La vache qui rit Muhaha. 2014-06-02T00:11:32Z Copyright 2014 WordPress Thiel Schweiger <![CDATA[Militaristen feiern im Rebstockpark]]> http://lavache.blogsport.de/2014/06/01/burschenschaftler-feiern-im-rebstockpark/ 2014-06-01T00:15:45Z 2014-06-01T00:15:45Z Besonders Aus dem Maintal Der Rebstockpark ist einer der angenehmsten öffentlichen Parks in Frankfurt am Main. Um einen fast schon biotopartigen Weiher herum erstreckt er sich, dort quaken Frösche und zahlreiche Vogelarten brüten hier. Fast jeden Tag drehe ich mittlerweile mindestens eine Runde um diesen Weiher, mal nachdenklich spazierend, mal telefonierend, mal joggend.
Meistens ist es im Park eher ruhig, wenn ich dort bin, bisweilen fast menschenleer. Wenn das Wetter aber gut ist am Wochenende, wirkt der Park wie der lebende Beweis dafür, dass „Multikulti“ doch keine leere Phrase, sondern eine Realität ist: Eine aus Afrika stammende Familie feiert eine Hochzeit, türkische Familien grillen, polnische Jungs spielen mit deutschen und arabischen Fußball … An jeder Ecke hört man die Leute in einer anderen Sprache reden. Ich habe dort noch nie ausgrenzendes oder auch nur unfreundliches Verhalten irgendeiner Art erlebt.

Doch seit einigen Tagen nun schon befindet sich ein Fremdkörper im Rebstockpark. Kurz nach Sonnenuntergang drehte ich noch eine schnelle nächtliche Runde um den Weiher, da vernahm ich Männerstimmen, die sangen. Die Melodie kam mir vage bekannt vor, neugierig näherte ich mich ihnen. Es waren uniformierte Männer, etwa 10, sie hatten sich um ein Lagerfeuer versammelt und gröhlten ihr Lied. Den Text verstand ich nicht.
Jetzt war mir auch klar, was hier seit mehreren Tagen aufgebaut worden war (mir war es nicht entgangen): Die uniformierten Männer feiern hier augenscheinlich ein größeres Fest mit einem Zelt, Bierbänken, einem Grill, vermutlich viel Bier.
Ich ging weiter, die Melodie innerlich wiederholend. Woher kannte ich sie nur? Nach einer Weile fielen mir sozusagen die Tomaten aus den Ohren: Die Männer hatten tatsächlich „Heil Dir im Siegerkranz“, die Hymne des deutschen Kaisers, gesungen!

Am nächsten Tag ging ich dort noch einmal bei Tageslicht vorbei. Es waren nun noch mehr Leute, insgesamt etwa 30, die Hälfte uniformiert der Rest „Zivilisten“, auch ein paar Frauen. Ich erkannte nun erst das tatsächliche Ausmaß dieses Festes: Außer Zelten und Bierbänken gehören zu den Aufbauten der Uniformierten noch ein improvisiertes kleines Gehege mit zwei Pferden und – leider habe ich keine Photos gemacht, aber es ist wahr, ich habe es mit eigenen Augen gesehen – eine Dampflokomotive mit Waggon (es gibt im Rebstockpark eine kleine Bahnstrecke) und – es kommt noch besser – ein kleines militärisches Geschütz, vermutlich eine Feldhaubitze. Über dem allen thront ein Fahnenmast, dort gehisst einmal blau-gold, einmal schwarz-weiß-rot, die alte Reichsflagge.

Es ist wirklich krass, dass ausgerechnet einen Monat vor dem 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo mitten in einem der multikulturellsten Gebiete Deutschlands so ein nationalistisches, militaristisches Fest stattfinden kann. Vermutlich handelt es sich um eine bewusste Provokation, um zu demonstrieren, wer in Deutschland noch immer das Sagen hat. Aus dem Gallus kommen diese Leute sicher nicht.

