auf die Einsatzdistanz von 8 Km gehen, so das ich jede Sekunde in einer solch kritischen Situation Scrambling erwarten muss und genötigt bin sie sofort abzuschießen oder aus der Anomalie herauszuwarpen), die wegen vier T2 Faction-Golems nur schwer zerstört werden können. Danach acht T2 Battleships und sieben T2 Cruiser. Zu allem Unglück jammen die Golems von Anfang an im Kanon. Eine kontinuierliche Zielaufschaltung über 15 Sekunden ist kaum möglich. Das massive Heavy Aussault Missile- und Cruise Missile-Feuer zwingt einen permanent zurück an das Gate, ohne das man die Möglichkeit hat auch nur eine Rat zu zerstören. In vier Stunden habe ich es geschafft die Scrambler und weitere drei Schiffe abzuschießen. Mehr nicht. Die Rats waren nach meiner Erholungsphase immer wieder auf 100%, weil ich während meiner kurzen Angriffe nicht einmal an die Struktur herangekommen bin.
Ich war am Ende so frustriert, dass ich auf mein gutes Faction-Standing verzichtet habe und die Mission unterhalb der CDT ablehnte. Dadurch bin ich bei dem LvL4, +18 Agenten in Ungnade gefallen und bekomme nun keine Aufträge mehr. Verdammichtnochmal. Elend. Fuckscheisse verfickte.
Ich hab dann meine Strategie zum Gelderwerb gezwungenermaßen geändert. Da die Aktivitäten meiner Corp im WH der Allianz aktuell gegen Null gehen, lag zunächst Trading am nächsten. Nach einer stundenlangen Einarbeitung wurde mir klar das ich so auch nicht schneller zu den gewünschten 1,5 Milliarden ISK (für den von mir angestrebten strategischen T3 Kreuzer: Tengu) komme. Alles was ich anzubieten habe sind Armor Plates, gelootete Missiles und Faction Tags (Gold oder Brilliant sagt hier gar nichts über den Preis aus). Alles Ladenhüter. Fehlanzeige.
Blieb mir noch das Scanning. Es hätte ja sein können das ich einige Hideouts ausfindig mache und ein Nest der Rats als Headhunter angreifen kann, um das Kopfgeld einstreichen zu können. Ebenfalls Fehlanzeige. 50 Millionen ISK für das CovertOps-Schiff, Launcher und Probes und es konnte los gehen. Das Scanning war dann aber so langweilig und blieb ergebnislos, dass ich es nach acht Stunden wieder aufgegeben habe.
Zwei frustige Tage in EvE. Ein guter Grund heute Abend ein Menge Bier zu trinken. Das ich es meinen Kollegas im RL nur schwer begreiflich werde machen können, warum ich so schlecht gelaunt bin, nervt mich jetzt schon. Ich glaube ich denke mir einen Streit mit einer fiktiven Freundin aus.

to be continued…

!

Folgendes Video ist wie ich finde, ein bestechender Gegenbeleg zu der permanent wiederhohlten Alltagsthese: „Zuviel Fernsehen und Internet verblöden die Jugend“.
1981 gab es drei Fernsehsender. Das Programm begann irgendwann um die Vormittagszeit und wurde vor Mitternacht, nach der Spätsendung, abgeschaltet. Danach Testbild.

Zweiter Teil in der You Tube-Seitenleiste.

Warum RhizomLysis nicht versuchen sollte das Geschäft der Emanzipation zu besorgen

(Vorsicht: Pathologisierungen, Polemik, Trigger!)

Anders als mit dem Umschlag einer libidinösen Fixierung kann ich mir nicht erklären, warum er permanent notorisch Argumente gegen Israel zusammenkratzen muss. Irgendein Zionist hat ihm wahrscheinlich vor Jahren einmal in die Eier getreten und nun treibt ES ihn von einem denunziatorischen Artikel zum nächsten.

Auf dem theoretischen Niveau eines sozialdemokratischen Kleingärtners wie Volker Pispers, quasselt er in einem gelehrig-universitären BesserwisserWikipediartikelverfasserjargon auf das labile Blogsportpublikum ein und ist sich dabei nur für wenige Peinlichkeiten zu schade. Norman Finkelstein (zuverlässiger Argumente-Lieferant für nationale Sozialisten aller Coleur), die wahren Moslems (nämlich die friedlichen), amnesty International (das gute Gewissen des Borgeois): dienen als humanistische Coloration der eigenen Niedertracht. Satzbausteine aus der Werkstatt der herkömmlichen antiimperialistischen Denunziation wie: „die Kolonialisierung der Palästinenser“ (unausgesprochen: Palästina eine Kolonie, Israel ein Apartheitsstaat), und atheoretischer Unfug wie der Vergleich von Antisemitismus mit vermeintlich grassierender „Islamohobie“ dürfen da natürlich nicht fehlen (man kennt sie ja diese Leute die allerorten das Schimpfwort: „du Moslem“, synonym mit Geiz und Geldgier verwenden!).

