Archiv der Kategorie 'Veranstaltungen'

Leben im Abgrund Selbstverwirklichung – Über das Subjekt im Kapitalismus und wie wir uns befreien könnten

Unter diesem Titel findet im WiSe 13/14 in Frankfurt am Main eine Veranstaltungsreihe zum Thema Subjektkritik statt. Aus dem Ankündigungstext:

Der subjektive Reichtum der Gesellschaften, in denen die Kultur beziehungsloser Beziehung herrscht, erscheint als unendliche Zahl von Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Aber jede dieser Möglichkeiten, die wir begehren und zu der wir zugleich gezwungen sind, erweist sich als Entwirklichung unserer selbst.

In unserer Gesellschaft sind die Menschen in ihrem Inneren von einer Dingheit besetzt. Sie sind geknechtet von einem objektiven, ihrer Kontrolle entzogenen Trieb – einem Trieb, der zugleich dem eigenen Wollen entspringt. In dieser ihrer Entzweiung mit sich selbst begehren sie nach Identität: in der Besetzung und Unterjochung ihrer Objekte, in eigener Größe und eigenem Wert, in der Abgeschlossenheit. Dieser Trieb ist so sehr mit ihrem Innersten verstrickt, dass sie sich nicht mehr davon lösen können: Obwohl sie oftmals darunter leiden, können sie nicht davon abgehen, können dieses Ding in sich nicht als etwas Fremdes erkennen. Dieses Ding ist ihr eigenes Selbst.

Das bunte Programm deckt zahlreiche Aspekte dieses breiten Themas ab. Ich will es gar nicht groß kommentieren, sondern verweise einfach auf die Website der Veranstaltungsreihe: http://www.kulturumwaelzer.de/abgrund

Räumung des IvI morgen (22.4.) früh befürchtet!

In IvI-Kreisen wird befürchtet, dass die Räumung morgen (22.4.) am frühen Morgen nun wirklich ansteht. Die Quellen sind einigermaßen glaubwürdig. Es wird dazu aufgerufen, heute Nacht im IvI zu übernachten oder morgen früh um 4 Uhr 30 vorbeizukommen.
Sollte die Räumung tatsächlich passieren, wird am Dienstag dann die ja schon angekündigte „Tag X+1″ Demo stattfinden (um 18 Uhr am „Kaisersack“/Hbf).
Weitere Infos auf der IvI-Website.

Edit: Es ist soweit – anscheinend wird das IvI gerade (22.4. gegen 6 Uhr) tatsächlich geräumt!!!

Edit 2: Das IvI ist nun geräumt. Pressemitteilung des IvI, Artikel des HR.

Eine Lesung noch!

Radio, Live Transmission
Cancer isn‘t a disease

7.7. // 14 Uhr // IvI-Bib im 1. Stock
More information: IvI-Sommerfest

Come and

dance, dance, dance, dance, dance

Nietzsche über den Tanz

Ich bin mal wieder auf einen sehr schönen und geistreichen kleinen Aphorismus von Friedrich Nietzsche gestoßen. Er enthält nicht nur eine sehr klare Einsicht in den bis heute denke ich unveränderten Stand des Geistes, sondern auch eine sehr gute Explikation von Nietzsches Tanz-Begriff:

Gleichnis vom Tanz. — Jetzt ist es als das entscheidende Zeichen großer Kultur zu betrachten, wenn Jemand jene Kraft und Biegsamkeit besitzt, um ebenso rein und streng im Erkennen zu sein als, in andern Momenten, auch befähigt, der Poesie, Religion und Metaphysik gleichsam hundert Schritte vorzugeben und ihre Gewalt und Schönheit nachzuempfinden. Eine solche Stellung zwischen zwei so verschiedenen Ansprüchen ist sehr schwierig, denn die Wissenschaft drängt zur absoluten Herrschaft ihrer Methode, und wird diesem Drängen nicht nachgegeben, so entsteht die andere Gefahr eines schwächlichen Auf- und Niederschwankens zwischen verschiedenen Antrieben. Indessen: um wenigstens mit einem Gleichniss einen Blick auf die Lösung dieser Schwierigkeit zu eröffnen, möge man sich doch daran erinnern, dass der Tanz nicht das Selbe wie ein mattes Hin- und Hertaumeln zwischen verschiedenen Antrieben ist. Die hohe Kultur wird einem kühnen Tanze ähnlich sehen: weshalb, wie gesagt, viel Kraft und Geschmeidigkeit not tut.