Wo sie mit größerer Wahrscheinlichkeit herkommen, ist Bad Homburg. Dort, im Lieblingskurort Wilhelms II., findet derzeit ebenfalls passend zum Jahrestag des 1. Weltkriegs eine tendenziöse Vortragsreihe über den Kaiser statt, um gleich zu markieren, wohin die Reise geht, hielt den Eröffnungsvortrag Christopher Clark, der die angebliche Behauptung einer Alleinschuld Deutschlands am 1. Weltkrieg zu widerlegen sucht, gefolgt von einem Vortrag über die produktive Technikbegeisterung des Kaisers. Generell soll durch einen „ambivalenten“ Blick Verständnis für Wilhelm II. und seine imperialistische Politik geweckt werden, alles soll so differenziert wie möglich betrachtet werde. Die Titel krude alla „Chancen und Scheitern des ‚Medienkaisers‘ Wilhelm II.“ oder „Potentiale und Probleme des politischen Systems unter Wilhelm II.“. Von den Opfern der deutschen Großmachtpolitik unter diesem Kaiser ist keine Rede, es gibt noch nicht einmal einen Vortrag zu seiner Kolonialpolitik mit all ihrer Barbarei, erst recht nicht von den Gräuel des Krieges. Wilhelm II. wird zu einem ästhetischen Faszinosum – ob es in ein paar Jahrzehnten ähnliche Vortragsreihe zu Hitler gibt?

Aus dem Einleitungstext des Programmhefts: „Im Jahr 2014 finden in Deutschland beachtenswert viele Veranstaltungen statt, die sich mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 und seinen verheerenden Folgen beschäftigen. Es ist auffällig, wie wenig dabei die Vorgeschichte, die handelnden Personen und Herrscher, deren Zwänge, Nöte und Möglichkeiten beleuchtet werden.“ Ja, es wäre in der Tat wichtig, die Ursachen des Krieges zu besprechen – aber wieso anhand biographischer Studien über Wilhelm II.?

Es läuft wirklich etwas schief in diesem Land, die Hegemonie scheint derzeit ziemlich krass nach rechts zu kippen und das ausgerechnet in diesem Jahr.

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Thiel Schweiger <![CDATA[Anonymous – Die Multitude des Internets im Kreuzfeuer]]> http://lavache.blogsport.de/?p=283 2014-04-03T03:12:41Z 2014-04-03T03:12:41Z Theorie und Praxis Weisheitsliebe Webkritik Globales Denken Ein Charakteristikum des Internetskollektivs Anonymous ist, dass es keinen offiziellen Sprecher gibt, dass im Grunde niemand für sich beanspruchen kann, im Namen des gesamten Kollektivs zu sprechen.
Ein Hauptnachteil dieses Konzepts ist, dass sich im Grunde jeder dieses Label aneignen und dann doch wieder in seinem Namen sprechen kann. Seit langem so kursieren so unter dem Label „Anonymous“ rechte und verschwörungstheoretischer Quatsch, bei denen es einen wahrlich angst und bange wird.
Die Gefahr kommt offensichtlich daher, dass die Mehrzahl der Aktivitäten von Anonymous entweder klar links einzuordnen oder gar nicht so klar politisch zu verorten sind. Die Rechten können so ihre Propaganda unter einem Deckmantel verbreiten, der es ihnen erlaubt, Menschen anzusprechen, die sich sonst überhaupt nicht als rechts verstehen oder sogar links einordnen. Es handelt sich um eine ziemlich perfide Querfrontstrategie, mit deren Hilfe verschwörungstheoretische und andere Ideologeme in weiten Kreisen der Bevölkerung salonfähig werden.

Jüngst tauchte bei facebook und youtube ein Video auf, das unter dem Titel „Nachricht an die deutsche Bevölkerung“ (mittlerweile kursiert es auch unter anderen ähnlichen Namen) im Namen von Anonymous das Maß wirklich zum Überlaufen brauchte. Einige linke Blogs haben über dieses Video berichtet. (Vgl. etwa hier, hier, hier, hier und hier)

Urheber des Videos ist die Facebook-Seite Anonymous, die auch für anderen rechten Quatsch verantwortlich ist. Ein kurzer Blick auf die Seite genügt, um zu sehen, dass dieses Phänomen keinesfalls verharmlost werden darf: Die Seite hat heute über 350.000 likes, entsprechend ist ihre Reichweite. Sie richtet sich ihrer Sprache nach vorallem an Leute, die wirklich der „Unterschicht“ angehören und ein tiefes Unbehagen gegenüber der derzeit herrschenden Politik haben. Sie werden also da abgeholt, wo sie stehen, und flugs in Richtung neurechte Ideologie und AfD gekarrt. Insbesondere so kurz vor der Europawahl ist das wirklich kein Spaß.