Es hat keinen Zweck zu versuchen solchen Leuten mit den Fakten, oder revolutionär/theoretischen Erwägungen argumentativ beizukommen, oder sie gar zu verunsichern. Vom einzigen Land im Nahen Osten in dem zb. Homosexuelle möglichst frei leben können und in dem „Palästinenser“ nicht als entrechtete Luftmenschen in „Flüchtlingslagern“ leben müssen, hat er schon gehört. Von der blutigen Wirkmächtigkeit antisemitischer Wahnideen und ihrem Ursprung in der kapitalistischen Vergesellschaftungweise wahrscheinlich auch.
Es bleibt nur die strategische Stossrichtung der vorgenommenen Medienoperation anhand einer einfachen Rechenaufgabe zu entlarven. Das fällt ziemlich leicht, schaut man sich die Themenauswahl auf seinem Blog an. Auf 21 Seiten geht es 28 mal um Israel und das Ungemach das die Militäroperationen der IDF für die palästinensische Zivilbevölkerung bedeutet. In 27 Blogbeiträgen wird die weit verbreitete „Islamophobie“ in der westlichen Welt bejammert. In 16 geht es gegen die Dummheit respektive religiöse Verblendung der US-Amerikaner und 5 widmen sich in denunziatorischer Absicht „den Antideutschen“. In 43 Beiträgen geht es um andere Themen. Meistens um die Möglichkeit und Unmöglichkeit homosexueller Emanzipation in den herrschenden Verhältnissen (4 davon behandeln die Unterdrückung gelebter Homosexualität im Iran. An diesem Punkt hat die Eigensuggestionskraft zur klaren Frontstellung nicht gereicht).
Wie bei allen dummen Bürgern die den postmodernen Mainstream des „anything goes“ lediglich dazu nutzen um ihre eigene Ideologie (in diesem Falle die Ideologie des in den herrschenden Verhältnissen zu verwirklichenden Humanismus) nicht mehr Ernst nehmen zu müssen, schert sich rhizomlysis – entgegen der eigenen Selbststilisierung – nicht einen Dreck um das menschliche Elend an sich. Über das organisierte Schlachthaus: Staat, über die aktuell massenhaft nur im Islam bis zur Selbstaufgabe reichende religiöse Verblendung, über Hunger und Arbeitsterror, über die weltweite Akkumulation des Leids unter kapitalistischen Vorzeichen überhaupt, verliert er nur selten ein Wort. Seine Themen verengen sich naturwüchsig auf die alten Feindbilder deutschlinker/antirassistisch/postkolonialer Tradition. Neben den USA (die ihre eigene Dummheit in die ganze Welt exportiert), geht es ihm um „die Juden“ (oder ihre Pappkameraden). „DAS“ (moslemische) „VOLK“, tritt immer nur als Opfer auf. Sind die uralten Gefühle erst mit entsprechend zusammengestoppelten Nachrichtenschnipseln in die Sphäre der vermeintlich diskutablen „rationalen Argumente“ erhoben und der Mob in Stimmung – und er ist immer in Stimmung – kann sich der gewünschte Schuldspruch in den Köpfen der Rezipientinnen und Rezipienten selbst verkünden, ohne das Lysis sich mit allzu vielen offensichtlichen inhaltlichen Entgleisungen die Finger schmutzig machen muss:
1. Israel ist ein unrechtmäßiger Terrorstaat. Apartheitsregime, etc.
2. Israel ist die grösste Gefahr für den Weltfrieden.
3. Mit dem Islam ist das alles nicht so schlimm. Die Kritiker sollen sich mal nicht so haben. „Erst mal vor der eigenen Tür kehren“ usw.
4. „Die Antideutschen“ sind ein philosemitischer Haufen der versucht mit besonderer Radikalität den eigenen Schuldkomplex zu bearbeiten.
5. Die USA ist ein Land religiös verblendeter Rednecks, die in ihrem imperialistischen Wahn einen blutigen Kreuzzug um die Welt führen.

Um die ganze Ekelhaftigkeit und tückische Gestalt dieser dekonstruktivistischen CopyandPaste-Variante des alten antiimperialistischen Antizionismus zu entlarven, würde mir nichts anderes übrig bleiben als noch mehr Texte von ihm durchzulesen als ich es leider schon getan habe. Dafür bin ich mir aber zu fein. Da spiel ich lieber mit meinem Computer. Der Lysiskerl bleibt eben – trotz eigenem Buch, vermutlicher Hilfswissenschaftlerstelle an irgendeiner Uni und Blogsportgroßadministratorentum – ein irrelevanter Schmock. Vielleicht fühlt sich ja jemand anderes dazu aufgerufen diese Leistung der Selbstentfremdung zu vollbringen.
Viel Glück dabei.

Anm. des Administrators: Dieser Text wurde in seiner ursprünglichen Form Gegenstand eines kontroversen Streits, der in seiner temporären Löschung und einer vorübergehenden Sperrung dieses Blogs gipfelte. Erklärung des „La vache qui rit“-teams hierzu.

Sartre goes Gegenuni // Sartre über Freiheit, Unbewusstsein und Sexualität

Und schon folgt der zweite Streich: ein kurzer Bericht über die Veranstaltungen zu Jean-Paul Sartre im Rahmen der 11. Gegenuni. Kernthema ist Sartres Begriff der Sexualität – man sieht zugleich, wie progressiv Sartres Verständnis von „Perversionen“ wie Homosexualität oder „Sadomasochismus“ war. Natürlich ist es nicht möglich, derart komplexe Theorien auf vier Seiten zusammenzufassen – es handelt sich also eher um einen teaser, der Lust auf mehr machen soll. Denn für das nächste Jahr ist eine weitere Veranstaltungsreihe geplant, die u.a. auch einen Lesekreis des Kapitels Die konkreten Beziehungen zu anderen
(in dem sich eben u.a. Sartres Theorie der Begierden befindet) beinhalten soll.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten des Sartre/Heidegger-Lesekreises und der nächsten Veranstaltungsreihe gibt es u.a. auch über die Mailadresse jpsartre [“at“ einfügen] email.de.

Download des Berichts als pdf




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