(aus: Menschliches, Allzumenschliches)

Und natürlich bietet sich dieser Aphorismus auch an als gute Gelegenheit, noch einmal einen kleinen Hinweis auf die Tagung „Kunst – Erkenntnis – Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute“ zu streuen, die vom 22.-24. Juni im IvI stattfinden wird. (Link)

In diesem Sinne: Tanzt, tanzt, tanzt! :-)

Ihr sollt mich kennenlernen!

Mit zwei Mit-bestreiter_innen ich diesen Samstag-Abend eine Lyriklesung. Titel: „Perspektivisches Denken & Dichten mit Marx“. Beginn: 21 Uhr. Im IvI-Saal.
Weitere Details? „Einen Finger zeigen wir …“
Jedenfalls viel bisher unveröffentlichtes Material von mir!

Achja, das ganze natürlich im Rahmen der supergenialen Kunsttagung „Kunst – Erkenntnis – Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute“ vom 22.-24 Juni im IvI (Link).

„La vache qui rit“ schafft es in ein Printmedium // Releaseveranstaltung der Zeitschrift „Tanz auf dem Vulkan“ am 13.5. im KOZ

Am 13.5. ist im KOZ um 18 Uhr die Release-Veranstaltung der Zeitschrift Tanz auf dem Vulkan – Zeitschrift in der Krise. Mit dabei auch der Dichter Pjotr G. Distelkranz und meine Wenigkeit, die jeweils Texte zur Zeitschrift beigetragen haben. Es handelt sich um eine theoretische Intervention in die Mitte Mai anstehenden „Blockupy“-Proteste.

Kommt und staunt!

Mehr Infos auf der website der Zeitschrift.

Kunst Erkenntnis Problem // Tagung vom 22.-24. Juni im IvI (FfM)

Das

So, ich möchte diesen Blog mal wieder für einen kleinen Hinweis auf eine Veranstaltung, die ich gut finde und daher unterstützen möchte, nutzen. Diesmal handelt es schließlich auch um keinen lumpigen Vortrag oder eine Party, sondern eine richtige Tagung. Kunst Erkenntnis Problem. Möglichkeiten emanzipatorischer Kunst heute ist der vollständige Titel. Sie findet vom 22. bis 24. Juni im IvI statt. Die Tagung hat auch eine website, die in den nächsten Woche sukzessive erweitert werden wird: www.kunst-erkenntnis-problem.de

Es soll in der Tagung weder darum gehen, eine bestimmte theoretische Schule zu hypen, sondern einen möglich breit gefächerten Diskurs zu diesem ja doch recht komplexen und schwierigem Thema zu führen. Die Tagung markiert ja schon im Titel, dass die Frage nach den erkenntnisfördernden Potentialen der Kunst ein „Problem“ darstellt – daher gibt es keine bereits feststehenden Antworten, sondern zuallerst Fragen. Speziell die eine Frage: Was kann die Kunst heute noch leisten? Ist sie endgültig das „heitere Spiel“, von dem schon Hegel sprach, oder kann sie noch heute Verwirrung in herrschenden Ideologien stiften, verschüttete Glücksversprechen entbergen und Leute in ihrem Kampf für die Emanzipation bestärken … Dementsprechend geht es weder darum, zum 100. Mal das Ende der Kunst auszurufen, noch, der gegenwärtigen Kunst-Ideologie das Wort zu reden.
Ohnehin geht es nicht nur ums „reden“, sondern es wird bei der Tagung auch einiges an Kunst gezeigt bzw. gemacht werden.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.