Allerdings darf diese Tendenz nicht dazu verleiten, Anonymous im Ganzen zu verurteilen oder als Verein von verschwörungstheoretischen Spinnern anzusehen. So gab es auch flugs ein Gegenvideo:

Dieses Video kam von einer wohl extra zu diesem Zweck neu erstellen facebook-Seite, in der u.a. auch folgender „Offener Brief“ gepostet wurde, der die Lage eigentlich recht gut zusammenfasst (generell befindet sich dort mittlerweile einiges sehr aufschlussreiches Material):

Offener Brief an die deutschsprachigen Anonymous-Sympathisanten

Liebe deutschsprachige Anonymous-Sympathisanten,
wir, die wir uns als Teil der globalen Anonymous-Bewegung verstehen, möchten euch durch diesen offenen Brief über Tendenzen innerhalb unserer Bewegung informieren, die wir für sehr bedenklich erachten.
Insbesondere der deutschsprachige Teil der Bewegung wird seit einiger Zeit systematisch von rechten Verschwörungstheoretikern zur Verbreitung ihrer Propaganda missbraucht. U.a. kontrollieren sie die größte deutschsprachige Anonymous-Facebookseite mit über 300.000 Likes: https://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv
Auf dieser Seite stehen Aussagen, die teilweise nur haarscharf vom manifesten Antisemitismus entfernt sind. So heißt es etwa in einem Post zum MH370-Unglück:
„Zwischenruf zum Flug MH370: An Bord der verschwundenen Maschine der malaysischen Fluglinie befanden sich 20 Chinesen die allesamt Mitarbeiter der US-Firma ”Freescale Semiconductor” sind. Vier dieser 20 Mitarbeiter besitzen die Rechte an einem US-amerikanischen Patent, nutzbar unter anderem für implantierbare Microchips (Stichwort: Chip statt Personalausweis). Der fünfte Besitzer ist die Firma ”Freescale Semiconductor” selbst, eine Tochtergesellschaft der Bankendynastie Rothschild. Das Besondere? Im Falle des Todes einer dieser fünf Patentinhaber gehen alle Rechte am Patent an die übrigen Besitzer über. Unter der Annahme das die übrigen Besitzer den Flug der Flug MH370 nicht überlebt haben, würden die Rothschilds dann 100% an dem besagten Patent halten.“
Der letzte Coup der Rechten war aber ein Video mit dem Titel „Nachricht an die deutsche Bevölkerung“: https://www.youtube.com/watch?v=Hpk7W2yjRMU
Dieses Video enthält Anspielungen auf zig Verschwörungstheorien. Wir haben inzwischen ein Gegenvideo publiziert, das hier euch hier ansehen könnt: http://youtu.be/xFX5mMKI9NA
Von diesem Engagement der Rechten geht eine große Gefahr aus: Das Label „Anonymous“ wird bei den meisten Leuten als „irgendwie links“, jedenfalls nicht als rechts wahrgenommen. Auch das erwähnte Post oder das Video sind für Leute, die sich nicht bereits mit rechtem Gedankengut beschäftigt haben und dafür sensibilisiert sind, nicht sofort als solches zu erkennen.
Insbesondere wenige Monate vor der Europawahl kann von solchen und ähnlichen Videos eine große Gefahr ausgehen. Sie ermutigen klar zur Wahl rechter Parteien wie der AfD.
Andere Teile der deutschsprachigen Bewegung scheinen diesem Treiben weitgehend indifferent gegenüberzustehen. Ihre einzige Reaktion besteht darin – wiederum in verschwörungstheoretischer Manier – zu behaupten, dass die genannte FB-Seite von einem gewissen Mario Rönsch gekapert worden sei. Auch wenn wir dies für möglich halten, kommt uns das doch unplausibel vor: Es wird behauptet, Mario Rönsch hätte auf einen Schlag alle 20 Co-Admins der Seite gelöscht. Diese Aktion hätte man sicher bei Facebook melden und dagegen vorgehen können. Zugleich soll sie bereits vor 2 Jahren stattgefunden haben, „zufälligerweise“ kommt sie aber erst jetzt, kurz nach Veröffentlichung besagten Videos, ans Tageslicht. Und das vielleicht stärkste Argument: Es handelt sich bei „Anonymous“ doch um eine Hackergruppe verdammt, die schon ganz andere Sachen gehackt hat! Warum sich nicht in einen lumpigen Facebook-Account einhacken?
Nein, es ist unsinnig, Verschwörungstheoretiker mittels Verschwörungstheorien zu bekämpfen. Durch den Verweis darauf, dass einige der Likes der Seite gefaket sein könnten, wird deren Breitenwirkung extrem verharmlost. Es kommt auf die inhaltliche Distanzierung an! Dazu heißt es in etlichen Stellungnahmen einzelner Anonymous-Aktivisten so und ähnlich:
„Wir möchten Mario nicht mehr Aufmerksamkeit schenken, als er verdient hat. Doch möchten auch wir uns – dezent – von seinem Video distanzieren und uns dann wieder wichtigeren Themen wie Zensur, Informationsfreiheit, Scientology, etc. widmen.“ (anonews.org)
Diese „inhaltliche Abgrenzung“ offenbart schlagend die gegenwärtige Schwäche von großen Teilen unserer Bewegung. Es ist wichtig für Informationsfreiheit und gegen Scientology einzusetzen – doch sollte es für eine Bewegung für Anonymous nicht auch andere Aktivitätsfelder geben? Durch diese Weigerung, politisch klar Farbe zu bekennen, hält Anonymous die Flanke nach Rechtsaußen weit offen und braucht sich nicht wundern, wenn Neonazis auf diesen Zug aufspringen. Doch es ist nicht nur diese inhaltliche Unbestimmtheit, die dazu führt, dass unsere Bewegung mittlerweile derart nach rechts gerückt ist. Rechte Tendenzen gibt es bereits seit langem, schon die krasse Fokussierung auf eine im globalen Maßstab unbedeutsame, in Deutschland nahezu einflusslose Sekte wie Scientology weist verschwörungstheoretische Züge auf!
Erwähnt werden sollen hier nur einige besonders erschreckende Beispiele. Es kursiert etwa ein Anonymous-Video, das sich gegen Pädophile richtet. Dort heißt es:
„This is not a threat, this is a promise. We will hunt you down and exterminate you like cockroaches.
You are the lowest form of life on this planet and it is time for you to be extinguished.“
(Auf Deutsche [eigene Übersetzung]: „Das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen. Wir werden euch erlegen und ausrotten wie Kakerlaken. Ihr seid die niedrigste Lebensform auf diesem Planeten und es ist an der Zeit, dass ihr ausgelöscht werdet.“)
Natürlich gibt es niemanden, der Vergewaltigung von Kindern gutheißt und das Engagement dagegen ist sicher legitim: Doch wenn Pädophilen – egal ob Vergewaltiger oder nicht – pauschal in einem Nazi-Jargon ihr Menschsein abgesprochen wird und zu ihrer Vernichtung aufgerufen wird, ist damit klar eine Grenze überschritten.
Ein anderes Beispiel ist das einseitige Engagement einiger Anonymousler gegen Israel. Ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag führten etwa einige Aktivisten einen Cyberangriff auf israelische Einrichtungen durch. Man kann die Politik Israels sicher kritisch betrachten – klar gesehen werden muss dabei jedoch der besondere Status des Staates Israel als Zufluchtshafen der Überlebenden des Holocaust. Wird dieser Aspekt ausgeblendet, wird Israelkritik antisemitisch!
Ganz selbstverständlich ist auch in diesem englischsprachigen Anonymous-Video davon die Rede, dass die Geheimgesellschaften planen, die olympischen Spiele in London 2012 anzugreifen: https://www.youtube.com/watch?v=aOsqA8PbVPs
Und diese Liste ließe sich noch beliebig um erschreckende Beispiele erweitern!
Wir haben keinen Bock mehr auf diesen Scheiß! Anonymous soll endlich Farbe bekennen und sich von Rechten und Verschwörungstheoretikern in den eigenen Reihen abgrenzen – und das mehr als nur „dezent“!
Wir finden den Pluralismus von Anonymous grundsätzlich gut und zeitgemäß, doch dieser muss menschenverachtende Ideologien jedweder Art klar und deutlich ausschließen!