Weitere Infos gibt es auch auf der website des ASTA Frankfurt.

Und ja – wer die Bilder auf der website der Tagung wiedererkennt, hat Recht. ;-)

Vortrag über Heidegger am 26.4. in München // Ein kleiner Kommentar zu Dahlmanns Sartre-Rezeption

Am 26.4. um 19 Uhr werden Paul Stephan und Emanuel Kapfinger in München noch einmal ihren Vortrag über Heidegger und den Nationalsozialismus halten. Der Ort ist derzeit noch nicht bekannt, aber es wird wohl irgendwo am Campus der LMU sein. Außerdem ist geplant, den Vortrag in der folgenden Woche noch einmal im IVI zu halten. Er findet an der LMU im Hauptgebäude (Geschwister-Scholl-Platz 1) in Raum E 206 statt. Außerdem wird die neue Version des Vortrags nochmal in Frankfurt präsentiert, und zwar am 8.5. um 20 Uhr im „Stalingradsaal“ (übrigens im Rahmen der Gegenuni, in der es diesmal um das Thema „Utopie“ geht und die auch zahlreiche andere interessante Veranstaltungen beinhaltet. Link zum Programm)

Die bisher beste Version des in Frankfurt, Marburg und Wien gehaltenen Vortrags, die Wiener, gibt es mittlerweile auch zum Hören im audioarchiv – inklusive einger Seitenhiebe auf den Wiener Sartre- und Adorno-Kongress Die Kunst der Freiheit. Darauf bezieht sich auch ein von Manfred Dahlmann in Freiburg gehaltener Vortrag, der ebenfalls im audioarchiv online ist und eine Art Verteidigung Sartres gegen Adorno unternimmt. Es handelt sich um fast denselben Vortrag, den Dahlmann wenig zuvor in Wien hielt – und an den zumindest aus orthodox Sartreanischer Sicht die Frage zu richten wäre, wie er darauf kommt, ausgerechnet die „Scham“ als Phänomen gegen Sartres Existenzialismus zu wenden. Denn es ist nicht nur so, dass Sartre das Phänomen der Scham in Das Sein und das Nichts ausführlich diskutiert – es steht sogar im Zentrum seiner Philosophie des Anderen. Ähnlich wie die existenzielle Angst bei Sartre die Freiheit enthüllt, enthüllt die Scham ihre reale, absolute Schranke, die eben in der Freiheit des Anderen liegt. Diese Schranke ist keine bloße Zutat zu Sartres Freiheitsbegriff, sondern ihm im Kern immanent – die menschliche Freiheit existiert nur als Freiheit-in-Konfrontation-mit-anderen-Freiheiten. Mein „Sein für mich“ ist meinem „Sein für anderen“ absolut ontologisch gleichrangig – die Scham ist bei Sartre ebenso konstitutiv für die „conditione humaine“ wie die Angst und die sich in ihr zeigende Freiheit.
In der Scham freilich entdecke ich auch bei Sartre nicht nur, dass es Andere gibt, sondern auch, dass meine eigene körperliche Existenz eine Seite hat, die mir notwendig entzogen ist – und die ich in der Scham eben als mangelhaft erfahre, genau so, wie mir in der Angst meine eigene Freiheit als mangelhaft erscheint. (Genauso kann mir natürlich in anderen Bewusstseinslagen meine Freiheit und meine Körperlichkeit als zu bejahende Fülle erscheinen, etwa in der Entschlossenheit, die von Sartre als Überwindung der Angst eingeführt wird – in der Entschlossenheit wähle ich ja und erfreue mich zugleich an meiner Wahl – ich nehme meine Freiheit auf mich und erfahre sie gerade nicht mehr als Mangel an Bestimmtheit, sondern als Bedigung meiner Selbstbestimmung.)