Auf du-bist-anonymous.de heißt es: „Anonymous ist keine Gruppe von Hackern. Anonymous ist nichteinmal eine Gruppe. Anonymous ist eine Lebenseinstellung, ein Gedanke, eine Idee. Anonymous ist Meinungsfreiheit. Anonymous ist nicht politisch. Anonymous ist nicht die Verbraucherzentrale.“
Ein derart explizit unpolitisches Verständnis von Anonymous und der Verweis auf eine inhaltlich völlig unbestimmt bleibende „Idee“ und „Meinungsfreiheit“ lädt Nazi-Trittbrettfahrer geradezu ein, an unserer Bewegung teilzuhaben. Konkretisieren wir unsere Inhalte, indem wir gegen derartige Vereinnahmungsversuche konsequent Stellung beziehen und diese nicht verharmlosen! Der mühsam aufgebaute Ruf von Anonymous steht auf dem Spiel!
Auch Netzpolitik ist Politik, die rechts oder links, anarchistisch, kommunistisch oder sonst wie betrieben werden kann!
Als konkrete Schritte rufen wir alle Anonymous-Sympathisanten auf:
- Verlangt auf youtube, facebook etc. die Löschung der genannten menschenverachtenden Seiten, Beiträge und Videos!
- Leitet diesen Brief und unser Video weiter!
- Tretet entschieden gegen rechte Tendenzen (nicht nur) in der Anonymous-Bewegung auf! Enttarnt die Querfrontler!
Kein Fußbreit den Faschisten, auch und gerade im Internet!
Anonymous Deutschland
Unsere Facebook-Seite: https://www.facebook.com/real.german.anonymous

Diese Seite wird nun wiederum von einigen Anonymouslern gedisst, die in der Aufforderung zu antifaschistischem Engagement einen Angriff auf die ursprüngliche Mission von Anonymous sehen und aus einer quasi-anarchistischen Position heraus allen „klassischen Ideologien“ gegenüber ablehnend gegenüberstehen. Schon allein, um diese schwierige und wichtige Debatte zu verfolgen, lohnt sich ein Blick auf die fb-Seite, auf der sie gerade ziemlich ungehemmt ausgetragen wird.

Diese ganze Gemengelage ist ein ziemliches gutes Beispiel für die Problematik radikalen Widerstands heute, auf das ideologisch-symbolische Vakuum, in dem wir uns befinden. Einerseits gibt es ein großes Misstrauen gegenüber den klassischen Ideologien, andererseits ist das, was an ihre Stelle treten soll, viel zu unausgegoren, um ein wirklich tragfähiges Konzept für radikalen Widerstand zu bieten, eben eine diffuse Mischung aus Bauchanarchismus, Verschwörungstheorie und Antikapitalismus, die leicht in die eine oder die andere Richtung kippen kann oder bei einem bloßen Spaßengagement stehenbleibt.

Jedenfalls erscheint es sinnvoll zu sein, dieser neuen Art des Widerstands, wie er sich in Anonymous oder Occupy artikuliert, nicht einfach ablehnend gegenüberzustehen, sondern sich in ihn produktiv-solidarisch einzubringen. Schließlich artikuliert sich in ihm doch so etwas wie ein radikales authentisches Unbehagen von unten und die Skepsis gegenüber klassischen Ideologien ist ja ganz richtig. In einigen Beiträgen, teilweise auch von Anonymous-Gruppen selbst, wird etwa ein Link zwischen Anonymous und der Praxis der Situationisten hergestellt, der mir nicht ganz unberechtigt zu sein scheint.
Es steht zwar im Moment noch wie David (22 Likes) gegen Golliath (über 350.000) – was einen allerdings an dem emanzipatorischen Potential des deutschen Proletariats zweifeln lässt – doch allein die Existenz der Seite ist ja ein kleines Zeichen der Hoffnung, dass es doch auch andere Tendenzen gibt, die womöglich zur Steinschleuder werden können.

Ich unterstütze daher die Intention des „Offenen Briefs“ und des Videos und rufe zu deren Verbreitung auf!

PS: Verwiesen sei hier zum Schluss noch auf eine mir nach erster Lektüre recht lesenswert erscheinende philosophische Analyse der Anonymous-Bewegung aus linksheideggerianischer Perspektive.

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Thiel Schweiger <![CDATA[Leben im Abgrund Selbstverwirklichung – Über das Subjekt im Kapitalismus und wie wir uns befreien könnten]]> http://lavache.blogsport.de/2013/10/15/leben-im-abgrund-selbstverwirklichung-ueber-das-subjekt-im-kapitalismus-und-wie-wir-uns-befreien-koennten/ 2013-10-15T18:05:28Z 2013-10-15T18:05:28Z Kult-Uhr Musike Theorie und Praxis Aus dem Maintal Weisheitsliebe Seelenkunde Theorie der Lüste Existenzialismus Kritik der Postmoderne Veranstaltungen

Unter diesem Titel findet im WiSe 13/14 in Frankfurt am Main eine Veranstaltungsreihe zum Thema Subjektkritik statt. Aus dem Ankündigungstext:

Der subjektive Reichtum der Gesellschaften, in denen die Kultur beziehungsloser Beziehung herrscht, erscheint als unendliche Zahl von Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Aber jede dieser Möglichkeiten, die wir begehren und zu der wir zugleich gezwungen sind, erweist sich als Entwirklichung unserer selbst.

In unserer Gesellschaft sind die Menschen in ihrem Inneren von einer Dingheit besetzt. Sie sind geknechtet von einem objektiven, ihrer Kontrolle entzogenen Trieb – einem Trieb, der zugleich dem eigenen Wollen entspringt. In dieser ihrer Entzweiung mit sich selbst begehren sie nach Identität: in der Besetzung und Unterjochung ihrer Objekte, in eigener Größe und eigenem Wert, in der Abgeschlossenheit. Dieser Trieb ist so sehr mit ihrem Innersten verstrickt, dass sie sich nicht mehr davon lösen können: Obwohl sie oftmals darunter leiden, können sie nicht davon abgehen, können dieses Ding in sich nicht als etwas Fremdes erkennen. Dieses Ding ist ihr eigenes Selbst.

Das bunte Programm deckt zahlreiche Aspekte dieses breiten Themas ab. Ich will es gar nicht groß kommentieren, sondern verweise einfach auf die Website der Veranstaltungsreihe: http://www.kulturumwaelzer.de/abgrund

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Thiel Schweiger <![CDATA[Unerwartete Aufmerksamkeit]]> http://lavache.blogsport.de/2013/08/17/unerwartete-aufmerksamkeit/ 2013-08-17T15:30:12Z 2013-08-17T15:30:12Z Autoreferenz Webkritik Neben der Spur Gerade statte ich diesem Blog hier nach Monaten der Abstinenz mal wieder einen Besuch ab, dann sehe, dass er mit fast 4000 Seitenaufrufen heute auf Platz 6 der blogsport-Top 10 belegt. Und das, obwohl ich wie gesagt seit Monaten fast völlig inaktiv geworden bin. Was ist los?! Jedenfalls freue ich mich über die vielen Überraschungsgäste.

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Thiel Schweiger <![CDATA[News from Turkey]]> http://lavache.blogsport.de/2013/06/29/news-from-turkey/ 2013-06-29T19:49:21Z 2013-06-29T19:49:21Z Kult-Uhr Theorie und Praxis Webkritik Globales Denken Neben der Spur Die Kämpfe in der Türkei sind noch lange nicht zu Ende! Ich möchte an dieser Stelle auf einen sehr guten Beitrag zu kreativen Protestformen in der Türkei und einen Blog mit umfassenden Berichten zur aktuellen Lage verweisen. Beides allerdings auf Englisch.