Auch wenn es Sartre strikt ablehnt, Eigenschaften meines Körpers als determinierend für mein Bewusstsein anzunehmen („determinierend“ zumindest im Sinne einer kausalen Verursachung), kommt so der Materialität meines Körpers, wie er sich anderen darbietet, doch eine eminente Rolle in seiner Philosophie zu. Der „Körper“ ist freilich auch und gerade hier kein bloßes biologisches Substrat, sondern eben das Bild, das andere von ihm haben – mit dem Körper, wie er sich dem Blick des Biologen oder des Arztes darbietet (freilich eher eine Leiche als ein Körper) als Sonderfällen. In Geschlossene Gesellschaft wird dies im Grunde sehr einfach anhand des Schicksals einer eitlen Frau erläutert, die wissen will, ob sie auch wirklich so schön ist, wie sie sich einbildet. Die Pointe ist, dass es ihr nicht einmal der Blick in den Spiegel sagen kann – denn sie hat ja gewählt, in den Augen anderer schön sein zu wollen und die bloße subjektive Versicherung „Ich bin schön“ genügt ihr nicht. Sie könnte wohl ein Zauberspiegel retten, der eine Art „Hyper-Anderen“ repräsentiert, der eine Art objektive Schönheit verkündet. Doch derartige Dinge gibt es nur in der Imagination: in Wahrheit entgeht uns jene objektive Seite unseres Seins radikal.
Dadurch, dass der Andere quasi die absolute Kontrolle über diese meine objektive Seite hat, bin ich ihm tatsächlich vollkommen ausgeliefert – eine Erfahrung, die wohl niemand in so drastischen Worten wie Sartre beschrieben hat. „Der andere ist der Tod meiner Möglichkeiten.“
Bereits in Sartres Analyse der Scham wird jedoch auch mitgedacht, dass es etwas am Leib/Körper gibt, das die Bewusstseine radikal überschreitet: dem Anderen ist mein Körper schließlich nicht nur in einer Form gegeben, die ich selbst nicht ergreifen kann – er ist ihm als transzendeter Gegenstand gegeben, der sich der unmittelbaren Evidenz entzieht. Ihm fehlt eben genau jene Intimität-mit-mir-selbst, die ich wiederum als meinen Mangel erfahre. Wir beide besitzen etwas, dass der Andere will, aber nicht haben kann: genau das konstituiert ja die Subjekt-Subjekt-Beziehung als unabschließbaren Kampf. Ein Kampf freilich, der in der Tat nicht abgeschlossen, nicht vermittelt werden kann. Aus dem simplen Grund, dass ich nicht der Andere sein kann und der Andere nicht ich – und erst recht nicht ich ich bleiben und gleichzeitig der Andere sein kann (selbst wenn ich das in der Reflexion versuche). (Bestenfalls wird eine Art Wechselseitigkeit des Voreinander-Schämens hergestellt, die in der Tat soetwas wie eine authentische, versöhnte Zwischenmenschlichkeit konstituieren könnte – aber das führt Sartre in Das Sein und das Nichts nicht aus.)
Ein Aspekt der Unabschließbarkeit dieses Kampfes ist jedoch zugleich auch, dass sich die Faktizität meines Körpers sowohl mir als auch den anderen Bewusstseinen, die ihn wahrnehmen, notwendig entzieht (was eben das materialistische Moment in Sartres Philosophie ist).