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Distelkranz <![CDATA[Die Geschichte und ich // Ein Kommentar zu den Geschehnissen in der Türkei]]> http://lavache.blogsport.de/?p=278 2013-06-18T12:55:11Z 2013-06-18T12:55:11Z Theorie und Praxis Globales Denken Kritik der Postmoderne Lyrik

Die Geschichte und ich

Jetzt sitze ich hier und lese und schreibe Gedichte,
die Sonne scheint wie selten, der Grand Canal ist
mit Seerosen bedeckt,
so dass einem fast romantisch ums Herz wird.
Meine Rückenschmerzen haben sich gelindert und
es gibt wenige Sorgen.
Zur selben Zeit werden Genossen
von der türkischen Polizei verprügelt und mit Gas
zu verscheuchen versucht bis
die Augen nicht mehr wie Augen aussehen
und die Beine nicht mehr wie Beine.
Ein unheimliches Gefühl:
Anderswo schreibt man Geschichte.
Träume von Reisen in den Orient
keimen auf, werden von Realitätsresiduen zerstampft
- doch was heißt heute schon „Realismus“?
Wo ich lebe, lebt nicht die Wirklichkeit
in den Oasen der Gleichgültigkeit.


Zur sachlichen Information noch der Verweis auf zwei Artikel auf Englisch, die soweit ich es beurteilen kann einen ganz guten Überblick über die Geschehnisse geben:

http://www.nouse.co.uk/2013/06/18/turkey-facing-violent-national-uprising/

http://www.workers.org/2013/06/15/eyewitness-reports-on-12-days-of-turkeys-rebellion/

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Thiel Schweiger <![CDATA[Neuer Blog über Kunst und Kultur]]> http://lavache.blogsport.de/2013/05/22/neuer-blog-ueber-kunst-und-kultur/ 2013-05-22T02:30:10Z 2013-05-22T02:30:10Z Besonders Kult-Uhr Webkritik Neben der Spur Kürzlich wurde ein neuer Kollektivblog über Kunst und Kultur releast. Er trägt den Titel „Café Noir“ und stellt eine Art Nachfolgeprojekt der Tagung „Kunst – Erkenntnis – Problem“ dar, thematisch geht es also darum, Kunst immer auch unter dem Hinblick auf ihre gesellschaftliche Verortung hin zu untersuchen. Schon jetzt sind mehr als zehn interessante Artikel online: Link

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Das_namenlose_Kollektiv <![CDATA[Solidarität für das IvI aus Dublin]]> http://lavache.blogsport.de/?p=276 2013-05-02T20:41:10Z 2013-05-02T20:41:10Z Besonders Theorie und Praxis Globales Denken Lyrik IvI