Dies alles hat eine eminent politisch-ethische Implikation: auch die Dinge weisen eine gewisse unreduzible Widerständigkeit auf. Doch erst im Kampf mit dieser Widerständigkeit erweist sich überhaupt erst unsere Freiheit – wir machen uns frei, indem wir die Dinge als „Hindernisse“ unserer Pläne begreifen. Andere Menschen (oder, globaler gesagt: Bewusstseine) haben demgegenüber einen völlig anderen ontologischen Status. Ich kann sie aufrichtig nicht als „Hindernisse“ begreifen, ich muss sie z.B. mit Argumenten von meinem Standpunkt überzeugen. Aber dieser Standpunkt ist 1. bereits ein Produkt meiner Konfrontation mit den Anderen (Sartre denkt die Bewusstseine als von vorneherein vermittelt, nicht erst nachträglich synthetisiert) und findet 2. seine Grenze an der puren Willkür der Subjektivität des Anderen. Sartre tritt so allen Versuchen entgegen, zwischenmenschliche Beziehungen analog zu einer Subjekt-Objekt-Relation zu denken, er geht von einem radikalen Kampf zwischen zwei (oder mehreren) Subjekten aus, indem sich erst authentische zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln können. Dies ist natürlich eine radikale Kritik an jeder Form von Verdinglichung, die schon bei Sartre untrennbar mit einem konkreten politischen Projekt verwoben sind, gesellschaftliche Verhältnisse zu erreichen, in denen kein Mensch mehr verdinglicht ist. Im Kapitalismus etwa sind die Proletarier nicht als Individuen Teil des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, sondern als „v“, variabler Kapitalbestandteil. Sie streifen, sobald sie die Fabrik betreten, ihre Subjektivität ab und werden zu Instrumenten im Dienste der Kapitalisten. Dies hindert sie natürlich auch daran, ihre eigene Subjektivität wirklich zu entdecken, da sich diese ja erst in der Auseinandersetzung mit einem widerständigen Objekt wirklich erweisen kann.
Ebenso kann die moderne Neurobiologie aus existenzialistischer Sicht nicht als „Wissenschaft“ in dem Sinne verstanden werden, dass sie einfach schlicht Wissen über die Faktizität meines Körpers passiv abspiegelt. Das macht sie natürlich auch – doch in ihrem Reduktionismus verfehlt die Neurobiologie nicht nur die Leiblichkeit des Menschen (sowohl bezogen auf meine eigene subjektive Selbstwahrnehmung als auch auf die Art, in denen mein Körper anderen gerade nicht als tot, sondern als belebt, jeder biologischen Beschreibung also radikal entzogen [das Leben der Biologen lebt nicht im emphatischen Sinn des Wortes, da es eben kein bewusstes ist], erlebt wird), sondern verdinglicht die Menschen auch aktiv – sie muss den Pseudo-Leib erst konstruieren, um ihn dann der Manipulation zugänglich zu machen.
Zu guter letzt wirft Sartres Analyse auch ein anderes Licht auf jedwede Form von Verdinglichungen, die sich in körperlichen Differenzen begründen – worauf eben der Feminismus Simone de Beauvoirs, der Antirassismus Franz Fanons oder auch Sartres eigene Antisemitismus-Kritik basiert. Sie wehren sich eben dagegen, dass Frauen, „Negern“ und Juden die Anerkennung als Subjekte im vollen Sinne versagt bleibt – und untersuchen zugleich, wie sich diese versagte Anerkennung auf die Binnenstruktur dieser Subjekte auswirkt, ihnen nicht bloß äußerlich gegenübertritt. (Was nicht heißt, dass diese drei Formen von Verdinglichung platt zu identifizieren wären – Rassismus, Sexismus und Antisemitismus haben, bei aller strukturellen Analogie doch ihre je zu untersuchende konkrete Eigenlogik.)
Dies sind nur drei Aspekte, die sicherlich noch länger auszuführen wären.
Der erste Aspekt korrespondiert mit Dahlmanns Sartre-Kritik. Er wirft Sartre ja vor, nicht zu erkennen, dass das Kapital tatsächlich ein Ding ist, dass die Eigenschaften eines Subjekts hat, also doch so etwas wie ein real existierender „Hyper-Andere“. Ganz konkret, indem es eben alle Menschen zu Dingen macht, die durch es einen gesellschaftlichen Wert ihrer Arbeitskraft erhalten. Ich denke, dies ist in der Tat eine produktive Art, Sartre über ihn hinaus weiterzudenken und so die Kapitalismuskritik zu schärfen. Das fatale an der Herrschaft von Kapital und Staat ist eben, dass in ihnen gesellschaftliche Prozesse wie Götter über die Menschen regieren. So lässt sich die Marxsche Kritik in einer Radikalität artikulieren, die ihr ohne eine Beschäftigung mit dem philosophischen Freiheitsbegriff mangeln würde – der Kapitalismus ist die reale Existenz einer ontologischen Unmöglichkeit bzw. zumindest der Versuch, eine solche Existenz zu etablieren, der sich zugleich als zum Scheitern verurteilt enthüllt. Dieses Scheitern manifestiert sich in den barbarischen Versuchen, den Kapitalismus zu retten, wenn es manifest wird (was wiederum mit Sartres Antisemitismus-Kritik korrespondiert, in der es ja wesentlich darum geht, zu zeigen, dass der Antisemitismus ein Versuch ist, die Andersheit den Anderen in Gestalt des Juden radikal zu negieren).