Nachdem dem IvI aus der ganzen Welt (u.a. Reutlingen und Ankara) Solidarität entgegengebracht wurde, fand heute Abend auch in Dublin eine spontane Solidaritätsdemo der dortigen Sektion des „Namenlosen Kollektivs“ statt.
Die Demo zog von der Tesco-Filiale im Phibsborough Shopping Centre zum „Irish Volunteer Monument“. Zusammenstöße mit der Polizei gab es nicht, allerdings hatte die Demonstration auch nur eine_n Teilnehmer_in.
Der_die Sprecher_in der irischen Sektion des „Namenlosen Kollektivs“ erklärte die geringe Breitenwirkung folgendermaßen: „Wie schon W.B. Yeats bereits 1913 feststellte: ‚Romantic Ireland’s dead and gone.‘ Von dem revolutionären Impuls, der noch die Helden von 1916 und später antrieb, ist heute in Irland nur noch wenig bis nichts zu spüren. Dabei war es ein durchaus romantischer Impuls: der Kampf für eine im Grunde genommen von vorneherein verlorene Sache. Das machte diese Bewegung sicher auch für Künstler wie Yeats so interessant. Ähnlich steht es heute wohl mit dem Kampf für das IvI und die Utopie im Allgemeinen. Es ist eher ein romantisches als ein rationales Unternehmen. Unsere Spontandemo folgte in der Tat einem sehr spontanem Impuls. Sie wurde weder angekündigt noch vorbereitet. Wir waren naiv, vielleicht: romantisch, genug anzunehmen, dass uns die Massen spontan folgen und es vielleicht revolutionäre Aufwallungen geben würde. Das Ziel der Demo war die Besetzung des Hauptgebäudes der irischen Post wie eben damals und dort die Proklamation einer gesamtirischen Räterepublik. Doch wir sind zufrieden damit, ein Zeichen gesetzt zu haben für die Utopie. Vielleicht mangelt es uns heute oft an jenem romantischen Impuls, der noch die Kämpfer von 1916 antrieb. Ohne Liebe gibt es keine Revolution – und erst recht nicht ohne romantische Liebe.“
Daran anschließend meinte er_sie, dass die von IvI-Aktivisten oft bemühte Gegenüberstellung von bedrohtem Romantik-Museum und IvI kurzsichtig sei: „Man sollte genau entgegengesetzt argumentieren: Wer die Romantik retten will, muss auch bereit sein, das IvI zu unterstützen. Als Ort der gelebten, nicht der musealen Romantik. Das wäre eine wirklich radikale Botschaft.“
Die Demonstration verlief ansonsten friedlich.

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Thiel Schweiger <![CDATA[Das IvI ist geräumt]]> http://lavache.blogsport.de/2013/04/22/das-ivi-ist-geraeumt/ 2013-04-22T17:41:55Z 2013-04-22T17:41:55Z Aus dem Maintal IvI Nun ist also das eingetreten, mit dem man schon seit über einem Jahr gerechnet hat … Es ist schon sehr eigenartig, wenn solche Dinge dann einmal wirklich passieren, es hat etwas furchtbar Unwirkliches. Ich zumindest hatte mit dem IvI ja schon längst innerlich abgeschlossen und habe mich eher gewundert, dass es sich noch so lange wacker hält. Andererseits bin ich jetzt doch ein wenig wütend, wie schnell und brutal es über die Bühne ging … zumal es bis zuletzt noch Hoffnungen gab, man könnte die Sache anders lösen und das IvI einfach nur umziehen.
Ob das Projekt jetzt noch eine Zukunft hat, weiß ich nicht. Es ist jedenfalls nicht ganz auszuschließen, deshalb will ich jetzt auch keinen „Nachruf“ oder so schreiben.
Das Wichtigste sagt ohnehin Hanning Voigts, der in den letzten 1 1/2 Jahren quasi der „IvI-Redakteur“ der FR war und durch seine regelmäßige und gründliche Berichterstattung sicher viel zum Durchhalten des Projekts beigetragen hat, in seinem extrem treffenden Kommentar, darum belasse ich es fürs erste dabei und drücke den Frankfurter Genoss_innen die Daumen!

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Thiel Schweiger <![CDATA[Räumung des IvI morgen (22.4.) früh befürchtet!]]> http://lavache.blogsport.de/2013/04/21/raeumung-des-ivi-morgen-22-4-frueh-befuerchtet/ 2013-04-21T21:13:41Z 2013-04-21T21:13:41Z Theorie und Praxis Aus dem Maintal Veranstaltungen IvI In IvI-Kreisen wird befürchtet, dass die Räumung morgen (22.4.) am frühen Morgen nun wirklich ansteht. Die Quellen sind einigermaßen glaubwürdig. Es wird dazu aufgerufen, heute Nacht im IvI zu übernachten oder morgen früh um 4 Uhr 30 vorbeizukommen.
Sollte die Räumung tatsächlich passieren, wird am Dienstag dann die ja schon angekündigte „Tag X+1″ Demo stattfinden (um 18 Uhr am „Kaisersack“/Hbf).
Weitere Infos auf der IvI-Website.

Edit: Es ist soweit – anscheinend wird das IvI gerade (22.4. gegen 6 Uhr) tatsächlich geräumt!!!

Edit 2: Das IvI ist nun geräumt. Pressemitteilung des IvI, Artikel des HR.

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