In Wien ging Dahlmann erst auf Nachfrage darauf ein, dass ja auch Sartre bereits eine umfassende Theorie der Scham hat. Ich denke, sein in die richtige Richtung weisender Versuch, Sartre gegenüber Adornos Polemik zu rehabilitieren, würde an Substanz gewinnen, wenn er deutlicher ausführen würde, wo er die Lücken von Sartres Analyse der Scham sieht. Ich hoffe, in seinem ja in Kürze erscheinenden Buch wird er dies näher erläutern.

Proletariat und Revolutionstheorie

Am Freitag, 20.1. ab 18:00 Uhr findet im IVI, Kettenhofweg 130 Frankfurt/Main eine Veranstaltung statt, die keine Person verpassen wird, die sich nicht vor der Geschichte blamieren will. Es werden 2 bahnbrechende Präsentationen gezeigt, die euch aus unerträglicher Lethargie erretten. Wir arbeiten seit einiger Zeit mit großem Ernst an der Kritik der gegenwärtigen und der historischen communistischen Bewegung und präsentieren einige Resultate unserer bisherigen Forschung.

18:00 Uhr – Proletarität und Revolutionstheorie – Zu den Konstitutionsbedingungen und der Beschaffenheit revolutionärer Subjektivität

Das »Proletariat« hat als Chiffre eine lange, unrühmliche Karriere hinter sich. Im »traditionellen Arbeiterbewegungsmarxismus« mit dem historischen Phänotypen des Proleten identifiziert, welcher qua seiner Stellung im Produktionsprozess und seiner moralisch verstandenen Knechtung revolutionäres Bewusstseins spontaneistisch im Klassenkampf entwickeln müsse, oder per se rebellisch jenseits der Fetischisierungen, Mystifizierungen und Naturalisierungen der kapitalistischen Verkehrsformen stünde, hat sich spiegelverkehrt dazu das Gros der Marxisten und Linken enttäuscht vom Proletariat verabschiedet, nachdem dieses nicht seinem »geschichtlichen Beruf« (Marx) nachgekommen ist, sondern sich stattdessen ganz im Gegenteil als das erwiesen hat, als was es im kapitalistischen Produktions und – Verwertungsprozess gesetzt ist: variabler Teil des Kapitals. Seit dem Untergang des sogenannten »Realsozialismus«, sowie der »prolet-arischen« (Franz Neumann) Konterrevolution des Nationalsozialismus und der Shoa schwankt die westliche Linke allgemein und die deutsche insbesondere zwischen einer abgeschmackten Neuauflage der positiven Revolutionstheorie des Traditionsmarxismus, der (wertkritischen) Soziologisierung des Proletariats, einer Ausweitung des »utopische Bilderverbot(s) auch auf die Frage nach dem revolutionären Subjekt« (Ingo Elbe) und dem postmodernistischen »Abschied vom (revolutionären) Subjekt«. Während sich die fortschreitende Akkumulation des Kapitals weiterhin über die extensiv wie intensiv akkumulierende Proletarisierung eines Großteils der Menschheit vollzieht, ist der Begriff von der »Daseinsform, Existenzbestimmung« (Marx) der Proletarität und den Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Dimension revolutionärer Theorie und Praxis verschüttet. Gegen die Arbeitertümelei des Proletkults einerseits und die ihr aufsitzende Abkehr vom Proletariat andererseits wäre Proletarität nicht als Antwort auf die Scheinfrage zu begreifen, ob das Proletariat bereits das revolutionäre Subjekt sei, sondern als eine Voraussetzung des dynamischen Prozesses seiner Subjekt- und Bewusstwerdung zu rekonstruieren, die eine kommunistische Revolution realistisch möglich und denkbar macht. Nur in einer nüchternen Bestimmung der Bedingungen, objektiven Möglichkeiten und Tendenzen einer kommunistischer Vergesellschaftung lassen sich die Formen und der Inhalt revolutionärer Subjektivität als der »Klasse des Bewusstseins« (Lukács) konkretisieren, die sich auf der Höhe der modernen Vergesellschaftung wissenschaftlich über ihre Lebensverhältnisse klar wird und sie praktisch umwälzt. Der Zusammenhang des Proletariats mit einer kommunistischen Revolutionstheorie wäre also in dem konkreten Beantwortungsprozess der Frage zu erschließen, wie diese Revolution beschaffen, was ihre Voraussetzungen, Mittel und Ziele sein könnten.

19:30 Uhr – Der öffentliche Raum in der spektakulären Zeit

Die moderne Kunst hatte zum kapitalistischen Alltagsleben bereits in den 20er Jahren alles gesagt: Dass es zu überwinden sei. Die damaligen Avantgarden sahen sich Vorreiter einer umfassenden Revolution, in deren Dienst die Poesie zu stellen sei. Sie griffen die Kunst selbst an, deren „bürgerliche“ Schönheit und Erbaulichkeit sie nur zur Rechtfertigung des Bestehenden für tauglich hielten. Aber die erhoffte Revolution blieb aus und die avantgardistische Kunstkritik verlor ihre destruktive Bedeutung. Die dadaistischen und surrealistischen Werke wurden genießbar und selbst zu hoch gehandelten Kunstwaren.
In den 50er Jahren traten in Paris die Lettristen auf den Plan, von denen einige später die Situationistische Internationale gründeten. Sie erklärten die Versuche der alten Avantgarden für gescheitert und schrieben sich konsequent das Projekt der Aufhebung der Kunst und Verwirklichung der Poesie auf die Fahnen, d.h. die Freisprengung der ästhetischen Vermögen aus der Kunstsphäre als Voraussetzung einer neuen revolutionären Praxis im alltäglichen Leben. Zu diesem Zweck entwickelten sie Methoden wie la Dérive (das Umherschweifen in Städten als Forschungsmethode), die Psychogeographie (Wissenschaft von den Wirkungen des geographischen Millieus auf das emotionale Verhalten der Individuen) und das Détournement (bewusste Entwendung vorgefundener kultureller Gegenstände), deren Bedeutung für eine revolutionäre Theorie und Praxis der Vortrag zu diskutieren unternimmt.

Freitag, 20.1. ab 18:00 Uhr im IVI, Kettenhof 130, Frankfurt / Main (U-Bahn Station „Bockenheimer Warte“)

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Nach der Veranstaltung gibt es im IVI „irgendso ein Punkkonzert, oder eigentlich gar kein richtiges Konzert“. Da gehen wir dann auch hin.

Gegenwart Auschwitz – Ausstellung am IG -Farben-Campus

Eine Studienfahrt nach Oświęcim/Auschwitz gehört meines Erachtens auf die to-do-Liste jedes Deutschen dazu. Nur vor Ort lässt sich wirklich erahnen, was hinter dem unheimlichen, Unbehagen erweckenden Wort steckt. Für die, denen es an Gelegenheit mangelt, haben Bekannte von mir ihre Studienfahrt dorthin in einer Ausstellung dokumentiert, die im Foyer des IG Farben Campus der Uni Frankfurt in den nächsten Wochen zu sehen sein wird. Es gibt dazu auch folgende Webbanner:

Mit Bitte um Weiterverbreitung.




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